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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von kaffeesahne Beitrag anzeigen

    Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber ich kann nicht auf Knopfdruck Glauben.
    An etwas Glauben, setzt eine gewisse Ahnung von etwas voraus. Eine Ahnung mit der man sich befasst oder angefreundet hat. Das Ergebnis bleibt offen

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    Ja sehe ich genauso. Zusätzlich bediente er sich der Metaphysischen Revolte um seinen Gott zu vermitteln. Aber er war ein guter Mensch und hatte nicht die Absicht Leid demjenigen zuzufügen, welcher ihm folgte. Ich frage mich nur, ob Jesus in der damaligen Zeit selbst Mitleid empfing? Von wem auch immer.
    Dann hat Deiner Meinung nach Jesus "Gott" erfunden, um sein Werk zu vollenden und die Menschen zu diesem Glauben an diesen/seinen Gott zu bringen. Kluger Mann, der doch merkte, dass er "allein" nichts ausrichten kann, es vielmehr eines "Mehr" bedurfte, damit die Leute angefixt waren.

    Mitleid ... ist ein gutes Stichwort und ich denke, in der barbarischen Zeit war es ein wahnsinniger Akt, dieses Gefühl überhaupt aufzubringen. Jeder war sich selbst der Nächste und musste zusehen, nicht unter die Räder zu geraten, wie es heute nach wie vor der Fall ist.

    Schwierige Frage.
    Geändert von Chambord (05.07.2021 um 17:51 Uhr)

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Also, zumindest zwei Menschen hatten wohl Mitleid mit ihm.

    Einer, der ihm auf dem Kreuzweg das Kreuz tragen half und ein römischer Soldat, der ihm am Kreuz einen mit Essig getränkten Schwamm hochhielt, um ihn zu erfrischen.

    Aber kein Wunder, dass Juden und Moslems mit dieser Kreuzigungsgeschichte nichts anfangen können.
    Sie ist einfach nur scheußlich, auch die Idee, die dahinter steckt.
    Jesus soll durch seine Schmerzen und grausamen Tod die "Sünden" der Menschen sühnen und abbüßen, und zwar freiwillig und das auch noch aus "Liebe" zu uns von Gott höchstpersönlich in die Wege geleitet.

    Wenn ihr mich fragt: eine gruselige Schnapsidee - das hätte auch anders gehandhabt werden können !

    Allerdings ist die Figur "Jesus" historisch nicht belegt, das muss auch mal gesagt werden, und die biblischen Urschrift sind erst 400 Jahre nach seinem Tod irgendwo aufgetaucht.

    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
    er braucht auch die Literatur

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    Für menschliche Verhältnisse, weiss man doch schon recht viel über den Kosmos und ahnt die Komplexität, Was wirklich nicht berechnet wrden kann sind die Koordinaten des Kosmos. Dies macht es sicher auch zu einem Mysterium.
    Irgendwann werden Wissenschaftler die gesamte Entwicklung, auch die Entstehung des Kosmos erklären können, Physiker sind ja schon seit längerem auf ein "vereinheitlichtes Feld" gestoßen, aus dem alle Teilchen entstehen.

    Nur - wie dieses Feld entstand, wie und wodurch alles letztlich angestupst wurde, denn aus dem Nichts kann nichts entstehen, es muss eine Energie dahinter stehen, deren Ursprung dann auch wieder Rätsel aufgibt - werden wir nie erfahren können, weil wir nur linear denken und fühlen können.
    Unendlichkeit ohne Anfang, ohne Ende, räumlich und zeitlich, kann unser Bewusstsein nicht fassen.

    Ich möchte aber noch etwas sagen: Wer aus seinem religiösen Glauben Kraft und Sicherheit schöpfen kann, der hat etwas Schönes und Sinnvolles gefunden, und zwar durch das Gebet.
    Im Gebet wendet er sich an eine höhere Kraft, egal, wie er sie nennen mag, und das ist immer hilfreich.

