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  1. Moderation

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    Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Hallo liebe Community

    Ich versuche es mal mit diesem Thema, vielleicht mag noch jemand Gedanken unter diesem Aspekt teilen: Ich bin als Christin wirklich angepisst von Trumps Fototermin vor der Kirche. Im Land tobt mindestens vor-buergerkriegsaehnliche Gewalt, die er weiter anfacht, anstatt sich um Deeskalation zu bemuehen. Grundfreiheiten (Demonstrationsrecht / gewaltfreie Demonstrationen) werden, teils buchstaeblich, auf sein Geheiss mit Fuessen getreten. Und dann wedelt er (auch dieses buchstaeblich) mit der Bibel herum. Nachdem friedliche Demonstranten rechtswidrig von der Location dieses Fototermins gewaltsam vertrieben wurden. Fuer mich war das Wort "Blasphemie" immer etwas, das ins Mittelalter gehoerte, heute gibt es sowas doch nicht mehr... Aber das, was Trump da abgezogen hat halte ich tatsaechlich fuer blasphemisch und fuer eine Verhoehnung der christlichen Lehre.

    In den USA haben diverse Kichenobere, darunter die Bishoeffin der missbrauchten St. John's Episcopal Church in Washington, Mariann Budde, auch entsprechend reagiert:
    "The Bible is not a prop"

    Daraus:
    "Budde said Trump didn't inform the diocese about his visit to the church. Asked if he is a frequent worshipper at the church, Budde responded: "No, never. The only time that President Trump has been at St. John's church as president was on the morning of his inauguration.""
    Und:
    "The Rev. James Martin, a prominent Jesuit priest and author, said in a statement, "Using the Bible as a prop while talking about sending in the military, bragging about how your country is the greatest in the world, and publicly mocking people on a daily basis, is pretty much the opposite of all Jesus stood for.""
    Ich finde es gut und richtig, dass diese und andere Geistliche so reagiert haben. Ich wuensche mir von der anglikanischen Kirche (lebe in England und bin momentan in einer anglikanischen Gemeinde) ebenfalls eine deutliche Reaktion.

    Ich selbst fuehle mich, wie gesagt, zutiefst in meinem Glauben beleidigt und dazu aufgerufen, zu leben und zu bezeugen, dass das was Trump abzieht, nichts mit meiner Religion zu tun hat.

    Noch weitergedacht frage ich mich allerdings auch, wie ich als Christin nun weiter mit Trump umgehe: Wir sollen ja nicht verdammen, sondern verzeihen. Als Mensch faellt mir das sehr schwer. Ich sollte ihn als arme Wurst sehen, dass er seine Seele (nicht erst mit diesen Ausschreitungen) schwer geschaedigt hat. Idealerweise (!) sollte ich fuer ihn beten. Noch kann ich es nicht, nicht von Herzen. Vielleicht so ganz allgemein.

    Ich las in einem Buch von Bischof Bradford-Strohm ("Wer's glaubt, wird selig: Ein Glaubensgespraech zwischen Vater und Sohn", 2013), dass zum menschlichen Verstaendnis von Gerechtigkeit zwei Aspekte gehoeren: Die Strafe und die Wiedergutmachung. Strafe kann im christlichen Verstaendnis die aufrichtige Reue des Suenders sein. Daher erfolgt damit die Vergebung. Aber bei gewissen Uebertretungen/Verbrechen fehlt uns die Wiedergutmachung:
    Ist ja schoen, wenn Gott Trump vergibt, aber was heisst das fuer die Familie von George Floyd? Fuer andere Opfer staatlicher Gewalt? Fuer die angegriffenen und geschlagenen friedlichen Demonstranten? Das fuehlt sich ungerecht an, da sie keine Wiedergutmachung erfahren.

    Ich habe keine Loesung dafuer, das sind nur meine Gedanken zur Situation. Vielleicht gibt es hier noch Christen, oder anders-Glaeubige, oder nicht-Glaeubige, die mitschreiben moechten.

