Ich brauche mal ein wenig Entscheidungshilfe. Kurzer Hintergrund: Abitur, Schulische Ausbildung Fremdsprachenkorrespondentin, zusätzliche Ausbildung Europasekretärin, beide Abschlüsse mit einer Eins vor dem Komma.
Ich habe mich nach der Ausbildung beworben ohne Ende (hab gestern mal nachgesehen, 150 Bewerbungen in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland), habe aber leider keine Arbeit bekommen, weil die Unternehmen meine mangelnde Praxiserfahrung bemängelt haben. Mir blieb nur der Weg in die Zeitarbeit. Ich bin da jetzt seit einem Jahr, immer im selben Unternehmen, und bin hier eigentlich auch sehr glücklich, wenn ich nicht eine Angestellte zweiter Klasse wäre. Meine beiden direkten Vorgesetzten würden mich gerne behalten, die Firmenleitung gestattet aber nur eine bestimmte Anzahl Köpfe am Standort. Mein Vertrag bei der Zeitarbeit läuft Ende Juni aus.
Ich möchte und muss aus der Zeitarbeit raus. Finanziell kommt kaum was dabei raus, ich bin zum Monatsende hin immer schon wild am rechnen, damit alles noch passt.
Auf meine diversen Bewerbungen habe ich bis jetzt entweder Absagen oder noch gar nichts bekommen, und da es nur noch zwei Monate bis Ende Juni sind, werde ich langsam nervös. Meine drei Möglichkeiten, falls ich nicht noch eine Zusage bekomme, sehen aus wie folgt:
- Ich bleibe in der Zeitarbeit, hätte aber diesmal einen festen Vertrag, weil meiner bereits zweimal verlängert wurde. Nachteile: Mieses Gehalt, Angestellte zweiter Klasse. Vorteile: Nicht Arbeitslos und ich mag meine Firma hier sehr.
- Meine Stiefmutter stellt mich auf 400 Euro Basis ein. Sie ist selbständig und ich würde ihre Abrechnungen, Karteikarten und Terminplanung übernehmen. Nachteile: Wenig Geld, langweilige Aufgaben. Vorteil: Nicht Arbeitslos und ich habe genug Zeit mich weiter zu bewerben.
- Ich mache eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau (dauert nach meinen Informationen in Vollzeit 3 – 4 Monate, kostet ca. 5000 Euro, wird vom AA aber bezuschusst). Vorteile: Nicht Arbeitslos, danach höher qualifiziert, ich lerne gerne. Nachteile: Kostet ein Heidengeld, ob es was nützt weiß man nicht.
Bei allen drei Szenarien würde ich mich natürlich nebenbei weiter bewerben, das ist klar. Beim AA habe ich mich bereits Arbeitsuchend gemeldet, d. h. meine Bewerbungen werden bezuschusst und falls es zum schlimmsten kommen sollte würde auch eine Weiterbildung bzw. Umschulung bezuschusst werden.
Was würdet ihr tun bzw. was haltet ihr für das Vernünftigste?
Vielen Dank schon mal fürs Lesen.
Lady Mina
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Thema: Entscheidungshilfe bitte
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27.04.2009, 12:21Inaktiver User
Entscheidungshilfe bitte
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27.04.2009, 12:35Inaktiver User
AW: Entscheidungshilfe bitte
Ich würde das machen und mich weiterbewerben.
Die Stiefmutteroption fände ich nicht so seriös, Du wärst ja praktisch doch arbeitslos und verdienst nur was dazu.
Und eine teure Fortbildung mit fragwürdigem Nutzen würde ich auch nicht machen, wenn ich wenig Kohle hätte.
Deine Qualifikation ist ja nicht das Problem, sondern die mangelnde Beruferfahrung. Die sammelst Du aber bei der o.g. Option.
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27.04.2009, 12:47Inaktiver User
AW: Entscheidungshilfe bitte
Sehe ich wie Lorelei - noch mehr lernen? Du bist doch schon super qualifiziert! Jetzt mußt du noch mehr Praxis bekommen.