    Denn dass es eine Urenergie, eine Schöpfungskraft gibt, die uns leben lässt, daran glaube ich unbedingt.
    Ich sehe sie nur nicht in die Grenzen einer Religion gepfercht.

    Ich bete zwar nicht, gehe aber in meinen Meditationen eine Verbindung ein, die mich immer wieder erfüllt.
    Und das ist wirklich geheimnisvoll und mystisch, ich liebe es !

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von Fyona Beitrag anzeigen
    Unendlichkeit ohne Anfang, ohne Ende, räumlich und zeitlich, kann unser Bewusstsein nicht fassen.
    Eben und dies subsumiere ich unter der Aussage: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

    Selbst kann ich damit sehr gut leben, ohne mir irgend etwas vorzustellen oder an irgendwen zu glauben. Die vorgegebenen Ansichten sind samt und sonders gleichfalls menschengemacht. Keiner kann/konnte beweisen, dass es so und nicht anders ist. Und das ist eben der Unterschied zwischen Wissen und Glauben. Letzteres kann die unterschiedlichsten Ansichten kreieren und solange dies nicht im menschenverachtenden Fundamentalismus ausartet, soll mir alles recht sein.

    Da soll ein/e jede/r nach seiner Fasson selig werden, wie der Alte Fritz schon sagte.

    Meditation dürfte ein In-sich-selbst-Versinken sein, losgelöst vom Alltag und seiner mitunter negativen Auswüchse , ein förmliches "wegbeamen". Und wer daneben noch andere ureigene Empfindungen hat, mit denen es sich gut leben lässt, dann finde ich das toll.

    Ich ziehe meine Kraft aus meinem Sport und der Ruhe, die in ihm liegt. Ich schaue mir die vielen unterschiedlichen Bäume an und bin jedes Mal tief beeindruckt. Auch können wir die verschiedensten Tiere beobachten und vor einigen Jahren habe ich z.B. zum ersten Mal einen Schwan gesehen, der zum Flug ansetzte und war beeindruckt, wie lange es doch dauert, bis dieser Vogel endlich in der Luft ist. Das scheint ein enormer Kraftakt für dieses Tier zu sein, sich in die Höhe zu begeben. Da schwimmt es sich doch lieber überwiegend recht kommod auf den Teichen.

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Ja, das Fliegen soll gar nicht so einfach sein wie es aussieht, auch bei Vögeln nicht, immer ein Kraftakt .

    Ich stimme auch allem anderen zu, was du sagst.
    Es bleibt jedem selbst überlassen, wodurch er seine Reserven auffüllt, und jeder kann und muss seine eigene Methode finden.

    Ich bin nun mal beseelt von dem Glauben/Hoffen/Wissen, dass ich eingebettet bin in ein kontinuierliches Großes und Ganzes und mit Kräften, die die Welt bewegen, Kontakt aufnehmen kann.
    Mehr ist es nicht.

    Bäume liebe ich auch, und wenn niemand zuguckt, umarme ich gern so einen dicken Stamm.
    Unsere Welt ist an sich wunderschön - hoffentlich kriegt die Menschheit noch die Kurve und kann sie erhalten.

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    An etwas Glauben, setzt eine gewisse Ahnung von etwas voraus. Eine Ahnung mit der man sich befasst oder angefreundet hat. Das Ergebnis bleibt offen
    Da stimme ich dir zu.

    Aber: ich kann Fachwissen über verschiedene Religionen haben, und da "funkt" gar nichts.


    Mal was anderes:
    Heute hatte ich einen Flyer im Briefkasten, Din A4, Hochglanz:
    "Wo wollen Sie die Ewigkeit verbringen?"

    Von einer evangelikanischen Gemeinde.

    Ich musste schon grinsen, das war ein bischen so, wie wenn hier Werbung für Matrazen eingeblendet wird wenn die Rede vom Schlafen ist!
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!


    Andra tutto bene!

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von kaffeesahne Beitrag anzeigen

    Mal was anderes:
    Heute hatte ich einen Flyer im Briefkasten, Din A4, Hochglanz:
    "Wo wollen Sie die Ewigkeit verbringen?"

