Bei meiner neuen Arbeitsstelle, die ich seit Oktober habe, bin ich in einer für mich sehr peinlichen Situation.
Ich habe früher einmal eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, die ich aber ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung abgebrochen habe. Im nachhinein war das eine Riesendummheit, aber ich habe damals gedacht, ich brauch keine Ausbildung. Mit 19 Jahren war ich eben in dieser Hinsicht noch unreif.
Ich habe dann in einer Fabrik als Produktionshelferin gearbeitet. Die Produktion wurde an unserem Standort dann gut ein Jahr später eingestellt und ich habe dann vieles gemacht. Aber eben nur immer als Hilfsarbeiterin, mal in einem Lager, als Küchenhilfe usw. Aber ich hab nie was festes bekommen. Dann wurde mir vom Amt ein Job als Putzfrau vermittelt. Seit über sechs Jahren arbeite ich jetzt als Putzfrau. Aber auch als Putzfrau ist es nicht so einfach einen Vollzeitjob zu bekommen, bei dem man nicht früh wenn alle noch schlafen oder erst am Nachmittag mit der Arbeit beginnen muss.
Im August dieses Jahres wurde ich arbeitslos und habe ab Oktober eine neue Stelle vermittelt bekommen. Ich kann dort von Montags bis Samstags 48 Wochenstunden arbeiten, was für mich wichtig ist, da ich das Geld dringend brauche. Bei 8.50 Euro Stundenlohn brauche ich eine 48 Stundenwoche damit das Geld reicht. Ich arbeite auch zu normalen Zeiten von 8 Uhr bis 17 Uhr.
Aber jetzt kommt der Haken. Das Krankenhaus in dem ich früher einmal gelernt habe, hat den Reinigungsdienst fremdvergeben. Und zwar an meine neuen Arbeitgeber. Das heißt, dass ich in dem Krankenhaus, in dem ich früher meine Ausbildung abgebrochen habe, putzen muss.
Ich bin jetzt 29 und natürlich kenne mich meine ehemaligen Ausbildungskolleginnen und ein Großteil des Pflegepersonals noch. Ich war damals auch eine eher auffällige Krankenpflegeschülerin. Knallig gefärbte Haare und Piercings. So jemand bleibt den meisten im Gedächtnis.
Wenn ich jetzt mit meinem Putzwagen durch die Stationen schiebe und Gänge, Zimmer und Klos putzen muss, ist das für mich eine absolut peinliche Situation.
Erst sagten viele: Vivien, bist du das? Du bist jetzt Putzfrau?
Und ich sehe auch von vielen eine höhnische Grinsen wenn sie mich beim Putzen sehen. Und natürlich kam auch schon öfters der schlaue Spruch: Hättest du mal deine Ausbildung fertiggemacht.
Wie gesagt, es ich für mich jeden Tag aufs neue peinlich. Und ich hab mir schon oft gesagt, das ich da drüber stehen muss. Aber leichter gesagt als getan....
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Ergebnis 1 bis 10 von 206
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05.11.2015, 16:53
Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
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05.11.2015, 16:57Inaktiver User
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
Das versteh ich, dass dir das unangenehm ist.
Aber wieso nimmst du das nicht zum Ansporn die Ausbildung nachzuholen und abzuschließen? Du bist so jung, willst du noch fast 40 Jahre als Putzfrau arbeiten, zum Mindestlohn? Offenbar hast du ja das Potential für mehr.
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05.11.2015, 16:58
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
Kannst du denn keine Ausbildung machen? Also nochmal damit beginnen oder besser gesagt, einen anderen Beruf erlernen? Du bist doch noch jung genug.
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05.11.2015, 17:01
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
Wieso ist das denn peinlich? Bewertest Du eine Putztätigkeit selbst so schlecht?
Gibt es wirklich das hämische Grinsen oder denkst Du nur, dass das so sein müsste? Wer brachte diesen Spruch und wieviele bringen diese Sprüche?
Und warum entgegnest Du nicht: "Tja, wenn ihr aber auch immer alles dreckig macht..."
Habt ihr denn da gemeinsame Pausenzeiten oder kannst Du zwischendurch dort einen Kaffee mit denen trinken? Kommt man dann so nicht viel besser und schneller in Kontakt, wenn man die Personen schon kennt?
Ich überlege gerade, wie das bei uns ist. Ich arbeite in einem Laboratorium, in dem auch täglich eine Reinigungsfirma alle Räumlichkeiten putzt. Wir hatten bei uns noch nie das Thema darüber, ob ein Beruf jetzt besser sei als der andere. Unsere Reinigungsfrau macht ihre Pause bei und mit uns gemeinsam, wir sehen uns als Kollegen.
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05.11.2015, 17:01
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05.11.2015, 17:05Inaktiver User
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
Ja, sicher sehr unangenehm. Aber vielleicht ein Anstoß für dich, die Schule fertig zu machen

Sonst, Kopf hoch und durch, wenn du ehemaliege Kolleginnen triffst. Du arbeitest 48 Stunden die Woche, in einem sicher nicht immer leichten Beruf. Darauf kannst du stolz sein.
Es ist der Weg, für den du dich entschieden hast. Welchen Weg du weiter gehen möchtest, kannst du noch immer entscheiden
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05.11.2015, 17:05Inaktiver User
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05.11.2015, 17:06Inaktiver User
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
... ach ja, und die Kolleginnen vom Reinigungsdienst habe ich noch nie als "minderwertig" gesehen.
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05.11.2015, 17:10
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle
Eine Ausbildung machen ist für mich nicht so einfach oder besser gesagt nicht möglich.
Ich bin seit zwei Jahren verheiratet und mein Mann hat drei Kinder mit in die Ehe gebracht. Da mein Mann auch nicht viel verdient reicht sein Geld gerade so für unseren 5 Personenhaushalt. Mein Gehalt brachen für für die Miete und die Nebenkosten. Bei uns zählt jeder Euro. Und ich hätte mit drei Kindern auch nicht die Zeit zu lernen.
Und ich habe auch einige Tattoos, die man nicht verstecken kann. Da wären die Ausbildungsstellen ohnehin dünn gesät. Auch mein Lebenslauf, mein Alter und meine familiäre Situation würden die Chefs abschrecken. Wer stellt schon einen Azubi ein, der zu Hause drei Kinder hat. Die Kinder leben fest bei uns, haben keinen Kontakt zur Mutter. Die lebt im Ausland.
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05.11.2015, 17:12Inaktiver User
AW: Peinliche Situation bei neuer Arbeitsstelle


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