Bis vor einem Monat war ich mit meiner Jobkonstellation sehr glücklich. Ich habe mir sogar vorstellen können, das für die nächsten 38 Jahre bis zur Rente durchzuziehen. Aber jetzt ist alles anders und es ist sehr erschreckend, wie schnell sich das ändern kann.
Ich kam vom Regen in die Traufe - andere sahen das evtl. nicht so, aber die kenne meine Geschichte nicht. Zuerst war ich freiberuflich tätig, dann habe ich die Tätigkeit für eine feste Anstellung aufgegeben (ist doch eine sicherere Einnahmequelle. Die Stelle war allerdings nichts für mich, bzw. eher das Arbeitsklima - es herrschte Konkurrenzdruck, da zu wenig Kunden und es hieß, einer muss gehen, zudem habe ich den Standort einer Kollegin "weggenommen" und die war dann nicht besonders gut auf mich zu sprechen und ich habe mir von ihr das Arbeitsleben schwer machen lassen.
Also hab ich mich umgeschaut, bin gegangen zu einer Stelle, die noch im Aufbau war, ich hab da relativ viel reingesteckt, alles strukturiert. Man hat mir gesagt, ich sei eine Fehlbesetzung, weil zu viel Verantwortung und andere wären nach einer Woche gegangen, aber am Ende hat das alles richtig gut funktioniert und jeder war zufrieden und ich habe viel Gutes gehört und war sogar ein wenig Stolz auf mich. Meine Chefin hat mir viel Freiheiten gelassen und angeblich vertraut sie mir (man weiß nie was hinter Gerede steckt).
So nun geht meine Chefin und die neue Person ist schon da - und seit einem Monat ein Kontrollfreak, der Typ schreibt alles haargenau vor, ändert alles von mir einfach so ohne Information, holt sich keine Infos, lässt sich nicht informieren und stellt dann falsche Zusammenhänge, die ich dann genauso übernehmen soll - und ich komme mir vor, wie im Kindergarten und habe ehrlich gesagt ein Problem damit falsche Sachen auf Anordnung abzuliefern. Mir ist Qualität wichtig und nicht nur das Aussehen von Unterlagen. Der Inhalt sollte auch korrekt formuliert sein. (gibt ja später dann eh Probleme)
Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, dass er falsche Zusammenhänge aufstellt ohne ins Fettnäpfchen zu treten und wenn ich nichts sage, dann muss ich das so übernehmen, wovor es mir graust.
Ich weiß, Reinigungskräfte machen ihren Job auch nicht aus Spaß, evtl. hatte ich bisher einfach nur Glück.
Ich bin ernsthaft dabei mich zu bewerben, bekomme auch nach einem Wochenende Bewerbungen Einladungen, aber nehmen tut mich keiner. Warum, weil ich so wie meine Arbeit eher auf den zweiten Blick besteche - ich vermarkte mich ungern selbst und tu mir damit schwer. Insbesondere, wenn ich mich nach 8-9 Stunden Arbeit noch bewerbe. Urlaubstage nehmen fällt mir schwer, muss ich dort ewig lange absprechen, da ist viel vorab Planung notwendig, die nicht alle potentiellen neuen Arbeitgeber akzeptieren. Würde ja zu lange dauern.
Denn hier ist das weitere Dilemma: befristete Anstellungen, kaum Vollzeit, weniger Gehalt.
Gut mir egal, aber mit meiner langen Kündigungsfrist bin ich für ne befristete Stelle für ein Jahr halt auch schon raus. Aufhebungsvertrag würde ich durchaus in Betracht ziehen, aber da ich eine Wissensquelle bin, glaube ich nicht, dass ich viel früher rauskomme. Der Rest ist auch krank, etc. Jemand der es macht, wird schon bei uns gebraucht...
Ich könnte nur noch weinen, und ich weiß, dass es Kindern in Afrika schlechter geht als mir. Ich weiß, dass es ein First-World Problem ist und und ich weiß, dass ich an meinem Auftreten arbeiten muss.
Ich will nicht aufgeben und schicke weiter und hoffe auf Einladungen. Ich habe auch kein Problem mit festen Strukturen, aber wenn ich jahrelang an einem Ort keine hatte und dann sinnlose Strukturen eingeführt werden, möchte ich lieber gleich wo anfangen, wo es schon feste Strukturen gibt.