    Von einer evangelikanischen Gemeinde.

    Ich musste schon grinsen, das war ein bischen so, wie wenn hier Werbung für Matrazen eingeblendet wird wenn die Rede vom Schlafen ist!
    Missionieren ist auch so was wie, herausfinden, was Menschen brauchen und sich wünschen. Können die Missionare die Antworten und Wünsche auch erfüllen und wenn ja, mit welchen Mitteln?

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  9. Moderation

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Hui, hier seid Ihr jetzt gerade eifrig bei der Erloesungstheologie.
    Aber danke fuer all die interessanten Beitraege zum Thema Mission.
    Ich entschuldige mich vorauseilend bei allen die aehnliches geschrieben haben und hier nicht zitiert wurden, ich habe tatsaechlich alles nachgelesen. Und sorry, dass es ein bissl durcheinander geht, ich habe versucht, nach Themenkomplexen zu ordnen.

    Meine Frage lief ja darauf hinaus, ob offen religioes zu leben und damit ggf. anderen Gutes zu tun oder teilweise ein Vorbild zu sein schon Mission sei. Wie interessant, dass der Konsens "Nein" ist! Ich kann damit sehr gut leben, ich "brauche" keine Mission fuer mich oder um mich als aktive Christin zu verstehen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    [...]

    Gesellschaftliches Engagement an sich, das bloße Leben seiner Religion (auch sichtbar und öffentlich), das Vorleben von Werten gegenüber den eigenen Kindern und das Pflegen von kulturellen Veranstaltungen (Musik) - all das ist für mich keine Mission.

    Voraussetzung für Mission ist ein Auftrag, eine Sendung. [...]Das ist meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit reinem Leben der eigenen Überzeugung, das, völlig absichtslos, offen lässt wie andere darauf reagieren.

    Ich denke, du hast die falsche Frage gestellt.
    Hm, ich finde es gar keine falsche Frage, oder jedenfalls hast Du sie mir von Deiner (und nicht nur Deiner) Warte aus klar beantwortet. Es stimmt, dass "Mission" von "Missio"="Sendung" kommt. Insofern kann man durchaus ableiten, dass eine gewisse Ueberzeugungsabsicht vorhanden sein muss, um von "Mission" sprechen zu koennen. Und ein ansonsten christliches / religioeses Leben, auch wenn man sich eine Vorbildfunktion erhofft, oder einen gewissen PR-Effekt: "Sieh her, religioese Inspiration kann Gutes hervorbringen", dass das eben noch nicht den Missionsgedanken erfuellt.

    In dieser Interpretation halte ich Mission tatsaechlich auch nicht fuer zeitgemaess, da weder wuenschenswert noch effektiv.


    Zitat Zitat von Lady_Emelia Beitrag anzeigen
    [...]Wie Flau (?) geschrieben hat, finde ich es auch einzig sinnvoll, einen gelebten Glauben mit gelebter Nächstenliebe zu verquicken.

    Mit dem geläufigen Missionsbegriff hat diese Art christlichen Lebens m.M.n. nicht sehr viel zu tun, sondern eher mit der Ausstrahlung der Person, die auf diese Weise lebt.
    Also sehr aehnlich wie Kambara, was ich auch gut nachvollziehen kann.

    Neue Frage: Wie verhaelt es sich mit Mission, wenn ich in etwa so denke: <Ich lebe mein Leben so gut ich kann als Christin. Ich versuche dabei, fuer andere Menschen Positives zu bewirken. Ich faende es schoen bzw. hoffe, dass einige dadurch selber offen fuer den christlichen Glauben werden. Wenn das aber nicht der Fall ist, und die Leute einfach gluecklich und zufrieden sind, fehlt mir auch nichts.> Missionsabsicht?

