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Im anderen Strang gehts um weibliche Gottheiten, nicht um Gesellschaftsformen. Feminismus hat mehr mit Gesellschaftsformen zu tun als mit religiösen Vorstellungen. Das "Matriarchat" erst recht.
Und doch, in meinen Augen gehört das Thema zu diesem Strang. Weil mir nämlich immer noch nicht klar ist, weshalb die postulierte Existenz eines "ursprünglichen" Matriarchats in der Vergangenheit so entscheidend sein soll für den heutigen Feminismus und für die Gestaltung der Zukunft.
Bzw. weil ich diesen Reflex sogar für gefährlich halte. Jede Ideologie oder Utopie, die die eigene Überlegenheit postulierte und als Machtinstrument benutzt wurde, betrieb Geschichtskittung. Das Argument, etwas "sei schon immer so gewesen" oder "etwas sei ursprünlich/natürlich so gewesen, dann verändert, verfälscht worden und müsse jetzt wieder hergestellt werden" ist ein ähnlich gefährliches Machtargument wie jenes, dass etwas "gottgewollt" sei.
Ich versuche mich von solchen Denkmustern und Reflexen zu lösen.
Denn man/frau emanzipiert sich nicht von vorherrschenden Denkmustern, wenn man/frau sie einfach mit umgekehrten Vorzeichen übernimmt.
Emanzipation - als Frau und als Mensch - heisst für mich, nicht mehr in den herkömmlichen Denkstrukturen und Weltbildern verhaftet zu bleiben. Also den biologistischen oder traditionalistischen Reflex, die eigene Utopie/Ideologie mit dem Verweis auf eine vermeintliche - und natürlich bessere - Vergangenheit zu begründen, zu durchbrechen und eben nicht mehr so zu denken.
Auch nicht mehr dualistisch Mann-Frau zu denken.
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Ergebnis 171 bis 180 von 190
Thema: Feminismus = Philosophie?
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02.07.2008, 09:32Inaktiver User
AW: Feminismus = Philosophie?
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02.07.2008, 10:07
AW: Feminismus = Philosophie?
Danke für den Tipp. Doch wenn dies alles studiert hast, ist denn gar nichts hängen geblieben, was du uns als Argumentation anbieten kannst
Zitat von Inaktiver User
Oder nenn mir doch mal Titel und Autoren, und am Besten noch die Seitenzahl, kann ja sein, dass ich schon einiges vorrätig habe was du meinst.
Dies kann man natürlichen trennen, muss man aber nicht, besonders wenn man das Thema ernst nimmt.Im anderen Strang gehts um weibliche Gottheiten, nicht um Gesellschaftsformen. Feminismus hat mehr mit Gesellschaftsformen zu tun als mit religiösen Vorstellungen. Das "Matriarchat" erst recht.
Da ich das Thema eröffnet habe, weiß ich, dass dies nicht dazu gehört.Und doch, in meinen Augen gehört das Thema zu diesem Strang.
Dann ist es wohl am Besten du gehst darauf ein, was ich dir beim ersten Mal geantwortet haben, vielleicht kommen wir dann einen Schritt weiter.Weil mir nämlich immer noch nicht klar ist, weshalb die postulierte Existenz eines "ursprünglichen" Matriarchats in der Vergangenheit so entscheidend sein soll für den heutigen Feminismus und für die Gestaltung der Zukunft.
Deswegen wäre es doch mal nett, wenn du dein Wissen uns Preis geben würdest als nur reflexartig zu schreiben "Ihr denkt aber falsch", statt darzulegen was Falsch ist.Bzw. weil ich diesen Reflex sogar für gefährlich halte. Jede Ideologie oder Utopie, die die eigene Überlegenheit postulierte und als Machtinstrument benutzt wurde, betrieb Geschichtskittung.
Finde ich ja toll. Doch irgendwie gelingt dir es irgendwie nicht dies auch rüber zu bringen. Es fehlen zum Teil die Argumente, stattdessen forderst du gehorsam.Das Argument, etwas "sei schon immer so gewesen" oder "etwas sei ursprünlich/natürlich so gewesen, dann verändert, verfälscht worden und müsse jetzt wieder hergestellt werden" ist ein ähnlich gefährliches Machtargument wie jenes, dass etwas "gottgewollt" sei.
