Hallo zusammen,
Ich arbeite bei einer renomierten Fluggesellschaft, habe einen sicheren und relativ gut bezahlten Job, bin jedoch seit 5 Jahren in der gleichen Positon. Seit meinem ersten Jahr wird mir gesagt, dass ich befördert werde, aber bis jetzt hat sich aus diversen Grüden, die offensichtlich- und gemäss Human Resources- nichts mit meiner Person und meiner Arbeitsweise zu tun haben, nichts getan. Ich erfülle meinen Job mit Leidenschaft und Hingabe, habe ein Flair für Sprachen und Kommunikation, liebe den Kontakt zu unseren Gästen und bin auch stolz, diese Airline repräsentieren zu dürfen. Und trotzdem: So langsam macht sich bei mir Unmut und Frust breit. Ich habe auch je länger je mehr Mühe mit gewissen Vorgesetzten, die sich mit einem höheren Titel schmücken, fachlich und menschlich jedoch erhebliche Defizite aufweisen...
Bei uns werden Beförderungen immer im Januar ausgesprochen, und ich möchte auf jeden Fall noch den nächsten "Stichtag" abwarten. Damit meine Enttäuschung im Falle einer erneuten "Nicht-Berücksichtigung" nicht zu gross ist, bin ich an der Ausarbeitung eines Plan B![]()
Ich versuche, mir über Selbststudium-Module möglichst viel zu erarbeiten, was mir für eine höhere Positon von Nutzen sein könnte (z.B. Leadership und "Effective Communication"). Zudem habe ich gerade mein zweites Cambridge Diplom in Englisch erworben. Momentan habe ich eine andere "Luxus-Fluggesellschaft" im Auge, die am Expandieren ist. Da sie erst vor ein paar Jahren gegründet wurde, konnte offensichtlich noch kein Profit verzeichnet werden, doch die Chance sich dort in absehbarer Zeit auf eine höhere Position bewerben zu können, scheint realistisch. Allerdings müsste ich dann vielleicht in Kauf nehmen, dass ich trotz dem höheren Titel nicht unbedingt viel mehr Geld verdienen würde, und ausserdem gäbe es ziemlich sicher (noch) kein Bonussystem- ein Privileg, das wir bei meiner momentanen Gesellschaft geniessen.
Ich würde gerne mehr Verantwortung übernehmen und endlich einen Karrieresprung machen (ich bin anfang 30), doch stellt sich mir natürlich die Frage, was sich langfristig mehr auszahlt. Im CV würde es sich bestimmt gut machen, wenn ich eine höhere Position vorweisen könnte, und es würde mir Türen für zukünftige Jobs öffnen. Allerdings habe ich mich in den letzten Jahren an einen gewissen Standard gewöhnt, und ich möchte eigentlich finanziell nicht zurückstecken sondern im Gegenteil mehr Geld verdienen.
Falls sich die Gelegenheit ergibt, würdet ihr euch auf eine höhere Position bei einer anderen Airline bewerben, auch wenn das Risiko besteht, dass sie langfristig eventuell nicht so erfolgreich ist wie diejenige, bei der ich jetzt angestellt bin? Ein Vorteil wäre jedoch, dass ich wertvolle Erfahrung im Aufbau einer Station sammeln könnte, denn die Airline, die ich im Auge habe, fliegt meine "Homebase" im Moment (noch nicht) an. Gemäss Pressemitteilungen ist aber in den nächsten 1-2 Jahren damit zu rechnen, und ich möchte dann auf jeden Fall bereit sein, wenn sich etwas Interessantes anbieten sollte. Ich plane weit im Voraus, doch ich bin im Moment ziemlich unzufrieden und suche nach einem "Lichtblick" bzw. einer guten Alternative.
Danke für eure Meinung und liebe Grüsse,
Marisa
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03.09.2011, 02:34Inaktiver User
Ausharren oder sich neu orientieren?