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    Missionieren ist auch so was wie, herausfinden, was Menschen brauchen und sich wünschen. Können die Missionare die Antworten und Wünsche auch erfüllen und wenn ja, mit welchen Mitteln?
    Ein sehr spannender Aspekt! Du hast natuerlich Recht, zur "Kundenaquise" gehoert auch Nachforschung zu den Kundenbeduerfnissen. Faende ich spannend, inwiefern das bewusst in der institutionellen Mission eingesetzt wird. Die letzte Frage ist sehr interessant, aber so Einzelfallabhaengig.
    Ich denke, das Christentum z.B. koennte erfuellen:
    -den Wunsch nach einer gewissen Sinngebung
    - Trost / Verbundenheit
    - Inspiration zu einem positiven Leben
    - konkrete Hilfe und Unterstuetzung von Armen / Kranken / Hilfebeduerftigen als Teil der christlichen Aufgabe.
    Die spannende Frage - und eben abhaengig vom einzelnen Missionar bzw. der Institution - ist, ob ein "Preis" dafuer genommen wird. Sprich: Bekommt beispielsweise ein afrikanisches Dorf einen Brunnen und "muss" sich dafuer nur anhoeren, evtl. nur auf Nachfrage, dass eine Motivation fuer die Brunnenbohrer ihr christlicher Glaube ist und daraus fuer sie das Beduerfnis entstand zu helfen?
    Oder darf man nur an den Brunnen, nachdem man eine gewissen Anzahl christlicher "Vorlesungen" gehoert und Traktaetchen angenommen / gelesen hat?
    Natuerlich sehr platt ausgedrueckt, aber ich nehme an, so in etwa um diesen Spielraum geht es Dir?

    Zitat Zitat von Lady_Emelia Beitrag anzeigen
    [...]
    Da fällt mir zum Thema "missionieren" noch mein persönliches absolutes Negativbeispiel ein. Mein Vater ist 2015 nach kurzer Krankheit verstorben. Begräbnis. Kind 2 und 3 völlig fertig.[...]

    Eine eifrige Kirchenmitarbeiterin, die auch da war, spricht sie beim offenen Grab an: "Na, N.N., jetzt wo der Opa tot ist, wirst Du hoffentlich auch wieder öfter in die Kirche gehen!"

    Sie hat mir den Vorfall erst einige Jahre später erzählt und ich war nachträglich stolz auf sie, dass sie die gute Frau nicht k.o. geschlagen und in die Grube geworfen hat.
    Wie unsensibel! Ich meine, mit dem aeussersten an gutem Willen koennte ich es noch so drehen, dass die Frau meinte: "Ich hoffe, Ihr kommt und lasst Euch troesten, die Gemeinde ist fuer Euch da"; aber das war bestenfalls maximal unsensibel, schlimmstenfalls richtig fies manipulativ. Ein Fall von dem was PollexNiger vorher als Ungleichgewicht beschrieben hat, hier: eine verletzliche Person in Trauer ggu. der "Missionarin". Gar nicht schoen.
    Ich meine, dass Deine Tochter sich durch ihre Nachsicht (das zu uebergehen) und Zurueckhaltung (der Frau keine zu knallen) sehr viel christlicher verhalten hat als die "Missionarin".




    Vielen Dank fuer die interessanten und ehrlichen Antworten zum Thema "atheistische Mission".
    Gell, es ist nicht soo leicht von der Hand zu weisen. Vielleicht auch, weil es einfach menschlich und nur logisch ist, eben die eigenen Werte zu vertreten. Nach obiger Definition ist das ja auch keine Mission.
    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Ich wollte die Frage gerade spontan verneinen, aber ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht.

    [...]
    Ich will aber ungern in einer Gesellschaft leben, in der religiöse Einflüsse übermäßig dominant sind. [...] Vor diesem Hintergrund halte ich mit meinem Atheismus sicher nicht hinter dem Berg oder propagiere dieses Konzept sogar.

