Liebe BriCom,
nach meinem Osterbesuch daheim, wäre ich dankbar für Eure kritischen Gedanken!
Vor jeder Mahlzeit betet meine Mutter etwa 5-15 Minuten und mir fällt es arg schwer die Geduld dafür aufzubringen.
Meine Mutter ist 'aktiv gläubige Christin'. Sie beginnt jeden Tag mit einer 'Stillen Stunde/Andacht', besucht neben dem sonntäglichen Gottesdienst etliche 'Kreise' wie z.B. Bibelkreis, Seelsorgekreis, Gebetskreis,... Will sagen, für sie steht das alltägliche Leben im Glauben und in der Gemeinschaft an erster Stelle. Ich bin auch gläubig, aber lange nicht gemeinschaftlich so aktiv wie sie.
Ich möchte Sie mit ihrem Bedürfnis lange Tischgebete zu sprechen einerseits respektieren (es geht um eine Sache die ihr sehr viel bedeutet + was sind schon 15 Minuten?!), andererseits fühle ich mich irgendwie 'gezwungen', überrollt, überfordert damit. Das gibt mir, in meinem Glauben ein schlechtes Gewissen, weil ich 1. nicht beten möchte, wenn mir nicht danach ist und 2. nicht grummelig/genervt sein will, wenn gebetet wird.
Wir haben darüber gesprochen und es verletzt sie. Aber wir haben das mal eine zeitlang so gehalten, dass sie vorher fragt, ob sie laut beten 'darf/soll'. Wenn ich verneinte, folgten danach so viele spitze Bemerkungen die Ihre Kränkung deutlich machen, dass ich es nicht aushalte und sie lieber laut und lange beten lasse.
Was kann/soll ich tun? Kennt jemand die Situation von der ein oder anderen Seite?
Habe ich mehr Respekt aufzubringen oder sollte ich es aushalten können, meine Mutter zu verletzen ???
LG Minza
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 31
Thema: Laaaaaange Tischgebete
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24.03.2008, 22:11
Laaaaaange Tischgebete
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24.03.2008, 22:52
AW: Laaaaaange Tischgebete
Wenn Deiner Mutter die langen Tischgebete so wichtig sind, denke ich es ist besser das zu respektieren. Kannst Du Dich nicht einfach zurückziehen, solange Deine Mutter betet?
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24.03.2008, 22:59Inaktiver User
AW: Laaaaaange Tischgebete
Hallo Minza,
ich habe das Ähnlich bei meinem Besuch in den USA erlebt. Meine Freundin ist katholisch und i.d.R. gibt es da auch Tischgebete.
Sie weiss, dass ich kein Christ bin.
Ich akzeptiere die christlichen Tischgebete als die Kultur meiner Gastgeber, aber ich bete nicht mit.
Das muss sie respektieren (und das tut sie auch).
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25.03.2008, 06:37
AW: Laaaaaange Tischgebete
Bete Du einfach mal.
Ich kenn da ein Gebet:
"Lieber Gott, lass Deinen Segen über unsre Teller fegen!
Guten Appetit"
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25.03.2008, 10:08
AW: Laaaaaange Tischgebete
Fräulein Minza,
wärest Du in einem exotischen Land zum Essen geladen und da würden ebenfalls lange Tischzeremonien abgehalten, würdest Du das einfach akzeptieren und sogar respektieren können .
Hier ist das Problem, Du kennst Deine Mutter, hier spielen die typischen Abgrenzungsprobleme zwischen Tochter und Mutter hinein. Das macht es für Dich schwierig, Dinge auszuhalten, die Deiner Mutter offensichtlich wichtig sind.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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25.03.2008, 10:54Inaktiver User
AW: Laaaaaange Tischgebete
Hallo!
Kann es nicht auch sein, dass es gefühlte 15 Minuten sind?
Ansonsten nimm du es in die Hand und bete.
Gott für die Speisen zu danken ist in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit; und du mußt dich nicht gezwungen fühlen.
Deine Mama wird sich gewiss auch freuen.
Den Raum verlasssen, finde ich persönlich respektlos. Dann lieber still zuhören...
Gruß Zisska
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25.03.2008, 11:40
AW: Laaaaaange Tischgebete
Ja, Du hast Recht, das sind ja auch meine Gedanken, ihr Bedürfnis zu respektieren.
Zitat von tessie_10
'Zurückziehen' würde sie meiner Einschätzung nach noch mehr verletzen, als mein Bitten, dass sie stumm für sich betet!?!
Ja, verstehe. Gut, dass sie es respektiert ohne ‚böse’ oder arg enttäuscht zu sein. Das interpretiere ich jetzt einfach mal so aus Deiner Schilderung. Und für Dich bedeutete der respektvolle Umgang, dass Du dabei anwesend warst und Deinen eigenen Gedanken nachgegangen bist?!