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03.09.2011, 05:42
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Moin Marisa,
ich finde ja immer, dass das eigene Gefühl mehr wiegt, als mehr Geld. Du bist unzufrieden und wenn Du im nächsten Jahr wieder nicht höher rutschst wahrscheinlich noch mehr.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, strebst Du aber höhere Positionen auf jeden Fall an. Da kann es doch sehr sinnvoll sein, auf das noch höhere Gehalt vorrübergehend zu verzichten, wenn Du dafür Dich aber eine Stufe weiter entwickeln kannst.
Mit Anfang 30 hast Du dafür doch noch alle Zeit, will ich meinen.
Meinst Du mit Ausharren bis Januar ausharren?
Ich glaube, ich würde mich an Deiner Stelle mal anderweitig bewerben und wenn Du ein Angebot hättest, dann könntest Du ja vielleicht bei Deinen jetzigen Personalern in ein Gespräch gehen, wie es bei der nächsten Beförderungswelle für Dich aussieht, da Du dieses Angebot sonst gerne annehmen würdest. Hättest Du diesen Mut? Auf jeden Fall hättest Du Deinen klaren Willen für Deinen weiteren Weg gezeigt und man kann Dich nicht mehr einfach übersehen. Allerdings birgt das die Gefahr, dass man Dich nicht mehr ernst nehmen würde, wenn Du trotz fehlender Beförderung bleiben würdest.
L.G.E.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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04.09.2011, 09:40
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Hallo Marisa,
wie Einzelne schon schrieb, manchmal ist es wichtiger, dem Gefühl zu vertrauen, und auch zufriedener zu sein mit weniger Geld als unzufrieden mit mehr Geld.
Könntest du auch mit weniger Gehalt auskommen?
Hättest du den Mut, deine Chancen bei deinem jetzigen AG auszulotsen?
Vielleicht denkt sich dein AG aber auch: Du ist gut, da wo sie gerade ist, dann brauchen wir sie nicht zu befördern. Sie sagt ja auch nicht, dass sie befördert werden will...
OT: Oder anders ausgedrückt (das habe ich mal in einem Buch gelesen), dass es das Phänomen gibt, dass man auf der Anfangsposition gesehen wird und einem nicht mehr zugetraut wird. Das soll oftmals bei Auszubildenen der Fall sein, die auch nach der Ausbildung noch als die Auszubildenden gesehen werden, denen man dann immer noch nichts zutraut.
Was wäre, wenn dich dein AG im Januar wieder übersieht, wie lange würdest du noch warten wollen.
Weiß dein AG von deinen Selbststudium-Modulen?
Zu deinem letzten Absatz: Da kann man keine pauschale Antwort geben:
Was wäre dir wichtiger: dich in der Position auszutoben, die du anstrebst oder die Sicherheit deines jetzigen Jobs, wo man dich Jahr für Jahr vertröstet. Für manche ist Sicherheit wichtig, für manche die Selbstverwirklichung. (An meinem Beispiel: Meine Mutter hätte mich gerne in einem Beamtenverhältnis gesehen (Sicherheit), ich wechsle gerne alle 1,5 Jahre meinen Job, um neue Bereiche kennen zulernen, neue Erfahrungen zu sammeln (Selbstverwirklichung).)
Wenn ich ganz negativ denke, könnte man deinem AG auch unterstellen, zu überlegen: Es gibt zu viele, die höhere Positionen anstreben, und sie lässt sich ja so toll vertrösten und nimmt das hin.
LG Desideria
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04.09.2011, 11:44
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Ich würde nicht für weniger wechseln mit mehr Verantworung. Kann aber auch daran liegen, dass ich der Zukunft nicht trauen würde und man nie weiss, ob dann spáter wirklich mehr rausspringt. Am Ende arbeitet man mehr, mit mehr Verantwortung und weniger Geld. Auf Dauer macht das wohl noch unzufriedener. Allerdings arbeite ich in einem anderen Land, wo alles ein bischen anders ist....
