In der Abteilung, die ich leite, gibt es eigentlich immer Praktikanten. Manche davon suchen wir uns selber aus, die meisten allerdings kommen über die Firmenzentrale. Sie schnuppern in verschiedene Abteilungen des Unternehmens rein und sind im Schnitt vier Wochen bei uns.
Praktikanten dürfen bei uns eigenständig kleine Projekte in Angriff nehmen. In der Regel sind das Dinge, die terminlich nicht festgelegt sind und bei denen es auch reparieren kann, wenn etwas schiefgeht. Sind ja Praktikanten...
Ich bin aber immer öfter entsetzt, mit welchen Vorstellungen, Erwartungen, Vorkenntnissen usw. junge Leute in den Beruf starten.
- Bei uns geht es viel um schriftliche Dinge. Kommas? Rechtschreibung? Es ist entsetzlich, was Abiturienten und Studenten da abliefern.
- Telefonieren? Die melden sich mit "Hallo" am Telefon. Fragt der Gesprächspartner nach der Nummer, heißt es "äh... meine Nummer weiß ich jetzt nicht, ich bin ja nur Praktikant".
- Keiner fragt, ob man während der Arbeitszeit mal privat telefonieren dürfe. Darf man im Prinzip. Mal!!! Das private Handy liegt auf dem Schreibtisch und jeder Anruf und jede SMS wird sofort beantwortet.
- Bei uns ist abends oft open end. Praktikanten können pünktlich zu einem bestimmten Zeitpunkt Feierabend machen - es sei denn, es ist noch was fertigzumachen. Das wird im Eingangsgespräch auch klar kommuniziert. Kaum einer fragt um 17.30 Uhr: Kann ich gehen? - Die packen einfach zusammen und sind weg.
- Einer bekommt den Auftrag, für einen Flyer Fotos zu organisieren. Mit einer Liste von Fotografen, mit denen wir zusammenarbeiten. Nach einer Stunde ist er fertig. Wo er die Fotos her hat? Aus dem Internet kopiert. Die vorsichtige Frage, ob er schon mal was von Urherberrecht usw. gehört hat, löst größtes Erstaunen aus: Aber das machen doch alle.... ?
- Die vorletzte Praktikantin hat prinzipiell nicht zugehört, wenn man ihr einen Auftrag erläutert hat. Folglich war das Ergebnis oft knapp am Thema vorbei. Standardantworten: Ich hab's halt so verstanden. Oder: Ich fand meinen Ansatz jetzt eigentlich besser.
Ich bin manchmal absolut ratlos, was ich noch machen soll...
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 85
Thema: Praktikanten!!!
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03.03.2015, 12:09Inaktiver User
Praktikanten!!!
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03.03.2015, 12:17Inaktiver User
AW: Praktikanten!!!
ich würde die gemachten erfahrungen bündeln und in der zentrale vorlegen und eine klare ansage: verschont mich mit praktikanten.
möglich, dass die dann auftauchenden praktikanten erstmal ein regularium über benehmen und rechtschreibung, über verhalten mit kollegen und arbeitszeiten erhalten, an das sie sich zu halten haben.
aber so lange wie du nichts sagst- verändert sich auf keinen fall etwas.
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03.03.2015, 12:17
AW: Praktikanten!!!
Erstmal die Frage, sind das bezahlte Praktika ?
Nur Stichwort: Mindestlohn
Fangen immer mehrere Praktikanten gleichzeitig an ?
Gibt es so etwas wie eine allgemeine Einführung am ersten Tag für alle ?
Gibt es eine Art "Büroanweisung für Praktikanten" in der so Selbstverständlichkeiten stehen wie,
- wie melde ich mich am Telefon
- was sind meine Aufgaben
- wo finde ich was
- wer ist Ansprechpartner für was
Ich denke das Problem ist, dass viele davon das erste Mal überhaupt im Arbeitsleben stehen und solche Dinge, die ich zB selbstverständlich zu Hause und in der Ausbildung gelernt habe noch nie erlebt haben.
Und ich würde für Praktikanten vermutlich ein grundsätzliches Verbot privater Telefon und Internetnutzung verhängen.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
Profilbild © edwardbgordon
Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
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03.03.2015, 12:36
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03.03.2015, 12:37
AW: Praktikanten!!!
Praktikanten sind ja zum lernen da ... ergo würde ich es als meine Aufgabe sehen genau die Punkte die du schreibst zu vermitteln, wenn das noch nicht vorhanden ist
es geht ja nicht nur um inhaltliche Dinge eines Berufes, sondern ganz allgemein auch um Verhalten im Arbeitsleben die so ein Praktikum vermitteln soll
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03.03.2015, 13:08Inaktiver User
AW: Praktikanten!!!
So völlig neu kann ihnen das Berufleben eigentlich nicht sein, mein Sohn hat z. B. schon während der Oberstufe bereits zwei mehrwöchige Praktika machen müssen. Zur Zeit absolviert er in der vorlesungsfreien Zeit einen weiteren Teil des Praktikums, das für seinen Studiengang verpflichtend ist - ohne entsprechend gute Beurteilungen der Schülerpraktika sowie praxistaugliche Computer- und Englischkenntnisse wäre da überhaupt nichts gegangen. Die Praktikumsstellen sind heiß begehrt und die Firmen können sich ihre Praktikanten aussuchen, zumindest in unserer Gegend.
