Wie geht man bloß damit um, wenn aus Kollegen Freunde wurden, was sehr einfach und schön war, aber dann aus Freunden wieder Kollegen, was sich schwieriger gestaltet als es klingt?
Vor 9 Jahren zog ich mit meinem Mann in eine weiter entfernte Stadt, weil er ein fantastisches Jobangebot hatte und ich mich deshalb ein eine andere Schule versetzen ließ. Die ersten Jahre war das ein echter Glücksgriff, tolle Schule, viele tolle Kollegen und obwohl ich hier vor Ort keinen kannte, fühlte ich mich nie allein. Wir planten Projekte, trafen uns auch privat, mit einigen waren wir sogar im Urlaub. Ich fühlte mich wie im Paradies, so hatte ich mir den Arbeitsplatz immer gewünscht.
Dann fing es an zu bröckeln, einige Frauen z.B. bekamen Kinder, arbeiteten nur noch Teilzeit und zogen sich aus dem Kollegenkreis wieder zurück, Männer wurden Väter und reißen auch nur noch ihre Stunden ab, eine Kollegin interessiert sich nur noch für ihre Yoga-Ausbildung und weigert sich mittlerweile auch nur mit fleischessenden Menschen an einem Tisch zu sitzen, zwei Leute verkrachten sich usw.. Irgendwie schaue ich seit geraumer Zeit nur noch fassungslos zu, wie alles den Bach runtergeht. Für Projekte interessiert sich keiner mehr, von privaten Treffen ganz zu schweigen. Heute eröffnete mir mein Lieblingskollege, er habe ein spannendes Angebot aus der Wirtschaft erhalten und werde in absehbarer Zeit die Schule verlassen. Als ich nach Hause kam, heulte ich erst einmal.
Es fällt mir sehr schwer, meinen Arbeitsplatz einfach nur noch als Arbeitsplatz wahrzunehmen und mich ständig intrinsisch motivieren zu müssen. Nach wie vor bin ich gern Lehrerin, aber mir fehlt einfach der Austausch mit den anderen und die netten Gespräche von früher. Mittlerweile spiele ich auch mit dem Gedanken, mich erneut versetzen zu lassen, aber da ich gleich zwei Mangelfächer unterrichte, werde ich die nächsten Jahre keine Freigabe erhalten, ich werde mich vorerst also arrangieren müssen.
Hat hier jemand schon einmal Ähnliches erlebt und könnte mir Tipps geben?
Antworten
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26.06.2015, 23:07Inaktiver User
Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
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26.06.2015, 23:36
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Du klingst traurig und das tut mir leid für Dich.
Aber ich finde es auch sehr ungewöhnlich, was Du da erlebt hast. Ich denke, es ist selten, dass so viele Kollgen gleichzeitig zu Freunden werden, mit denen man sogar in den Urlaub fährt.
Ich selber trenne das an sich ganz gerne, ich halte es irgendwie für "gesünder", weil sonst auch die Arbeit zu weit ins Privatleben reichen kann.
Vielleicht kannst Du Dir außerhalb des Kollegenkreises einen Freundeskreis aufbauen?Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-69)
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27.06.2015, 00:20Inaktiver User
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Ja, ich bin traurig, rebellin, und nochmals ja, die Situation an meiner Schule war schon besonders. Im Nachhinein entpuppt sich der Glücksgriff mit den netten Kollegen am Anfang, speziell für mich als neu Zugezogene, als doppelt misslich, denn ich habe mich zu wenig um andere Kontakte gekümmert und fühle mich jetzt auch an der Schule nicht mehr wohl. Mittlerweile gibt es andere Menschen in meinem Leben, aber das hilft mir an meinem Arbeitsplatz nicht.
Dieser extreme Wechsel von freundschaftlich und motiviert zu oberflächlich und desinteressiert fällt mir unglaublich schwer, weil gleich beide Ebenen betroffen sind, die private und die berufliche.
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27.06.2015, 07:39Inaktiver User
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Liebe Mariac,
ja- es ist wirklich schade, wie sich das alles entwickelt hat.
Sind es möglicherweise alles auch jüngere Kollegen, die nun im Laufe ihres Lebens ihren Lebensweg erst finden müssen und daher nun auch auseinander driften? Klingt ja danach, wenn aus Menschen Eltern werden
Zum einen gehst Du nun durch die harte Schule, dass es keine Garantie gibt und man Reisende nicht aufhalten kann. Auch, dass Du offensichtlich diese Kontakte höher gewertschätzt hast als die anderen....?
Das ist ein Prozess, der weh tut und den Dir niemand abnehmen kann.
Keiner von denen macht das, um Dich zu verletzen......dafür sind alle viel zu sehr mit sich beschäftigt.
Aber Du bist es auch, denn so wie wir Bedürfnisse haben und diese leben wollen- so wollen es die anderen auch und tun es.
