Liebe Bri-com,
ich bin recht neu und zumeist stille Leserin. Ich habe gerade ein eigenes Problem und ich weiß gerade überhaupt nicht was ich entscheiden soll.
Ich glaube ich brauche vielleicht von außen ein paar Einschätzungen, Anregungen oder auch Tritte.
Im Kern geht es eigentlich um meine berufliche Situation. Wobei es eigentlich um mehr geht. Da es ja das gesamte Leben betrifft. Also fange ich mal an.
Ich bin derzeit arbeitslos. Ich habe vor ein paar Wochen selbst gekündigt. Nach beinahe 5 Jahren. Vor zwei Jahren ist mein Kind geboren und ich habe es gewagt 1 Jahr Elternzeit zu nehmen. Ich bin dann wieder Vollzeit (40 Stunden) zurückgekommen. Das ging von Anfang an irgendwie nicht gut. Ich habe mich relativ stark unter Druck gesetzt und entwickelte Schlafstörungen. Ich wollte schnell wieder gut sein. Ich musste gleich große Präsentationen halten. Durch die Schlafstörungen und zusätzlichen Schlafproblemen wegen Kleinkind bin ich tagsüber oft unkonzentriert gewesen. Ich hatte auch einen völlig neuen Chef nach der Elternzeit bekommen. Wir mussten uns erst aneinander gewöhnen. Wobei eine Grundsympathie vorhanden war. Der GS war eher das Problem. Er hat mich schon nach der 1. Präsentation stark kritisiert. Dadurch habe ich mich noch mehr unter Druck gesetzt und meine Schlafstörung ist immer schlimmer geworden. Vor Weihnachten war es so schlimm, dass ich die gesamte Woche nur ca. 4 Stunden effektiv nachts geschlafen habe. Gegen Ende der Woche war ich geistig und körperlich ein Wrack. Ich war auch ständig krank und erkältet wegen der Kita. Ab Januar habe ich auf 35 Stunden reduziert um ein wenig Luft zu bekommen. Danach hat der GS nicht mehr mit mir geredet und mich Dinge bezüglich meiner Projekte nicht mehr mit einbezogen sondern nur noch mit meinem Chef geredet. Mein Chef stand/steht selbst stark unter Beschuss. Ich habe gespürt, dass ich nicht mehr erwünscht war. Ich hatte so was ähnlich in meinem vorigen Job SCHON EINMAL erlebt. Damals, noch ohne Kind konnte ich einen fliegenden Wechsel schaffen. Aber es hatte mich viiiieeel Kraft gekostet. Diesmal dachte ich mir nur, raus und weg!!! Da verbringe ich die Zeit lieber mit meiner Tochter!! Es wird schon wieder einen Weg geben. Just in dem Moment, als ich die Entscheidung traf waren meine Schlafstörungen weg.
So, nun zu meinem derzeitigen Problem. Ich habe nach meinem Studium bisher zwei Jobs gehabt. Aus diesen Jobs wurde ich jeweils vom Chef unschön rausgemobbt. Einmal nach 6 Jahren und jetzt nach 4,5 Jahren. Ich frage mich, was das Problem sein kann. Bin ich schuld? Mir ist mein Beruf eigentlich recht wichtig. Wenn ich gewisse Unterstützung und Freiheiten habe bin ich hoch motiviert.
Ich habe eigentlich sowas von die Schnauze voll von diesen ganzen Chefgebaren und Machtkämpfen in Unternehmen. Ich werde kaum eine Teilzeitstelle finden. Zumindest nicht wenn ich in dem Bereich weiter arbeiten will. Eine Vollzeitstelle ist aber grenzwertig. Ich wohne auf dem Land und alle Wege in die Stadt bzw. zu den Orten in denen Firmen sind führen von mir aus über Nadelöhre und bedeuten mind. 45 Minuten /Strecke. Außerdem sind in meinem Beruf häufige Reisetätigkeiten an der Tagesordnung.