Zitat von Inaktiver User
Hm, der Unterschied zu Dir ist, dass ich gläubig bin und ich mir ‚komisch’ vorkomme mit meinen Gefühlen während sie betet und ich nicht ‚bei der Sache’, sogar genervt bin.
Selbstverständlich! ???
Zitat von Opelius
...und macht es meiner Mutter schwierig, Dinge auszuhalten, die mir offensichtlich wichtig sind! Ich halte einen beiderseitigen respektvollen Umgang mit der persönlichen Auslebung des Glaubens für richtig.
Zitat von Opelius
Das Abgrenzungsprobleme in Konfliktsituationen immer wieder mitschwingen ist logisch! Leider habe ich nicht herauslesen können, ob Du eine Idee für diese spezielle Situation hast!?! (Ich stehe evtl. auf dem Schlauch?!) Mir geht es nicht um Machtspielchen, sondern um eine gemeinsame Lösung mit der beide leben können. Mit Ihr habe ich sie leider noch nicht gefunden...
Zitat von Inaktiver User
Es sind tatsächlich bis zu 15 Minuten... aber auch mal nur 5. Da habe ich gestern noch mal besonders drauf geachtet, weil ich dachte, dass ich sicher übertreibe im Anflug der Gereiztheit. Nee, die Uhr steht in bester Sichtposition + tickt und tickt... und tickt + das Essen ist abgekühlt von superheiss auf essbar!
Ja, Du hast Recht, meine Mutter freut sich wenn ich bete und das beflügelt sie meist zu einer extra Gebetszugabe!
Ich muss gerade schmunzeln bei der Formulierung... Und vielleicht sollte ich es mit mehr Humor sehen?! (Nicht im Sinne von 'lustig machen, sondern von einem gelassenen liebevollen 'typisch uns Mamma' - warum gelingt mir das in dieser Situation nicht, aber in zig anderen?! Weil es da um oberflächlicheres geht?!
)
Ja, still zuhören finde ich auch am respektvollsten!!!
Ich muss wohl Geduld üben + dann wird auch das schlechte Gefühl, bzgl. meines Glaubens nicht mehr aufkommen in der Situation in der mir die Konzentration fehlt und die Ungeduld zum Groll wird... Wo ich wieder bei einer meiner bekannten Aufgaben des Geduld-Übens bin
– wie geht das???
Vielen Dank für Eure Gedanken!!!
+ gern mehr!
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25.03.2008, 11:48
AW: Laaaaaange Tischgebete
Ich habe keine praktikable Lösung! Und ich weiß, dass ein Gespräch darüber mit der eigenen Mutter sehr anstrengend ist.Leider habe ich nicht herauslesen können, ob Du eine Idee für diese spezielle Situation hast!?! (Ich stehe evtl. auf dem Schlauch?!) Mir geht es nicht um Machtspielchen, sondern um eine gemeinsame Lösung mit der beide leben können. Mit Ihr habe ich sie leider noch nicht gefunden...Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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25.03.2008, 11:57Inaktiver User
AW: Laaaaaange Tischgebete
Hallo Minza,Ja, verstehe. Gut, dass sie es respektiert ohne ‚böse’ oder arg enttäuscht zu sein. Das interpretiere ich jetzt einfach mal so aus Deiner Schilderung. Und für Dich bedeutete der respektvolle Umgang, dass Du dabei anwesend warst und Deinen eigenen Gedanken nachgegangen bist?!
Hm, der Unterschied zu Dir ist, dass ich gläubig bin und ich mir ‚komisch’ vorkomme mit meinen Gefühlen während sie betet und ich nicht ‚bei der Sache’, sogar genervt bin.
ich bin auch gläubig, gehöre aber nicht der christlichen Religionsgemeinschaft an.
Meine Freundin weiss das.
Der Respektvolle Umgang bedeutet für mich Akzeptanz auf beiden Seiten.
Bei einem Tischgebet meiner christlichen Gastgeber verhalte ich mich ruhig mit gesenktem Blick, bin präsent in der Situation und höre zu.
Jedoch bekreuzige ich mich nicht, falte nicht die Hände und spreche keine christlichen Gebete.
Ich habe mit ihr auch einen katholischen Gottesdienst besucht und eine Sabbath-Zeremonie (ihr Sohn ist jüdisch verheiratet - was sie ebenfalls akzeptiert).
Auch in diesen Fällen verhalte ich mich angemessen "ruhig" und am Geschehen interessiert.
Wenn meine Freundin hier in Deutschland ist, gebietet es mir meine Toleranz und Gastfreundschaft, dass auch sie sich nicht meinen Glaubensriten anpassen "muss".
Das geht wunderbar :-).Geändert von Inaktiver User (25.03.2008 um 12:01 Uhr)
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25.03.2008, 14:15
AW: Laaaaaange Tischgebete
Doch, eine Idee ist mir gekommen:
Bitte das nächste Mal Deine Mutter, dass Du das Tischgebet sprechen darfst.
Vielleicht ist es eine Lösung, das Ihr eins ums andere mal Euch darin abwechselt.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel


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