Hallo!
Ich bin neu hier und würde gern Eure Ideen zu meinem Problem hören, das mich seit vielen Jahren psychisch fertigmacht.
Ich habe vor etwa 20 Jahren Abi gemacht. Eigentlich wollte ich Sprachen studieren oder/und Sport. Aber so richtig massives Selbstbewußtsein hatte ich dahingehend nicht. Denn meine Eltern sahen in diesen Ideen kein Berufsbild. Als ich dann nichts anderes "vernünftiges"anbrachte, saß ich plötzlich im Tests zur Beamteneinstellung, den ich mit Punkten im obersten Bereich schaffte ("Dann hast du schon mal was und kannst ja immer noch gucken. Wird dir schon doch gefallen") Meine Eltern waren so überzeugt und ich so unselbständig und doof, dass ich dann beim Staat angefangen habe. Das Studium war ok, auch wenn ich es immer schon nicht als mein Metier erkannte. Auch das Examen war dann sehr gut, ich würde übernommen, und seitdem bin ich in diesem Job in der Verwaltung. Der (inzwischen Teilzeit-) Verdienst ist gut, ich bin Beamtin auf Lebenszeit, Ich kann meine Teilzeit legen, wie ich will. Vermutlich beneiden mich viele darum. Aber: Ich hasse es! Jeden Tag mehr. Seit 15 Jahren. Die dauernden Gesetze, das Aktenwühlen, die völlige Abwesenheit von Leistungsanreizen, der tägliche Konflikt mit den Bürgern, dieses andauernde Kleinkarierte,...
Ich hatte immer wieder die Idee, auszusteigen, aber immer kamen Sachen dazwischen, als ich noch jung war: Eine Teilzeit wegen Mitbetreuung meiner Oma, dann die Teilzeit wegen der Kinder, die zeitweilige Arbeitslosigkeit meines Mannes. Als Beamter geht das total leicht und flexibel. Da hatte ich Angst vor dem Absprung.
Und jetzt bin ich Anfang 40, mit Mann, drei Kindern, Hausabzahlung. Wenn ich gehen würde, dann wäre ein Großteil meiner Altersversorgung futsch. Den Dienst quittieren ohne Sprungbrett wäre für die Familie jetzt nicht finanzierbar und für mich später ein Fiasko. Und ich hab ja nichts gelernt, was man "draußen" brauchen kann. Außer Buchhaltung. Und das ist es auch, was mir halt gar nicht liegt.
Ich weiß, man kann sagen "Warste eben dumm damals ". Das weiß ich. Und meinen Eltern geb ich keine Schuld. Ich war nicht deutlich genug, sie hätten eine Idee, und ich hab aus Bequemlichkeit ja und Amen gesagt. Schuld bin nur ich.
Aber ich habe inzwischen Magenprobleme und Angstzustände, wenn ich an den jeweils nächsten Arbeitstag denke. Sogar am Wochenende. Auch mein Hausarzt schiebt meine dauernden Infekte, Mandelentzündungen und Magensachen inzwischen auf meinen Job.
Hat von Euch jemand so eine Situation schon erlebt? Wie seid Ihr da zurecht gekommen?
Oder muss man als Beamter einfach ein Lm.. Gefühl entwickeln und es als Schicksal bis 67 ansehen?
Ich verzweifle immer mehr daran, dass ich da nicht mehr rauskomme.
Danke fürs Zuhören.
Euer
Nudelsueppchen
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 144
Thema: Im falschen Job gefangen
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21.12.2015, 19:52
Im falschen Job gefangen
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21.12.2015, 19:56Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
oh, das ist hart!

und: es gibt immer einen Weg aus der Situation....
klar kommst Du da raus....
immer mit der Ruhe eins nach dem anderen....
eine Auszeit nehmen- schon mal daran gedacht?
medizinische Reha?? Zeit zum Nachdenken, mit Fachleuten reden...
Bitte nicht verzweifeln, sondern klaren Kopf behaltern, erst mal im brainstorming a l l e s , was Dir dazu einfällt notieren bis zum Jahreswechsel.....ohne Bewertung und Urteil.....nur die Gedanken notieren.....
Buchtipp: von Reinhard Sprenger, Die Entscheidung liegt bei Dir
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21.12.2015, 20:04
AW: Im falschen Job gefangen
Hi Monika,
Danke für deine nette Antwort! Echt lieb von dir.
Auszeit hatte ich schon - seit es das Eltergeld gibt mit beiden Kindern jeweils ein Jahr.
Das war toll! Damals kam auch schon der Gedanke auf, dass ich mit Kindern total gut kann (wird mir auch immer wieder bestätigt ). Und dass ich vielleicht in diesem Bereich gut aufgehoben wäre.
Wenn ich da nicht mehr zurückgemußt hätte, wäre ich glücklich gewesen.
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21.12.2015, 20:06Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
naja, aber DIE Auszeit jetzt hätte eine andere Qualität und einen anderen Schwerpunkt:
nämlich den der neuen Sinn-/Berufsfindung oder zumindest Veränderung/Verbesserung im weitesten Sinne....
