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  1. Inaktiver User

    AW: Moderne Frevel

    Zitat Zitat von Zimtstange
    Eine Sünde hab ich noch:

    "Es wird ein Tag kommen, an dem die Menschen über die Tötung eines Tieres genauso urteilen werden, wie sie heute die eines Menschen beurteilen."

    Leonardo da Vinci
    und sah er das positiv oder negativ?

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    AW: Moderne Frevel

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    und sah er das positiv oder negativ?
    Nun, da er Vegetarier war, wie übrigens auch Phytagoras mit Sicherheit positiv.

  3. Inaktiver User

    AW: Moderne Frevel

    Du meinst sicher Pythagoras?

    Was hat der mit dem Thema zu tun?

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    AW: Moderne Frevel

    er mochte wohl auch kein Tierfleisch...


    Dem:
    Mir ist es lieber, wenn Menschen mit gesundem Menschenverstand und Eigenverantwortung an ihr Handeln herangehen.
    würde ich zustimmen wollen.

    Die Frage ist: Auf welcher Basis entstehen Gesunder Menschenverstand und Eigenverantwortung?
    Im Zweifel tu einfach das Richtige

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    AW: Moderne Frevel

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Was hat der mit dem Thema zu tun?
    Mediterranee, Konversationen entwickeln sich. Ein zu starres festhalten am Thema erstarrt auch die Konversation.

  6. Inaktiver User

    AW: Moderne Frevel

    Herzlichen Dank für die freundliche Belehrung.

    Ich halte das aber einfach nur für Name-dropping und nicht für eine diskussionsförderliche Aussage.

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    AW: Moderne Frevel

    Pythagoras hat die Freveltheorie entscheidend vorangebracht, denn er hat den auch heute noch topaktuellen Frevel des Bohnenessens erfunden.

  8. Inaktiver User

    AW: Moderne Frevel

    Ein wahrhaft frevlerisches Unterfangen!

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    AW: Moderne Frevel

    Hallo

    Ich habe mir diese Diskussion hier mit Interesse durchgelesen und habe das Bedürfnis noch etwas aus kulturhistorischer Sicht zu ergänzen.

    Die Idee der Sieben Todsünden entstammt dem symbolisch-qualitativen Denken der Antike und wurde dann später ins Christentum eingegliedert. Die Sieben Todsünden sind den Sieben Planeten, bzw. dem Pantheon der antiken Göttern zugeordnet. (Sonne und Mond gelten hier als Planeten.)

    Sie fanden dann auch ins systematische Denken der Alchemie und Astrologie Einzug.

    Es handelt sich um Grundprinzipien die in jedem lebendigen Organismus oder auch in jeder Gesellschaft auftreten und ein Ganzes bilden.
    Dabei stehen alle Prinzipien in einem zunächst konträren, sich ausschließenden, dann komplementären Verhältnis. Zum Problem wird es, wenn eines dieser Prinzipien so übermäßig gelebt wird, so dass es die anderen verhindert und ein Ungleichgewicht entsteht. Dann wird erst wird es zur "Todsünde".
    Es gibt folgende Entsprechungen:

    Geiz = Saturn
    Neid = Merkur
    Zorn = Mars
    Wollust = Venus
    Hochmut = Sonne
    Völlerei = Jupiter
    Trägheit = Mond

    Jedes diese Prinzipien ist für ein organisches Ganzes unentbehrlich.

    Saturn entspricht der Verdichtung, Struktur, Regel usw. So würde eine Gesellschaft auseinanderfallen, wenn sie keine Gesetze hätte. Der menschliche Körper würde auseinanderfallen, wenn er keine Knochen und keine Haut hätte.
    Merkur entspricht dem ökonomischen Eingebundensein. Ihm entspricht die Sprache, Logik, Information usw. Ohne Nervensystem und Gehirn könnte der Körper keine Informationen verarbeiten. Eine Gesellschaft ohne Sprache, Post, Verkehr auch nicht.
    Mars entspricht der Energie und Durchsetzung. Ohne Imunsystem könnte sich der Körper nicht verteidigen. Ohne Energie könnten wir keine Arbeit beginnen. Ohne Militär wäre eine Gesellschaft den Feinden ausgeliefert.
    Venus entspricht der Anpassungsfähigkeit, Sozialbewußtsein, Kunst, Ästhetik, Vergnügen und Lust. Ohne Lustempfinden würde wahrscheinlich kein Anreiz bestehen, irgendetwas zu beginnen. Wir könnten keine Freundschaften schließen. Staaten keine Bünde.
    Sonne entspricht der Wesenszentrierung, dem Selbstbewußtsein, der Identitätsfindung. Im Körper entspricht dem klassisch das Herz. Dem Staat klasssisch der König oder Regent, welcher den Staat repräsentiert.
    Jupiter entspricht der Weitung des Bewußtseins, der Religion, der Großzügigkeit usw. Im Staat entspricht ihm die Religion und Philosophie. Während Merkur eher dem Analytischen Denken entspricht, entspricht Jupiter eher dem Inuitiven Erfassen großer Zusammenhänge.
    Mond entspricht der Fähigkeit zur Passivität. Etwa etwas Geschehenlassenkönnen. Dem Zuhörenkönnen anderer. Der Fähigkeit sich Treiben lassen zu können und nicht immer Eingreifen zu müssen ( Mars).

