Hallo!
Ich bin neu hier und hoffe auf Leute mit Erfahrungen zu folgendem Thema:
Ich bin Beamtin bei einer großen Behörde und habe das Problem, dass ich mich auf meiner Stelle nicht mehr wohl fühle, dies liegt zum einen an sehr ungerechten Arbeitsbedingungen zum anderen an meiner Kollegin, die ich aus verschiedenen Gründen als sehr anstrengend empfinde.
Wie dem auch sei. Ich suche nun nach Wegen, etwas zu ändern. Da Gespräche mit den Chefs bzw. mit meiner Kollegin bisher nicht viel und vor allem keine dauerhafte Veränderung gebracht haben und meine "Magenschmerzen" zur Zeit stetig wachsen, versuche ich also nun, Wege zu finden, zu wechseln oder zu gehen. Allerdings sitzt man da in einem Job wie diesem wie in einer Art goldenem Käfig: Auf der einen Seite ein sehr sicherer Job auf der anderen Seite - gerade im allgemeinen Verwaltungsdienst - schwer, einen anderen öffentlichen Arbeitgeber oder eine freie andere Stelle mit der entsprechenden Besoldungsgruppe zu finden.
Mich entlassen lassen (wie es nach Beamtenrecht so schön heißt) möchte ich nicht, da ich meine sämtlichen Versorgungsansprüche dann, soweit ich weiß, verlieren würde und das wären jetzt immerhin schon Ansprüche von ca. 19 Jahren....
Neue Idee: Eine Beurlaubung "aus arbeitsmarktpolitischen Gründen" - ja, so heißt es, laut einschlägigen Rechtsnormen.
Ich hatte mir überlegt, mich zunächst für ca. 3 Jahre beurlauben zu lassen und mich in dieser Zeit auch weiterzubilden, um mehr Chancen durch Zusatzqualifikationen zu erhalten. Es gibt ja Ausschreibungen im Öffentlichen Dienst, aber dann eben eher für die nicht typischen Verwaltungsjobs.
So habe ich mir überlegt, z.B. ein Studium für Medienkommunikation und Journalismus zu belegen und mit dieser Zusatzquali dann anschließend einen neuen Anlauf (im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Marketing o.ä. im öffentlichen Dienst) zu wagen.
Schlimmstenfalls klappt das nicht sofort, aber nach drei Jahren Beurlaubung hätte ich grundsätzlich ja die Garantie auch einfach wieder zurückzukehren, wobei das natürlich auch wieder eine Chance oder aber auch ein Risiko darstellt, da ich dann sicher nicht auf meine bisherige Stelle zurückkäme, da diese in der Zwischenzeit sicher wiederbesetzt wurde und die Bedingungen dort somit hinter mir lassen könnte und sich vielleicht was "Besseres" ergibt. Natürlich kann man dann auch vom Regen in die Traufe kommen und es trifft einen noch schlimmer als vorher. Aber dann hätte ich wenigstens einen Versuch gestartet und würde mich nicht immer fragen:"Was wäre wenn???"
Hat also jemand von Euch schonmal was ähnliches überlegt oder sogar durchgezogen und wie ist es Euch dabei ergangen? Was muss man bedenken? Ich würde mich riesig über zahlreiche Antworten freuen!!!!
