Etwa vierzig mal jährlich habe ich beruflich mit Schulklassen jedweder Schulform als Dozentin zu tun. Ich liebe meinen Beruf, doch vor den Veranstaltungen in gewissen Schulformen habe ich regelrecht Angst: Dazu gehören beispielsweise Hauptschulen, Handelsschulen, manchmal auch Realschulen.
Zunächst: Die Schüler in diesen Klassen sind oftmals unglaublich unruhig, respektlos und desinteressiert. Desweiteren kommt - gerade auch im Hinblick auf mein spezielles Fachgebiet - oftmals eine Geringschätzung und Abwertung seitens vieler muslimischer Schüler, die ich in dem Moment als vollkommen reflektions- und diskussionsresistent erlebe (habe übrigens keine generellen Vorbehalte im Hinblick auf den Islam, war jahrelang mit einem muslimischen Mann liiert).
Dieser Teilbereich meines Jobs ist, wie gesagt, gar nicht so leicht für mich. Darum möchte ich hier meine aufrichtige Bewunderung jenen Lehrerinnen und Lehrern aussprechen, die sich jeden Tag aufs Neue motiviert und engagiert mit Schülern auseinandersetzen, welche mich auf Dauer an den Rand der Verzweiflung treiben würden.
Insbesondere gilt das für Lehrer, die entweder klassische Fächer (Mathe, Englisch, Deutsch...) oder vorbereitungsintensive (Steuerfach o.Ä.) lehren!
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Thema: Beruf: Lehrer - Respekt
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19.06.2012, 20:24
Beruf: Lehrer - Respekt
Geändert von pizzicati (19.06.2012 um 20:28 Uhr)
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19.06.2012, 21:04
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Hallo pizzicati!
Mich würde interessieren, was für einen Beruf du hast in dem du regelmäßig mit Schulen zu tun hast. Bist du vielleicht Anti-Gewalt-Trainerin oder irgendwas in der Art? Erzähl mal!
Ansonsten habe ich nach diversen Praktika in Schulen auch großen Respekt vor Lehrern, vor allem weil man es mit einer unglaublichen Lautstärke zu tun hat. Musikunterricht ist kein Kinderspiel
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19.06.2012, 22:12Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
Sommer 2021 - mehr als nur nasse Füße... reinklicken und mithelfen!
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20.06.2012, 18:29
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Hi Smilla_,
Deine Vermutung liegt ziemlich nahe bei dem, was ich tatsächlich in den Schulen anbiete. Es geht um Präventionsveranstaltungen. Mehr möchte ich zur Wahrung meiner Anonymität aber nicht dazu schreiben, weil das Ganze doch sehr speziell, und die Identifizierungsgefahr hoch ist.
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Die Lautstärke setzt mir auch in diesen speziellen Klassen zu! Wie schaffen Lehrer es da auf Dauer, ihre Konzentration bei zu behalten, einwandfreie Sätze zu formulieren und den Schülern gegenüber positiv zu bleiben?
Dieser Krach, das Desinteresse (Konsumverhalten) und der oftmals fehlende respektvolle Umgang der Schüler in Bezug auf meine Person machen mich manchmal wirklich wütend, und ich reagiere auch ziemlich autoritär, obwohl das nicht meiner pädagogischen Grundhaltung entspricht.
Eines muss ich wohl berichtigen: In "schwierigen" Klassen ist wahrscheinlich jeder Unterricht eine Herausforderung für Lehrer, egal, ob Mathematik, Musik oder Ethik!
LGGeändert von pizzicati (20.06.2012 um 18:34 Uhr)
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22.06.2012, 10:02
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
sie schaffen es oft nicht.
daher die hohe burn-out-rate.
ich finde auch, es muss bei der lehrerausbildung einiges geändert werden. zunächst braucht es ein persönlihces auswahlverfahren. ein jahrelanges kommunikationstraining. dazu konkrete, interaktionsbezogene supervision.
und wenn die regierung es ernst meint mit dem bildungsstandort deutschland, und wirklich auch schwierige kinder fördern will, müssen die eltern der schüler einbezogen werden, damit sie mit den lehrern zusammenarbeiten.
für die meisten eltern ist es erst mal leichter, ihren kindern gegen die bösen lehrer beizuspringen, als mit den lehrern gemeinsam an den problemen ihrer kinder zu arbeiten. das führt dazu, dass klein-kevin mehr wert darauf legt, täglich einen guten spruch abzulassen als täglich eine gute note einzufahren.
und: die klassen müssen deutlich kleiner werden, damit man mit diesen schülern individueller arbeiten kann.
ich denke manchmal: die kids brauchen zum teil regelrecht therapeutische hilfe, vor allem die jungs.
es fehlen auch eindeutig männliche lehrer in den schulen.Geändert von Coco-Lores (22.06.2012 um 10:08 Uhr)
Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina
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22.06.2012, 10:15Inaktiver User
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Es stimmt was du sagst, leider kann man die Eltern zu nichts zwingen, oft würde es ja schon genügen wenn sie darauf achten würden, dass nicht geschwänzt wird und die Hausaufgaben erledigt werden.