    Wobei es mir mit Atheisten nicht viel anders geht, als mit religiösen Menschen: Einen Missionierungseifer, der mit der Abwertung der anderen Seite einhergeht, finde ich nicht wirklich sinnvoll. Die meisten Atheisten haben mit Stalin nichts am Hut und die meisten heutigen Christen befürworten weder Kreuzzüge noch Hexenverbrennungen. Wenn man an die ganze Diskussion mit solchen Argumenten herangeht, dann wird man sich sehr schnell festfahren.
    Gerade letzteres: Ein sehr guter Vergleich, und ich bin ebenfalls der Meinung, dass uns dies nicht weiterbringt. Es illustriert nur: Egal woher die Inspiration kommt, "Haters gonna hate, hate, hate, hate, hate" (Taylor Swift). Da kommt es wenig drauf an, ob sie sich durch Gott oder die Wissenschaft oder eine Gesellschaftsideologie legitimisiert sehen.
    Umgekehrt koennen Menschen auch aus allen moeglichen Quellen zu positiven und konstruktiven Taten und Worten inspiriert werden.

    Zitat Zitat von Quirin Beitrag anzeigen
    [...]Wichtig in einer liberalen Gesellschaft ist, dass jeder seinen eigenen Glauben leben kann. Aber natürlich für sich, denn seine eigenen Glaubensgrundsätze sollte man nicht auf andere übertragen. Ganz tief in mir drin, fußend auf Nächstenliebe, besteht bei mir ein bisschen der Drang, Nichtatheisten zu ihrem eigenen Wohl aufzuwecken aus ihrem – aus meiner Sicht – Irrglauben, aus einer Welt, in der sie alles auf etwas ausrichten, das es gar nicht gibt. Meine liberale Grundhaltung behält aber immer die Oberhand. Ich missioniere nicht, ich will auch nicht missioniert werden.
    Zitat Zitat von Chambord Beitrag anzeigen
    [...]Missionen senden bestimmt viele Menschen aus und sie wissen oder merken es nicht. Mir sind im Leben einige für mich beeindruckende Menschen begegnet, deren Sichtweise ich nachvollziehen konnte und damit geholfen haben. Aber ich glaube, die waren sich ihres "Sendungsbewusstseins" nicht klar.

    Wer weiß, welche Missionen wir schon in die Welt getragen haben und wissen es nicht.
    Auch sehr interessante Gedanken: Kann man unbewusst missionieren?
    Kambara und Emilia (und andere ) wuerden sagen: 'Nein, das ist schlicht das Leben des eigenen Wertekodex.' Ich finde, beides hat was. Zum einen lebt davon natuerlich der gesellschaftliche Diskurs und auch Fortschritt, dass wir unsere Meinungen darstellen und idealerweise ein offenes Ohr fuereinander haben. Wenn sich daraufhin etwas aender - hat dann jemand "missioniert"? Kann man so oder so sehen.
    Aber ein Missionieren mit festem Ueberzuegungswillen, geschweige denn mit einer sendenden Institution oder Person ist das natuerlich nicht.


    Thema Mission im Religionsunterricht - das sehe ich, trotz einiger konfessioneller Religionslehrer im Familienkreis - tatsaechlich aehnlich. Ich finde das Konzept des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts steht einer pluralistischen, liberalen und toleranten Gesellschaft im Weg. Ich denke, einem friedlichen Miteinander ist am besten damit gedient, dass man sich miteinander austauscht und voneinander lernt. Das erhoeht das zwischenmenschliche Verstaendnis und verhindert Vorurteile und Ressentiments.

    Zitat Zitat von Rednose Beitrag anzeigen
    Übergriffiges Missionieren fängt in meinen Augen schon im konfessionellen Religionsunterricht an. Besonders fragwürdig dabei, dass dieses Fach auch noch benotet wird.
    Völlig anders würde es aussehen, wenn in eben diesem Unterricht Kindern alle großen Religionen nahegebracht würden, ebenso Themen wie bsw. Unterschied dieser Religionen zu Sekten usw. Und die Entscheidung, welcher Religion man angehören möchte, oder eben auch nicht, in dem Alter stattfindet, in dem ansonsten gefirmt oder konfirmiert wird.
    Zitat Zitat von kaffeesahne Beitrag anzeigen
    Eigentlich sind es doch 2 Paar Schuhe: Wissen rund um die Religion sind das eine, GLAUBEN das andere.[...]
    Mein Sohn geht ja tatsaechlich auf eine kirchliche Schule (in England), was heisst, die Schule bekennt sich zum Christentum. Es wird auch gebetet. Allerdings muss sich niemand zu etwas bekennen, das er/sie nicht glaubt, aber es muss fuer die Schueler:innen und Eltern eben okay sein, dass die Schule sich zum Christentum bekennt. Der Religionsunterricht ist ueberkonfessionell, alle Glaubensrichtungen werden behandelt. Mein Sohn hatte vor ein paar Jahren das Glueck, mit seinem juedischen Freund in einer Klasse zu sein, als dessen Mutter, da das Judentum besprochen wurde, fuer die ganze Klasse selbstgebackenes Sabbatbrot mitbrachte.