Ich will dort wo ich bin, nicht zurück, sondern da bleiben wo ich bin und ich weiß nicht, ob das möglich ist. Mein Bauch sagt mir seit dem der Typ hier ist - weg.
Ich war in Seminaren zum sicheren Auftreten, ich war in Seminaren zu Rhetorik und Durchsetzungsvermögen. Ich mach so viel und es ist so anstrengend und gleichzeitig so frustrierend, weil ich immer weiß, dass ich mich viel mehr anstrengen muss, als andere in meiner Branche.
Ich werd zwar immer gute Arbeit abliefern und viele Perspektiven und Lösungen bieten können, aber ich werde trotzdem nie genug sein. Ich kann noch ne Fortbildung draufsetzen und noch eine, bei mir bringt es nichts. Ich bin in dem Bereich ein wenig behindert und habe mein Optimum erreicht. Aber da werd ich auch nicht glücklich.
Am liebsten würd ich kündigen und eine Weltreise machen. Nur wenn ich zurück komme, stehe ich wieder vor dem gleichen Problem. Kinder und Haushalt übernehmen sind keine Option, ich wäre lieber kinderlos.
Ich überlege mir nebenbei eine Fortbildung zu machen, ich hab zwei Hochschulabschlüsse und 2 Hochschulzerftikate und würde gern noch ein drittes machen mit dem Ziel mich dann evtl. in dem Bereich zu bewerben. Da müsste ich allerdings nächstes Jahr an 3 Arbeitstagen Urlaub nehmen und ich will nicht, dass mein Arbeitgeber das weiß - hat nichts mit ihm zu tun, würde daher nicht bezahlt werden. Gut drei Tage krieg ich noch hin und schweigen kann ich auch.
Ich bin sehr verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll. Sicher werden nun einige kommen, die sagen, ich muss mich fügen, auch wenn es falsche Inhalte sind, hauptsache nicken. Aber irgendwie glaube ich, dass ich dort eh schon den Nickstatus habe und deshalb die Anweisungen kommen. Und wenn ich meine Position in der Art und Weise behalten will, dann muss ich das zeigen, schließlich bin ich ja eh schon das Dummerle, dass schon alles macht, dessen Ideen man dann mit Rechtschreibfehlern übernimmt, was inhaltlich inkorrektes miteinfügt und als eigene Idee verkauft und dafür dann Lob einfängt.
Egal wo ich bin, das wird mir dann immer passieren, solange ich mich nicht verändere. Also muss ich mich doch behaupten. Ich muss direkter kommunizieren und bestimmter werden. Vielleicht klappts dann auch woanders.
Gleichzeitig habe ich aber richtig Angst, was ist wenn die mich kündigen, weil ich nicht mitmache und ich jahrelang benötige um einen Job zu finden, weil ich bisher immer ewig gebraucht habe, was keiner weiß, weil ich strategisch plane und nie arbeitslos war.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 17
-
19.05.2015, 21:12Inaktiver User
aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Geändert von Inaktiver User (19.05.2015 um 21:39 Uhr)
-
19.05.2015, 21:35
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Liebe Kronerichten,
ich weiß nicht, ob Du mit dieser Spontanrückmeldung irgendwas anfangen können wirst, aber ich las Deinen "Sturzbach" eben seltsam gerne. Ich finde, Du hast auf eine sehr eigene Weise was kraftvoll Lakonisches.
Ich wünschte Dir, dass Du *was immer das ist* irgendwann besser ins Leben und in Deine Pläne für Leben und wo's drauf ankäme, in die direkte Begegnung mit Menschen (und Personalentscheider ;-) holen kannst. Dann wird das gut. War mein Eindruck beim Lesen. 
Gruß,
AenGeändert von Aen (19.05.2015 um 21:48 Uhr)
Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
-
19.05.2015, 22:15
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Du liest dich planvoll und ehrgeizig. Sicherlich könntest du am Auftreten etwas ändern. Aber wenn du den Laden wuppst, sollte man so eine Perle wie dich nicht gehen lassen.
