Das sind ja wirklich unglaubliche Geschichten, die Ihr hier berichtet!
Chapeau, Du hast mein Mitgefühl!
In dem Zusammenhang macht es mich wieder besonders sauer, dass unserer Tochter in der Probezeit (nach 4monatigem Praktikum und fast 3monatiger Ausbildung) gekündigt wurde.
Da wir sie als sehr motiviert, zufrieden und in keinster Weise überfordert erlebt hatten, waren wir (und sie erstmal!) völlig geschockt. Sie und wir hatten das Gefühl, sie ist da am richtigen Platz, es machte ihr Spaß, sie wurde gefordert, die Berufsschule machte ihr ebenfalls Freude, sie war gut.
Wir haben dann mit der Ausbildungsleiterin ein Gespräch geführt über die Gründe. Immerhin haben sie ihr am Montagmorgen um 9 Uhr gesagt, sie könne gehen und brauche nicht wiederzukommen. Da vermutet man doch mindestens, dass sie sich an der Kasse bedient hat oder sonstige schlimmen Dinger.
Was war? Sie wäre einmal beim Postgang langsam gewesen, sie hätte in einer Exel-Tabelle mit Internet-Links Fehler gemacht (hallo? Die war im ersten Lehrjahr! Bin selbst im Büro, und Internet-Links muß man lernen, das kann niemand von allein!). Manchmal wäre sie etwas verträumt (Leute, dann sagt ihr das und macht sie flott!). Außerdem, und das sei das Schlimmste, hätte sie einen TAg vor einem genehmigten Urlaub krank gefeiert. Andere kämen auch mit dem Kopf unterm Arm zur Arbeit.
Wir erklärten, dass sie Magen- und Darmgrippe hatte. Immerhin hat sie morgens angerufen, sich krank gemeldet und gefragt, ob sie zum Arzt müsse wg. krankschreiben (zur Erklärung: sie ist für diese Ausbildungsstelle 50 km weggezogen in eine kleine Wohnung, sie kannte dort noch keinen Arzt, hätte einen suchen müssen, ohne Auto und mit dem Bus.) Ihr wurde gesagt, für einen Tag bräuchten sie keinen gelben Schein, es wäre in Ordnung.
Nun, offenbar sah die Ausbildungsleiterin das aber anders. Sie erwarteten Höchstleistungen, auch von Azubis.
Auf unsere Nachfrage, warum dann 2 Wochen vorher der Abteilungsleiter unserer Tochter ihr gesagt hatte, sie könne sich freuen, sie hätte die Probezeit bestanden, er wüsste das; gab es keine Antwort bzw. doch: er hätte das nicht zu entscheiden.
Na jedenfalls, dieses Gespräch verlief für uns + unsere Tochter völlig unbefriedigend. Es gab einfach keinen wirklichen Grund! Nur Lappalien.
Na ja, bei der IHK wurde ihr geholfen, der Lehrlingsbetreuer besorgte ihr einen neue Ausbildungsstelle, an der sie jetzt sehr zufrieden ist. Er vermutete übrigens, dass bei der ersten Firma nicht alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, evtl. hätte da jemand noch fix eine Ausbildungsstelle für das Kind eines Bekannten gebraucht, und unsere Tochter wäre das Opfer.
Keine Ahnung, aber wenn ich sehe, was sich Deine Azubine alles leistet, Chapeau, und wenn ich sehe, was unserer Tochter passiert ist, dann finde ich das bitter.
Jetzt ist sie übrigens - nach einer Zeit voller Selbstzweifel und Angst - sehr glücklich mit ihrer neuen Stelle. Zwar nicht ihr Traumberuf, aber sie fühlt sich wohl, und sie sind mit ihr zufrieden und zeigen es ihr auch.
Also ein gutes Ende - und das wünsche ich Dir auch, Chapeau!
Tabea57
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Thema: Vollkommen unfähige Azubine
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20.01.2007, 16:28
AW: Vollkommen unfähige Azubine
Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
Aber macht!
ausgeborgt von Uli_F-2009
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20.01.2007, 18:28
AW: Vollkommen unfähige Azubine
Um noch einmal auf die Gebisse zurückzukommen.
Das ging nicht mehr so einfach mit der Anprobe.
Unter den Pflegebefürftigen gab es so manchen der nicht mehr sprechen konnte oder Alzheimer hatte im Endstadium.
Wir mußten den Zahntechniker kommen lassen.
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20.01.2007, 18:32
AW: Vollkommen unfähige Azubine
@ Tabea
ja solche Erfahrungen sind bitter.
Ich habe 3 erwachsene Kinder und könnte auch so einiges erzählen.
Mein ältester Sohn wollte vor Jahren Hotelassistent lernen.
Er bekam auch einen Ausbildungsplatz im besten Hotel der Stadt.
Er wurde derart ausgenützt mit seinen 16 Jahren, daß sich die Arbeiterkammer einmischen mußte.
Letztendlich ist er in seinem jetztigem Beruf glücklicher.
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21.01.2007, 00:03
AW: Vollkommen unfähige Azubine
Es hätte gereicht, wenn sie einfach die leeren Rückseiten der Briefe, die Trennstreifen und die Aktendeckel nicht mit kopiert hätte. Ich hielt das für selbstverständlich und hab es daher nicht extra erwähnt
Zitat von Daniela84
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22.01.2007, 03:24
AW: Vollkommen unfähige Azubine
Tabea57, da hat man Deiner Tochter übel mitgespielt. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben. Und manchmal ist das Leben auch so richtig unglaublich gerecht.
Ich könnte hier ne richtig gute Geschichte erzählen, aber lass es lieber, weil die Partei des Mobbers durch die Pointe identifizierbar ist, und das muss dann doch nicht sein.
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22.01.2007, 09:08
AW: Vollkommen unfähige Azubine
Quirin,
wir haben - nach Empfehlung des Lehrlingsberaters der Handwerkskammer - gegen den AG geklagt und so immerhin eine Abfindung erstritten. Damit hatten wir dann wenigsten die Unkosten raus: Schulbücher Berufsschule, Fahrtkosten, Wohnungsmiete für drei Monate (Tochter hatte nach dem Praktikum, weil ja alles prima aussah, eine Wohnung am Ausbildungsort gemietet, um nicht täglich 50 km pendeln zu müssen).
Das hat unserer Tochter außerdem gezeigt, dass es sich lohnt, sich zu wehren. Tat ihrem angeknacksten Selbswertgefühl gut!
Dir/Deinem Kind ist es wohl ähnlich ergangen. Alles Gute!
P.S.: Kannst Du nicht schlafen?Gestaltet doch euer Leben, hofft weniger, macht was ihr wollt.
Aber macht!
ausgeborgt von Uli_F-2009


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