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    Judas - Verräter oder Opfer

    Hallo,

    In einem anderen Strang (kleienr Religionsquiz wurde der Judaskuss angesprochen, und das hat mich an ein Thema erinnert, dass mir seit meiner Teenagerzeit (bin gerade 40 geworden, ist also schon recht lange) Kopfzerbrechen bereitet.

    Ich bin evangelisch getauft, meine Familie ist nicht besonders religiös, aber in meiner Jugendzeit war ich in einer sehr bibeltreuen Jugendgruppe. Heute schwange ich zwischen Agnostizismus und meinen evangelischen Wurzeln.

    Schon in meiner Jugend fand ich es immer sehr scheinheilig, wenn ueber den Verraeter Judas gesprochen und dieser aufs heftigste verurteilt wurde. Dabei denke ich doch, dass sein Verrat notwendig war, damit Jesus den Weg nimmt, der ihm vorbestimmt war. Und prinzipiell ist es doch fuer einen glaeubigen Christen das groesste Glueck, dass Jesus fuer unsere Suenden gestorben ist, und dafuer war der Verrat ja unabdingbar. Oder anders gesagt. Judas war vielleicht nur ein Werkzeug Gottes.

    Also ich hoffe, das klingt jetzt nicht zynisch. Es wuerde mich trotzdem intressieren, was ihr von der Person des Judas und seinem Verrat haltet.

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    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    in dem von Dir erwähnten Strang hatte ich es schon einmal erwähnt. Für mich wird die Person Judas Ischariod am besten in dem bekannten Musical "Jesus Christ Superstar" beschrieben. Er ist der ruhigere, vernünftigere in der Gruppe um Jesus. Er sieht die Konfrontation mit den Hohenpriestern kommen und beratschlagt sich mit ihnen.

    Verräter, ja vielleicht - wenn aber eine wichtige Figur, so wie Du es beschreibst. Der dreimalige Verrat von Petrus wird aber auch von frommen Evangelischen als relativ harmlos eingestuft. Seinen Meister verleugnen, dreimal, ist eigentlich auch keine Heldentat.

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    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Hallo,
    will mich nach langem passiven Mitlesen hier mal einschalten, weil ich das Thema auch sehr interessant finde.
    Ich habe mal irgendwo eine Theorie gelesen, die ich sehr faszinierend fand: Judas war (wie Du, Opelius, ja schon erwähnt hast) der "Intellektuelle" in einer Gruppe von eher einfach gestrickten Charakteren. Jesus hat seinen Gang nach Jerusalem als eine einzige Provokation aufgezogen: Er hat im Tempel randaliert, er hat sich mit den Pharisäern angelegt - die ganze Sache diente nur einem Ziel: Er wollte es zu Ende bringen. Daher brauchte er Judas, um dieses Ziel zu unterstützen. Einer musste den Aufenthaltsort Jesu den Verantwortlichen mitteilen, und das traute er nur Judas zu, weil der clever genug war. Beim letzten Abendmahl haben ja die Jünger gefragt, wer ihn verraten würde, und Jesus antwortete, dass es der sei, der mit ihm (jetzt nur grob aus dem Kopf zitiert) das Brot in den Becher tauchen würde (und diese Position kann man nach damaligem "Knigge" genau zuordnen). Also wussten die Jünger, dass es Judas sein würde. Und der Hitzkopf Petrus, der später sein Schwert gegen die Häscher ziehen sollte, und seine Kumpels hätten Judas bestimmt nicht ungeschoren davonkommen lassen, wenn sie nicht Instruktionen vom Meister gehabt hätten, wieso und weshalb er so handeln MUSSTE. Hört sich zwar abstrakt an, erklärt aber so manches. Dass Judas im Nachhinein mit seiner Handlung nicht klarkam, obwohl er wusste, dass Jesus es ihm befohlen hatte, kann man vielleicht trotzdem verstehen. Gewissenskonflikte bis hin zu totaler Verzweiflung, weil der geliebte und bewunderte Mensch wegen mir hingerichtet wurde.
    Würde diese Theorie zutreffen, wäre Judas also kein Verräter, sondern einer der wichtigsten Handlungsträger der Heilsgeschichte...
    Viele Grüße
    florentine

  4. Inaktiver User

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Judas ist für mich eine der faszinierendsten Figuren des ganzen NT. Und gleichzeitig ist die Perzeption des Judas, wie sie in der ganzen Kirchengeschichte bis heute vollzogen wurde und wird, eines der unbefriedigendsten - und gefährlichsten - Kapitel der Kirchen.

    Das Thema und die Figur eignen sich wie keine andere für eine literarische (und überhaupt künstlerische) Bearbeitung - was ich dann auch getan habe.

  5. Inaktiver User

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Judas war absolut überflüssig. Jesus wäre auch so erkannt worden.
    Aber Märchen müssen bekanntlich ausgeschmückt werden.

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    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Zitat Zitat von Florentine55
    Würde diese Theorie zutreffen, wäre Judas also kein Verräter, sondern einer der wichtigsten Handlungsträger der Heilsgeschichte...
    Viele Grüße
    florentine
    Das denke ich auch. Allerdings habe ich das noch in keiner Predigt gehoert.

  7. User Info Menu

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Das Thema und die Figur eignen sich wie keine andere für eine literarische (und überhaupt künstlerische) Bearbeitung - was ich dann auch getan habe.
    Das klingt ja interessant. In welcher Form hast du das denn gemacht. Nicht, dass ich neugierig waere...

  8. User Info Menu

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Judas war absolut überflüssig. Jesus wäre auch so erkannt worden.
    Aber Märchen müssen bekanntlich ausgeschmückt werden.
    Es geht mir auch gar nicht so sehr darum, ob diese Geschichte wahr ist oder nicht, sondern mit welcher Scheinheiligkeit sie in der Kirche behandelt wird, was fuer mich dann auch wieder Asuwirkungen auf die Glaubwuerdigkeit der Kirche hat.