    Waehrend des letzten Lockdowns konnte ich zuhause ein paar Religionsstunden am Rechner mitverfolgen: Besprochen wurden in dem Fall bibilische Geschichten ueber Wunderheilungen Jesu und die Kinder diskutierten ganz offen ueber diese Wundertaetigkeit, es war hochspannend. Wie juengere Kinder das tun, fragten sie ihren Lehrer hin und wieder sehr direkt: "Hat Jesus das wirklich gemacht, ist das echt so passiert?" "Kam das von Gott?" (Meine Lieblingstheorie: "Jesus war wie eine Fernbedienung fuer Gott" ) Und der Lehrer hat mit einer Eselsgeduld immer wieder erklaert, es ginge nicht darum, was er glaubt oder was man glauben "soll", sondern jedes Kind muesse fuer sich entscheiden, was es davon haelt. Ob es ein Wunder war oder ein Trick. Eine wahre oder einer erfundene Geschichte. Dass Religion das eine Fach sei, wo es nicht darum gehe, was "richtig" ist und objektiv "stimmt", sondern darum, was jeder einzelne von uns glaubt. Das ist soviel schoener und verbindender als, ganz negativ ausgedrueckt, im eigenen Saft zu schmoren. Und meines Erachtens auch hilfreicher als: "Religion sollte Privatsache sein und niemals nie nicht diskutiert werden". Dieser ueberkonfessionelle Unterricht ist meiner Meinung nach das probateste Mittel, innergesellschaftliches Verstaendnis und Akzeptanz zu foerdern. In dem Fall ganz ohne Mission.



    Ich fand es interessant, was Ihr zum Thema "Irrlehren" geschrieben habt. Teil der ganz absichtlichen, sendungsbewussten Mission kann es leicht sein, alles andere als "Irrlehre" zu diffamieren, implizit oder explizit.
    Schwieriger die Abgrenzung fuer sich selbst. Kann man wirklich beurteilen, was eine "Irrlehre" ist? Okay, es gibt so Grenzen, z.B. koennen wir heute ziemlich genau nachweisen, dass "die Erde ist eine Scheibe und darueber ist kaeseglockenartig der Himmel mit Loechern drin, durch die das goettliche Licht scheint" - ein Irrtum, und sollte es so gelehrt werden eben eine Irr-Lehre ist. Oder die Hierarchie verschiedener "Menschenrassen". Oder sogar, dass Atome "atomos"-unteilbar seien.
    Zitat Zitat von kaffeesahne Beitrag anzeigen
    [...]
    Warnungen vor Irrlehren sind nicht so einfach.
    Das vor "die-ziehen-dir-das-Geld-aus-der-Tasche-und-dich-über-den-Tisch" gewarnt wird, zb von den Infostellen für Sekten, finde ich in Ordnung.

    Wenn jemand aus seinem Glauben heraus mich vor Irrlehren warnt, sagt das doch mehr über den Warner aus als über den Glauben.
    Da geht es um Angst und Ohnmacht und Deutungshoheit.
    Wuerde ich auch so sehen.