Dass die Praktikanten erst einmal lernen müssen, ihre theoretischen Fachkenntnisse in die Praxis umzusetzen, ist richtig. Allerdings meine ich ebenfalls, dass die Beherrschung der Rechtschreibung sowie Umgangsformen am Telefon eigentlich selbstverständlich sein sollten (Schule/Elternhaus).
Bezahlt werden diese Praktika meist nicht, für Praktikanten gilt der Mindestlohn nicht. Mein Sohn freut sich, dass er für die wochenlange Arbeit wenigstens eine "Aufwandsentschädigung" erhält, was keineswegs selbstverständlich ist. Meist sieht es umgekehrt aus, es entstehen Kosten für Fahrten, aushäusige Verpflegung sowie vor allem "Berufsbekleidung", da Stoffhosen, Sakkos, Hemden etc. in ausreichender Zahl bei Studenten meist nicht eh im Kleiderschrank herumhängen.
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03.03.2015, 13:11
AW: Praktikanten!!!
Eigentlich könntet ihr aus den ganzen Erfahrungen bei der nächsten Einstellsung dem Praktikanten sagen, was ihr von ihm erwartet.
Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.
Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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03.03.2015, 13:18Inaktiver User
AW: Praktikanten!!!
Das ist unterschiedlich. Manchmal sind es Studenten, die für ihr Studium eine bestimmte Anzahl von Praktikumswochen brauchen. Die bekommen nur eine Art Aufwandsentschädigung. Die Praktikanten, die länger bleiben, werden auch bezahlt - nach einem Satz, der von jeher über dem Mindestlohn liegt.
Die jungen Leute werden bei uns nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht. Wie ich schon schrieb: Sie dürfen eigenständig Projekte angehen, aber nichts, was eilig ist oder Terminsache, nichts, was perfekt abgeliefert werden muss. Sie lernen ja noch. Im Grunde machen Praktikanten mehr Arbeit als dass sie entlasten - manches hätte ich schneller und besser selber gemacht. Aber mit ist es natürlich schon wichtig, jungen Leuten zu ermöglichen, erste Berufserfahrung zu sammeln.
Und natürlich laufen die meisten nach einigen Wochen rund. Aber es kostet halt soviel Zeit, Kraft, Mühe sie dahin zu bringen.
Sie wissen, dass sie in einer Branche arbeiten, in der es nicht unbedingt geregelte Arbeitszeiten gibt. Das kommuniziere ich im ersten Gespräch auch immer sehr deutlich: Es kann sein, dass es abends mal später wird, wenn was Dringendes anliegt - stell dich bitte darauf ein. Es ist kein Problem, wenn du dann am nächsten Tag später kommst....
Es ist auch nicht so, dass sie die Abendtermine machen müssen. Es ist vielmehr ein Angebot, die Kollegen zu begleiten, um zu sehen, was z.B. bei Infoveranstaltungen so läuft - gehört halt auch zu unserem Job. Wenn ich dann die Antwort bekomme: Nö, heute abend... keine Lust.... - sorry, aber da muss ich mich oft sehr beherrrschen.
Was mich auch zunehmend irritiert: Mit allen Praktikanten führe ich am ersten Tag ein langes Gespräch, in dem ich unsere Abteilung vorstelle, erläutere, was wir machen, was auf die Praktikanten zukommt. Und immer steht am Ende der Hinweis, bitte zu fragen, wenn etwas nicht klar ist. Standardsatz: Frag uns ruhig Löcher in den Bauch - wir halten das aus. Manche tun das auch. Neulich hatte ich eine, die hat nicht einmal nachgefragt, obwohl ihr bisweilen der Kopf geschwirrt haben muss vor Fachbegriffen. Im Abschlussgespräch habe ich das angesprochen. Ihre Reaktion: Ich hab eigentlich schon erwartet, dass mir die wichtigen Sachen erklärt werden, ohne dass ich erst nachfragen muss.
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03.03.2015, 13:20Inaktiver User
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03.03.2015, 13:21Inaktiver User
AW: Praktikanten!!!
für pflichtpraktika muss der arbeitgeber, per gesetz, nichts löhnen. noch nicht mal ne aufwandsentschädigung.
liebe gute laune, vielleicht wäre es eine idee sich mit den jetzigen praktikanten hinsetzen, in einer ruhigen minute darüber reden- mit welchen vorstellungen sie überhaupt da sind.
und daraus, durchaus auch durch sie selbst formuliert und zusammengestellt, eine art bedienungsanleitung, einführung erstellen (lassen) was sie als informationen für die nächsten wichtig finden/fänden.
ich lese gerade wie es bei euch abläuft- sogar mit abschlussgespräch. vergiss das oben geschriebene. hat sich überholt.


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