Das der Buddhismus im Westen derzeit so populär ist, hat sicherlich etwas mit der Person des Dalai Lama zu tun. Man sollte auch nicht vergessen, dass es im Namen des Buddhismus eigentlich keine Religionskriege und gewalttätigen Bekehrungsversuche gab. Zumindest nicht in dem Umfang wie bei den theistischen Religionen.
Ich finde den Dalai Lama auch sehr sympathisch, aber mich stört doch schon etwas, dass es in den Medien oberflächlich dargestellt wird. Es gibt nicht nur den tibetischen Buddhismus und der Dalai Lama ist nicht das Oberhaupt oder der "Pabst" aller Buddhisten.
Der Buddhismus kam auch erst hunderte Jahre nach dem Tode des Buddha nach Tibet. Nach dem, was ich gelesen haben, scheint der tibetische Buddhismus auch wohl eher eine Mischform aus dem ursprünglichen Buddhismus und dem tibetischen Volksglauben zu sein.
Wenn es noch so etwas gibt wie den "Urbuddhismus", dann ist dieser vielleicht eher noch in Burma, Sri Lanka etc. zu finden.
Trotzdem ist es auch für uns im Westen bestimmt hilfreich, sich mit den Lehren Buddhas zu beschäftigen. Gerade zu den Themen Ethik und Geistesschulung kann man in den Lehrreden Buddhas sehr viel hilfreiches entdecken. Meiner Meinung nach mehr als in den anderen Religionen.
Antworten
Ergebnis 11 bis 16 von 16
Thema: Buddhismus
-
27.07.2007, 14:53
AW: Buddhismus
-
27.07.2007, 15:37Inaktiver User
AW: Buddhismus
@Claudia
Leider, leider ... muss ich da enttäuschen.dass es im Namen des Buddhismus eigentlich keine Religionskriege und gewalttätigen Bekehrungsversuche gab. Zumindest nicht in dem Umfang wie bei den theistischen Religionen.
Die "Buddhistisierung" Tibets geschah mit dem Schwert. Nicht nur im Namen politischer Eroberung, sondern auch mit der Begründung des Buddhismus. Die einheimischen vorbuddhistischen Religionen wurden gewaltsam ausgemerzt und in den Untergrund gedrängt - erst nachher fand eine allmähliche Integration vorbuddhistischer Elemente und somit ein "Friedensschluss" statt.
Später dann wurden die Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Schulen des tibetischen Buddhismus einerseits um die politische Macht aber anderseits auch um die "Wahrheit" gewisser Glaubensinhalte und Schwerpunkte durchaus nicht nur rhetorisch sondern genauso mit Waffengewalt ausgefochten, mit schlimmen Folgen für die Laienbevölkerung.
Die Machtübernahme des "Gelbmützenordens", dem der Dalai Lama vorsteht und die die politische Ordnung Tibets vor der chinesischen Besatzung sowie der tibetischen Exilregierung heute prägte und prägt, geschah auch mit gewaltsamen Mitteln.
Ähnliches Bild in Japan: der Herrscherclan, aus dem später die Kaiserdynastie wurde, sicherte sich ihre Vormachtstellung unter anderem dadurch, indem sie sich als Verteidiger des Buddhismus hochspielte und in seinem Namen die noch rein shintoistischen anderen Lokalfürsten unterwarf.
Nochmals - ich will wirklich den Buddhismus nicht niedermachen. Ich will aber das zu rosarote Bild, das wir im Westen von dieser Religion haben, realtivieren.
Und ja - mit dem Zusatzsatz "Zumindest nicht in dem Umfang wie bei den theistischen Religionen", wie er gesagt wurde, bin ich (grösstenteils) einverstanden.
Es stimmt nicht, dass es keinerlei buddhistischen Religionskriege und gewaltsamen Bekehrungen gab. Es stimmt aber, dass dies bei weitem nicht in dem Ausmass wie im Falle anderer Religionen geschah.
Allerdings - noch eine Einschränkung. Ich glaube, das "theistisch" stimmt hier nicht. Ich würde eher sagen: "monotheistisch".
-
27.07.2007, 17:37Inaktiver User
AW: Buddhismus
Ich bin über die Astrologie dazu gekommen, frag nicht genau nach dem Weg, verschiedene Lehren aus dem Osten anzusehen.
Zitat von NikkiHH
Was mir gefällt daran ist, sich von einem personellen Gott zu entfernen und Gott mehr als Allmacht ohne Persönlichkeit im Lust-Frust-Muster menschlicher Erfahrungsgefangenschaft zu sehen.
Aber vielleicht git es ja auch gar keinen Gott und keine Seele, das kann auch sein.
-
27.07.2007, 17:55Inaktiver User
AW: Buddhismus
Ich interessiere mich u.a. auch für Buddhismus, Religion und esoterische Themen.