  9. Inaktiver User

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Was an den Amtskirchen ist nicht scheinheilig?

  10. Inaktiver User

    AW: Judas - Verräter oder Opfer

    Hallo Marzipanschwein

    Zitat Zitat von Marzipanschwein
    Schon in meiner Jugend fand ich es immer sehr scheinheilig, wenn ueber den Verraeter Judas gesprochen und dieser aufs heftigste verurteilt wurde. Dabei denke ich doch, dass sein Verrat notwendig war, damit Jesus den Weg nimmt, der ihm vorbestimmt war. Und prinzipiell ist es doch fuer einen glaeubigen Christen das groesste Glueck, dass Jesus fuer unsere Suenden gestorben ist, und dafuer war der Verrat ja unabdingbar.
    Viele Schreiber zeichnen ein völlig negatives Bild von Judas, aber offensichtlich war er eine Zeitlang ein Jünger gewesen, der Gunst bei Gott und bei Jesus fand; allein schon seine Erwählung zum Apostel spricht dafür.

    Des weiteren wurde ihm die Verwaltung der gemeinsamen Finanzen Jesu und der 12 Apostel anvertraut. Das deutet auf seine einstige Zuverlässigkeit und Eignung hin, denn obwohl Matthäus Erfahrung im Umgang mit Geld und Zahlen besaß, erhielt er diese Zuteilung nicht (Joh 12:6; Mat 10:3).

    Doch Judas wurde vollständig korrupt, und das ist unentschuldbar. Zweifellos aus diesem Grund wird er in der Apostelliste an letzter Stelle genannt und als der Judas beschrieben, „der ihn später verriet“ oder „der zum Verräter wurde“ (Mat 10:4; Luk 6:16).

    Die Bibel erläutert nicht näher die Beweggründe für seinen schlechten Lauf, doch eine Begebenheit, die sich am 9.Nisan 33 u.Z. zutrug, fünf Tage vor Jesu Tod, beleuchtet die Sache.

    In Bethanien im Haus Simons, des Aussätzigen, salbte Maria, die Schwester des Lazarus, Jesus mit wohlriechendem Öl, das 300 Denare wert war (etwa der Jahreslohn eines Arbeiters) (Mat 20:2).

    Judas erhob jedoch Einspruch und sagte, das Öl hätte verkauft und der Erlös „den Armen gegeben“ werden können. Offensichtlich stimmten ihm andere Apostel zu, denn der Einwand erschien ihnen logisch,
    doch Jesus wies sie zurecht.

    Judas erhob in Wirklichkeit deshalb Einspruch, weil man ihm die Kasse anvertraut hatte und „er ein Dieb war ... und die Einlagen [der Kasse] wegzutragen pflegte“.
    Er war also ein habgieriger Gewohnheitsdieb (Joh 12:2-7; Mat 26:6-12; Mar 14:3-8).


    Zitat Zitat von Marzipanschwein
    Oder anders gesagt. Judas war vielleicht nur ein Werkzeug Gottes.
    Judas machte sich eher zu einem Handlanger Satans, des Gegners Gottes. Er hätte es aber nicht tun müssen...

    Lukas 22:3-6 "Satan aber fuhr in Judas, genannt Iskạriot, der zu den Zwölfen gezählt wurde; 4und er ging hin und redete mit den Oberpriestern und [Tempel]hauptleuten über Mittel und Wege, ihn an sie zu verraten.
    5 Nun freuten sie sich und kamen überein, ihm Silbergeld zu geben.
    6 Da war er einverstanden, und er begann eine gute Gelegenheit zu suchen, ihn abseits von der Volksmenge an sie zu verraten."

    Joh. 13:2 "Im Verlauf des Abendmahls nun, als der Teufel es Judas Iskạriot, dem Sohn Sịmons, bereits ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten,"


    Christus wußte aus den Prophezeiungen der Hebräischen Schriften, daß er von einem engen Gefährten verraten werden würde.

    Ps 41:9"Auch der Mann, der in Frieden mit mir [war], auf den ich vertraute,
    Der mein Brot aß, hat [seine] Ferse groß gemacht gegen mich."
    Psalm 109:8 "Seine Tage mögen sich als wenige erweisen;
    Sein Aufsichtsamt übernehme ein anderer."

    Joh 13:18, 19 "Ich rede nicht von euch allen; ich kenne die, welche ich auserwählt habe.
    Doch ist es, damit sich das Schriftwort erfülle: ‚Der sich stets von meinem Brot ernährte, hat seine Ferse gegen mich erhoben.‘ 19*Von diesem Augenblick an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, daß ich es bin."

    Gott hatte von seinem Vorherwissen Gebrauch gemacht und daher auch vorausgesehen, daß ein enger Gefährte Jesu ein Verräter werden würde.

    Als Jesus enthüllte, daß einer der 12 ihn verraten würde, fragte Judas, die Unschuld in Person: „Ich bin es doch nicht etwa?“ (Matthäus 26:25).
    Nur ein willentlicher Sünder konnte so unverfroren den Schein wahren.

    Als die Soldaten kamen, um Jesus festzunehmen, wählte Judas ausgerechnet das althergebrachte Zeichen der Herzlichkeit und Freundschaft — den Kuß — als Zeichen der Identifizierung.

    „Judas“, fragte Jesus, „verrätst du den Sohn des Menschen mit einem Kuß?“ (Lukas 22:48).


    Gruß Majolika
    Geändert von Inaktiver User (24.04.2007 um 17:52 Uhr)

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