Ich versuche mich von solchen Denkmustern und Reflexen zu lösen.
Wie gut das es darum gar nicht geht. Aber ich erkenne diesen Vorwurf als gängigen Reflex: Mit Allgemeinschauplätzen und Todschlagargumenten, andere am Denken zu hindern.Denn man/frau emanzipiert sich nicht von vorherrschenden Denkmustern, wenn man/frau sie einfach mit umgekehrten Vorzeichen übernimmt.
Findest du nicht, das Emanzipation und Feminismus sich unterscheiden? Ich will mich doch gar nicht emanzipieren wenn ich mich für weibliche Geschichte interessiere, sondern ich möchte forschen, dem auf den Grund gehen.Emanzipation - als Frau und als Mensch - heisst für mich, nicht mehr in den herkömmlichen Denkstrukturen und Weltbildern verhaftet zu bleiben. Also den biologistischen oder traditionalistischen Reflex, die eigene Utopie/Ideologie mit dem Verweis auf eine vermeintliche - und natürlich bessere - Vergangenheit zu begründen, zu durchbrechen und eben nicht mehr so zu denken.
Und solltest du nicht andere Meinungen deiner gegenüberstellen können, ohne sie zu diskreditieren? Nehm doch einfach hin, dass nicht alle deiner Meinung sind, und es vielleicht auch gar nicht wollen, weil sie andere Ziele haben? Ansonsten biete Fakten!
Es sei dir unbenommen.Auch nicht mehr dualistisch Mann-Frau zu denken.
Doch dies ist beim Feminismus auch nicht immer das Thema, manchmal hat Mann gar nichts mit Feminismus zu tun, sondern nur mit Frau.
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02.07.2008, 10:18
AW: Feminismus = Philosophie?
Was für Ziele hast Du denn?
Zitat von Joerd
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02.07.2008, 11:58
AW: Feminismus = Philosophie?
@ Emma-Peel
Ich will nur ganz kurz darauf antworten, weil mir Joerd sicherlich zu Recht sagen könnte, daß die Römisch-Katholische Kirche nun wirklich nicht Thema dieses Stranges ist.
Natürlich gibt es in der RKK jede Menge Gruppen, die alles mögliche fordern. Aber ein zentrales Merkmal der RKK ist, daß in ihr allein der Papst letzte Lehrautorität in Glaubensfragen hat. Jedes Mitglied der RKK sollte das wissen. Wer damit nicht einverstanden ist, muß heute nicht Mitglied bleiben. Er kann austreten.Kirche von unten, Theologinnen und Theologen der RKK, sie alle fordern z.B. das Frauenpriestertum, Aufhebung des Pflichzöllibats und anderes mehr. Wer sich nicht bewegt, sind Papst und Kardinäle, indem sie sagen, das der Papst unfehlbar ist, und es "Gottes Wille" wäre. Was für ein Stuß!!!
Weil der Papst es so will.Es gab in der Urkirche sogar Apostellinnen (Junia, Römer 16:7), warum also nicht auch Priesterinnen in der RKK?
Möglicherweise gab es Frauen, die man als Apostel ansah, aber die römische Amtstheologie bestreitet das. Hier geht es nicht um ein objektives Abwägen eines Für und Wider, sondern um eine jahrtausendealte, angeblich vom Heiligen Geist über den Papst geleitete Struktur. Das ist entscheidend. Es ist eine Glaubensfrage, so wie die Frage nach der Existenz eines Urmatriarchates.
Deutschland ist nur eine Provinz des römischen Weltreiches, zahlenmäßig unbedeutend, nur noch finanziell wichtig, von Rom aus betrachtet. Auf anderen Kontinenten sieht es (noch?) für Rom ganz anders aus.Und das Frauen "sich von "mächtigen Patriarchen" die Welt erklären lassen wollen, mag vielleicht für Hintertupfingen gelten, aber nicht für katholische moderne Frauen!