Du machst sicher einen guten Job in diesem Unternehmen, wieso fühlst du dich als "Angestellte 2. Klasse"?
Ich kenne beide Seiten einer Zeitarbeitsfirma - vor vielen Jahren habe ich ein Jahr als MA in einer gearbeitet und wurde von einem Unternehmen übernommen bei dem ich eingesetzt war. Zweitklassig kam ich mir jedoch nie vor.
Und auch als Disponentin/ Headhunter habe ich bei einem Zeitarbeitsunternehmen schon gearbeitet.
Die Zeit als MA einer ZA möchte ich nicht missen, ich habe viel Erfahrung gesammelt, die mir bisher immer genützt hat.
Viel Glück
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27.04.2009, 14:08
AW: Entscheidungshilfe bitte
Hallo Lady Mina,
ich schließe mich meinen Vorschreiberinnen an. Beiß in den sauren Apfel und bleib in der Zeitarbeit. Ich denke auch, dass das die beste Möglichkeit ist, weitere Berufserfahrung zu sammeln. Alles andere wird Dich nicht wirklich weiterbringen. Normalerweise werden zwei bis drei Jahre Berufserfahrung gewünscht. Dann geht es erfahrungsgemäß besser mit den Bewerbungen. Und vielleicht ergibt sich ja doch noch eine Möglichkeit, von Deiner jetzigen Firma übernommen zu werden (wenn jemand anders kündigt z.B.).
Die Vorteile des 400-Euro-Jobs sind letztlich keine. Im Gegenteil, damit steigst Du eher weiter ab. Im Lebenslauf liest sich das nämlich dann so, dass Du nach einem Jahr Zeitarbeit nur noch einen 400-Euro-Job machst.
Mit der Fortbildung häufst Du weiter theoretisches Wissen an, das jetzt schon nicht unbedingt gewünscht ist (im Gegensatz zur Praxiserfahrung). Und Personalwesen ist auch ein Bereich, in dem es eher wenig Stellen gibt. Ich würde nicht davon ausgehen, dass diese Fortbildung Dir hilft, schneller eine feste Anstellung zu finden.
Also, auch wenn es schwer fällt, halte möglichst noch ein weiteres Jahr in der Zeitarbeit aus und bewirb Dich weiter.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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28.04.2009, 09:11
AW: Entscheidungshilfe bitte
Ich sag jetzt mal was anderes.
Was machst du in deinem derzeitigen Job (und was dir offensichtlich gefällt)? Sprachen und HR beissen sich wohl eher, oder machst du das zur Zeit auch? Ich wúrde versuchen, tiefer in die Branche zu gehen, in der du gerade bist und mich zu spezialisieren.
Es scheint, du hast dich mit grosser Breitbande beworben (heisst das so, deutsche Sprache laesst irgendwie bei mir nach…)
hast, aber mit Spezialisierung wirst du sicher interessanter als wenn du evtl. durch die Zeitarbeitsfirma in ne voellig andere Branche kommst…
Hatte dieselben Voraussetzungen, bin in der IT steckengeblieben, was mir zugute gekommen ist, haette aber gerne eine Spezifizierung ausbildungsmaessig gemacht. Manchmal fehlt mir das noch. Wegen meiner Ausbildung nimmt mich kein Mensch mehr, nur wegen meiner einschlägigen Berufserfahrung. Ich war damals nur 6 Monate in der Zeitarbeit und wurde dann nicht welter beschäftigt. Habe dann nebenher gejobbt und dann nach knapp 3 Monaten was gefunden, seitdem keine Probleme mehr, nen Job zu finden, das war vor 10 Jahren (davon 7 im Ausland). Ich war waehrend der ZA einfach zu müde, weil ich immer um 5 Uhr rausmusste und einen langen Weg hatte, zu VG konnte ich gar nicht weg. Ich war dann froh, dass ich nicht weiter beschäftigt wurde, sonst wäre ich bestimmt nicht zu meinem “richtigen” Job gekommen.
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28.04.2009, 09:38
AW: Entscheidungshilfe bitte
Am schlechtesten ist die Mutter-Variante. Du bekommst eine Weile Arbeitslosengeld. Danach hättest du nur diese 400 Euro. Sprich: Das Problem, Arbeit zu finden, bleibt. Noch dazu wärst du unglücklich im Job.