Durch einige Bücher kam ich durch Internetfreunde auch zum Thema Buddhismus. Ein Bekannter hat eine Webseite über Buddhismus, er selbst ist seit Jahren Buddhist: http://www.lotus-homepage.de/
Ich gehöre keiner Religion an, vieles im Buddhismus interessiert mich und ist Grund zum Nachdenken für mich. Aber manches ist mir auch zu kompliziert und mit zu vielen Regeln behaftet.
Mit den die vier edlen Wahrheiten habe ich mich beschäftigt, darüber gelesen und nachgedacht.
Den Dalai Lama finde ich sehr symphathisch und interessant, er ist einmalig. Das Buch von Hermann hesse "Siddhartha" finde ich genial. Meine Erkenntnis daraus ist in etwas so: Ein jeder muss zuerst durch seine eigene kleine Hölle hindurch gehen, um ins Licht zu gelangen. Jeder muss dazu seinen eigenen Weg gehen, Bücher und Lehren anderer sind nur Möglichkeiten und regen zum Nachdenken an, geben einem zwar Rat und Hilfe aber jeder muss eigene Erfahrungen machen und seinen Weg gehen.
-
27.07.2007, 18:21
AW: Buddhismus
Stimmt, das finde ich sehr interessant. Aber wie schon gesagt, es gibt nicht den Buddhismus. Die tibetische Form des Buddhismus ist eine spätere Auslegung und Veränderung der ursprünglichen Lehre Buddhas. Vielleicht steht die Schule des Theravada-Buddhismus dem "Ur-Buddhismus" näher als viele spätere Richtungen.Zitat von Horus
"Die "Buddhistisierung" Tibets geschah mit dem Schwert. Nicht nur im Namen politischer Eroberung, sondern auch mit der Begründung des Buddhismus."
Ich bin kein Buddhist, aber ich denke, dass die ursprünglichen und ältesten Lehrreden Buddhas eindeutig sind und sich nicht zur Anwendung von Gewalt mißbrauchen lassen. Gab es Eroberungen und Zwangsbekehrungen unter dem Deckmantel der alten buddhistischen Texte? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Trotz allem glaube ich aber, dass der Buddhismus (auch der tibetische) sein Bild als (größtenteils) gewaltfreie Religion verdient hat. Die Geschichte und Gegenwart der (mono-)theistischen Religionen ist leider eine andere.
-
29.07.2007, 21:46
AW: Buddhismus
Hallo Nikki,
ich würde empfehlen, einfach mal die wichtigsten Reden Buddhas zu lesen. Es bringt Spaß, und Du bist dann nicht so orientierungslos im modernen Literaturdschungel!
Irgend ein ganz sachliches, nüchternes Buch über die verschiedenen Richtungen des Buddhismus, wie sie sich wann und wo ausgebreitet haben, ist vielleicht auch nicht verkehrt. Am besten aus so einer ultra-sachlichen Reihe a la "die Weltreligionen" (weil man dann auf eine neutrale Darstellung hoffen kann).
Erstens kannst Du dadurch sehen, welche Richtung Dich am ehesten anspricht. Außerdem bekommt man dadurch nebenbei doch einige Fachbegriffe mit, sonst fragt man sich ja immer, was um Himmels Willen "Reines Land" und sowas sein sollen.
Auf der Website der DBU findest Du, wie Mathis ja schon geschrieben hat, Meditationsgruppen.
Bei der Auswahl ist es aber nicht nur eine Frage der Theorie, sondern auch einfach ganz menschlich, mit welcher Gruppe man gut kann.
Du wirst im Zusammenhang der Reden Buddhas sicher immer wieder auf den Namen Karl Eugen Neumann stoßen, das ist *die* klassische Übersetzung aus dem Pali-Kanon ins Deutsche. Ist aber auch von der Sprache her ein wenig altmodisch, und manche Worte sind heute umstritten (das betrifft aber soweit ich weiß uns Nicht-Indologen sowieso nicht), aber mit so ein bisschen Altmodischkeit kann man ja leben, wenn man es weiß.
Es gibt eine neue mehrbändige dicke Ausgabe von 2003, die auch ihren Preis hat. Aber aus der gleichen Ausgabe gibt es auch kleine Bücher zu erschwinglichen Preisen. Sind weiße Bücher mit einem Ginkgoblatt auf dem Umschlag.
Wie die "Reden des Buddha" im Reclam Verlag ist, weiß ich leider nicht.
Dann gibt es noch ein Reden des Buddha von dtv/CH Beck, in der neuen Reihe, die so auffällig stylish-puristisch aufgemacht ist und philosophische Klassiker vom Tao Te King bis Nietzsche für 6,- Euro bringt.
Aber ich habe daraus einen Marc Aurel und habe mich über die schlampige Redaktion (lauter Satz- und Tippfehler) so geärgert, dass es das Lesevergnügen ziemlich getrübt hat.
Viele Grüße und viel Spaß beim Herausfinden!
Neko


Zitieren