Dich in dieses System einfinden ist eine Sache, die tun musst und wirst
- die andere ist.......hole doch die Dir wichtigsten Menschen einmal an einen gemeinsamen Tisch.
Und dann- spreche doch einmal aus, wie es Dir geht und wie schade Du das alles findest!
Den anderen fällt es möglicherweise gar nicht so auf und werden möglicherweise doch bei dem einen oder anderen mit ein wenig Rücksicht und Blick auf Dich wertschätzender mit Dir umgehen. Eventuell sehen sie sogar manches ähnlich und sind froh, wenn jemand das einmal anspricht??
ich glaube auch, dass Du mit den Umständen wirklich ein großes Geschenk hattest und das leider kaum als solches wahr genommen, weil es halt einfach so war!
Umso mehr wirst Du in Zukunft Kontakte und Nähe schätzen.......denn es ist nunmal nicht selbstverständlich.
alles Gute für Dich
kenzia
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27.06.2015, 08:22Inaktiver User
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Es ist wohl oft so, dass gerade das Kinderkriegen die Freundschaften verändert.
Wenn ich mich erinnere, so hatte ich auch einen tollen Kollegenkreis - aus dem sich richtige Freundschaften gebildet hatten mit vielen Ausflügen, Besuchen, Kurzurlauben und natürlich vielen Treffen und Feiern.
Dann kamen die Kinder. Ich war eine der ersten, die Kinder bekam - und natürlich veränderte sich da alles, u.a. auch das Verhältnis zu den Kollegen. Kurz darauf bekam ich das 2. Kind und fing dann in der Firma auch nicht mehr an zu arbeiten. Anderen ging es genauso. Die Verbindung blieb zwar - wir feierten noch Geburtstage usw. miteinander - aber es war nicht mehr dasselbe.
Mir fiel das nicht so auf - weil ich ja mein neues Leben mit Kindern usw. hatte, zudem kamen neue Freundschaften dazu, gerade auf dieser Kinder-Ebene.
Es wird also im Grunde so ähnlich gewesen sein wie bei euch - nur war ich auf der "anderen Seite".
Vielleicht ist das ein normaler Lauf?
Traurig ist es allemal, gerade wenn vorher alles so schön war! Aber alles verändert sich halt irgendwie ...
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27.06.2015, 09:33
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Nichts bleibt wie es ist und alles verändert sich.Das ist eigentlich gut so weil es einen dazu "zwingt" flexibel zu sein. Vll. kannst du es mal von der Seite und positiv sehen !?
Ich selber halte die verschiedenen Lebensbereiche strikt getrennt,dann passiert einem so etwas nicht. Ich würde z. b. niemals Geburtstag mit Familie UND Freunden gemeinsam feiern. Oder Privates mit Arbeitskollegen teilen,schon gar nicht mit Kollegen in Urlaub fahren.
Hobbies teile ich wiederum mit ganz anderen Menschen.
Ich würde dir in Zukunft DAS raten.
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27.06.2015, 12:40
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Ich kenne den Alltag eines Lehrers nicht so genau, aber verbringst Du denn nicht die meiste Zeit des Tages in den Klassen mit Unterrichten bzw. in der übrigen Arbeitszeit mit Korrigieren von Arbeiten und unterrichtsvorbereitenden Dingen?
Ich dachte immer, die Lehrer sehen sich mal kurz in den Pausen, können sich vielleicht auch dann mal hinsichtlich besonders schwieriger Schüler etc. austauschen, aber haben gar nicht so viel Zeit miteinander.
Liege ich da falsch?
Ja, dadurch bricht Dir quasi alles weg. Das ist etwas, was man auch immer mal (insbesondere von Männern) hört, die sich komplett der Karriere widmen und dann natürlich (neben einem 16-Stunden-Tag) neben der Familie keinen Freundeskreis haben, außer ihren Kollegen. Ist ja auch zeitlich dann nicht anders machbar. Fällt manchen dann erst bei harten Einschnitten wie Scheidung, Kündigung etc. auf ...
Ich will Dir damit sagen, dass es gut ist, dass es Dir JETZT so deutlich wird. Es zeigt Dir, dass es gut wäre, seine sozialen Kontakte zu streuen.