Warum sollte sich der Papst darum kümmern, was Altkatholiken machen?Bei den Altkatholiken haben Frauen das Priestertum. Weder ging die Welt unter, noch wurde die abendländische Ordnung dadurch zerstört, aber Frauen und Männer der Altkatholiken haben dadurch ein anderes Frauen-und Menschbild gewonnen.
Sie sind unabhängig, ein eigener Verein, so wie die Protestantischen Kirchen auch. Allen Katholiken, die auf Priesterinnen nicht verzichten wollen, können sich ja den Altkatholiken anschließen und aus der Katholischen Kirche austreten.
Aber wenn der Papst seine Schäfchen zählt und mit der Größe der altkatholischen Herde vergleicht, muß er sich davor wohl nicht fürchten. Die Altkatholische Kirche hat weiltweit vielleicht 1/2 Million Anhänger, die Papstkirche 1000 Millionen.Geändert von arouet58 (02.07.2008 um 12:05 Uhr)
Cum grano salis
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02.07.2008, 12:35Inaktiver User
AW: Feminismus = Philosophie?
Hier was zum Nachlesen:
Zitat von arouet58
Ein Apostel zu sein ist etwas Großes. Aber berühmt unter den Aposteln – bedenke, welch großes Lob das ist. Wie groß muß die Weisheit dieser Frau gewesen sein, daß sie für den Titel Apostel würdig befunden wurde.“http://de.wikipedia.org/wiki/Junia_%28Apostel%29
„Für eine Frau spricht auch, daß der Frauenname Junia in der außerbiblischen antiken Literatur vielfach belegt ist, ein Männername Junias aber bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Die Ansicht, daß es sich bei der betreffenden Person um einen Mann namens Junias handle, wird zum ersten Mal im 13.Jh. in der lateinischsprechenden Kirche des Westens vertreten. Sie wird hier sehr schnell Gemeingut der Ausleger und ist es bis heute geblieben, während die orthodoxen Kirchen des Ostens immer noch an der althergebrachten Auffassung festhalten.“
– Erläuterungen Gute-Nachricht-Bibel
– Johannes Chrysostomos (4. Jahrhundert)
Demnach ist eine Apostelin Junia wohl eher als wahrscheinlich anzusehen, als eine "Möglichkeit". Und es gibt noch andere, die ein Priestertum in der Urkirche trugen (Phoebe, Priskia, Lydia, um nur einige zu nennen). Der Papst verschließt seine Augen davor, weil nicht kann, was nicht sein darf.
Nun ja, die RKK hatte auch viel länger Zeit als die AKK, und auch viel regidere "Bekehrungsmethoden".
Zitat von arouet58
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03.07.2008, 00:21Inaktiver User
AW: Feminismus = Philosophie?
Abwarten es gibt da ganz interessante "Ansätze".
Zitat von arouet58
Ja, ist nicht das Thema. *schweig*
Zur RK nur ganz kurz, verbiete mal die Marienanbetung und "schwups" sind etliche Frauen weg.
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03.07.2008, 01:10
AW: Feminismus = Philosophie?
Das bezweifle ich zwar, befürchte ich allerdings auch nicht.
Zitat von Inaktiver User
Einen Markenartikel wie Maria (sehr putzig, besonders die beiden Tauben, Christus - Geduld, er erscheint nach genau 30 Sekunden, sehr spannend - flattert leider nicht, obwohl er das bestimmt auch könnte) schmeißt der älteste und erfolgreichste Großkonzern der Welt nicht so einfach auf den Müll, warum auch. Interessant wäre die Antwort auf die Frage, wohin sich solche Frauen dann wendeten.
Ich glaube, viele von ihnen setzten sich heute zu Füßen des Dalai Lama, auch ein Patriarch, oder konvertierten gleich zum Islam.Geändert von arouet58 (03.07.2008 um 01:27 Uhr)
Cum grano salis
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03.07.2008, 08:18Inaktiver User
AW: Feminismus = Philosophie?
Anders ausgedrückt, du meinst, das diese Frauen sich nach "patriarchalischen Zuständen" sehnen würden. Se suchen würden, denn starken Mann und Vaterfigur, zu der sie aufsehen würden.