Jedenfalls frage ich mich aber, warum du dir schon vor deiner Bewerbung so Gedanken machst. Bewirb dich doch erstmal dort, und dann sieh weiter. Falls du ein Angebot bekommst, kann man immer noch überlegen, was man macht. Mir ging es immer so, dass ich erst wusste, was ich wollte, als es konkret wurde. Ich arbeitete vorher in einem sehr angesehenen Unternehmen, das jetzige hat einen bescheideren Ruf, aber das ist mir egal....
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05.09.2011, 09:19
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Die Frage ist ja, was mittelfristig in der Außensicht als Karriereschritt gesehen wird und was nicht. Das macht sich AUCH am Gehalt fest, vor allem aber auch an Unternehmensgröße, Unternehmensimage etc.
man
Nur um eines Jobtitels willen zu wechseln wird nicht als positve Entwicklung gesehen werden. Um ein Bespiel zu nennen: Projektleitung für ein Teilprojekt, das sich mit 5 Personen über ein Jahr hin erstreckt, ist mehr, als die volle Verantwortung für ein Projekt mit einer halben Stelle über zwei Monate.
Ob die zweite Variante als Karriereschritt interessant ist, hängt davon ab, wie alt man ist und ob diese Variante nur als Zwischenetappe für eine anspruchsvollere Position gedacht ist. Im oben genannten Fall: 20.000 Euronen pro Jahr weniger Einkommen beim kleineren Unternehmen (um einfach mal eine Summe zu nennen) werden sich bei niemandem als Karriereschritt verkaufen lassen.
skam"So ist es besser, Genossenes zu bereuen als zu bereuen, dass man nicht genossen habe." (Casanova)
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05.09.2011, 10:33Inaktiver User
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
@Marisa,
ich vermisse an Deinem Posting, was Du nun konkret mehr leisten möchtest, welche erweiterten Fachgebiete Du übernehmen möchtest.
Das Ziel "ein schönerer Titel und mehr Geld" überzeugt nicht so wirklich.
Und gute Arbeit führt nicht automatisch zur Beförderung, sondern ist selbstverständlich.
Wer befördert werden will, muß schon besonders herausragen, besondere Fähigkeiten mitbringen.
Und sorry: Ein paar Kommunikationsseminare und BEC Certifikate sind das in meinen Augen nicht.
Soweit ich das sehe, gibt es bei Fluggesellschaften auch ziemliche Verwerfungen, selbst Air Berlin wackelt. Da würde ich mir schon überlegen, von einer renommierten Linie zu einer "Klitsche" zu wechseln.
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05.09.2011, 12:29Inaktiver User
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Hallo Marisa,
man merkt, dass du deinen Job mit Leidenschaft machst. Dein AG kann sich glücklich schätzen! Weiß er denn von deinen Ambitionen? Ist ihm klar, WIE wichtig dir eine Beförderung wäre?
Woran liegt es, dass es bisher nicht geklappt hat? Hast du schon mal konkret nachgefragt? Sind es Hierarchien? Deine Qualifikation?
Irgendwo mal gelesen - sich selbst ein Limit setzen, worunter man keinesfalls fallen möchte (i.e. womit man die Wohnung noch halten kann und alle Fixkosten bestreiten kann). Ist dein anvisierter Job darunter - finanzielle Unausgeglichenheit kann auch stressen.
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05.09.2011, 18:55Inaktiver User
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Vielen Dank für eure Antworten!
@Lorelei: Danke für deine Einschätzung. Schade, dass mein Posting bei dir den Eindruck erweckt hat ich sei nur auf den Titel und mehr Geld aus. Ich kann und möchte mehr Verantwortung für unsere Gäste, unsere Maschinen und mein Team übernehmen, und ich bin sicher, dass ich das gut machen würde. Die Airline Branche und der Tourismus, die Sprachen und der Kontakt zu Menschen aus aller Welt sind meine Passion- Motivation, Engagement, Interesse gepaart mit Fachwissen empfinde ich als Basis für einen Karrieresprung. Ausserdem arbeite ich an meinem CPE (Cambridge Certificate of Proficiency) was dem Niveau von Muttersprachlern gleichkommt. Ich finde schon, dass das eine Qualifikation resp. eine besondere Fähigkeit ist und auch ein Beweis dafür, dass ich ausdauernd bin.