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21.12.2015, 20:12Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
Hast du denn eine Vorstellung davon, wo du besser aufgehoben wärst? Was würdest du machen, wenn du zum 1. Januar in den Traumjob deiner Wahl wechseln könntest?
Weg von reicht nicht, es wäre besser, du würdest eine Hin-zu-Perspektive entwickeln. Dann kannst du überlegen, in welchen Schritten du da tatsächlich hinkommst und zu welchem Preis.
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21.12.2015, 20:13Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
Könntest Du denn sowas nicht unterrichten, was Du gelernt hast? Es gibt doch Verwaltungsschulen?
Klein anfangen und dort anbieten, Unterricht zu übernehmen? Ein bekannter Beamter macht das ab und zu . Und es macht ihm Spass. Und du hättest eventuell einen Fuß in der Tür?
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21.12.2015, 20:38Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
Vorneweg eines: ich kann verstehen, dass es dich krank macht, im "falschen" Job zu arbeiten.
Aber vielleicht hilft es dir, einmal die Perspentive ein bisschen zu verändern. Ich stell hier mal ein paar Zitate von dir rein:
Du hast ein gutes Examen gemacht. Die Zeugnisse legst du ja auch bei einer neuen Bewerbung vor und kannst damit Eindruck machen.
Du arbeitest Teilzeit, bist dabei auch noch flexibel und verdienst dabei gut und du bist derzeit als Beamtin auf Lebenszeit unkündbar. Das ist doch schon mal eine gewisse Sicherheit. Sprich: Du hast Zeit und MIttel, um dich in Ruhe umzuschauen, eine Weiterbildung zu machen, ein Fernstudium in Angriff zu nehmen usw. - und dir kann erst mal nichts passieren.
Du bist - vermutlich - um die 40, also keineswegs zu alt für einen Neuanfang.
Dass deine Altersversorgung futsch sein soll, wenn du gehst, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Um die Pension zu verlieren, braucht es schon gewichtige Gründe. Mein Kenntnisstand ist, dass dann, wenn du gehst, die erworbenen Ansprüche bleiben. Korrigier mich bitte, wenn das nicht so ist.
Warum schaust du dich nicht um, was dir gefallen würde - so, wie es andere hier auch schon geraten haben? Und warum suchst du nicht das Gespräch mit deinen Vorgesetzen? Sah ihnen, dass dich deine derzeitige Tätigkeit nicht ausfüllt und du gerne noch mal was Neues probieren würdest. Es gibt in Verwaltungen viele Möglichkeiten, aufzusteigen.
Und dann gehst du die Veränderung in aller Ruhe an. Wie alt sind deine Kinder? Mit zunehmendem Alter wirst du auch mehr Freiräume haben, die du z.B. für ein Fernstudium nutzen kannst.
Ein paar Beispiele aus meinem Bekanntenkreis:
Eine Frau hat Sozialpädagogik studiert und war im Jugendamt beschäftigt. Ohne großen Spaß. Nebenberuflich hat sie sich dann zum MSM (Master of Social Management) weitergebildet und leitet jetzt eine Abteilung, hat Führungsverantwortung und muss sich mit dem Kleinkram nicht mehr beschäftigen.
Ein guter Freund ist Verwaltungsfachwirt. Er war leidenschaftlicher Sportler bis zu einem Unfall. ABer der Sport hat ihn nicht losgelassen - heute ist er Geschäftsführer eines großen Sportvereins und verdient besser als zu Beamtenzeiten.
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21.12.2015, 21:01Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
Was sich mir aus dem Post nicht erschließt: hättest du denn überhaupt die Möglichkeit, mehr Stunden zu arbeiten? Von null auf hundert als Quereinsteigerin eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft zu bekommen, die auch nur ansatzweise an das Gehalt herankommt, das du jetzt verdienst, halte ich ehrlich gesagt für utopisch.
Wenn du aber grundsätzlich auch "mehr" arbeiten könntest, sehe ich erst mal zwei Möglichkeiten: 1) Nebenberufliche Fortbildung (z. B. Fernstudium) oder 2) eine Nebentätigkeit, die dir Spaß macht, damit du mal aus dem Bore Out rauskommst. Wobei sich 1) und 2) auch nicht gegenseitig ausschließen.
Was ich auf keinen Fall machen würde: ohne Plan B kündigen. Und Plan B braucht am besten auch noch einen doppelten Boden, wenn du keine Erfahrung außerhalb der Behörde hast.
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21.12.2015, 21:03Inaktiver User
AW: Im falschen Job gefangen
PS: Wie sieht es denn aus mit Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb der Behörde? Manchmal sieht man ja das Naheliegende nicht....
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21.12.2015, 21:18
AW: Im falschen Job gefangen
Hallo Alle!
Danke für die vielen Antworten schon mal.
Da ich un der App auf meinem kleinen Telefon nur eingeschränkt zitieren kann und so, melde ich mich morgen, wenn ich wieder am PC bin.
Es sind einige sehr gute Anregungen und Gedanken dabei, die mich heute noch beschäftigen werden.
Euer
Nudelsueppchen


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