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    Eine Sache der Einstellung

    In der Brigitte woman 10 / 2006 war ein sehr anregendes Interview mit Wilhelm Schmid.

    Frage: ... und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Viele Märchen hören so auf, die meisten Filme haben ein Happy-End. Offenbar, weil es in uns eine tiefe Sehnsucht nach einem Glück gibt, das ewig währt. Kennen Sie dieses Gefühl auch von sich selbst?

    Schmid: Ich sehe mir tatsächlich am allerliebsten Filme mit glücklichem Ende an. Ich möchte diese Illusion! Ich finde sei wunderbar. Aber ich weiß eben auch, dass es eine Illusion ist, und ich verlange dem Leben nicht ab, dass es so verläuft. Doch viele Menschen erwarten vom Leben nur Positives. Nur Höhepunkte. Leider hält sich das Leben nicht daran. Meist plätschert es so dahin. Es gibt vielleicht mal ein bisschen Aufwallung, aber das war’s dann auch. Der Alltag dominiert das Leben. Jeder weiß das und will sich doch nicht damit abfinden.
    Gerade unsere Gesellschaft fördert diese narzistische, verwöhnte Einstellung. Die Folge der Konsumgesellschaft in der alles immer besser, schöner und leichter werden soll, in der sich alles „gut anfühlen“ soll, ist Frustration. Der Narzismus fördert die Suche nach dem verlässlicheren Glück, wiederhobaren Höhepunkten, dem verlässlicheren Partner, wunderbaren-ihre-Eltern-liebenden Kindern, gefolgt von weiteren Frustrationen.

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    die Suche nach dem verlässlicheren Glück, wiederhobaren Höhepunkten, dem verlässlicheren Partner, wunderbaren-ihre-Eltern-liebenden Kindern,
    Suchen darf man ja wohl.....oder?

  3. Inaktiver User

    AW: Eine Sache der Einstellung

    Den Wilhelm Schmid kenne ich auch, ich mein, seine Bücher.

    Ich finde das immer ein bisschen belehrend und umständlich, aber nun ja, auch ganz erbaulich.

    Um einen halbwegs störungsfreien "grauen Alltag" genießen zu können, braucht man aber eigentlich keine Erbauungsbücher, sondern nur ein paar Erfahrungen. Eigentlich sollten eine heftige Erkältung, ein abgebrochener Hausschlüssel, eine kaputte Heizung bei 10 Grad minus oder eine Phase der Arbeitslosigkeit schon genügen, um einem vor Augen zu führen, wieviel es wert ist, wenn man ohne Schmerzen sein darf und das Gewissen ruhig ist.

    Ein verlässliches Glück wie eine Familie, das ist aber doch kein unrealistisches Ziel und narzisstisch finde ich das auch nicht (aber der Schmid auch nicht). Familien gibt es doch schon noch, und einige sollen doch sogar glücklich sein auch wenn sie sich mal streiten.

    Und wenn es um Eltern geht, die ihre Kinder lieben und sich um sie sorgen - nun, dann haben meine Kinder eine Menge Glück. Und ich auch.

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Zitat Zitat von reiner
    Der Narzismus fördert die Suche nach dem verlässlicheren Glück, wiederhobaren Höhepunkten, dem verlässlicheren Partner, wunderbaren-ihre-Eltern-liebenden Kindern, gefolgt von weiteren Frustrationen.
    Du findest es narzistisch danach zu streben ein glueckliches und gutes Leben zu fuehren?

    Es geht "uns" so gut, weil sich dieses Streben ueber die Jahrhunderte politisch umgesetzt hat.

    Das gottergebene Sichfuegen in "das Schicksal" mit Hoffnung auf ein Paradies nach dem Tod ist keine Alternative.

    Was ein "gutes Leben" genau fuer den Einzelnen bedeutet, und wie es zu erreichen ist, damit hat sich schon Epikur auseinandergesetzt, und heute kommt um diese Auseinandersetzung auch niemand herum.

    Die Frustrationen, die damit verbunden sind, dass ich meine Erkenntnisse darueber, was wirklich gut und richtig fuer mich ist, alle selber "unter Schmerzen" erarbeiten muss, nehme ich gerne in Kauf. Die Alternative dazu ist in jedem Geschichtsbuch nachzulesen.