Ich spiele schon seit längerem mit dem Gedanken mich als Heilpraktikerin selbstständig zu machen. Ich interessiere mich schon lange/immer für Medizin und Heilkunde. Habe auch beruflich immer grob damit zu tun gehabt. Finanziell ist das auch kein Problem. Auch die erste Phase der Selbstständigkeit sollte finanziell kein Problem sein. Die Hoffnung ist halt, dass ich am Anfang noch mehr Zeit für meine Tochter haben kann und wenn sie älter wird, ich immer mehr Zeit und Energie in die Selbstständigkeit geben kann. Mein Mann würde mich auch in jeder Hinsicht unterstützen.
Wo liegen die Tücken bei so einer Selbstständigkeit?
Die Frage ist nur, ist das Flucht und Sackgasse oder eine echte Chance? Ich weiß, die Frage kann mir keiner wirklich beantworten. Aber vielleicht gibt es Erfahrungswerte und Anregungen.
Vielen Dank für eure ehrlich gemeinten Ratschläge!![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 45
-
07.04.2016, 11:20
berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
-
07.04.2016, 12:09Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Hallo 2believe,
zum Beruf des Heilpraktikers kann ich nichts sagen (auch wenn ich mir einen Heilpraktiker auf dem Land nicht gut vorstellen kann).
Was ich heraus lese: Auch und gerade als Selbständige wirst du lernen müssen, für dich und deine Bedürfnisse einzustehen. Als Angestellte hattest du das Recht auf deiner Seite, du hättest problemlos auch auf 30 oder 20 Stunden gehen können, zum Beispiel im Rahmen von Teilzeit in Elternzeit. Statt dessen hast du dich erst aufgerieben (und ich kann als berufstätige Mutter zweier schlecht schlafender Kleinkinder sehr gut nachvollziehen, wie sehr du dich aufgerieben hast
) und dann die Fahnen gestreckt. Vielleicht hattest du dich auch ein bisschen selbst überschätzt?
Der Druck wird als Selbständiger vermutlich nicht kleiner werden. Was sind deine Strategien, mit diesem Druck umzugehen?
-
07.04.2016, 12:50
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Hallo Cariad,
danke schon mal für deine Einschätzung. Mhm, ja die Gedanken habe ich mir auch schon gemacht, dass ich mich erst aufgerieben habe und dann aufgegeben
. Allerdings ist in dieser Firma Teilzeit nicht nur unerwünscht sondern es gibt auch keine Mutter die das zur Zeit dort macht. Das hat mich eben halt unter Druck gesetzt. Natürlich hätte ich das durchboxen können. Aber ich befürchte es wäre auch nicht gut ausgegangen. Ich kann es jetzt nicht rückgängig machen sondern nur draus lernen.
Ich weiß nicht was die Strategien sein könnten mit dem Druck umzugehen.
Ich habe eben auch Angst, dass ich im nächsten Job, in dem ja alles neu ist, ich mich gleich wieder unter Druck setze. Ich hatte kürzlich ein Bewerbungsgespräch. Ich konnte die Nacht davor wieder kaum schlafen, habe geschwitzt. Sowas ist mir früher nie passiert. Selbst vor schlimmen mündlichen Prüfungen konnte ich immer gut schlafen.
Was ist nur los?
Ich weiß, dass es auch keine guten Voraussetzungen sind sich selbstständig zu machen. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass ich Zeit habe mich in die Sache einzuarbeiten und Strategien zu entwickeln...
-
07.04.2016, 12:50
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Hallo Cariad,
danke schon mal für deine Einschätzung. Mhm, ja die Gedanken habe ich mir auch schon gemacht, dass ich mich erst aufgerieben habe und dann aufgegeben
. Allerdings ist in dieser Firma Teilzeit nicht nur unerwünscht sondern es gibt auch keine Mutter die das zur Zeit dort macht. Das hat mich eben halt unter Druck gesetzt. Natürlich hätte ich das durchboxen können. Aber ich befürchte es wäre auch nicht gut ausgegangen. Ich kann es jetzt nicht rückgängig machen sondern nur draus lernen.