Vielleicht wirst Du auch feststellen, dass sich auch Deine Prioritäten verschieben können, z.B. wenn Du selbst Kinder bekommst o.ä.Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-69)
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05.07.2015, 11:10
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Hallo Rebellin,
ich habe nie Freundschaft im Job gesucht. Manchmal ergab sich das einfach, weil es wirklich passte. Und diese Freundschaften gibt es zum größten Teil noch heute, und begannen erst nach Ende des Arbeitsverhältnisses sich zu entwickeln. (Sehr wenige!) Grundsätzlich nehme ich niemals freiwillig an gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit Kollegen teil. Ich empfinde das eher als ein Ausspionieren des Privatlebens insbesondere durch Vorgesetzte. Wer dem gesellschaftlichen Bild äußerlich entspricht, der hat an solchen gemeinsamen Aktivitäten oft angeblich große Freude, weil aus meiner Sicht im Leben solcher Kollegen selten was Neues, Spannendes noch passiert. Mit fällt auch auf, dass diese Mitarbeiter außerhalb der Dienststelle niemanden kennen, außer eben ihre angeblich so glückliche Familie, in der man vielleicht noch wenig miteinander redet. Das ist meine Beobachtung über viele Jahre. Ich habe dazu nichts beizutragen und es interessiert mich einfach kaum, wie die Kinder der Kollegen heißen und wo sie demnächst hinreisen etc.. Ich lebe alternativ, denke recht Links und mache einfach mein Ding. Soziale Sicherheit ist mir allerdings wichtig, deshalb habe ich wahrscheinlich einen Spießerjob angenommen. Ich wünsche keine Umerziehung durch Arbeitgeber und stehe nicht auf das übliche Spießerdasein im Allgemeinen mit dem einem gestattet wird, Karriere zu machen und sich zu Tode zu arbeiten. Ich lebe nur einmal, und das möchte ich auch genießen dürfen. Es gibt Kollegen, die nehmen mir das richtig übel, dass ich kein Interesse an ihrem persönlichen Leben zeige, sprich Fragen dazu habe; mich nicht zu meiner Scheidung und Kinderlosigkeit erkläre. Ich möchte niemanden kränken, deshalb äußere ich mich grundsätzlich nicht zu irgendwas privatem im Job.
Ich bin im wesentlichen ein Introtyp, und oft bestätigen sich meine Wahrnehmungen über Menschen, wenn ich sie dann doch besser kennenlernte und etwas näher in mein Leben lasse. Ich bin in der Regel auch die Person, die nach und nach den Kontakt löst. Auch das macht mich nicht gerade sympathisch. Fakt ist, dass mir das ziemlich egal ist. Ich fühle mich oft schnell genervt von Menschen, die viel und laut reden und wenig dabei zu sagen haben. Ich reise gern alleine oder mit einer weiteren Person. Trotz geringer Fremdsprachenkenntnisse setze ich mich manchmal sehr spontan in ein Flugzeug und lass mich überraschen, was am anderen Ende der Welt mit mir passiert. Ich habe da ein absolutes Gottvertrauen. All das möchte ich nicht teilen, weil das so intensives Innenleben ist, was viele Menschen gar nicht haben und schon gar nicht verstehen können. Ich schreibe das für mich mit!
Am besten komme ich mit extremen Extrotypen (Männer) klar. Sie kennen oberflächlich Tausende Leute, sind sehr beliebt, aber auch solche Leute brauchen ihre Ruhe und ehrliche Gespräche, wie ich auch ganz selten mal eine Party aufsuche und dann wirklich aus mir herausgehe. Wir ergänzen uns super und finden uns schnell an jedem Ort der Welt. Ich tue das dann, weil ich dazu gerade große Lust habe, und nicht weil jemand das von mir jetzt erwartet.
Ich habe viele Möglichkeiten in Kontakt zu gehen. Es mangelt mir nicht an Bekanntschaft, die auch Freunde werden könnten. Ich möchte nicht, dass ständig mein Telefon klingelt, und ich mich verpflichtet fühlen muss, irgendwo hinzugehen, wo ich gar nicht sein möchte. Meine mir emotional am bedeutensten Freundschaften habe ich in der frühen Kindheit und Jugend geschlossen. Zu ihnen bin ich am ehrlichsten, denn ich weiß, da darf ich auf 100 Prozent Vertrauen zählen, ich darf ich sein, da zählt nicht, was einer alles geworden ist oder eben auch nicht. Ich habe keine Geschwister in dem Sinne erlebt, darum haben diese Freunde einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Kollegen haben da keine Chance, denn wir sind nun einmal auch Konkurrenten, wenn es einmal hart auf hart kommt. Und ich möchte dann nicht die Verliererin sein, deshalb trenne ich Privat und Dienst möglichst.
Die Arbeitsstelle muss für mich keine Wohlfühloase sein, sie muss produktiv sein, mich geistig herausfordern, dann vergeht die Zeit sehr schnell, und es ist dann auch egal, ob man die Leute gut oder schlecht findet, mit denen man umgeben ist. Es geht mir um die Arbeit, wenn ich zur Arbeit komme. Das verstehen auch viele nicht. Du siehst jeder sieht Arbeit anders ...
Gruß AntjeGeändert von Antje73 (05.07.2015 um 11:21 Uhr)
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06.07.2015, 19:34Inaktiver User
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07.07.2015, 00:40Inaktiver User
AW: Von Kollegen zu Freunden und leider wieder zurück
Ja Antje... ja und nochmal ja.. so ähnlich ist es bei mir auch.


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