    Jedes dieser Prizipien ist also Notwendig, um ein gesundes funktionierendes Ganzes zu bilden. Dennoch scheinen sich alle zunächst gegenseitig auszuschließen. Wer Krieg führt (Mars) kann keine Freundschaften schließen (Venus). Wer passiv ist (Mond) kann beides nicht. Wer nur ökonomisch denkt und plant (Merkur) kann nichts realisieren (Mars) und sich schlecht in andere einfühlen (Venus). Wer immer nur seinem Selbst zugewandt ist und an Repräsentation denkt (Sonne) kann schlecht zuhören (Mond) usw,
    Wird also ein Prinzip übermäßig gelebt, geschieht dies automatisch auf Kosten der anderen. Erst jetzt verwandelt es sich in eine Todsünde.

    So ist es zunächst nichts Schlechtes, wenn man seine Energie dazu einsetzt etwas in Angriff zu nehmen und durchzusetzen (Mars). Wer aber dabei die anderen Prinzipien vernachlässigt wird dadurch zum Choleriker der immer und überall Streit sucht. Mars wird zum Zorn.

    So ist es nichts Schlechtes, passiv sein zu können, etwa im Zuhören. (Mond) Es wird aber schlecht, wenn ich nur noch untätig herumsitze und erwarte dass mich Familie und Staat versorgen und durchfüttern. Mond wird dann zur Trägheit.

    Es ist auch nichts Schlechtes nach Vergnügen und Schönheit zu streben, etwa wenn man musiziert, oder sein Haus verschönert, sich schöne Kleider kauft oder Sex hat. Wird dies jedoch zum ausschließlichen Lebensinhalt, dann verwandelt sich Venus in die Wolllust.

    Es ist auch nichts Schlechtes zu wissen wer man ist, und welche Funktion man in einer Gesellschaft einnimmt. Denkt man jedoch nur noch über sich selbst nach und darüber, wie man auf andere wirkt, dann wird aus Selbstbewußtsein (Sonne) schnell Hochmut.

    Es ist notwendig und richtig, ökonomisch sinnvoll mit den Umweltbedingungen umzugehen (Merkur). Es ist richtig im Handel günstige Geschäfte abzuschließen und Dinge zu bewerten. Treibe ich aber meinen Hang zur Ökonomie auf die Spitze, dann werde ich unzufrieden. Ich meine dann, dass alles immer noch besser geht und vorallem dass andere immer in günstigeren Umständen sind als ich. Das ökonomische Denken verwandelt sich dann in einen Neid.

    Regeln, Gesetze und Strukturen sind wichtig und notwendig (Saturn). Ohne Handlungsmaximen und dem Anerkennen ethischer Handlungsgrenzen, habe ich keine Orientierung und keinen Halt. Poche ich jedoch übermäßig stark auf meine Rechte und handle nur noch nach starren Regeln, dann kommt mir meine Flexibilität und letztlich Menschlichkeit abhanden. Etwa wenn ich mir nichts mehr gönne (Venus) und nur noch Strenge und Härte kenne. Dann wird Saturn zum Geiz.

    Es ist sinnvoll und richtig sich nicht nur in Details festzubeißen, sondern immer auch das große Ganze im Bewußtsein zu haben (Jupiter). Erst durch diese Weitsicht kann ich Sinn im Leben finden. Dazu muss ich mich öffnen und fernen Horizonten entgegengehen. Doch wie das Sprichwort sagt: "Wer für alles offen ist und keine Grenzen mehr kennt, der ist nicht ganz dicht." In diesem Fall extremer Großzügigkeit wird aus dem Jupiterprinzip die Völlerei.

    Es ging also nicht darum, irgendwelche beliebigen Eigenschaften als Todsünden zu verteufeln oder zu verbieten. Sondern es ging ursprünglich darum, darauf aufmerksam zu machen, ein Gleichgewicht der Lebensimpulse aufrecht zu erhalten und Extreme zu vermeiden. Alle Todsünden stehen in einem systematischen Zusammenhang der aus der vorchristlichen Antike stammt und dann übernommen und christianisiert wurde.

    Noch zum Begriff Sünde selbst: Sünde bezeichnet nicht einfach eine Handlung die verboten ist, sondern vielmehr einen Zustand. Sünde kommt ethymologisch von Abgesondertsein. Die Sünde ist also keine Tat oder Handlung, sondern vielmehr der Zustand des Abgespaltetseins oder Abgesondertseins von Gott. So erklärt sich auch die Behauptung, der Mensch komme schon sündig auf die Welt, was ja keinen Sinn ergibt, da ein Kind noch keine bewußten Handlungen begangen hat. Es bedeutet vielmehr dass der Grundzustand des Menschen in der Absonderung besteht und die Einheit mit Gott angestrebt werden muss. Der Zustand der Absonderung wird dabei als unwahr oder illusionär betrachtet, da man immer mit Gott vereint ist. Der sündige Mensch soll also seine Einheit mit Gott erkennen, und so zu seiner eigentlichen Wahrheit vordringen. Dies geschieht durch einen Vertrauenskredit: den Glauben. Dieser Kredit wird nach Christlicher Theologie auch umgekehrt gewährt, indem Gott seinen Sohn geopfert hat und damit alle Sünden vergibt. Dieser Akt der Liebe (ohne Gegenleistung) soll den Christen seinerseits zum Glaubenskredit bewegen und ihn somit zur Erlösung führen.

  10. User Info Menu

    AW: Moderne Frevel

    Danke, Novalis,
    das ist bisher die beste Erklärung, die ich zu diesem Komplex gefunden habe. Sie ist logisch und einfühlsam.

    Da gibt es nichts zu ergänzen.

    Opelius
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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