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  1. Moderation

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Ich würde gerne mal darauf hinweisen, dass die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche mit ihrer global-zentralen Struktur, riesige Institutionen sind, und es daher unfair ist, institutionell getroffene Entscheidungen oder Fehlhandlungen auf alle Mitglieder zu übertragen.
    Also, ja: Kirche ungleich Glauben ungleich Religion, dies alles sind unterschiedliche Kategorien, die im spirituellen Leben der einzelnen Gläubigen unterschiedlich großen Stellenwert haben.
    Ich finde es aber etwas lebensfern jetzt jedem einzelnen Kirchenmitglied 100% Identifikation mit der Institution Kirche zu unterschieben, bzw. dies zu verlangen. Eine Haltung zur Kirche als übergeordnete Institution und auch zu falschen Handlungen / Strömungen/ Entscheidungen muss man als Mitglied natürlich haben, also, wie Lizzie64 in #30 schreibt, irgendwie dazu stehen (im Sinne von sich positionieren).
    Und es ist natürlich auch eine Position, sich aufgrund solcher Fehlhaltungen komplett von der Institution Kirche zu distanzieren. Es ist aber nicht die einzige. Denn auch die katholische Kirche ist so viel mehr als Papst, kriminelle Priester und Wölki.

    Anders: Wenn ich irgendwo in Hastenichgesehenhausen einer guten Gemeinde angehöre, die meine Werte vertritt (einschließlich, beispielsweise, Respekt vor unterschiedlichen sexuellen Orientierungen), wo Menschen willkommen sind und nötigenfalls aufgefangen werden, wo praktische kommunale Hilfe geleistet wird, kurz: wo ich die Gemeinschaft des heiligen Geistes erlebe - dann werde ich da auch nicht nach Missbrauchsskandalen oder Finanzverschleppungen anderswo austreten. Vielleicht habe ich und hat die Gemeinde gerade dann das Bedürfnis vorzuleben, dass Kirche auch anders geht. Vielleicht will ich gerade dann daran mitwirken, die Institution von innen heraus zu verbessern. Und ich finde, das sollte auch respektiert werden.

    Eine Nicht-Katholikin.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Zitat Zitat von _Magdalena Beitrag anzeigen
    Die Frohbotschaft ist auch nicht der qualvolle Tod am Kreuz. Die Frohbotschaft ist die Auferstehung, die Überwindung des Todes und die Abwaschung aller Sündenlast.
    von mir gekürzt

    Und genau diese Frohbotschaft ist psychologisch verheerend, wenn man sie einmal aus der Außenperspektive betrachten möchte. Da wird dem Menschen schon im zarten Kindesalter vermittelt, dass er derartig mit Schuld und Sünde belastet ist, dass es erstmal eines grausamen, blutigen Opfers bedarf um ihn "reinzuwaschen".

    Zitat Zitat von Zwekke
    Also ich finde es alles andere als christlich, Frauen auszugrenzen,[...]
    In den Evangelien erscheint Jesus als ein Mensch, der Frauen durchaus in seinem Umfeld toleriert. Sie dürfen ihm zuhören, sie dürfen ihn und seine Jünger bei Tisch bedienen und sie dürfen "von ihrem Vermögen geben". In den "inner Circle" seiner Jünger beruft er aber ganz selbstverständlich nur Männer. Das unterscheidet sich nicht so fundamental von der Rolle, die die katholische Kirche den Frauen zugesteht.

    Die Rolle von Frauen im Urchristentum gibt natürlich etliche Doktorarbeiten her, aber die feministischen Deutungen sind waahrscheinlich reines Wunschdenken.

    die Segnung Homosexueller zu verbieten,
    Drücken wir es so aus: Das wäre zu belegen. Mir fehlt da das theologische und geschichtliche Hintrgrundwissen, aber mir ist völlig unklar, wie man aus der christlichen Lehre heraus eine Gleichstellung Homosexueller begründen will.

    Ich formuliere nochmal provokant: Meines Erachtens haben sich viele Gläubige eine Art Wellness- und Lifestyle-Christentum zurechtgelegt. Der historische Jesus (übrigens ein frommer Jude, der nie im Leben die Gründung einer neunen Religion namens Christentum beabsichtigt hat) käme wahrscheinlich aus dem Staunen nicht heraus, wenn er wüsste, dass man die Segnung homosexueller Paare mit seiner Lehre begründet. Wobei man der Gerechtigkeit halber sagen muss: Er würde wohl auch die katholische Kirche nicht mit seiner Person und seiner Lehre in Verbindung bringen.

    Übrigens hat es schwere Übergriffe gegen Kinder auch im protestantischen Umfeld zuhauf gegeben und auch dort hat sich der Eifer bei der Aufklärung immer sehr in Grenzen gehalten. Die katholische Kirche mit ihrer zentralistischen Organisationsstruktur erlaubt im Nachhinein eine klarere Zuordnung von Verantwortlichkeiten, daraus kann man aber nicht schließen, dass Katholiken stärker als Evangelische/Konfessionslose/Moslems zum Kindsmissbrauch neigen.

