Ich teile deine negative Einschätzung von Exorzismen nicht- nach deiner Argumentation wären nämlich alle animistisch-spiritistisch Praktiken als wahnfördernd zu verurteilen, egal welchen kulturellen Hintergrund sie haben mögen.Zitat von Zimtstange
LG
sfumato
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Ergebnis 41 bis 50 von 81
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22.05.2008, 19:15
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
None of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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22.05.2008, 19:17
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Offenbar hast Du meine Frage falsch verstanden. Es ging darin um Heilung von Krankheiten und nicht um Besserung. Ich hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich unter Heilung in diesem Zusammenhang nicht verstehen wolle, dass der Zustand des Patienten mit irgendwelchen Medikamenten lediglich verbessert werden soll. Das schließt diese Möglichkeit natürlich nicht aus, nur soll sie in dem Beispiel nicht betrachtet werden. Alles klar?
Zitat von 3146
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22.05.2008, 19:22
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Es ging in meiner Frage nicht um Exorzismen (was noch mal ein ganz anderes Kapitel ist), sondern um heute gängigen Psychotherapiemethoden. Willst Du nicht darauf eingehen?
Zitat von Zimtstange
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22.05.2008, 22:06
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
#39
Zitat von tessie_10
Zitat von Zimtstange
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22.05.2008, 22:25Inaktiver User
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Wenn man Gott als "gut" definiert dann ergibt sich zwangsläufig die Frage, woher das "Böse" kommt - es muss also einen Widersacher Gottes geben, mit (fast) göttlicher Macht,
den Teufel - oder es gäbe "das Böse" nicht,
und wenn es "das Böse" in personalisierter Form gibt, wenn Vernichtungslager wie Ausschwitz nicht nur reiner menschlicher Verwirrung entsprungen sind - dann sollte eine "Teufelsaustreibung" (die ja auch in der Bibel genannt wird) eine sakrale Gegenhandlung sein, eine Anrufung der Hilfe Gottes gegen das Böse
was ist daran schlecht?Geändert von Inaktiver User (22.05.2008 um 22:52 Uhr)
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22.05.2008, 22:49
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Der evangelische Theologe Karl Barth geht sogar soweit, dem Bösen, (welches er als das "Nichtige" bestimmt) eine göttliche Macht zuzusprechen als das wirkmächtige Gegenteil von dem, was Gottes Wille ist:
Zitat von Inaktiver User
"Er ist Herr zur Rechten und zur Linken. Nur von da aus ist auch das Nichtige. Aber von da aus ist es. Indem Gott auch zur Linken Herr ist, ist er der Grund und Herr auch des Nichtigen. So ist auch das Nichtige nicht von ungefähr. Und es ist kein zweiter Gott. Und es hat sich selbst nicht erschaffen. Es hat keine Macht, die ihm nicht von Gott gegeben wäre. [...] Das Nichtige ist das, was Gott nicht will. Nur davon lebt es, daß es das ist, was Gott nicht will. Aber eben davon lebt es: weil und indem nicht nur Gottes Wollen, sondern auch Gottes Nichtwollen kräftig ist und also nicht ohne reale Entsprechung sein kann." (Kirchliche Dogmatik III 3, 402ff.)
LG
sfumatoNone of the really important decisions are ever easy. And they can never be completely right, because there is always a point of view from which they are wrong.
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22.05.2008, 22:55Inaktiver User
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Gegenfrage: wenn das Böse das ist, was Gott nicht will - wieso gibt es das Böse dann ... oder aners rum: wie allmächtig ist Gott?
Oder hat ER das Böse doch gewollt, zumindest in Kauf genommen?
Oder hat er Adam und Eva seinerzeit die Möglichkeit eröffnet, um ein "freiwilliges ja" zu erhalten (Wahlfreiheit als Gegenteil zum Sklaventum?)
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22.05.2008, 23:20Inaktiver User
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Ich habe noch was von Karl Barth gefunden:
Zitat von sfumato
Es gibt unter Umständen eine nicht nur erlaubte, sondern göttlich geforderte Resistenz gegen die politische Macht, eine Resistenz, bei der es dann unter Umständen auch darum gehen kann, Gewalt gegen Gewalt zu setzen. Anders kann ja der Widerstand gegen die Tyrannei, die Verhinderung des Vergießens unschuldigen Blutes vielleicht nicht durchgeführt werden.
Quelle
und weiter:
So empfand Barth das Verhalten Großbritanniens bei der Münchner Konferenz 1938 als schweres Versagen. Er ließ sich daraufhin in der Schweiz zum Soldaten ausbilden. Sein Schüler Dietrich Bonhoeffer nahm aufgrund der Barmer Erklärung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus Teil. Barth hat dessen versuchten Tyrannenmord später ausdrücklich bejaht, obwohl ihm Bonhoeffers Hinrichtung kurz vor Kriegsende sehr nahe ging.
Das ist eben die Sache, wenn man an einen Teufel glaubt und ein Exorzismus nicht machbar ist, ist die Konsequenz das eigene handeln. Dann stellt sich aber wieder die Frage nach Gott und seiner Mithilfe, siehe "hilf dir selbst, dann hilft dir Gott", das Versagen ist somit gottgewollt, oder wie?
Mal eine Frage, was geschieht mit Personen die durch Exorzismus ihren "Teufel" nicht loswerden?
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22.05.2008, 23:21
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Ja, in diesem Punkt rutscht Barth in die Paradoxie ab...
Zitat von Inaktiver User
Einerseits muß er eingestehen, daß das Böse wirklich existiert, und zwar in keiner Weise aus sich selbst sondern ausschließlich aus dem einen Gott heraus, weil er kein Bitheist sein will.
Andererseits muß er das Böse strikt als das von Gott nicht Gewollte bestimmen, weil er sonst in die Falle läuft, dem Bösen eine göttliche Berechtigung zuzusprechen, wodurch es zum Guten mutieren würde.
Also muß Barth sich damit behelfen zu sagen, daß auch das von Gott nicht Gewollte dadurch, daß es von Gott nicht gewollt ist eine Art Gegenrealität annimmt.
Gottes Wille hinterlässt nach Barth sozusagen gerade aufgrund der göttlichen Allmacht einen realen Schattenwurf, was eine ziemlich abgefahrene Idee ist, die ich sonst bei keinem anderen Theologen oder Philosophen gelesen habe.
LG
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22.05.2008, 23:29
AW: Drei Fälle von Exorzismus im Erzistum Paderborn
Ich glaube nicht, daß Barth auf liturgische Exorzismen stand, aber das theologische Grundprinzip war bei ihm durchaus vorhanden. Der aktive Widerstand gegen das Böse ist ja eigentlich theologisch gesehen sowas wie ein Realexorzismus- das Böse als solches erkennend erklärt man es für nichtig (also als das was es ist) und treibt es mit aller Konsequenz aus.
Zitat von Inaktiver User
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