Kleinere Klassen wären fantastisch, aber wie immer mangelt es da am nötigen Geld.
Männliche Lehrer haben es nicht automatisch leichter, vielleicht in gewissen Kulturkreisen, weil man dort Frauen nicht wirklich ernst nimmt. Sonst sind ihnen die Hände genauso gebunden wie den weiblichen Lehrkräften. Die Schüler sind heute oft besser darüber informiert welche Rechte sie haben und was die Lehrer alles nicht dürfen als darüber, was ihre Pflichten sind.
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22.06.2012, 10:28Inaktiver User
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Die Erziehung fängt in der Familie an .... gerade und sehr oft ist es aber in muslimischen Familien so, dass Söhne alles dürfen. Das leben diese dann auch nach Außen.
Wir haben einen Lehrer in der Familie - inzwischen in Rente - und sehr froh darüber. Und er war an einem Gymnasium. Die Schulform hat nicht zwingend damit zu tun.
Ich möchte diesen Job nicht machen.
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22.06.2012, 10:41
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Spontan fällt mir da eine Lehrerin meines Sohnes ein, die regelmäßig über mangelnden Respekt klagte (generell). Es fiel ihr weder ein noch auf, wie respektlos sie selbst mit den Schülern umging, eine der Art, die autoritäres Verhalten mit Autorität verwechseln. bzw. den Unterschied nie begriffen haben.
Zu allen Zeiten gab es Lehrer (gilt auch für Vorgesetzte, Amts- und Würdenträger o.ä.), denen Respekt ganz selbstverständlich entgegengebracht wurde/wird; sie haben es gar nicht nötig, diesen einzufordern und es fiele ihnen auch gar nicht ein. Wer über mangelnden Respekt klagt, sollte sehr genau sich selbst ansehen - am besten in Form einer Supervision. Aber nach meinen bisherigen Beobachtungen fällt gerade dieser Typus zuallererst durch ein Übermaß an Selbstgerechtigkeit auf. Womit sich gewissermaßen die Katze in den Schwanz beißt: so jemand wird natürlich zurechtgestutzt
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22.06.2012, 10:58
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
Tolle Ausführung, Bila.
Du machst es Dir ein bißchen einfach.
Das, was den Lehrern heutzutage zu schaffen macht, ist, dass sie keine Konsequenzen aufzeigen dürfen, außer in schlechten Noten.
Ansonsten müssen sie alle Beschimpfungen ertragen, tätliche Angriffe kampflos über sich ergehen lassen - und dürfen ihre Rechte als Menschen nicht durchsetzen. Der Terror weniger in der Klasse beschneidet zwar das Lernergebnis für alle Schüler, aber die Freiheit des Individuums hat Priorität. Nicht einmal der Rausschmiss aus der Klasse für die aktuelle Unterrichtsstunde ist legitim.
Strafarbeiten können zwar aufgebrummt werden, verweigert das aber der Schüler: Ende der Fahnenstange.
Nachsitzen? Ist Freiheitsberaubung.
Schulverweis landet vor einem ordentlichen Gericht mit ungewissenem Ausgang.
Und Eltern werden immer den Lehrer beschuldigen und vor den Kadi zerren, wenn ihr mißratener Nachwuchs Mist baut oder kein ordentliches Zeugnis erhält.
Ich bewundere alle Lehrer, die auch nach 5 jahren noch hochmotiviert sind.
Ich schreibe das nicht aus dem hohlen Bauch sonden als ehemaliges Mitglied der Elternpflegschaft. Ein absolutes Graus waren die regelmäßigen Schulkonferenzen. Die Benotung und Beurteiliung von 350 Schülern war in einer Stunde erledigt und dann erfolgten die endlosen mit Mitternacht dauernden Diskussionen über 10 Pfeifen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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22.06.2012, 11:05
AW: Beruf: Lehrer - Respekt
ich auch, über Jahre auch als Vorsitzende. Marathonsitzungen gingen fast ausschließlich auf die Konten der wenigen verbliebenen autoritären L-Pfeifen. Augenfällig, wie sich das Schulklima nach dem Führungswechsel mit einem ziemlich liberalen Rektor änderte: Die Mehrzahl der Schüler verstand und akzeptierte die wenigen verbindlichen Regeln, die paar Ausreißer, die es immer gibt, waren so vergleichsweise gut zu handeln.


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