    ******DISCLAIMER: Jaaaaaa, ich weiss, dass mein Beleidigt-Sein und Trumps Religionsverhoehnung ganz weit unten auf der Liste seiner Verfehungen stehen. Und klar sind die Gewaltausbrueche gegen farbige Mitbuerger und friedliche Demonstranten viel schlimmer. Dennoch erlaube ich mir, das Thema zu stellen. Und auch im Sinne der Gewaltopft, denn ich empfinde stark, dass hier "insult to injury" hinzugefuegt wird.***********
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Die Evangelikalen bilden einen enormen Wählerblock, um die 17%. Trump ist ein Meister des Marketings und beherrscht die Sprache der Symbolik. Das wird unterschätzt. Die Aussagen der Evangelikalen lassen vermuten, dass sie alles verzeihen...solange man drei Eigenschaften mitbringt: gegen Abtreibung, Homophobie und gegen Farbige/Diversity.

    Ein Marketingtrick.
    „In der Kreide stehen„ bedeutet, jemandem oder vielen etwas zu schulden. Für die Gedanken, Inspirationen und situative Stärke stehe ich bei vielen in der Kreide. Ohne sie wäre ich nur die Hälfte.

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    So weit ich es verstanden habe, hat Trump eine narzißtische Persönlichkeitsstörung, die so weit reicht, daß er nicht fähig ist , zwischen der sozialen Realität , die er manipulieren kann, und der physikalischen Realität, mit der er sich abfinden muß, sauber zu unterscheiden.

    Sollte es sich tatsächlich so verhalten, dann sehe ich keine Schuldfähigkeit bei ihm, sondern nur bei der republikanischen Partei, die ihn aufgestellt hat.
    Gruß, s12

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Trump sieht die soziale Realität sehr genau. Die interessiert ihn nur nicht. Wie auch die Religion. Faschisten haben sich immer die willigsten religiösen Gruppen zu eigen gemacht.
    „In der Kreide stehen„ bedeutet, jemandem oder vielen etwas zu schulden. Für die Gedanken, Inspirationen und situative Stärke stehe ich bei vielen in der Kreide. Ohne sie wäre ich nur die Hälfte.

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Verzeihen bei Trump ist wirklich albern. So bleibt Religion oder religiöse Argumentation zahnlos.
    „In der Kreide stehen„ bedeutet, jemandem oder vielen etwas zu schulden. Für die Gedanken, Inspirationen und situative Stärke stehe ich bei vielen in der Kreide. Ohne sie wäre ich nur die Hälfte.

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Ich denke nicht, das Christ sein bedeutet, alles durchgehen zu lassen.
    Der Grundgedanke der Nächstenliebe ist für mich sehr wichtig.
    Das ist ja auch der Grund, warum mich dieser Rassismus und Gewalt so empören.

    Mir kam die Szene im Tempel in den Sinn, als Jesus die Händler und Geldwechsler sah und zornig die Tische umwarf.

    Das Verzeihen kann kommen, wenn das Unrecht beendet ist.
    Dann auch bereut wird und gegebenenfalls Wiedergutmachung geleistet wird.


    Bei Unrecht zuschauen und ein "Kreuz drüber machen" kann es ja auch nicht sein.

    Ob Trump krank ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich empfinde ihn auch narzisstisch.
    Vielleicht ist er einfach nur "doof".

    Trumps Nähe zu Evangelikalen ist ja lange belegt.
    Ich fürchte, er glaubt tatsächlich, das seine Schiene gottgewollt ist.
    Seine Hof-Geistliche bestärkt ihn darin täglich (darüber wurde in den Medien berichtet).

    Als Machthaber finde ich ihn gefährlich, unberechenbar.
    Als Mensch tut er mir leid.
    Geändert von kaffeesahne (03.06.2020 um 02:29 Uhr)
    Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!


    Andra tutto bene!

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Was würdest du machen, wenn du weißt, dass deine Wählerschaft radikal religiös motiviert ist?
    „In der Kreide stehen„ bedeutet, jemandem oder vielen etwas zu schulden. Für die Gedanken, Inspirationen und situative Stärke stehe ich bei vielen in der Kreide. Ohne sie wäre ich nur die Hälfte.

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Zitat von Flau:
    Ich selbst fuehle mich, wie gesagt, zutiefst in meinem Glauben beleidigt und dazu aufgerufen, zu leben und zu bezeugen, dass das was Trump abzieht, nichts mit meiner Religion zu tun hat.

