Hallo zusammen,
ich bin ziemlich frustriert und würde gern hier einen Teil meines Ärgers loswerden; gleichzeitig aber auch neutrale Meinungen lesen.
Ich arbeite in einem Produktionsbetrieb. In den letzten 2,5 Jahren wurden etwa 50 neue Mitarbeiter eingestellt. Erst waren es Zeitverträge, die dann zu 90 % zu Festverträgen wurden; dann kamen Leiharbeiter dazu.
Alle "Neuen" (mit einer Ausnahme) sind zwischen 18 und 30 Jahren und keiner hat wenigstens 3 Monate gearbeitet, ohne mindestens eine Krankmeldung zu bringen.
Vor 8 Wochen kam die letzte Neue zu uns und ich wunderte mich schon, dass sie die 8 Wochen durchgehalten hat. Vorgestern hatte ich dann Urlaub und als ich gestern wieder kam... die Neue ist krankgeschrieben.
Eigentlich geht mich das nix an, aber weil sie jetzt krank ist, müssen wir am Sonntag auf Spätschicht arbeiten gehen. Hätte sie bis Weihnachten durchgehalten, wäre uns wenigstens dieser Sonntag erspart geblieben.
Noch ein Beispiel: eine "Kollegin'" (so man sie denn so nennen kann), hat genau wie wir "Alten" 30 Tage Urlaub und hat voriges Jahr zusätzlich 27 Tage gefehlt und dieses Jahr bisher 33 Tage und das Jahr ist noch nicht rum. Nicht, dass sie jedes Mal eine Krankmeldung bringt. Nee, sie kommt, arbeitet 2 Stunden und dann muss sie einfach nach Hause, weil es ihr nicht gut geht. Sie ruft an, kann nicht auf Frühschicht kommen; kommt dafür aber auf Spät- oder Nachtschicht. Und Überrraschung... sie kommt garnicht arbeiten. Das ist nicht nur einmal passiert.
So könnte ich noch stundenlang schreiben. Ob Frau oder Mann, Festvertrag, Zeitvertrag, Leiharbeiter - alle Neuen "spielen" das gleiche Spiel und die Firma/Betriebsrat/Chef spielen mit.
Mich kotzt das so an. Ich bin 45 Jahre, habe meine Zipperlein, aber ich gehe arbeiten. Seit Wochen arbeiten wir in der 7-Tage-Woche und mit ein Grund dafür ist der hohe Krankenstand übers Jahr.
So, und jetzt schreibt mir doch bitte, ob es bei euch genauso zugeht und ich das zu eng sehe oder ob ihr auch Frust schiebt.
Gruß
calypso (die jetzt bald arbeiten gehen muss)
Antworten
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06.12.2013, 11:20Inaktiver User
Krank machen - Seh ich das zu eng?
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06.12.2013, 11:56Inaktiver User
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Naja, was ist das Huhn und was das Ei?Seit Wochen arbeiten wir in der 7-Tage-Woche und mit ein Grund dafür ist der hohe Krankenstand übers Jahr.
Du sagst: die 7-Tage-Woche ist eine Folge des hohen Krankenstandes. Genauso lässt sich aber sagen: der hohe Krankenstand ist eine Folge der 7-Tage Woche.
Die Tatsache, dass jemand bereits in den ersten drei Monaten nach Arbeitsbeginn Krankheitsausfälle hat, sagt noch gar nichts über seine Arbeitsmoral aus. Fällt der Arbeitsbeginn auf 1. November bzw. generell auf Spätherbst/Winter, ist die Wahrscheinlichkeit, in den ersten 3 Monaten mal krankheitshalber auszufallen, vermutlich grösser, als die Wahrscheinlichkeit, keinen Ausfall zu haben - Erkältungs- und Grippesaison lassen grüssen.
Und ja, es ist gerechtfertigt, mit einer starken Erkältung zu Hause zu bleiben. Erstens kann man damit nicht wirklich sinnvoll arbeiten und zweitens steckt man sonst nur alle Arbeitskollegen an.