Liebe Grüße
Kena
Antworten
Ergebnis 1 bis 8 von 8
-
15.06.2009, 19:26
Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
-
15.06.2009, 20:02Inaktiver User
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
Hallo,
zu bedenken ist, dass Du während der Beurlaubung keine Bezüge erhältst und Dein Beihilfeanspruch ebenfalls ruht - falls Du nicht z. B. über einen gesetzlich versicherten Ehemann familienversichert werden kannst, müsstest Du Dich zu 100 % privat versichern
Auch würde ich mich erkundigen, wie realistisch Deine Chancen (angesichts der allerorts herrschenden Haushaltskonsolidierung)wirklich sind, später mit einer Zusatzqualifikation eine wirklich adäquate (und auch dementsprechend vergütete) Stelle im ö.D. zu erhalten. Ich habe schon öfters miterlebt, dass nebenberuflich der Angestelltenlehrgang II oder der "Dipl.Komm." absolviert wurde, der/die Betreffende viel Geld und Zeit investierte, und man am Ende doch nicht von der ursprünglichen unbefriedigenden Stelle / Besoldungsstufe wegkam. Wenn Du schon 19 Dienstjahre hast, wirst Du ja auch schon ein gewisses Alter haben, Deine Fortbildung wird ja auch einige Zeit beanspruchen, und mit Ü40 ist es auch in einer Behörde nicht leicht, zu wechseln
Alles Gute
-
15.06.2009, 20:10Inaktiver User
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
So weit mir bekannst ist, wirst Du deine Versorgungsansprüche bei einer Kündigung nicht verlieren. Dein "Arbeitgeber" müsste, wenn Du einen neuen Job antrittst die bisher angefallenen Beiträge nachzahlen.
Ansonsten bewerte ich dein Vorhaben als ziemlich schwierig. Einerseits geht dir die Behörde auf den Geist und möchtest etwas neues anfangen. Natürlich nur, ohne auf die Vorteile die Du jetzt hast zu verzichten. Ich befürchte das wird sich nicht in Einklang bringen lassen.
Letztendlich wirst Du nach dem Motto verfahren müssen - wer nicht wag der nicht gewinnt
wer nicht vögelt kriegt kein kind
viel Erfolg
-
15.06.2009, 20:38Inaktiver User
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
-
15.06.2009, 20:42Inaktiver User
-
19.06.2009, 17:52
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
Danke für Deine Rückmeldung. Ich weiß, es gibt einiges zu bedenken. Das mit der Krankenkasse könnte wahrscheinlich ja über meinen Ehemann klappen. Ansonsten muss ich noch viel zur Entscheidungsfindung klären.
Viele Grüße
Kena
-
19.06.2009, 22:11
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
Hallo Kena,
zwei Freundinnen von mir haben sich mit Mitte 20 für 6 Jahre beurlauben lassen und in der Zeit an der Uni studiert. Ich habe für diese Entscheidung etwas länger gebraucht und war Anfang 30, als ich mich für eine Beurlaubung und ein Studium an der Uni entschieden haben (FH Studium für Verwaltungsrecht hatte ich schon zu Beginn meiner berufl. Laufbahn absolviert).
Keine von uns hat diese Entscheidung je bedauert. Bei keiner von uns hat das Studium zu einem Karrieresprung geführt. Wir alle drei sind in den gehobenen Dienst zurückgekehrt, haben dort aber interessantere Jobs als vorher bekommen. Eine hat ihr Studium nicht abgeschlossen, eine hat ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und sich dann aber (der Liebe wegen) nicht bundesweit in der "freien Wirtschaft" beworben und ist dann an ihrem Wohnort ins Amt zurück. Bei mir hat meine Behörde zum Zeitpunkt meines Studienendes einige Jahre lang keine Bewerber im höheren Dienst mehr eingestellt. Den Sprung in die freie Wirtschaft habe ich seinerzeit nicht gewagt (trotz eines Angebots), damals ging gerade die Wirtschaft bergab, der neue Markt in die Knie, da habe ich die Sicherheit vorgezogen.
Ich bin zunächst zurück zu meinem alten Dienstherrn, in meinen alten Job, habe aber innerhalb von 3 Monaten eine interessante Projektarbeit bekommen und innerhalb von 1,5 Jahren eine neue, höher besoldete Position. Wieder drei Jahre später eine Führungsposition. Durch mein Studium habe ich so viel Erfahrung gesammelt und meinen Horizont so erweitert, dass ich noch heute davon beruflich sehr profitiere. Ich habe neue Arbeitstechniken gelernt und mir eine gewisse Professionalität aneignen können. Ohne Studium wäre ich bei meinem Dienstherrn mit Sicherheit immer noch im gleichen Job, vielleicht mittlerweile eine Besoldungsgruppe höher, aber selbst das ist zweifelhaft, da es bei uns sehr viele Kolleginnen und Kollegen in den Eingangsämtern des geh. Dienstes gibt.