Personaler werden immer weniger gebraucht. Logisch - der Stellenabbau geht rasant in die soundsovielte Runde. Außerdem kann sowas auch ziemlich langweilig sein. Von den Kosten her könntest du es auch als Umschulung bekommen vielleicht, dann würde das AA die Kosten komplett übernehmen. Im LL würde ich dann sagen "Ausbildung" für diese Zeit.
Eine Firma, in der man sich sehrsehr wohl fühlt, und die Aufgaben stimmen, hast du jetzt.
Damit sind schonmal zwei der drei wichtigsten Punkte erfüllt!
Der dritte Punkt "Gehaltshöhe" ist zwar nicht erfüllt, aber ich denke, auf einen der drei Punkte muß man immer verzichten. Ist jedenalls so meine Erfahrung. Lieber weniger Geld, aber glücklich! Rechnen am Monatsende müssen viele, auch mit festem Job, auch mit 500 Euro mehr, glaub es mir. Richtig "genug" hat man in diesen Jobs nämlich nie.
Vielleicht (eigentlich mehr: wahrscheinlich) läuft dir bei deiner Tätigkeit noch die passende Firma über den Weg. Du bist noch jung, also gib dir Zeit, deine Ziele zu erreichen.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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28.04.2009, 09:38
AW: Entscheidungshilfe bitte
Hallo zusammen,
ich finde Spezialisierung gut, wenn man in einer bestimmten Branche oder einem Bereich Fuß gefasst hat. Aber so lange man noch um eine feste Stelle kämpft, kann das in meinen Augen auch schnell kontraproduktiv sein. Man engt sich durch eine Spezialisierung fast zwangsläufig sein. Selbst wenn man bereit ist, auch jenseits der Spezialisierung zu arbeiten, wird jeder Bewerbungsempfänger denken, das Herz schlägt für das Spezialdings, und alles andere ist eher eine Notlösung. Und wenn es dann in dem Spezialdings auch keinen Job gibt, steht man blöd da.
Ich finde bei einer Berufsanfängerin eine gewisse Bandbreite nicht verkehrt. Die Spezialisierung ergibt sich mit den Jahren ja fast von selbst.
Und Lady mina hat mit einer kaufmännischen Ausbildung ja eigentlich eine ganz gute Basis für einen Einstieg. Nach drei Jahren in einer Personalabteilung könnte ich mir vorstellen, dass es sinnvoll ist, da noch eine gezielte Weiterbildung zu machen, um die praktischen Kenntnisse noch mit einem formalen Qualifikationsnachweis zu unterfüttern. Aber jetzt würde ich das eher nicht machen.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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28.04.2009, 10:58Inaktiver User
AW: Entscheidungshilfe bitte
Zitat von Inaktiver User
Hallo Dharma und Lorelei,
ich fasse euch mal zusammen, ihr habt ja sehr ähnliche Ansichten zu dem Thema. Ich mache hier im unternehmen ein bisschen alles, ich organisiere im Moment ein großes Event im Mai, ich übersetze Geschäftskorrespondenz, halte den kontakt zur Mutterfirma in den USA, dolmetsche auf Geschäftsreisen, organisiere Meetings und bereite Telefonkonferenzen vor und nach.
Ja, es macht Spaß und ist das was ich gelernt habe. Die Firma ist sehr gut, bekannt, 20 Minuten Fahrt von meinem Wohnort, eigentlich perfekt. Wenn da eben nicht öfter auch mal Sachen wären, bei denen ich wieder daran erinnert werde, dass ich eben keine „richtige“ Mitarbeiterin bin. Ich muss eben alle Entscheidungen, die ich laut meinem Vorgesetzten eigentlich auch alleine treffen könnte abzeichnen lassen. Ich muss öfter am Telefon mal sagen, Moment, ich kann das nicht entscheiden, und dann kommen die Fragen, wieso nicht, Sie sind doch die Assistentin von…. Ja, bin ich. Aber eben keine „richtige“
Außerdem will diese Firma mich nicht mehr behalten. Dadurch, dass die Mutterfirma nur eine bestimmte Anzahl an Köpfen erlaubt, wird hier wild gekündigt und umdisponiert. Und der Betriebsrat würde meinem Chef gewaltig aufs Dach steigen, wenn der mich anstellt und dafür jemand anderen, der schon länger dabei ist, rauswirft.