Was du über das Verhalten der "Kollegin" schreibst, ist wohl was anderes. Kann schon sein, dass da öfters mal daheim geblieben wird, obwohl es nicht nötig wäre. Wobei ... weisst du mit Sicherheit, ob besagte Kollegin nicht z.B. eine chronische Schmerzkrankheit hat? Damit lässt sich an manchen Tagen WIRKLICH nicht arbeiten (und es lässt sich auch nicht im Voraus klar einschätzen, ob man in einigen Stunden arbeitsfähig sein wird oder nicht) - Aussenstehende können das oft schlecht nachvollziehen.
Ich vermute, dein Frust ist eher ein anderer:
Warum getraust du dich nicht, zu Hause zu bleiben, wenn du krank bist? Warum verlangst du von dir alles ab und gestehst dir nicht mal einen Ausfall zu? Dein Arbeitsethos in Ehren - aber das System funktioniert nur, wenn es genug "Dumme" gibt, die den Ausfall der anderen widerstandslos kompensieren.Ich bin 45 Jahre, habe meine Zipperlein, aber ich gehe arbeiten.
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06.12.2013, 12:12Inaktiver User
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Mein Vater ist 62 Jahre alt und war immer hinsichtlich Arbeiten trotz Krankheit ein harter Hund. Er ist immer gegangen, war in 10 Jahren vielleicht 2 x krank. Trotz Kreissägenverletzung, Hodenquetschung, grippaler Infekt etc. ist er immer gegangen. Er wollte den anderen Kollegen keine zusätzliche Arbeit aufhalsen und Verlässlichkeit hatte für ihn obere Priorität.
Bis er vor zwei Jahren wegen akuten Atemproblemen 1 Woche in die Klinik musste. Er leidete immer wieder an extremer Müdigkeit. Inzwischen hat sich rausgestellt, dass er an einer schweren Form der Schlapapnoe leidet. Seit er mit einem Atemgerät schläft, geht es besser.
Inzwischen macht er gerne mal 1-2 Tage krank, wenn er sich nicht 100%ig fit fühlt. Vor allem, weil es ihn ärgert, dass seine Kollegen ständig wegen jedem Schnupfen zuhause bleiben und teilweise wirklich "blau machen". Er sagt, er als älterer Jahrgang nach 45 Jahren Berufstätigkeit und kaum krankgeschrieben, nimmt es jetzt auch nicht mehr so genau.
Aber generell finde ich es nicht gut, wenn man einfach so sich krankschreiben lässt, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Vor allem in kleinen Betrieben, wo die anderen Kollegen die Arbeit dann übernehmen müssen und vermutlich Überstunden schieben müssen.
Was deine Firma betrifft: Ich frage mich, warum nicht mehr Leute eingestellt werden, wenn bei Ausfall von 1-2 Leuten zur gleichen Zeit alle anderen 7 Tage arbeiten müssen. Zumal auch vom Gesetz her Ruhezeiten eingehalten werden müssen.
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06.12.2013, 12:28Inaktiver User
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Von außen ist ja immer schwer zu beurteilen, ob eine Krankmeldung gerechtfertigt ist, aber: Es würde mir nicht mehr im Traum einfallen, mich zur Arbeit zu schleppen, wenn mir was in den Knochen sitzt. Gedankt wird es dir eh nicht.
Und ich mache meinen Job sehr gerne. Ich kann mir vorstellen, dass Leute, die ihren Job nicht so dolle finden, da noch weniger Motivation finden.
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06.12.2013, 12:35Inaktiver User
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Ich mache krank, wenn ich krank bin. Und nicht, weil mir hier und da was weh tut.Warum getraust du dich nicht, zu Hause zu bleiben, wenn du krank bist?
Wären dann nicht die "Alten" mindestens genauso oft, wenn nicht öfter, davon betroffen? Leute, die 10, 15, 20 Jahre in der Produktion arbeiten?die 7-Tage-Woche ist eine Folge des hohen Krankenstandes. Genauso lässt sich aber sagen: der hohe Krankenstand ist eine Folge der 7-Tage Woche.
Das kann ich gut nachvollziehen.Inzwischen macht er gerne mal 1-2 Tage krank, wenn er sich nicht 100%ig fit fühlt. Vor allem, weil es ihn ärgert, dass seine Kollegen ständig wegen jedem Schnupfen zuhause bleiben und teilweise wirklich "blau machen". Er sagt, er als älterer Jahrgang nach 45 Jahren Berufstätigkeit und kaum krankgeschrieben, nimmt es jetzt auch nicht mehr so genau.