Zitat von arouet58
Und wovon träumst du in der Nacht?
Es wird immer Frauen geben, die durch eine von Männern geforderte weibliche Sozialisation (womit wir wieder beim Thema wären), den einfachsten Weg gehen, und sich nicht selbst finden wollen, sondern das nehmen, was ihnen so ein Mann an Krumen hinwirft.
Aber die meisten Frauen sind dazu zu klug!
Glücklicherweise!!!
Gerade Marie wurde von den Anbeterinnen der Göttin geklaut und dem Christentum einverleibt, damit die Heiden eine weibliche Identifikationsfigur hatten, und der Übergang zum Christentum leichter wurde. St. Patrik, der "Heilige Irlands", hat das so gemacht.
Zitat von arouet58
Hier etwas Info dazu:
Entwicklung und vorchristliche Parallelen
Elemente, die später in den Marienkult eingehen sollten, sind bereits in vorchristlichen Jahrhunderten erkennbar, etwa zur Zeit des Alten Testaments, als die Babylonier die Göttin Ištar verehrt haben. Viele Eigenschaften dieser „Himmelskönigin“ (Jeremia 7,18) sind von anderen Kulturen übernommen und auf viele verschiedene göttliche Figuren aufgeteilt und später wieder zu einer Person zusammengenommen worden. So wechselten von Zeit zu Zeit und von Kulturraum zu Kulturraum die Art und Anzahl der Namen für die Göttin, aber nicht die Wesenzüge und deren Verehrung. Als Beispiele kann man hier die altägyptische Isis oder die altgriechischen Artemis, Demeter und Athene anführen sowie besonders die ursprünglich phrygische „Große Gottesmutter“ Kybele, deren Magna Mater-Kult den (römischen) Erdkreis umspannte und noch Jahrhunderte nach Christus Anhänger fand.
Von Anfang an gab es eine besondere Verehrung der Mutter Jesu, Maria. Das zeigt sich in den Apokryphen der frühchristlichen Zeit, die wegen abweichender Lehren oft im Sinne des Gnostizismus ganz bewusst von der christlichen Kirche nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen worden waren, aber weiterhin überliefert wurden und ihre Wirksamkeit entfalteten; die römisch-katholische Kirche wie die Ostkirchen bezogen die apokryphen Texte zu Maria in ihre Marienlehren mit ein (hier insbesondere das Protevangelium des Jakobus).
Als das Christentum 391 n. Chr. im Römischen Reich zur Staatsreligion ernannt wurde, begann eine Verehrung der Märtyrer und auch Marias. Vierzig Jahre später wird Maria durch das Konzil von Ephesus als „Gottesgebärerin“ (gr. Theotokos bzw. lat. Dei Genetrix) bezeichnet und dogmatisiert; dabei ging es ursprünglich weniger um die Frage, wer Maria ist, sondern vielmehr um die Frage, ob Jesus von Nazareth Gott sei. Der Begriff „Gottesgebärerin“ oder „Gottesmutter“ sollte klarstellen, dass Jesus „nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott“ wäre/sei. Nach diesem Konzil entstand eine neue Verehrung Marias, die – wie Kritiker behaupten – der Verehrung der „Himmelskönigin“ aus dem Alten Testament ähnelt.Im fünften und sechsten Jahrhundert versuchte man versteckte Hinweise auf Maria in der Bibel zu finden, und ein Jahrhundert später entstanden die ersten Marienfeste und Mariengebete, wie das „Ave Maria“. Auch im Volk, genauso wie unter den Gelehrten, vertrat man zu dieser Zeit die Meinung, dass das Beten zu Maria eher eine Erhörung fände, als das Beten zu Jesus.
Die seit dem Konzil von Ephesus „offizielle“ erhabene Stellung Marias begünstigte im Zuge der Missionierung auch die Umdeutung bereits vorhandener Muttergottheiten zur christlichen „Gottesmutter“, sichtbar geblieben in den archaisch-vertrauten Zügen der frühchristlichen Marien-Ikonografie (siehe hierzu auch Schwarze Madonna).