Mit meiner Entscheidung, mich beurlauben zu lassen und mich weiterzubilden, bin ich sehr glücklich, auch wenn ich beruflich damit nicht das Maximum erreicht habe. Es war eine ganz tolle Zeit und ich habe es sehr genossen, nach Jahren der Berufstätigkeit meine Zeit mit Vorlesungen und Lernen selbst bestimmen zu können. Es hat mir auch großen Spaß gemacht, zu lernen, da ich ja einige Jahre aus dem Lernprozeß ´raus war. Neben dem Studium hatte ich natürlich viel Zeit für Partys und Reisen (aber wenig Geld ;-)
Du musst folgendes bedenken:
Wie finanzierst Du Deinen Lebensunterhalt während der Beurlaubung, da Du nur ohne Bezüge beurlaubt werden kannst? Meine Freundinnen haben in den Semesterferien 3 Monate Vollzeit auf ihren alten Stellen gearbeitet (Urlaubsvertretungen gemacht). Da man die Steuer wieder ´rauskriegt, ist das ganz lukrativ, zumindest auf studentischem Niveau. Ich habe das nicht gemacht, sondern bin jobben gegangen. Offiziell darfst Du als Beamtin max. 8 Std. pro Woche nebenbei arbeiten (Nebentätigkeitsrecht). Auch während einer Beurlaubung darfst Du nicht mehr als 8 Std. pro Wo. arbeiten, da eine längere Arbeitszeit "dem Zweck der Beurlaubung zuwiderlaufen würde".
Vermutlich bist Du privat versichert. Du musst natürlich Deine Krankenversicherung während der Beurlaubung klären. Entweder stockst Du Deine private KV auf (wie finanzierst Du die höheren Beiträge?) oder kommst irgendwie (über Ehemann) in die gesetzliche. Keinesfalls solltest Du Deine private KV kündigen. Zahle lieber einen monatlichen Betrag (hab vergessen wie das heißt, laß Dich da beraten), damit Du später zu den gleichen Konditionen in Deinem Vertrag bei der PKV weitermachen kannst. Alles andere ist beim Wiedereinstieg im öD wesentlich teurer.
Inhaltlich solltest Du etwas machen, was Dich wirklich interessiert. Wenn Du es hinterher nicht beruflich verwerten kannst, wird es Dir trotzdem nicht leid tun, denn Du hast es für Dich und Deinen Kopf getan. Ich denke aber, dass Du in den Jahren Deiner Beurlaubung so viele Erfahrungen sammeln wirst, dass Du Dich beruflich in jedem Fall bewegen wirst und wenn es "nur" eine andere (interessantere!) Aufgabe mit der gleichen Besoldung ist. Wenn Du in Richtung Journalismus gehst, könntest Du hinterher z. B. nebenberuflich als Journalistin arbeiten. Man kann jetzt nicht sagen, was beruflich in drei Jahren ist, das ist ein Zeitraum für den niemand in der heutigen Zeit eine Prognose abgeben kann.
Weiterbildung ist in den seltensten Fällen kostenlos. Also muss man nicht nur den Lebensunterhalt finanzieren, sondern auch die Kursgebühren, Lernmaterialien u.ä.
Mit welchem Personenkreis bist Du während der Weiterbildung zusammen? Gehst Du an eine Uni/FH, und machst einen Bachelor/Master, hast Du sicher sehr viele Leute um die 20. Als ich 30 war ging es gerade noch mit dem Altersunterschied, jetzt würde ich nicht mehr zwischen 20jährigen sitzen wollen. (Das ist aber meine persönliche Ansicht). Es gibt auch Weiterbildungen im Verwaltungsbereich, z. B. eine Verwaltungshochschule in Speyer oder Fachhochschulen des Bundes.