Obigen Absatz möchte ich hinterfragen. Vielleicht ergibt sie daraus eine temporär gute Lösung für dich.
Was passiert, wenn dein Chef mit falschen und unvollständigen Informationen hantiert? Kriegt er dafür Ärger oder lädt er seine Fehler bei dir ab?
Was passiert, wenn du bei zwei, drei Sachverhalten mal nachfragst? Wird er pampig oder lässt den Chef heraushängen oder bedankt er sich?
Bist du bei den Besprechungen dabei, dass du korrigierend eingreifen könntest? Oder bekommst du nur das Ergebnis und die Fehler mitgeteilt?
Wenn es dir um die Sache geht, könntest du morgen damit anfangen, deinen Chef auf einen offensichtlichen Fehler in seiner Vorlage hinzuweisen. Damit gewinnst du Sicherheit im Auftreten. Kündigen kann er dir deswegen nicht.
-
19.05.2015, 22:28
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Ich würde kündigen und die Weltreise machen :)
Zumal du wiederholt schreibst, zig Seminare zu machen, um selbstbewusster zu werden/wirken. Was würde dich weiterbringen, als einfach das zu tun, wonach dir ist?
Zumal ich eben bezweifle, dass die Situation nach jenem Jahr dieselbe sein würde. Könnte sie sein, aber du dürftest dich verändert haben.
Ganz davon abgesehen, kann man auch ohne Kinder zu Hause bleiben ;-)
Alles Gute dir!
-
19.05.2015, 23:19Inaktiver User
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Erstmal vielen lieben Dank für eure Antworten und dass ihr euch das Ganze tatsächlich durchgelesen habt :)
Da bin ich aus eigennützigen Gründen bereits dran. Da ich relativ viel dort selbst erarbeitet habe, bin ich tatsächlich die einzige Person, die ohne nachzulesen weiß, wo was ist und auf was das beruht. Mein neuer Chef sieht nur das Ergebnis und das muss dann eben noch mit noch schlechterer Ausdrucksweise als meiner und falschen Zusammenhängen geändert werden. Informationen einholen ist nicht sein Ding - eher Blumen vor dem Haus gießen, wenn drinnen die Bude zusammenfällt.
Bisher habe ich ihn zweimal darauf hingewiesen und erklärt, weshalb das so formuliert wurde und nicht so, wie er es möchte, da das X und Y zur Folge hat. Er kann sich gerne auch die Unterlagen Z und A ansehen, aus denen die langfristigen negativen Folgen zu erkennen sind. Gerne kann er das auch nochmal überprüfen lassen. Er hat sich dann die Unterlagen B geholt und andere Zahlen gelesen. Daher konnte er nicht viel mit meinen Informationen anfangen. Daraufhin wurde er nur etwas pampig - fand ich nicht schlecht, denn die bisherige aufgesetzte Freundlichkeit war noch weniger zu ertragen. Die richtigen Unterlagen hat er sich bisher nicht durchgelesen.
In Besprechungen bin ich dabei, bisher war es so, dass ich da viel geredet habe und Vorschläge eingebracht habe, ihm passt das allerdings nicht, weil er hätte das gerne so, wie wir es vor einem Jahr hatten. Das haben wir vor einem Jahr im Team geändert, u.a. wegen den negativen Folgen. Das Team kann sich daran natürlich nicht mehr erinnern (krank, Stress, Unterlagen nicht durchgelesen, war ja ich und Vorgängerchef - und der fands gut oder hat es sich nicht durchgelesen) und ich bin dann wohl die unangepasste Mitarbeiterin, die man noch maßregeln muss. Ich habe ja auch eine piepsige Stimme und bin klein, daher halten mich manche auch für nicht besonders hell.
Beim letzten Fehler habe ich es mal per Email probiert mit der Bitte um Rückmeldung, ob ich den dann auch so übernehmen soll. Mal sehen was da noch kommt - ich ahne nichts Gutes, denn langsam formuliere ich freundliche Emails an ihn auch nur noch mit ironischen Gedanken. Derzeit die einzige Möglichkeit für mich sachlich und freundlich zu bleiben.