    Ich nehme für mich mit: Christentum heute bedeutet im Wesentlichen "Ich bin voll okay, Jesus war voll okay und alles, was mit meiner Weltanschauung deckungsgleich ist, ist christlich."

    Damit genug Gift verspritzt, ich will den Strang ja nicht kapern.

  3. Moderation

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Aber mal was Anderes: Im Bundestagswahl-Strang kam das Thema ja so auf, dass Zwekke schrieb - ich denke das darf ich hier sagen - die CDU nenne sich zu Unrecht "christlich".

    Wie sehen das denn die Christ:innen hier im Strang, nehmt Ihr die CDU, vielleicht auch bei Euch lokal, als speziell christlich wahr? Fühlt Ihr Euch von der Partei als Christen in irgendeiner Hinsicht (muss ja nicht vollumfänglich sein) repräsentiert?

    Ich muss für mich sagen, nein, ich nehme die Partei meist nicht als speziell oder herausragend christliche wahr. Im Allgemeinen habe ich hauptsächlich den Eindruck einer konservativ-Unterbehmens-affinen Partei.
    Punktuell sehe ich aber, dass einzelne Mitglieder durchaus bekennende Christen sind und damit ihren Glauben explizit in ihre gesellschaftliche Arbeit einbinden (- mal unabhängig davon, ob ich diese Arbeit gut oder speziell christlich finde). Auch Merkels vielgescholtene Flüchtlingspolitik sehe ich durchaus (auch) motiviert in ihrer christlichen Weltanschauung. Ich will hier keine Wahlkampf- und erst recht keine Migrationsdebatte aufmachen! Dafür ist hier der falsche Strang. Es geht mir jetzt also nicht um die Qualität dieser Entscheidungen, sondern rein umziehen Frage, inwiefern Christ-Sein für CDU-Politiker vielleicht doch eine Rolle spielt.

    Und eben, ob sich Christen dieser Partei aufgrund des Bekenntnisses zum Christentum nahe fühlen.
    Bei mir war das nie der Fall, es wurde mir auch im Eltern(Pfarr-)haus nie nahegelegt.
    Anders: Was könnte Christ-Sein politisch bedeuten?

    Ich wähle ja auch nicht nur als Christin, sondern auch als Frau, als Mutter, als Verfechterin des Sozialstaates, um nur einiges zu nennen. Und da wähle ich halt Parteien, bei denen ich ein Intetesse an, bzw. Ideen für soziale Gerechtigkeit wahrnehme.
    Und natürlich gibt es noch viele andere Arten gesellschaftlichen Engagements außer Wählen (ist am heutigen Tag nur besonders präsent).
    Geändert von Flau (27.09.2021 um 11:51 Uhr)
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    AW: Was bedeutet Christsein

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    In den Evangelien erscheint Jesus als ein Mensch, der Frauen durchaus in seinem Umfeld toleriert. Sie dürfen ihm zuhören, sie dürfen ihn und seine Jünger bei Tisch bedienen und sie dürfen "von ihrem Vermögen geben". In den "inner Circle" seiner Jünger beruft er aber ganz selbstverständlich nur Männer. Das unterscheidet sich nicht so fundamental von der Rolle, die die katholische Kirche den Frauen zugesteht.

    Die Rolle von Frauen im Urchristentum gibt natürlich etliche Doktorarbeiten her, aber die feministischen Deutungen sind waahrscheinlich reines Wunschdenken.
    Die Evangelien im neuen Testament geben ausschließlich die von Männern überlieferte Sichtweise wieder.

    Was du als "wahrscheinlich reines Wunschdenken" beurteilst, liest sich bei Renate Jost, Professorin für Feministische Theologie an der Theologischen Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, so: Dass eine Frau Jüngerin war, ist sogar relativ wahrscheinlich. Im Lukas-Evangelium (Lukas, Kapitel 8, Vers 1-3) werden auch die Nachfolgerinnen Jesu genannt. Es ist in der Forschung nicht umstritten, dass Frauen Jesus nachgefolgt sind.
    ...
    Das spiegeln auch die kritischen Texte wider, die die Christen verspotten, weil bei ihnen Frauen mit zu Tisch sitzen, was damals ungewöhnlich für die Gesellschaft war. Vom Mainstream und von den Führenden wurden die Jüngerinnen immer kritisch gesehen. Diese Frauen waren oft nicht verheiratet, weshalb sie auch als Prostituierte dargestellt wurden, obwohl sie das natürlich nicht waren. Die Unterschiede waren in der frühen Christenheit aufgehoben, wie in Galater 3, 28: "In Christus gibt es weder Herr noch Sklave, noch Mann noch Frau".
    Quelle
    „Die Tragik unserer Epoche," pflegte Jojo zu sagen, "besteht darin, dass die Menschen ihre persönliche Unzufriedenheit mit einem politischen Problem verwechseln.

    Juli Zeh, Über Menschen, S. 173

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Ich verstehe nicht, warum hier von einigen "Christsein" mit Katholizismus gleichgesetzt wird.