Nach der Reformation begann in der römisch-katholischen Kirche die Gegenreformation, in der die Marienverehrung zwei gegenläufige Tendenzen erfuhr: Einerseits wurde versucht, möglichst viele unbiblische Texte zu verbieten, wodurch die volkstümliche Marienverehrung theoretisch hätte Schaden nehmen müssen. Auf der anderen Seite wurde der Marienkult seit den 1580er Jahren zu einem Instrument insbesondere der jesuitischen Gegenreformation; so wurde beispielsweise in Bayern der Marienkult (Patrona Bavariae) vom Staat und den Jesuiten stark gefördert, zahlreiche Marienwallfahrten nahmen hier ihren Anfang (zum Beispiel zur Wallfahrtskirche Maria im Sand (Dettelbach) und zur Gnadenkapelle (Altötting)).
Die Einstellung gegenüber Maria war gerade während der Gegenreformation eines der offenkundigsten Kriterien, das die Katholiken einerseits von Lutheranern und Calvinisten andererseits unterschied. So gehörte in Verhören die Frage, ob man seine Fürbitten auch an Maria und die Heiligen richte, zu den Mitteln, um heimliche Protestanten zu erkennen (mehr zum Thema: Arno Herzig, Der Zwang zum wahren Glauben. Rekatholisierungspolitik vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Göttingen 2000).
Eine neue Blüte erlebte der Marienkult in der Romantik.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marienverehrung, Hervorhebung von mir)
Oder auch hier:
http://www.betanien.de/Material/erma...nverehrung.htm
Wenn wir nämlich zu den tatsächlichen Ursprüngen der Marienverehrung gelangen möchten, müssen wir uns weiter als bis zur Lebenszeit Marias zurück begeben - in alttestamentliche Zeit. Nicht, dass wir Maria selbst dort erwähnt finden (wenngleich es zur Messiaserwartung gehörte, dass eine Jungfrau schwanger würde - Jes 7,14), aber eine andere Bezeichnung eines weiblichen Wesens lässt uns aufmerken: Im Buch des Propheten Jeremia brandmarkt Gott den Kult um die „Königin des Himmels“ (Jer 7,18; 44,17), dem das Volk Israel verfallen war. Bei dieser Himmelskönigin handelte es sich um die babylonische Muttergottheit Ischtar, die von anderen Völkern auch unter dem Namen Astarte oder Aschtarot verehrt wurde. Das Volk Israel hatte sich bis dahin im Lauf seiner Geschichte schon mehrfach diesem Götzendienst zugewandt (z.B. Ri 2,13; 1Sam 7,4) und sogar der König Salomo hatte sich dazu hinreißen lassen (1Kö 11,5).
Die kultische Verehrung von Muttergottheiten findet sich in allen antiken Kulturen der Welt; zum Teil in Form vieler verschiedener Göttinnen, wie bei den Griechen z.B. Artemis, Demeter und Aphrodite, denen in der römischen Mythologie wiederum Diana, Ceres und Venus entsprechen. Diese Göttinnen-Verehrung geht auf einen gemeinsamen Ursprung in Babylonien zurück, auf den besagten Kult um die „Große Mutter“ Ischtar. Historiker sehen die Wurzeln dieses Kults in der Verehrung von Semiramis, der Gattin Nimrods, des allerersten Königs der Erde (1Mo 10,8-10), der als gewalttätiger Herrscher Babels ein erstes Sinnbild des falschen Erlösers - des Antichrists - ist.
Von Babel bzw. Babylon aus machte sich der Kult der Muttergöttin auf die Reise um die Welt, bald unter verschiedenen Namen aufgeteilt in einzelne Gestalten und Verkörperungen ihrer vielen Eigenschaften, bald wieder vereint in einer Person, die alle Einzelattribute in sich aufsog. Die Zusammenhänge zwischen den vielen mütterlichen Göttergestalten der antiken Kulturen sind viel zu komplex, als dass wir sie hier auch nur annähernd vollständig darstellen könnten;[5] auf der Hand liegt jedoch, dass von Epoche zu Epoche und von Kulturraum zu Kulturraum zwar Klang und Anzahl der Namen wechselte, aber Mythos, Wesenszüge und Art der Verehrung beibehalten wurden und in manchen Muttergöttinen-Gestalten wieder zu dem einen alten Kult um die Magna Mater, die Große Mutter, verschmolzen.