    Zitat Zitat von Chambord Beitrag anzeigen
    Wer für Glauben jedweder Art empfänglich ist (aus welchen Gründen auch immer) läuft auch Gefahr, einem Irrglauben aufzusitzen. Ist dann sehr schwer, sich aus diesen Fängen zu lösen; gelingt nicht vielen.
    Das sehe ich anders. Ich finde gar nicht, dass nur Religionen / spiritueller Glaube "Irrlehren" bergen koennen. Einige der groessten Disaster sind auf blinde Wissenschaftsglaeubigkeit zurueckzufuehren. Man denke auch an die "Rassenlehre" im 3. Reich (und anderen faschistischen Systemen). Damit will ich jetzt Nicht-Glaeubigen ueberhaupt nichts anlasten, ich will nur sagen: (gefaehrliche) Irr-Lehren kommen aus allen moeglichen Richtungen und durchaus nicht immer im spirituellen Gewand daher.



    Die Diskussion zu den 10 Geboten finde ich insofern nett, als es den Wertewandel, dem alles, auch Religion, auch die Beziehung von Menschen zu Gott (-da ich annehme, es gibt eine:n -) unterworfen ist.
    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Zumindest würden wir in einer Gesellschaft leben, in er niemand den Sklaven, die Frau, das Vieh oder sonstige Besitztümer seines Nächsten begehrt.

    Ich für meinen Teil begrüße ja die Abschaffung der Skaverei und finde es eher befremdlich, wenn Frauen völlig selbstverständlich als verfügbare Ware betrachtet und in eine Reihe mit dem Vieh gestellt werden.

    Niemand hätte mehr als einen Gott und Ehebruch wäre Tabu, Vergewaltigung aber nicht.

    Wenn man die zehn Gebote durchdenkt, dann begreift man so recht, wie weit wir uns von den ethischen Maßstäben von damals entfernt haben. Glücklicherweise.
    Dazu finde ich diesen Comic der wunderbaren #Erzaehlmirnix so passend: "Die scheixxen alle auf meine Regeln"
    Weiss man's?
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    "Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".
    Maxi Gstettenbauer

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    AW: Nun sag, wie hast du's mit der Mission? - Mission und modernes Christentum

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen

    Meine Frage lief ja darauf hinaus, ob offen religioes zu leben und damit ggf. anderen Gutes zu tun oder teilweise ein Vorbild zu sein schon Mission sei. Wie interessant, dass der Konsens "Nein" ist! Ich kann damit sehr gut leben, ich "brauche" keine Mission fuer mich oder um mich als aktive Christin zu verstehen.
    Es geht ja dir um das Moderne Christentum. Hier denke ich, kann ich auch ein guter Christ sein ohne besonders von Religiösen Ritualen abhängig zu sein. Mit der Neuzeit mitgehen und das Anthropozaen mitgestalten ist doch auch im Sinne der Christen. Je mehr andere Religionen präsent sind, umso präsenter will auch das Christentum sein.


    Ein sehr spannender Aspekt! Du hast natuerlich Recht, zur "Kundenaquise" gehoert auch Nachforschung zu den Kundenbeduerfnissen. Faende ich spannend, inwiefern das bewusst in der institutionellen Mission eingesetzt wird. Die letzte Frage ist sehr interessant, aber so Einzelfallabhaengig.
    Ich denke, das Christentum z.B. koennte erfuellen:
    -den Wunsch nach einer gewissen Sinngebung
    - Trost / Verbundenheit
    - Inspiration zu einem positiven Leben
    - konkrete Hilfe und Unterstuetzung von Armen / Kranken / Hilfebeduerftigen als Teil der christlichen Aufgabe.
    Warum soll Deiner Meinung nach das Christentum nur Hilfeaufgaben erfüllen? Gibt es keine Optionen für Menschen, die davon wenig bis gar nicht brauchen? Was kann diesen Menschen davon gegeben werden?





    Dazu finde ich diesen Comic der wunderbaren #Erzaehlmirnix so passend: "Die scheixxen alle auf meine Regeln"
    Weiss man's?
    Du befasst dich sehr intensiv damit soviel wie du dazu schreibst. Nach wie vor ein interessantes Thema.
    Geändert von Akzent (08.07.2021 um 21:58 Uhr) Grund: Tippfehler raus

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