Hallo liebe Community,
ich bin seit ein paar Monaten arbeitslos. Bei uns in der Gegend ist die Arbeitsmarktlage alles Anderes als rosig, aber wegziehen nur wegen des Jobs kommt für mich absolut nicht in Frage (aufgrund meiner privaten Situation - Haus auf Kredit etc.). Kurz zu meiner Ausbildung: Hab einen Bachelor- und Masterabschluss in Erziehungs- und Bildungswissenschaften mit sehr guten Noten und auch in Mindestzeit studiert. Berufserfahrung in diesem Bereich ca. 2,5 Jahre, gute Referenzen.
Nun zum eigentlichen Thema: Bei mir in der Nähe ist jetzt eine Stelle als Kinderbetreuerin in einem Hotel frei geworden. Es handelt sich dabei um eine Dauerstelle. Mindestlohn bei 40h/Woche sind € 1349 btto., das sind ca. € 1088,- netto. Für Sonntagsarbeit gibt es natürlich die gesetzlichen Zuschläge.
Ich habe mich für diese Stelle beworben und hab gestern einen Anruf bekommen und bin für nächste Woche zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Die Dame am Telefon war total sympathisch und schien froh zu sein, dass sich jemand aus der Nähe mit einer guten Ausbildung beworben hat.
Ehrlich gesagt, möchte ich diese Stelle unbedingt haben! Einerseits deshalb, weil es wirklich nur einen Katzensprung entfernt ist, andererseits, weil ich Angst habe, ansonsten zum HartzIV-Fall zu werden, da ich hier derzeit so gut wie keine Perspektive habe.
Ich habe jetzt die Vor- und Nachteile dieses Jobs abgewogen und komme zu folgendem Schluss:
Pro: In unmittelbarer Nähe, Dauerstelle, flexible Arbeitszeiten, fixes Gehalt
Contra: Wochenend- und Feiertagsarbeit, keine Aufstiegschancen, bringt mir für meinen angestrebten beruflichen Werdegang keine Vorteile, geringes Einkommen.
Für mich stellt sich die Frage, OB ich den Job haben will, ohnehin nicht, denn ich wäre froh, endlich wieder in einem Dienstverhältnis zu stehen! Was mir Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass es doch eher schlecht bezahlt ist und ich auch keine Aufstiegschancen habe. Ehrlich gesagt würde ich nämlich im Falle einer Aufnahme dann doch eher länger bleiben, also sicher die nächsten Jahre.
Wie gesagt, ist die Stelle mit 1349 btto. ausgeschrieben, was mir persönlich unter Anbetracht dessen, dass ich gar keine Aufstiegschancen habe, ehrlich gesagt zu wenig ist. Das führt mich zu folgendem Dilemma: In der Stellenausschreibung stand, dass es eine Bereitschaft zur Überzahlung je nach Qualifikation gäbe. Ich habe ehrlich gesagt Angst, überhaupt die Frage nach einer Überzahlung zu stellen, da ich den Job brauche und ihn auch haben will. Andererseits haben mir aber meine Freunde geraten, mich nicht unter Wert zu verkaufen, da ich in Wahrheit für diese Stelle natürlich überqualifiziert bin, und ich finde, dass sie da auch Recht haben. Mir ist natürlich klar, dass mir in einem Hotel niemand für die Tätigkeit als Kinderbetreuerin ein Akademikergehalt bezahlen wird, so realistisch bin ich. Aber sollte ich es wirklich wagen, die Frage nach der Überzahlung zu stellen? Ich meine, die wissen ja im Grunde nicht, dass ich verzweifelt binBzw. ist dann auch die Frage, wie viel an Überzahlung bei meiner Ausbildung und Berufserfahrung realistisch wäre?
Danke im Voraus.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 58
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23.05.2014, 22:45Inaktiver User
Wie viel Überzahlung ist realistisch?