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Ich hänge mal noch einen Ausschnitt aus dem Interview an.

    Schmid: Wer nicht wahrhaben will, dass zum Leben auch Leid gehört, der leidet doppelt. Wer sich darüber im Klaren ist, der kann sich mit seinem Kummer befassen – und so vielleicht die notwendigen Kräfte mobilisieren, um mit dem Schmerz fertig zu werden.

    Frage: Nur vielleicht?

    Schmid: Ja, eine Garantie dafür gibt es nicht. Möglicherweise endet das Leben sogar in größtem Kummer. Am schlimmsten ist das für die Menschen, die ausschließlich auf das Wohlfühlglück setzen und darauf beharren, dass das Leben nicht nur positiv zu verlaufen hat, sondern auch so enden muss. Das ist ja das Blöde an dieser Form des Glücks: Es macht systematisch unglücklich.
    Sisyphos,
    gegen die Formulierung "ein glückliches und gutes Leben führen" will ich nichts einwenden.
    Die Kritik steckt im Detail. Was versteht der Mensch unter "glücklich" was unter "gut". Das was Schmid "Wohlfühlglück" nennt, rührt (und da habe ich auch ein Buch von Wolfgang Schmidbauer im Kopf " Jetzt haben, später zahlen, Die seelischen Folgen der Konsumgesellschaft") aus einer narzistischen und wie Schmidbauer sagt "verwöhnten" Grundeinstellung. Bedürfnisse, natürlich auch und vor allem emotionale, müssen befriedigt werden und das Versagen dieser Wünsche bedeutet Unglück für den Betroffenen.

    Epikur ist sicher ein gutes Vorbild und in keiner Weise mit den Utilitaristen zu verwechseln.

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Zitat Zitat von reiner
    In der Brigitte woman 10 / 2006 war ein sehr anregendes Interview mit Wilhelm Schmid.



    Gerade unsere Gesellschaft fördert diese narzistische, verwöhnte Einstellung. Die Folge der Konsumgesellschaft in der alles immer besser, schöner und leichter werden soll, in der sich alles „gut anfühlen“ soll, ist Frustration. Der Narzismus fördert die Suche nach dem verlässlicheren Glück, wiederhobaren Höhepunkten, dem verlässlicheren Partner, wunderbaren-ihre-Eltern-liebenden Kindern, gefolgt von weiteren Frustrationen.
    Auch für mich ist es eine Frage der Einstellung. Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen kann Stillstand bedeuten aber auch sehr positiv belegt sein.
    Glück empfindet der eine beim Anblick von irgendwas, was vom Anderen als völlig Bedeutungslos angesehen wird.

    Sicher gibt es viele Menschen, die eine Grundtendenz zur Unzufriedenheit haben. Da ich aber ein hoffnungsvoller (nicht -loser) Optimist bin, sehe ich auch darin das Positive. Unzufriedenheit kann auch die Triebfeder für Änderung und Voranschreiten sein - der Anlass für die Suche nach anderen, besseren Möglichkeiten, neuen Wegen.
    Unzufriedenheit weckt den Forschergeist (im weitesten Sinne)und führte die Menschheit vom Ochsengespann vor dem Karren zum Auto, von Ikarus über Lilienthal zur Technik des 21. Jahrhunderts. Ob dabei Narzissmus eine große Rolle spielt? Keine Ahnung. Ich würde es eher als natürlichen menschlichen Drang zur Weiterentwicklung ansehen.

    Man sollte also nicht den Fehler machen, jedwede Art der Unzufriedenheit als starres In-sich-verharren anzusehen.

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Blickwinkel,
    glaubst du, dass die Änderungen und Voranschreiten zum dauerhaften Glück führen?

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Zitat Zitat von reiner
    Blickwinkel,
    glaubst du, dass die Änderungen und Voranschreiten zum dauerhaften Glück führen?
    Ich glaube, dass es kein dauerhaftes Glück gibt. Glück zu empfinden, bedeutet, auch das Gegenteil zu erleben. Jedwede Empfindung braucht das Antonym, um nicht im dauerhaften Nichtmehrwahrgenommenwerden zu verflachen.