Zu den besonders beliebten Verkörperung einer solchen Muttergottheit gehörten die ägyptisch-griechische Göttin Isis, die mit ihrem göttlichen Sohn Horus auf dem Arm geradezu wie eine Madonna bildlich dargestellt wurde, sowie die griechische Göttin Artemis, Jungfrau und Mutter zugleich, mit deren Verehrung der Apostel Paulus in Ephesus in Konflikt geriet. Diese Begebenheit aus der Apostelgeschichte verdient unser besonderes Interesse: Einige heidnische Handwerker machten Paulus den Vorwurf, ihr Geschäft mit der Herstellung von Götzenbildern zu ruinieren, weil er den Ephesern klar machte, „dass das keine Götter seien, die mit Händen gemacht werden“ (Apg 19,26). So zettelten sie einen ganzen Volksaufstand an. Mit lauthalsen Rufen des ephesischen Wahlspruchs: „Groß ist die Artemis der Epheser!“, brachte sich die ganze Stadt stundenlang in Rage (Apg 19,34). Ephesus war schließlich mit dem dortigen riesigen Artemis-Tempel ein viel besuchter Wallfahrtsort und ein Zentrum des Kults um diese Göttin, deren „herrliche Größe“ - so die Gegner des Paulus - „ganz Asien und der ganze Erdkreis [griechisch ‘Ökumene’] verehrt“ (Apg 19,27) und im dortigen Tempel wurde ein „vom Himmel gefallenes Bild“ verwahrt (Vers 35). So hatten die Epheser eindrücklich gezeigt, dass sie sich von ihrer geliebten Muttergöttin nicht so leicht abbringen lassen. Das sollte auch mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion im Jahre 391 n.Chr. und dem darauf folgenden Verbot der heidnischen Opfer und der Schließung der Tempel so bleiben.
Im Jahr 431 fand nämlich gerade in dieser Stadt Ephesus das bedeutendste kirchengeschichtliche Ereignis in Bezug auf die Marienverehrung statt: das vom römischen Kaiser Theodosius II. einberufene „Dritte Ökumenische Konzil“, das als „Konzil zu Ephesus“ in die Geschichtsbücher einging. Hier nun wurde Maria der Titel „Gottesgebärerin“, griechisch theotokos, offiziell verliehen, was sie praktisch zur „Muttergottes“ erhob. Ursächlicher Hintergrund dieses Konzils war eigentlich ein halb theologisch, halb politischer Streit um die Definition der göttlichen bzw. menschlichen Natur Christi. Auf dem Spiel stand dabei letztlich die Einheit des Römischen Reiches, die nur per Vereinheitlichung der Glaubensdoktrin bewahrt bleiben konnte; denn dieses Reich war keine Nation, sondern eine Kulturgemeinschaft. Die Problematik um das Wesen Christi wurde dabei vorgeschoben, um Maria zu höheren Ehren erheben zu können. Das war taktisch gesehen ein äußerst kluger Schritt, denn dadurch wurden viele christianisierte Heiden in der Kirche bei der Stange gehalten, weil sie nun auch dort ihre geliebte Anrufung der Muttergöttin beibehalten konnten.
Und du glaubst wirklich, das die Menschen noch in der RKK bleiben würden, wenn die Marienverehrung, ein zentraler Punkt katholischer Lehre, verschwinden würde?
Träum weiter!
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03.07.2008, 09:46
AW: Feminismus = Philosophie?
Ja, Emma-Peel, den Eindruck habe ich.Anders ausgedrückt, du meinst, das diese Frauen sich nach "patriarchalischen Zuständen" sehnen würden. Se suchen würden, denn starken Mann und Vaterfigur, zu der sie aufsehen würden.