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23.05.2014, 22:57Inaktiver User
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Ich glaube eigentlich, je nach Qualifikation bezieht sich in dem Fall auf einen Ausbildungsgrad im entsprechenden Bereich (Erzieherin, Pädagogin, vielleicht Kinderkrankenschwester o.ä.). War Dein Studium in dieser Richtung?
Edit: sorry, Erziehungswissenschaften, hast Du ja geschrieben.
Ansonsten: wenn Du von vornherein das Gefühl der Überqualifikation hast, würde ich es lieber bleiben lassen. Du bist dann nur unzufrieden und das merkt auch Dein Arbeitgeber und Deine potentiellen kleinen "Kunden".
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23.05.2014, 23:20
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Ich vermute, Du kommst aus Österreich? (wegen des Begriffs "Überzahlung") Ich weiß nicht, wie es da ist. In Deutschland würde ich Dein Studium nicht als "überqualifiziert" sehen. Ein Abschluss in Erziehungswissenschaften befähigt nicht unbedingt zur Kinderbetreuung. Als Arbeitgeber würde ich bevorzugt dafür einen Erzieher einstellen, nicht einen Wissenschaftler.
Davon abgesehen würde ich trotzdem nach der Überzahlung fragen. Du weißt, was Du Dir wert bist und siehst das Gehalt als zu gering an. Also solltest Du auch nach dem möglichen Spielraum nach oben fragen. Und als Arbeitgeber würde ich einen Bewerber , der nach Abwägung aller Möglichkeiten entscheidet, vor dem bevorzugen, der ohne Nachfrage annimmt. Wer nicht nachfragt, gerät später viel schneller in das Dilemma "so hab ich mir das nicht vorgestellt..."
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24.05.2014, 13:57Inaktiver User
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Ich denke auch eher, das das damit gemeint ist. In D. gibt's ja Erzieher und Kinderpfleger, mit verschiedenem Ausbildungs- und Gehaltslevel.
Eine Erziehungswissenschaftlerin würde ich auf so eine Stelle nur mangels anderer Bewerber einstellen, und ich denke, das Du da ganz sicher nicht mit Deinem Akademikerstatus argumentieren kannst. Der ist für den Job nämlich komplett irrelevant.
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24.05.2014, 15:34
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
In Deutschland ist es in dem Bereich üblich, nach Stellenbeschreibung, nicht nach Qualifikation bezahlt zu werden.
Das bedeutet, dass z.B. Logopäden mit Ausbildung genauso bezahlt eingruppiert werden wie ein Heilpädagoge, wenn sie in einem Zentrum auf der gleichen Stelle arbeiten.
Kinderbetreuung ähnlich: Diplom-Pädagogen erhalten die gleiche Eingruppierung wie eine praktisch ausgebildete Erzieherin.
Was ich in dem Bereich allerdings aus D kenne ist, dass man sich durch Schichten und Wochenendarbeit sein Gehalt gut aufstocken kann.
Die meisten, die ich kenne, lassen sich auch eine Mindestzahl an Nacht- und Wochenenddiensten garantieren, um damit dann aufzustocken.
Aufstiegschancen: in einer größeren Einrichtung wärst du prädestiniert zur Leitung, bzw. stellvertretenden Leitung mit Verwaltungsanteil und der Aufgabe zu konzeptioneller Arbeit und Gremientätigkeit.
Dazu würde es kn der Regel eine Funktionszulage geben.
Zum Gehalt: für Deutschland wäre es zu gering für eine Vollzeitstelle als Erzieher.
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24.05.2014, 15:41Inaktiver User
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Die Frage ist auch, was eine Kinderbetreuerin in einem Hotel macht. Betreut die nur stundenweise oder größere Gruppen den ganzen Tag über (wie in Clubanlagen)?
