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Thema: Krise

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    Krise

    Hallo Desperados!

    ich bin 42 und lebe seit 12 Jahren auf Sardinien, wo ich im Tourismus arbeite. Leider handelt es sich hierbei um saisonal begrenzte Gelegenheitsarbeiten, mal abgesehen davon, dass auf Sardinien viele in unsicheren und zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnissen sind.
    Ich kam durch einen Hoteljob hierher und habe danach angefangen im Organisatorischen Bereich im Tourismus zu arbeiten. Erst fand ich es als eine Herausforderung und habe mich sogar als Tourismusfachkraft für Reiseveranstalter, die Gruppenreisen oder Events auf Sardinien organisieren wollen, selbständig gemacht. Leider hat sich das nicht rentiert und ich habe angefangen, gelegentlich als Fremdenführerin zu arbeiten. Ich habe auch als Reiseleiterin erst für einen Österreichischen und dann für einen Schweizer Reiseveranstalter gearbeitet.
    Die letzten 5 Jahre war ich jeweils von März bis Oktober für eine hiesige Agentur tätig, wo ich touristische Serviceleistungen für ausländische Reiseleiter organisiert habe.
    Ich bin gelernte Hotelfachfrau und Fremdsprachenkorrespondentin, beherrsche 4 Sprachen fließend in Wort und Schrift und kenne mich in Tourismusorganisation (allgemeine Büroarbeit, Administration), Kundenbetreuung sowie natürlich im Hotelfach, Rezeption, Reservierungen, Eventorganisation und Caterings gut aus.
    Da ich immer nur vom März bis Oktober eingestellt wurde, habe ich im Winter Italienischunterricht für die Frauen der deutschen Soldaten von der hiesigen NATO Basis gegeben, sowie Unterricht in Englisch und Deutsch für hiesige.
    Ich habe keine Familie mehr in Deutschland und mein Lebensmittelpunkt, Wohnung und Freunde sind hier. Im Januar bin ich nach Nizza gegangen, weil ich dort einen Job als Bürokraft in einer deutschen Firma hatte. Leider gab es zu viele Komplikationen, (Diebstahl, Unfall, schwierige Wohnverhältnisse, uvm.) sodass sich die Schwierigkeiten auch auf meinen Job auswirkten, den ich schließlich verlor. So bin ich wieder nach Hause, nach Sardinien zurückgekehrt, auch weil weitere Jobsuche in Nizza erfolglos geblieben ist. Außerdem habe ich nicht genug verdient, dass ich meine monatlichen Fixkosten, Miete für ein kleines Zimmer in Nizza und meinen Lebensunterhalt davon bestreiten konnte. Mit Nizza habe ich 2.00 Euro Verlust gemacht, wollte es aber trotzdem ausprobieren, um der Realität der Gelegenheits- und Saisonjobs hier zu entrinnen.

    Seit 2005 bin ich in allen möglichen Job-Suche Portalen, deutsch und international, Hotelfach und nicht HoFa eingeschrieben. Ich habe jeden Winter gut 50 Bewerbungen verschickt, doch die meisten waren Absagen, wenn überhaupt Antworten kamen. Ich hatte Kontakt mit verschiedenen Arbeitsvermittlungsfirmen, auch in Deutschland, die mir alle sagten, "Ihr Lebenslauf ist zu chaotisch, Sie haben zu viele Dinge gemacht und sind nirgends lange geblieben"... Im Hotelfach ist es üblich, dass man häufiger den Arbeitgeber wechselt, auch weil viele Stellen Saisonstellen sind und hier in Sardinien konnte ich mir das meistens nicht aussuchen, denn wenn man hier überleben will, muss man nehmen was man bekommt! Man muss flexibel und erfinderisch sein!
    Ein weiteres Problem ist, dass die Reise zu eventuellen Vorstellungsgesprächen und eventuellen neuen Jobs von hier aus ins Ausland teuer und aufwendig ist und immer alles vom Arbeitssuchenden allein getragen werden muss.

    Fakt ist, dass ich trotz umfassender Ausbildung, 22-jähriger internationaler Berufserfahrung, (in der Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich), auch in leitenden Positionen, Probleme habe, eine ganzjährige Festanstellung zu finden. Ich kann ja was, ich will ja keine Almosen!