Hallo Alemanita,
Zitat von Alemanita
nein, mit HR habe ich im Moment nichts zu tun, aber weil wir international arbeiten und eben auch aus anderen Standorten/aus anderen Ländern öfter mal Leute hierher wechseln würde sich das mit den Sprachen anbieten.
Spezialisieren ja, aber worauf? Ich spreche Englisch, Französisch und Deutsch verhnadlungssicher, Italienisch… na gut, ich kann sicher einen Brief korrekt schreiben und mich problemlos unterhalten.
Ich habe ein solides Grundwissen in Finanzbuchhaltung und KLR, bin sicher in BWL und VWL und beherrsche die Grundzüge von Management und Marketing. Ich gehe auch mit allen Office Anwendungen am PC sicher um und beherrsche auch ein paar andere Programme ganz gut.
Ich hätte also reichlich Auswahl. Übersetzerin/Dolmetscherin: Müsste ich auch die entsprechende Ausbildung machen, bevor ich mich offiziell so nennen darf. BWL/VWL: Da bliebe ja fast nur die Uni, und auf mindestens 4 Jahre Studium habe ich ehrlich gesagt keine Lust.
Hallo Karla,
Zitat von Karla48
ja, ich weiß dass das eine absolute Notlösung wäre. Glücklich machen würde es mich mit Sicherheit auch nicht.
Stimmt, ich könnte es als Umschulung laufen lassen. Aber hier sagen ja viele, dass HR keinen Sinn macht.
Ja, ich bin noch jung, sicher. Aber ich möchte Sicherheit. Keine befristeten Verträge, kein Gehalt das so knapp ist, einfach eine feste Arbeit die entsprechend bezahlt wird.
Allgemein: FALLS die ZA mich auch nicht behalten will und FALLS ich bis dahin noch nichts habe: Was mache ich dann? Ich würde nahtlos in Hartz IV fallen. Ich habe noch kein volles Jahr gearbeitet (genauer gesagt fehlen mir 7 Tage zum vollen Jahr) und konnte in dieser Zeit auch keine Rücklagen aufbauen.
Danke für eure Hilfe schon mal, es ist gut die Dinge mal von außen betrachten zu lassen.
Lady Mina
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28.04.2009, 11:14Inaktiver User
AW: Entscheidungshilfe bitte
DA würde ich auf jeden Fall etwas döngeln ... Z.B. das Deine Mutter Dich proforma für 1 Monat sozialversicherungspflichtig einstellt.
Oder Du kannst mit der ZA-Firma reden, ob sie Dich noch etwas weiter beschäftigen.
Mein 1. Job war auch auf 11 Monate befristet .... Aber mein AG war dann so kulant, daß noch zu verlängern.
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28.04.2009, 11:21Inaktiver User
AW: Entscheidungshilfe bitte
Etwas möchte ich noch anfügen - nicht um Dich anzugreifen, sondern vielleicht als nützliches Feedback.
Basierend auf Deiner Ausbildung und Deiner nur geringen Berufserfahrung finde ich vor allem die fettgedruckten Fomulierungen schon sehr selbstbewußt. Könnte es daran liegen, daß es mit den Bewerbungen nix wurde ?
Ich denke nämlich nicht, daß eine Sekretärin ein "solides Grundwissen in Finanzbuchhaltung" hat oder die "Grundzüge von Management .... beherrscht", "sicher in ... BWL" ist.
Vielleicht speckst Du Deine Bewerbungen mal ein bißschen ab ?
Unabhängig von dem - von mir so empfundenen - etwas großspurigem Auftreten schürt das bei potentiellen AGs sicher auch die Befürchtung, daß Du doch noch studieren willst.


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