Ja, das weiß ich genau. Will ich aber hier nicht weiter ausführen.Wobei ... weisst du mit Sicherheit, ob besagte Kollegin nicht z.B. eine chronische Schmerzkrankheit hat?
Klar, kann ich auch verstehen. Aber wir werden (für unsere Verhältnisse hier) gut für den Job bezahlt.Ich kann mir vorstellen, dass Leute, die ihren Job nicht so dolle finden, da noch weniger Motivation finden.
Und es fällt eben wirklich auf, dass es immer die "Jungen" sind, die krank machen. Das Thema ist übrigens bei den "Alten" mittlerweile zum Dauerthema geworden.Geändert von Inaktiver User (06.12.2013 um 12:41 Uhr)
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06.12.2013, 12:40Inaktiver User
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06.12.2013, 12:40Inaktiver User
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06.12.2013, 12:44
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Es nervt Dich verstehe ich, aber Du musst für Dich sorgen und nicht für andere... D.h. Du musst in Deinen Spiegel schauen und wenn der O.K. ist, dann ist alles prima...
Krank ist krank und Urlaub ist Urlaub, ach ja und jeder Mensch ist mit seiner Leidensfähigkeit individuell, 3X Niesen und es gibt Menschen die fühlen sich sofort ganz schlecht und krank, andere dagegen niesen und gut ist... erst wenn Fieber da ist fühlen die sich krank....Das Leben macht was es will und ich auch!
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06.12.2013, 13:16
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Hm, das stößt mir gerade unangenehm auf. Ich (mitte 40) empfinde meine Einstellung, nicht mit jedem Zipperlein zu Hause zu bleiben, als normal und nicht als "lässt sich vom AG ausbeuten". Sicher habe ich auch das Glück selten ernsthaft krank werden.
Wer Fieber hat, sollte das Bett hüten. Wer etwas gebrochen hat, sollte sich zu Hause gesund pflegen.
Aber wegen eines normalen Schnupfens ohne Fieber zu Hause zu bleiben, nur um "vielleicht" die Kollegen nicht anzustecken? Weil man Kopfschmerzen hat (nicht Migräne), lieber mal zu Hause bleiben, und nicht die Ursache zu erforschen und mal eine Tablette nehmen?
Mein Mann arbeitet mit Menschen zusammen, wo die Krankheitsquote sehr hoch ist. Gruselig, was da für Erkrankungen wochenweise Menschen von der Arbeit fern halten können. Er und seine gesünderen? bzw. härteren? Kollegen tun mir immer leid, denn sie müssen ausbaden, was andere teilweise aus Faulheit, Bequemlichkeit, etc. pp. zu Hause hält.
Ich persönlich glaube, es hat auch etwas damit zu tun, wie man sich im Job und mit den Kollegen wohlfühlt. Wie gut die Entlohnung ist, und auch wie das Engagement gelobt/honoriert wird. Wenn das stimmt, fühlen sich einige Kleinigkeiten gar nicht so krank an.
Mein Arbeitgeber zahlt mir gutes Geld für meinen Job und schafft ein guten Arbeitsplatz.. Und mein Part ist es, meinen Job gut zu machen und loyal dem Unternehmen gegenüber zu stehen. Wer so denkt, ist meist von ganz allein "krank, wenn es so ist" und nicht weil man keine Lust hat.Geändert von Singingintherain (06.12.2013 um 13:19 Uhr)
- Virginia Satir / Ich bin ich, ein Stück Lebensphilosophie -
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06.12.2013, 13:23Inaktiver User
AW: Krank machen - Seh ich das zu eng?
Aber genau das ist ja der Punkt: Sehr, sehr viele AG zahlen eben KEIN gutes Geld und der Arbeitsplatz ist auch alles andere als sicher. Es wird Loyalität von den Angestellten erwartet, die aber wiederum selbst keine Loyalität erwarten können. Und das verstehe ich unter "ausbeuten".
Da verstehe ich schon, dass viele das ganz genau aufrechnen.


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