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    AW: Krise

    Das Problem, das Du schilderst, erleben sehr viele, die zu lange im Ausland tätig waren.
    Obwohl in allen außenorientierten Firmen dringend Menschen mit Auslandserfahrung gesucht werden, werden fast immer Menschen mit wirklichen Landeskenntnissen nicht angestellt.

    Das hat etwas mit der Arroganz der Macher in den Zentralen zu tun. Sie kennen jedes Land nur aus Gerüchten und aus Zeitungsmeldungen. Wirkliche Erfahrungen empfinden sie als Bedrohung.

    Ich kenn das aus dem technischen Bereich.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Inaktiver User

    AW: Krise

    Hallo crystalmar,

    möchtest du denn gerne in Sardinien bleiben oder geht es dir vor allem darum einen Ganzjahresjob zu finden ganz gleich in welchem Land?

    Ich persönlich finde deine Berufserfahrung sehr beeindruckend und meine das nur positiv. Und es gibt sicherlich auch Arbeitgeber, die das genauso sehen. Vielleicht musst du dich noch ein wenig in Geduld üben (auch wenn's schwer fällt), bis zu den Job findest, der deinen Ansprüchen entspricht, in einem Umfeld, in dem man deinen herausragenden Lebenslauf zu schätzen weiß.

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    AW: Krise

    Hallo crystalmar,

    ich würde vielleicht die vielen Saisonjobs so ähnlich zusammenfassen:

    2000-2008: (Sommerhalbjahr):
    Tourismusfachkraft
    - Aufzählung der Tätigkeitsschwerpunkte
    (Winterhalbjahr):
    - Lehrerin für Deutsch und Italienisch

    So wirkt es nicht mehr ganz so zerfasert, als wenn Du jede Tätigkeit mit exaktem Beginn- und Endedatum auflistet.

    Dann würde ich im Anschreiben ganz deutlich kommunizieren, dass es Dein erklärtes Ziel ist, eine dauerhafte ganzjährige Anstellung zu finden. Ich würde nicht direkt schreiben, dass die Saisonarbeit aus der Not heraus geboren war, denn das klingt so fremdbestimmt und wenig erfolgreich.

    Und was die Reise zu den Vorstellungsgesprächen angeht, würde ich versuchen, die Bewerbungsaktionen in mehrere Pakete zu bündeln und dann jeweils einen möglichst zeitnahen Zeitraum anzugeben, in dem Du in D. bist und für ein Gespräch zur Verfügung stehen kannst. Also Du schickst z.B. 50 Bewerbungen raus und schreibst da rein, dass Du in sechs oder acht Wochen in D. bist (für den Fall, dass sich tatsächlich kein einziges Gespräch ergibt, kannst Du die Reise ja ggf. wieder stornieren). Und dann ein halbes Jahr später noch mal dasselbe. Das setzt natürlich voraus, dass Du tatsächlich von Zeit zu Zeit mal nach D. reist und Dir das auch leisten kannst.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: Krise

    Liebe Mailina,

    ich fürchte, da hast du recht, was man sich manchmal von Leuten anhören muss, die noch nie "draussen" waren ist wirklich absurd!

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    AW: Krise

    Vielen Dank Tamarinda, für deine Antwort!
    Es fällt mir schweer von hier wegzu gehen, weil ich meinen Lebensmittelpunkt, meine Wohnung, Freunde etc. alles hier habe und wo ich auch hingehe muss ich wieder ganz allein von vorne anfangen. Das ist eine grosse psychische und finanzielle Belastung. Aber ich denke, ich werde darum nicht herum kommen, wenn ich nicht ständig von der Hand in den Mund leben will und hier wird deutsche Professionalität nur bis zu einem gewissen Grad geschätzt. Oft werden einem Knüppel zwischen die Beine geworfen, weil Kollegen oder Vorgesetzte merken, dass sie nicht mithalten können und das verängstigt sie.

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    AW: Krise

    Liebe Malina,
    vielen Dank für die guten Tipps, die gerne umzusetzen versuchen werde.
    Liebe Grüsse
    Alexandra

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