Der Partner sollte hinter der Entscheidung stehen. Während der Prüfungsphasen ist man leicht nervös, nicht gut ansprechbar und braucht viel störungsfreie Zeit zum Lernen. Dafür sollte er Verständnis haben.
Zeiten der Beurlaubung ohne Bezüge sind nicht ruhegehaltsfähig. Die Zeit wird Dir später bei der Berechung Deiner Pension abgezogen. Kannst das mal mit den Online-Pensionsrechnern kalkulieren. Zu überlegen wäre deshalb noch, ob eine Einschränkung auf Teilzeit statt einer Beurlaubung auch in Frage käme. Das geht, wenn der Dienstherr zustimmt, dann bliebe auch der Beihilfeanspruch erhalten. Hat auch ´ne Freundin von mir gemacht. Sie ist allerdings eine extrem diszipinierte Frau, ich hätte Studium und Teilzeitjob (50%) nicht gleichzeitig gekonnt. Vielleicht geht bei Euch aber auch TZ unter 50%, man könnte sich z. B. eine Stelle mit einer jungen Mutter teilen, die 2/3 arbeiten will und macht dann 1/3... Hängt natürlich vom Wohlwollen und der Flexibilität des Dienstherrn ab und ob sich gerade ein Pendant findet.
Bei mir hat es übrigens ein Jahr gedauert, bis die Beurlaubung beim Dienstherrn durch war (von den ersten Gesprächen an gerechnet). Ich hatte es ein paar Jahre zuvor schon einmal mit einer Beurlaubung für ein Jahr probiert, wollte gerne ins Ausland, das wurde abgeleht. Eine Beamtin darf ihren Wohnsitz nicht im Ausland nehmen. (Hätte mich vorher besser informieren sollen...) Man sollte, wenn man mit seinem Dienstherrn spricht in jedem Fall schon einen festen/plausiblen Plan für die Beurlaubungszeit haben/präsentieren. (Pläne kann man ja ändern...) Und eine Vorlaufzeit einkalkulieren, Vorgespräche führen bevor man den schriftlichen Antrag stellt. Auch die Position des Dienstherrn sehen, der ja eine Nachfolge für Dich finden muss...
Es gibt viel zu klären, aber es lohnt sich!
Alles Gute für Dich!
Rosanna
-
27.07.2009, 19:53
AW: Beurlaubung als Beamtin, um was Neues zu lernen, Erfahrungen???
Hallo Rosanna,
vielen vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, die mich sehr in meinen Plänen bestärkt hat. Ich habe mich seit meiner Frage hier im Forum auch schon weiterinformiert und die ein oder andere Info auch schon erhalten, habe auch schon erste "Stimmungen" bei meinen Vorgesetzten eingeholt, um zu klären, ob sie eine mögliche Beurlaubung unterstützen würden. Das ist bisher ganz gut gelaufen.
Weiter habe ich mir inzwischen eine sehr ausführliche Liste mit allen zu klärenden Punkten (von der Krankenkasse bis zu Finanzierungsmöglichkeiten etc.) angelegt, die ich jetzt nach und nach abarbeite.
Da ich schon Ende 30 bin, mache ich mir auch ein paar Gedanken, ob das mit dem Studium zwischen den wahrscheinlich wesentlich jüngeren Mitstudenten so gut ist, aber auf der anderen Seite wirke ich noch relativ jung und fühle mich auch noch jung genug geblieben... Zum Glück steht auch mein Mann voll hinter mir und ist auch bereit, mich in der Zeit des Studiums mitzufinanzieren, was schon eine riesige Erleichterung ist.
Im Moment bin ich selbst gespannt, wie es mit meinen Vorstellungen weitergeht. Und danke nochmals. Deine bestärkenden Worte haben wirklich gut getan!
Viele Grüße
Kena


Zitieren