Ich weiß nicht was die Strategien sein könnten mit dem Druck umzugehen.
Ich habe eben auch Angst, dass ich im nächsten Job, in dem ja alles neu ist, ich mich gleich wieder unter Druck setze. Ich hatte kürzlich ein Bewerbungsgespräch. Ich konnte die Nacht davor wieder kaum schlafen, habe geschwitzt. Sowas ist mir früher nie passiert. Selbst vor schlimmen mündlichen Prüfungen konnte ich immer gut schlafen.
Was ist nur los?
Ich weiß, dass es auch keine guten Voraussetzungen sind sich selbstständig zu machen. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass ich Zeit habe mich in die Sache einzuarbeiten und Strategien zu entwickeln...
-
07.04.2016, 13:04Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Ich denke, du solltest damit anfangen, dich selbst zu beobachten. Und vielleicht auch zu trennen: wieviel des Drucks resultiert woraus? Wieviel machst du dir selbst, wieviel entstand durch die besondere Situation mit Kleinkind, wieviel kam durch die Person des Chefs, wieviel durch die generelle Vereinbarkeit deines Berufs mit der Familie?
Dann wirst du wissen, inwiefern sich dieser Druck mit einer neuen, anderen Tätigkeit auflösen oder verstärken wird.
Gerade bei Selbständigkeit mit Kindern solltest du dir klar und ehrlich die Frage stellen, was du möchtest: eine "Karriere", also ein leidlich guter Verdienst, der ggf. auch dauerhaft taugt, dich und deine Familie zu versorgen? Oder lediglich einen Zuverdienst zum Familieneinkommen? Selbstverwirklichung? Oder, Hand aufs Herz, ein Alibi, um nebenher mit ganzem Herzen Mama sein zu können? Alles hat seine Berechtigung, aber du solltest wissen, wohin du wirklich willst.
-
07.04.2016, 13:11Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Natürlich sind Heilpraktikerinnen auch auf dem Land gefragt - die Frage ist nur, wie die Konkurrenzsituation jetzt schon aussieht. Man kann sich auch spezialisieren und damit den Einzugskreis erweitern.
Hast du denn Ausbildungsmöglichkeiten in der Nähe?
-
07.04.2016, 14:19
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
@Cariad,
du hast es gut auf den Punkt gebracht. Mir ist die Sache mit dem Druck eben erst klar geworden. Ich habe zur Zeit einfach das Problem, dass ich nicht mehr klar sehe.
Ich war früher mal sehr ehrgeizig und wollte "Karriere" machen. Geld war dabei nie so sehr im Vordergrund. Ich wollte viel mehr gestalten, realisieren... Wenn man dabei noch Geld verdient- um so besser. Aber in Firmen sieht die Realität oft so aus, dass man unsinnige Dinge verfolgen muss, dass man mit dem Chef nie ganz die Wahrheit sagen kann. Man muss vielmehr immer "begeistert" tun bei allen Projekten, sonst gilt man als "Bremser"... Mich nerven die Oberflächlichkeit. Kurzum "ich will diese Spiele nicht mehr mitspielen"!
Vor einem Jahr wollte ich aber noch. Ich habe mir tatsächlich viel Druck gemacht. Um ehrlich zu sein, wollte ich mir und allen zeigen wie toll ich alles unter einem Hut bringen kann.
Wie viel Druck durch die besondere Situation mit Kleinkind entstand kann ich gar nicht genau sagen. Eigentlich war alles toll geregelt. Das Kind gut in der Kita eingewöhnt, mein Mann und ich teilten alles gut auf mit dem Hinbringen und Abholen, wir engagierten eine Putzfrau. Das Kind schlief damals sogar relativ gut. Ich bin mir sicher mit einer 35 Stundenwoche hätten wir alles gut wuppen können, sowohl Job als auch Familie.