Eine weitere Option wäre wohl ein Antrag auf Abteilungswechsel. Es gibt zwar keine freien Stellen in meiner Position, aber ich würd auch was niedrigeres mit sinnlosen Vorgaben nehmen, sofern die schon bestehen, wenn ich komme.
Die bisherigen Vorgaben habe ich ja alle selbst miterarbeiten dürfen. Daher ist es für mich ein wenig so, als würde man mein Werk zerstören, ohne eine Seite gelesen zu haben. Anordnungen an sich kann ich schon folgen.Geändert von Inaktiver User (19.05.2015 um 23:34 Uhr)
-
19.05.2015, 23:30Inaktiver User
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Na, ich versuch das seit zwei Jahren im kleinen, viel alleine Reisen in möglichst viele, weit entfernte Länder etc. Geht natürlich nicht besonders lange bei 30 Urlaubstagen und ein paar zerquetschen Überstundenabbauvarianten.
Gebracht hat es mir viel, ich bin auch anders, als zuvor, viel selbstbewusster - ich setze mich alleine in Restaurants, ich habe keine Problem Fremde anzusprechen und auch dass ich nun sage, was mich stört, habe ich dem zu verdanken.
Auf den ersten Blick scheine ich das noch nicht auszustrahlen. Wer mich näher kennt, dagegen, bezeichnet mich eigentlich nicht als besonders nett. Ich brauch einfach ne Weile um aufzutauen. Unterschätzt zu werden ist ja auch eine Stärke.
Ich habe nur ein wenig Angst 102 zu werden und mich von Hundefutter ernähren zu müssen.
Ansonsten hast du natürlich vollkommen Recht und mein Bauch wahrscheinlich auch. Danke.
-
20.05.2015, 01:14
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Wegen einer Weltreise? Wohl eher nicht ;-)
Du schreibst wiederholt, dass in Afrika Kinder an Hunger sterben und du scheinbar Luxus-Probleme hast. Und während ich natürlich einerseits zustimme, dass die meisten von uns aus einer sehr privilegierten Situation heraus schreiben, und wir Demut an den Tag legen sollten, so gilt es auch nicht zu vergessen, dass die Standards für Glück eben relativ sind, und davon abhängig, was wir bereits haben.
Materielle Sicherheit ist wichtig, keine Frage. Aber in unseren Breitengraden spielt auch die Selbstverwirklichung eine große Rolle und ich finde es durchaus wichtig, die eigenen Anliegen und Bedürfnisse nicht klein zu reden, nur weil es anderen schlechter geht.
Und wenn du schreibst, dass dir das Reisen bereits viel geholfen hat, dann fände ich den Gedanken einer Weltreise gar nicht mal so verkehrt, zumal du noch jung bist und das Ganze als eine Art Investment in deine Persönlichkeit betrachten könntest. Sabbatical sind so selten, nicht, und werden von Arbeitgebern auch nicht negativ gewertet. Zudem, wer weiss - vielleicht knüpfst du während deiner Reise interessante berufliche Kontakte und/oder lässt dich anderweitig inspirieren.
Im Übrigen finde ich deinen User-Namen sehr schön, und bin mir sicher, dass dir das gelingen wird.
-
20.05.2015, 07:56Inaktiver User
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Ich glaube, genau dieser Gedankengang ist falsch.
Dein Problem liegt doch nicht in deiner Arbeit, sondern im Verhalten deines Chefs?
Ergo … mal kurz überlegen, wie du mit den „Komplexen“ dieses Mannes umgehen könntest – ganz bestimmt nicht, in dem du ihm immer weiter deine Unfehlbarkeit beweisen musst.
„Im Team zu arbeiten“ muss eben auch gelernt werden und ist doch auch eine ganz spannende Herausforderung?
Also: eigene Krone richten, aber gleichzeitig daran denken, dass andere dummerweise auch so´ n Ding auf dem Kopf tragen wollen - dass aber „Kronen“ per se ziemlich wacklige Dinger sind.
-
20.05.2015, 08:24Inaktiver User
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Klingt mir - um im Bild zu bleiben - wie "vom Thrönchen gekippt". Du hattest vorher anscheinend freie Hand und konntest Dir Deinen Arbeitsbereich nach Belieben gestalten. Jetzt ist ein neuer Chef da, der Dir auf die Finger schauen will. Nervig, aber normal im Berufsleben. Leider muss man ziemlich oft inkompetente Chefs aushalten...