    Ich bin evangelisch, und damit ebenfalls Christin. Und ich bin froh darum; die Reglementierungen der katholischen Kirche - allesamt von Männern erfunden und dominiert - damit kann ich einfach nichts anfangen.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass die Bibel nicht von Gott oder von Jesus geschrieben wurde, sondern von MENSCHEN. Menschen mit ihren eigenen Sichtweisen, die auch der damaligen Zeit (immerhin vor etwa 2000 Jahren) geschuldet sind. Die Bibel ist nicht einmal vollständig, es wurden ganze Passagen weggelassen.
    Wer jetzt noch Homophobie (als Beispiel) mit der Bibel begründet, hat nichts verstanden.

    Für mich ist Christsein Nächstenliebe und auch Trost: Wenn niemand da ist, Gott ist da für mich, immer.
    Wenn wir Narben haben, heißt es, dass die Wunden verheilt sind

    (Thomas D.)

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Reglementierungen gibt es nicht nur in der katholischen Kirche, es gibt Reglementierungen in allen Glaubensgemeinschaften.

    Ich glaube an keinen Gott und somit auch nicht an Christsein.
    Und sollte es einen Gott geben oder wie immer man ihn auch nennen mag, er ist ganz sicher nicht gütig,

    Für mich wäre er dann der größte Terrorist aller Zeiten ....

  7. Moderation

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    AW: Was bedeutet Christsein

    @fingernagel, okay, aber was hat das mit dem Strangthema zu tun?
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    Maxi Gstettenbauer

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Ich klinke mich hier mal kurz ein zwischendurch, mit einem Link zu einer Doku - vielleicht kann ja jemand etwas damit anfangen:

    7 Tage... Leben im Kloster | SWR Doku - YouTube

    Ich selber bin nicht katholisch, finde aber einige Dinge, die in der Doku von den Nonnen gesagt werden, sehr bodenständig und... hm... modern vielleicht?

    Zum Beispiel, dass die Vorstellung von einem strafenden Gott, der den Menschen Unheil sendet, wenn sie nicht spuren, von einer der Nonnen als "pervers" bezeichnet wird.
    Stattdessen gibt es da die Vorstellung von etwas, das in allem als ein Teil vorhanden ist; auch in den Menschen.

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Und genau das ist der Knackpunkt. Faktisch steht da das Foltergerät und der Akt des Zu-Tode-Folterns im Zentrum der Heilslehre.

    Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie bedrückend und wenig appetitlich ich diese Geschichte im Religionsunterricht gefunden habe. Wäre unsere Gesellschaft nicht christlich geprägt, dann würde man sich sehr darüber wundern, dass da ein erwachsener Mensch vor einem Haufen siebenjähriger Kinder steht und ihnen en detail schildert, wie jemandem Nägel durch die Gliedmaßen getrieben werden und der Betreffende qualvoll in der glühenden Hitze krepiert.

    Keine Botschaft, die ich als froh empfinden und für die ich mich begeistern könnte...
    Leid und Tod gehört zum Leben.
    Das Christentum ist eine der wenigen Kräfte,die das nicht leugnen.
    Kein strahlender Held,sondern ein Mensch,der gekreuzigt würde.

    Die Kernbotschaft ist natürlich die Auferstehung,aber die funktioniert nicht ohne den Kreuzestod.
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

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    AW: Was bedeutet Christsein

    Zitat Zitat von Zwekke Beitrag anzeigen
    Also ich finde es alles andere als christlich, Frauen auszugrenzen, die Segnung Homosexueller zu verbieten, Kinderschänder vor der Bestrafung zu schützen usw.. Und auch nicht, auf immensen, oft geheimen Vermögen zu sitzen, während woanders Menschen, überwiegend Kinder, hungern und keinen Zugang zu Menschenrechten, wie Bildung, Gesundheitsvorsorge und Gewaltfreiheit haben. Und wie es mit christlichen Grundsätzen zu vereinbaren ist, sein Vermögen ausgerechnet durch Anlagen in Rüstungsfirmen zu vergrößern, erschließt sich mir auch nicht.
    Die Kirche trägt auch viel zu zB Bildung bei .
    Negatives gibt es immer- die Kirche ist nicht heilig,weil sie fehlerlos ist,das sind Organisationen,die aus Menschen bestehen,nie,sondern sie ist heilig im Sinne von heilsbringend.
    Und das kann sie.
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

  11. 26.09.2021, 19:50

    Grund
    off topic

  12. 26.09.2021, 19:56

    Grund
    Bezug auf gelöschte Inhalte

  13. 26.09.2021, 20:08

    Grund
    Bezug auf gelöschte Inhalte, off topic

  14. 26.09.2021, 20:26

    Grund
    Bezug auf gelöschte Inhalte

  15. 26.09.2021, 20:34

    Grund
    Bezug auf gelöschte Inhalte

  16. 26.09.2021, 20:38

    Grund
    Pauschalisierung/ Unterstellung

  17. 26.09.2021, 20:40

    Grund
    Bezug auf gelöschte Inhalte

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