Nur gut, daß es ja jetzt Frauen gibt, die genau wissen, was Frauen finden werden, wenn sie sich denn endlich finden.Es wird immer Frauen geben, die durch eine von Männern geforderte weibliche Sozialisation (womit wir wieder beim Thema wären), den einfachsten Weg gehen, und sich nicht selbst finden wollen, sondern das nehmen, was ihnen so ein Mann an Krumen hinwirft.
Aber die meisten Frauen sind dazu zu klug!
Vielleicht haben sich auch diese Frauen auf ihre Art längst gefunden. Sie scheinen jedenfalls nicht gerade in großer Zahl darauf zu warten, von VerehrerInnen der Großen Göttin mit ihrem wahren Selbst in Kontakt gebracht zu werden.
Ich bin immer wieder verwundert über die Selbstverständlichkeit, mit der viele sich befreit Dünkende diesen Frauen, die ihren eigenen, anderen Weg gehen wollen, Unmündigkeit, Fremdbestimmung und damit Entfremdung unterstellen. Sie sind aber wahrscheinlich auch nicht entfremdeter als Du oder ich.
Dass die Gottesmutter zahlreiche Züge mit einer Muttergottheit gemeinsam hat, war mir bekannt. Ob man diese Gemeinsamkeiten als christlichen "Diebstahl" qualifizieren kann oder ob es sich nicht vielmehr um eine christliche Eigenentwicklung handelte, die zwar an Vorgefundenes anknüpfte, aber genuin erfolgte, ohne "machiavellistische" Überlegungen von Glaubensstrategen vorauszusetzen - so würde ich es sehen - weiß ich nicht. Ich glaube, die Herausbildung einer volkstümllichen Marienverehrung entsprang ganz einfach den gleichen tief verwurzelten Sehnsüchten im Menschen, die auch zur Verehrung von Vatergöttern und Patriarchen führt.Gerade Marie wurde von den Anbeterinnen der Göttin geklaut und dem Christentum einverleibt, damit die Heiden eine weibliche Identifikationsfigur hatten, und der Übergang zum Christentum leichter wurde. St. Patrik, der "Heilige Irlands", hat das so gemacht.
Ja, das glaube ich.Und du glaubst wirklich, das die Menschen noch in der RKK bleiben würden, wenn die Marienverehrung, ein zentraler Punkt katholischer Lehre, verschwinden würde?
Träum weiter!
Bei einem Verschwinden der Marienverehrung müsste dann Gott selbst ausgesprochenere weibliche Züge annehmen, kein Problem bei einem dreifaltigen Gott, bei dem der Heiiige Geist ja ohnehin bereits weiblich ist, nur stellt man es nicht so sehr heraus. Braucht man auch nicht, man hat ja Maria.
Aber das ist ohnehin eine rein hypothetische Frage. Die Katholische Kirche heute ist so, wie sie ist, das Ergebnis einer seit Jahrtausenden sich vollzogen habenden Entwicklung und zu ihr gehört mittlerweile unablösbar die Marienverehrung. Kein Mensch denkt daran, sie abzuschaffen.
Warum auch, bei dem krachenden Erfolg.
Never change a winning team.
Die von Dir offenbar herbeigesehnte Restauration/Neubegründung einer matriarchalen Religion hat bisher nicht einmal im Ansatz zu so machtvoll wirkenden Symbolfiguren wie dem Papst oder Maria geführt. Davon scheinst DU jedoch zu träumen.
Die Katholische Kirche muss nicht mehr träumen. Sie hat sie bereits, schon lange.Geändert von arouet58 (03.07.2008 um 10:29 Uhr)
Cum grano salis
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03.07.2008, 10:35
AW: Feminismus = Philosophie?
Zumal beliebte Merchandise Artikel auch nicht wenig Geld einbringen.
Zitat von arouet58
Etwas das ich durchaus als wichtigen Grund für den Erhalt der Maria sehe. Man muss sich nur mal ansehen wie teuer die "einfachsten" Marienstatuen in Kurorten oder in Rom sind.
Würde mich nicht wundern wenn darauf auch Abgaben direkt an den Papst anfallen.
Geld war der RKK schon immer wichtig...


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