    Änderungen und Voranschreiten bringen uns weiter, eröffnen andere Horizonte und erleichtern in vielfacher Hinsicht den Alltag, man bekommt einfach mehr Zeit und interessante neue Perspektiven, aus denen heraus sich dann auch glückliche Momente ergeben. - Man bekommt mehr Zeit, um sich den 'angenehmen Dingen des Lebens' hingeben zu können, die oftmals und mit dem richtigen Blickwinkel dann eben auch zu Glücksmomenten werden können.
    Verharren ist selten ein Weg zu mehr gefühltem Glück, weil... (s.o.)
    Das bedeutet aber nicht, dass Glück nicht auch schon vom Neanderthaler gefühlt worden sein wird.


    geändert wg. die Grammatik ;-)

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    AW: Eine Sache der Einstellung

    Na dann viel Glück bei den Verändeungen.
    "Eine Frau ist viel eher in der Lage, das Haus heimelig zu machen, schöne Kerzen zu platzieren, Blumen aufzustellen und Apfelkuchen zu backen" Eva H.

    Trinke 8 Liter Wasser am Tag, schlafe 24 Stunden, verzichte auf jeden Stress und du siehst aus wie Iris Berben.
    Länger glatte Achseln! Denn Schönheit ist Freiheit.

    Konfuzius sagt: "Die Ziege beschwert sich, dass sie einen Affen zum Mann hat."

  10. Inaktiver User

    AW: Eine Sache der Einstellung

    Zitat Zitat von Blickwinkel
    Auch für mich ist es eine Frage der Einstellung. Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen kann Stillstand bedeuten aber auch sehr positiv belegt sein.
    Glück empfindet der eine beim Anblick von irgendwas, was vom Anderen als völlig Bedeutungslos angesehen wird.

    Sicher gibt es viele Menschen, die eine Grundtendenz zur Unzufriedenheit haben. Da ich aber ein hoffnungsvoller (nicht -loser) Optimist bin, sehe ich auch darin das Positive. Unzufriedenheit kann auch die Triebfeder für Änderung und Voranschreiten sein - der Anlass für die Suche nach anderen, besseren Möglichkeiten, neuen Wegen.
    Unzufriedenheit weckt den Forschergeist (im weitesten Sinne)und führte die Menschheit vom Ochsengespann vor dem Karren zum Auto, von Ikarus über Lilienthal zur Technik des 21. Jahrhunderts. Ob dabei Narzissmus eine große Rolle spielt? Keine Ahnung. Ich würde es eher als natürlichen menschlichen Drang zur Weiterentwicklung ansehen.

    Man sollte also nicht den Fehler machen, jedwede Art der Unzufriedenheit als starres In-sich-verharren anzusehen.

    Manche Menschen sind nur glücklich, wenn sie unglücklich sind - sie brauchen das. Statt eine angenehme Situation zu geniessen, sagen sie "es kann nur schlechter werden!"
    Zufriedenheit muss keinen Stillstand bedeuten - es kommt darauf an, wie man Zufriedenheit definiert. Ich bin zufrieden, wenn meine Lieben und ich gesund sind, es uns gut geht und uns nichts Greifbares bedroht. Das hindert mich nicht daran, realistische Ziele zu verfolgen, zB unser Geschäft zu optimieren, mich fortzubilden.
    Zufriedenheit muss nicht bedeuten, seinen Biß/Lebenshunger zu verlieren - ist eine Typfrage.

    Warum sollten wir nicht auf der Suche nach Idealen sein? Ich habe seinerzeit einen idealen Mann gesucht - und nachdem ich einige Frösche geküsst habe auch gefunden:
    Meine Ehe fühlt sich seit 27 Jahren meist gut an - Wohlfühlglück - und ich geniesse es. Was soll daran falsch sein?? Hätte ich mich mit einer schlechten Beziehung zufrieden geben sollen? Warum?

    Ich habe mir einen für mich idealen Beruf gesucht - und wieder - nach einigen Fehlentscheidungen, Glück gehabt. Ich fühle mich wohl in meinem Job und bin meistens glücklich. Warum auch nicht?

    Ich finde glücklich sein wesentlich erstrebenswerter als pessimistisch, verbittert oder verängstigt zu leben, wobei "Glück" was subjektives ist.

    Aber das muss jeder für sich entscheiden...

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