    Noch weitergedacht frage ich mich allerdings auch, wie ich als Christin nun weiter mit Trump umgehe: Wir sollen ja nicht verdammen, sondern verzeihen. Als Mensch faellt mir das sehr schwer. Ich sollte ihn als arme Wurst sehen, dass er seine Seele (nicht erst mit diesen Ausschreitungen) schwer geschaedigt hat. Idealerweise (!) sollte ich fuer ihn beten. Noch kann ich es nicht, nicht von Herzen. Vielleicht so ganz allgemein.
    Ich denke, dass niemand von mir verlangt, dass ich alles verzeihen muss, schon gar nicht mein Glauben.

    Ich darf hadern, ich darf wütend werden, ich darf es öffentlich sagen, was ich von einem Narzissten halte. Trump wird nie einen einzigen Fehler eingestehen. Statt wie andere Politiker auf der Welt die Bevölkerung um Geduld und Rücksichtnahme zu bitten, gießt er Benzin ins Feuer, weil er wiedergewählt werden will. Er will niemals Versöhnung, er braucht und benennt immer neue Feinde, weil ihm das nützt. Und er kommuniziert höchst gefährliche Ratschläge, damit ist er ein Anstifter. Er hasst alle, die zur Besonnenheit aufrufen. Und das widerspricht meiner Lebens- und Glaubensauffassung. Das toleriere ich niemals.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Für mich ist nicht Trump als Einzelperson bedenklich, sondern die vielen Menschen, die ihn wählen ! Seine Denke findet sich offenbar in den USA in der Mitte der Gesellschaft. Ich befürchte, er wird auch trotz allem (oder deshalb?) beim nächsten Mal wiedergewählt.

    Der Onkel meines Partners (der Onkel ist über 80 jahre alt) ist vor vielen Jahrzehnten in die USA ausgewandert, er war ein bekannter Professor, ich glaube für Elektrotechnik. Vor einigen Jahren waren er und seine Frau zu Besuch in Deutschland: sie sind glühende Trump-Anhänger. Und eifrige Kirch- und Bibelstundengänger.

    Ich habe mal gelesen, dass in den USA ca. 40% der Bevölkerung sehr(!) konservativ eingestellt ist (in Europa sind es wohl "nur" ca. 30%), die sog. "Evangelikalen" gehören -wie bereits schon erwähnt- zu den treuesten Anhängern von Trump.

    Wie "Christen" reagieren"? Die Christen gibt es nicht, es gibt Christen in unterschiedlichen politischen Lagern. Genauso wie bei Muslimen, Juden, bei_wem__auch_immer.
    Jedem Christen/jeder Christin ist es unbenommen, seinen Glauben so zu leben, wie er/sie es für richtig hält. Und genauso zu wählen .

    Gruß Elli
    Geändert von elli07 (03.06.2020 um 07:52 Uhr)
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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    AW: Trumps Kirchen-Pose inmitten der George-Floyd Proteste - Wie reagieren Christen?

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    sie sind glühende Trump-Anhänger.....

    Gruß Elli
    Vor mehr als einem Jahr hatte ich ein Gespräch mit meiner Nachbarin, die in den USA geboren ist. Sie erträgt es nicht, wie Menschen hier in Deutschland auf Trump einhacken, und geht jedem Gespräch über den amerikanischen Präsidenten aus dem Weg. Sie sagte, er ist gewählt, und was könne er schon anrichten. Wenn er wiedergewählt wird, so hat er wahrscheinlich einen guten Job gemacht, aber nach 8 Jahren ist Schluß.

    Das Vernünftigste hat ja wohl unsere Kanzlerin gemacht, sie hat die Einladung zu einer Konferenz der G7 im Herbst, also mitten in der heißesten Wahlkampfzeit, wegen der Corona-Krise abgesagt und eine Telefonkonferenz vorgeschlagen. Trump hat die Konferenz daraufhin abgesagt. Merkel wird inzwischen von der amerikanischen Presse hochgelobt wegen ihrer Besonnenheit in der Pandemie.

    Sie lässt sich von Trump nicht zu einem Groupie machen.
    Geändert von Opelius (03.06.2020 um 07:37 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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