Aber der Chef meinte auch noch im Kündigungsgespräch, dass der Job in Teilzeit halt nicht funktioniert
Ich finde nicht, dass man sooo viel weniger in 35 Stunden wie in 40 Stunden hinbekommt. Das Problem ist, dass Kollegen z. T. halt mehr als 40 Stunden arbeiten und auch viel im Ausland unterwegs sind. Das kann und will ich halt nicht mehr in diesem Maße.
Ich bin halt wirklich gerade etwas ratlos, weil ich das mit dem rausmobben schon einmal erlebt hatte. Irgendwie fällt es mir gerade schwer mich mit Begeisterung in den nächsten Job zu stürzen.
Die Frage, was will ich eigentlich, stelle ich mir ständig. Beruf war immer ein großes Thema bei mir. Ich bin unheimlich gerne Mutter. Aber eine gute Mischung wäre mir eigentlich am liebsten. Ich würde auch gerne das berufliche in dem Maße hochschrauben, wie mein Kind mich weniger braucht. Also jetzt etwas weniger arbeiten und in ein paar Jahren mehr und in 10 Jahren noch mehr...
Ich weiß, man muss auch an die Rente denken und daran, dass man auch ohne Partner über die runden kommen muss. Warum ist das alles nur so kompliziert?
@Mangostane
es gibt in meiner Kleinstadt nur 3 Heilpraktiker. In der nächst größeren Stadt sind zwei Heilpraktikerschulen. Die Stadt ist ganz gut zu erreichen, wäre also kein Problem. Hast du Erfahrungen in dem Bereich?
-
07.04.2016, 15:29Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Wenn ich das richtig verstehe, hast du noch überhaupt keine Ausbildung in diesem Bereich? Das heisst, du müsstest dir diese Kenntnisse zuerst einmal aneignen. Und was ich gehört habe, sind die Lehrgänge dazu plus die Prüfungen nicht was, was man so nebenbei noch macht, sondern ein knallhartes Vollzeitpensum. Was ich richtig finde. Denn Heilpraktiker werden ja anschliessend auf die Gesundheit anderer Menschen "losgelassen".
Natürlich gibt es selbstgestrickte Heilpraktiker, die sich so nennen, ohne sehr fundierte Ausbildung. Aber so zu praktizieren, ist in meinen Augen grenzwertig. (höflich ausgedrückt)
Sprich: zuerst Ausbildung. Dann Prüfungen. Dann Geschäftsbau (inklusive dem ganzen administrativen, finanzplanerischen und steuerlichen Krimskrams, der mit Geschäftsführung etc zusammenhängt), Kundengewinnen, Werbung etc. etc.
Bist du sicher, dass dies weniger stressig ist als ein Angestelltenverhältnis?
-
07.04.2016, 15:38Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Hallo 2believe,
hab gerade wenig Zeit, aber bei deinen Erfahrungen in der letzten Firma musste ich an diesen Artikel denken.
Könnte das auf deine Firma zutreffen? Nur, damit du nicht unbedingt nur dich selbst als "Versagerin" verantwortlich machst...
Ich lebe auf dem Land, und es gibt hier massenhaft Heilpraktiker(innen), die aber keinesfalls davon leben könnten. Nur sehr wenige HP sind hier finanziell autonom, sie führen aber eine richtige Praxis und arbeiten dementsprechend über die übliche Vollzeit hinaus.
-
07.04.2016, 15:49Inaktiver User
AW: berufliche Neuorientierung- Flucht oder Chance?
Nee, ich habe nur Erfahrungen als Selbständige (allerdings mit eigener Firma, die zu dem Zeitpunkt, als ich das 1. Kind bekam, schon ein Selbstläufer war, daher nutzt dir das nichts) und bei Heilpraktikern nur als Patientin.
Eine gute Bekannte von mir kann z. B. sehr gut davon leben, aber die hat sich eben auch spezialisiert und überregional einen sehr guten Ruf. Und sie arbeitet - wie hier schon geschrieben wurde - insgesamt mehr, als man das bei einem normalen Vollzeitjob tun würde. Aber das ist bei Selbständigen ja normal.


Zitieren