Dein Zitat "Selbst Air Berlin wackelt": Ich möchte nicht überheblich wirken, aber ich bin in einer anderen Liga angestellt, und meine Alternative ist eine Airline im gleichen Segment und nicht irgend ein "Low Cost Carrier".
@Sugarnova: Die Situation bei uns im Team ist momentan sehr vertrakt. Wir haben seit 6 Monaten einen neuen Chef, der unsere Airline nicht kennt und sich erst noch in seine Rolle einfinden muss. Das ist ja auch verständlich, doch leider sind wir ihm als Team und Mitarbeiter wohl ziemlich egal, und ihm scheinen solche Themen wie Förderung der einzelnen Teammitglieder, Entwicklung und Weiterbildung sowie guter Teamspirit fremd zu sein.
Zudem ist unser System sehr hierarchisch, und die höheren Positionen werden bei uns seit Jahren von den gleichen Personen eingenommen. Somit ist ein Nachrücken der "Juniors" beinahe unmöglich. Das ist es auch, was mich unzufrieden macht, und ich habe das Gefühl in einer Sackgasse gelandet zu sein. Ich werde jedoch sicher nichts überstürzen und mich selber weiterbilden bis sich eine passende Möglichkeit für mich bietet. Einen Job für weniger Geld und gleichzeitig aber mehr Verantwortung würde ich nicht annehmen. Allerdings würde ich eine höhere Position zum gleichen Gehalt in Erwägung ziehen, da ich ja somit meinen bisherigen Standard halten und gleichzeitig wichtige Erfahrungen zur persönlichen Entwicklung sammeln könnte.
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05.09.2011, 22:14
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Es gibt Abteilungen, aus denen heraus Beförderungen mühsam sind - aus welchem Grund auch immer. Manchmal hilft der Wechsel in einen anderen Bereich weiter.
skam"So ist es besser, Genossenes zu bereuen als zu bereuen, dass man nicht genossen habe." (Casanova)
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05.09.2011, 23:03Inaktiver User
AW: Ausharren oder sich neu orientieren?
Die Airlines, die als dein derzeitiger Arbeitgeber in Betracht kommen, haben alle sehr ausgeklügelte Beurteilungssysteme, in denen durch die Vorgesetzten klare Aussagen zu Potenzial und Entwicklungsmöglichkeiten getroffen werden. Die Personalabteilung ist dabei nur Empfänger der Botschaft und hat kein Mitsprache- oder Beurteilungsrecht.
Daher die Frage an dich: was steht in deinen Beurteilungen, von denen du nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit ja ungefähr 5 haben solltest? Und was tut dein Arbeitgeber dafür, dich und dein Potenzial weiterzuentwickeln? Selbststudium ist eine gute Sache, aber idR haben gerade die Arbeitgeber in deiner Klasse die Mitarbeiter gut im Blick und fördern diejenigen, die sie für förderungswürdig halten, auch wenn keine freie Stelle aktuell zu vergeben ist.
Und - seit 6 Monaten hast du einen neuen Chef. Warum hast du die Stelle nicht bekommen? Hast du dich dafür beworben? 5 Jahre Betriebszugehörigkeit reichen idR aus, um zur Führungskraft entwickelt zu werden.
Aus deinen Postings entsteht bei mir der Eindruck, dass dein Arbeitgeber dich anders sieht als du dich einschätzt. Vor einem Wechsel würde ich da an deiner Stelle erstmal Klarheit gewinnen, um dann zu überlegen, wie du vermeidest, dass du beim neuen Arbeitgeber ähnliches erlebst, bzw. ähnlich eingeschätzt wirst.


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