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24.05.2014, 16:10Inaktiver User
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Danke für eure Antworten. Es ist so, dass ich während des Studiums ein Jahr als Kinderanimateurin gearbeitet habe, was der Kinderbetreuung im Hotel sehr nahe kommt. Auch habe ich 1,5 Jahre als gruppenführende Erzieherin gearbeitet, also Berufserfahrung mit Kindern bringe ich ja mit. Abgesehen davon, habe ich drei Praktika mit Kindern während des Studiums gemacht.
Die Aufgabe in der Kinderbetreuung wäre eben das Beaufsichtigen und Beschäftigen der Kinder und zwar den ganzen Tag und immer mehrere Kinder, also richtige Gruppen. Tätigkeiten: Basteln, Spielen, Ausflüge etc.
Schichtarbeit in dem Sinne gibt es nicht, da die Kinderbetreuung nur tagsüber ist und am Sonntag auch nur vormittags. Ich hab mir das schon ausgerechnet, da würde ich nicht unbedingt sehr viel dazu verdienen.
Mein Problem ist, wie gesagt, dass ich ja einen Job brauche. Andererseits weiß ich aber, dass ich das nicht lange machen würde, wenn das Gehalt nicht passt. Daher die Frage, wie und ob ich das auch ausverhandeln kann, dass ich nicht unzufrieden bin und das auch für die Chefin passen würde.
Edit: Aufstiegschancen als Leiterin der Kinderbetreuung gibt es nicht, da die Leitung dort zwischen den zwei Hauptbetreuern (eine davon wäre dann ich) aufgeteilt ist und man dafür aber scheinbar nicht mehr bekommt.
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24.05.2014, 16:14
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Ich würde schon offen mit der Chefin sprechen und ihr sagen, dass du eigentlich an einer längerfristigen Stelle interessiert bist, aber dafür einfach besser bezahlt werden müsstest.
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24.05.2014, 18:17
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
Ganz genau. Statt "müsstest" würde ich lieber "möchtest" sagen. Du willst ja sicher aus dem Gespräch herausgehen können mit der Möglichkeit, noch mal über das Angebot nachzudenken.
Es kann sich auf jeden Fall lohnen und es ist auch völlig legitim, zu sagen, man sei zwar sehr interessiert an dem Job, wünscht sich aber eine bessere Bezahlung. Und in dem Zusammenhang kannst du auch einerseits auf deine thematisch durchaus passende akademische Bildung hinweisen, aber auch mit dem Verweis auf deine vielen praktischen Erfahrungen deutlich machen, dass du dir keineswegs zu schade bist für die Arbeit und diese auch gerne machst.
Nur weil man sagt, dass man sich eine höhere Bezahlung wünschst, schmälert man nicht seine Chancen, den Job zu erhalten. Erst recht nicht, wenn man gleichzeitig sein großes Interesse an dem Job bekundet.
Im Gegenteil: Wer ohne Nachfragen sofort niedrige Gehälter akzeptiert, dessen Fähigkeiten werden viel eher in Zweifel gezogen. Ganz nach dem Motto: Der hat es wohl nötig und hat gar keine Alternativen und würde diesen Job auch machen, wenn ihm die Tätigkeit völlig schnuppe wäre.
Und mit Kindern zu arbeiten halte ich für eine Erziehungswissenschaftlerin auch nicht für ein Handicap für ihren weiteren Karriereverlauf.
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25.05.2014, 08:37Inaktiver User
AW: Wie viel Überzahlung ist realistisch?
... wenn man das damit begründet, das man ja eigentlich überqualifiziert ist ? Ich denke, doch.
Die Befürchtung liegt dann nahe, das der Bewerber bald wieder weg ist, wenn sich besseres auftut.
Ich würde in dem Gespräch einfach mal fragen, was genau damit gemeint ist. Und vor allem die ganz spezifischen Erfahrungen - Kinder-Animateurin - herausstellen.


Bzw. ist dann auch die Frage, wie viel an Überzahlung bei meiner Ausbildung und Berufserfahrung realistisch wäre?
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