Versteif Dich lieber nicht darauf, dass Du unersetzlich bist, da haben schon viele eine Überraschung erlebt. Wenn Du so unzufrieden bist, würde ich mich an Deiner Stelle auch weiterbewerben. Denk aber daran, dass Du Dich immer mitnimmst. Wenn Du mehr der Einzelkämpfer bist, solltest Du vielleicht mal über eine Selbstständigkeit nachdenken.
Irgendwie hab ich aber ein Deja vu, ich glaube, ich habe das so oder so ähnlich schon mal geschrieben.
-
20.05.2015, 09:06
AW: aussichtslose Jobsituation und sehr verzweifelt
Wenn ich dich richtig verstehe, hast du einen bestimmten Bereich aufgebaut und bist Expertin darin. Deine frühere Chefin hat dich aufgrund dessen dort schalten und walten lassen, dein neuer Chef schreibt dir jedoch auch Kleinigkeiten vor und hat darüber hinaus wenig Ahnung von der Materie.
Diese Situation kenne ich. Ich habe ebenfalls mal etwas aufgebaut, was dann anderweitig übernommen wurde. Mein größtes Problem war, dass die Ausrichtung dieses Bereichs zwar formal (d.h. für Kunden und für Werbebroschüren/Internetauftritt etc.) noch bestand, aber nicht gelebt wurde. Ich hatte, da sowieso häufig moralisch, mit dieser "Werteveränderung" große Probleme, zumal sich mein Anteil an der Mitarbeit damit ein Stück weit erledigt hatte. Ich bin gegangen. Nicht ohne mir vorher viele Gedanken darüber zu machen, ob ich nicht meine Einstellung zur Arbeit verändere, diese eher als Brotjob ansehe und weniger als Berufung oder Selbstverwirklichung. Aber gerade, weil es um "mein Baby" ging, war das schwierig.
Ich habe mal davon gelesen, dass Menschen sich in ihrer Motivation für ihre Arbeit unterscheiden. Die Autorin unterschied zwischen Menschen,
a) die arbeiten, um ihre Brötchen zu bezahlen
b) die arbeiten, um Karriere zu machen (Arbeitsinhalte zählen hierbei weniger als die Nützlichkeit der Tätigkeit für die Karriere)
c) die ihren Beruf als Berufung sehen.
(Quelle weiß ich gerade nicht mehr, fand aber diese Unterscheidung ganz stimmig)
Je nachdem, zu welcher Gruppe man gehöre, fallen Arbeitsbelastungen unterschiedlicher Art auch unterschiedlich ins Gewicht. Sprich: jemand, der arbeitet, um seine Brötchen zu verdienen, würde in deiner Situation einfach Dienst nach Vorschrift machen und sich über das volle Konto freuen. Aber vermutlich ist deine Motivation eher die wie bei der dritten Gruppe, oder?
Eine weitere Überlegung, die ich wichtig finde, ist die Frage nach den eigenen idealen Rahmenbedingungen für die Arbeit (wohl wissend, dass es nur seltenst vorkommt, dass alle erfüllt sind - aber es geht um die wichtigsten): Bist du eher Teamplayer oder Einzelgänger? Arbeitest du lieber mit konkreten Vorgaben oder eher eigenverantwortlich? Welche "Störfaktoren" stressen dich? Wie sollte die Arbeit zu deinem sonstigen Leben passen (z.B. Arbeitszeiten, Überstunden)? All das würde ich mal gründlich überlegen und dann schauen, wo sich dies am ehesten und weitgehendsten umsetzen ließe. Wenn das heute oder morgen noch nicht der Fall sein kann, dann vielleicht nächsten Monat oder nächstes Jahr. Dann kannst du deine jetzige Tätigkeit als Überbrückung sehen. Das ist eher auszuhalten als das Herunterzählen der Arbeitstage bis zum Renteneintritt.
There is a crack in everything. That's how the light gets in.
(Leonard Cohen)


Zitieren

