Nichts tun können...Wird wohl schon jeder für sich erlebt haben. Dafür ist dein Vergleich zu den Holocaust Überlebenden schon erschreckend brutal.
[/QUOTE]ich vermute, dass die religiösen Institutionen in den letzten Jahrzehnten bedeutend schwächer geworden sind, ist da spürbar - es gibt weniger Hilfe.
gruss, barbara
NeinesgibtnichtwenigerHilfe,sonderndieTendenzHilfe zurSElbsthilfesteigt...
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15.07.2017, 07:56
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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15.07.2017, 10:23
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
ich hab die Holocaustüberlebenden nicht ins Spiel gebracht. Ich halte es wenig sinnvoll, die Höllen, mit denen die Nordeuropäer im 21. Jahrhundert so üblicherweise konfrontiert sind (zB Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe, Vereinsamung, Krebs...) ausgerechnet am Beispiel eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte abzuarbeiten. Weil die Situationen so unterschiedlich sind.
Ist das so?NeinesgibtnichtwenigerHilfe,sonderndieTendenzHilfe zurSElbsthilfesteigt...
Mir scheint eher, die Expertengläubigkeit habe die Gläubigkeit an religiöse Autoritäten weitgehend nahtlos ersetzt. und bin keineswegs sicher, ob die aktuelle Lösung so viel besser ist als die alte Lösung.
gruss, barbara
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15.07.2017, 10:34Inaktiver User
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Ja - die Geschichte kenne ich.
Es beginnt ja noch früher: hätte Ahab den Wal Wal sein lassen und ihn nicht besessen durch das Meer gejagt, hätte er sein Bein behalten, hätte keinen Frust schieben müssen und nicht auch ein Tier hassen müssen. Und der Wal hätte noch jahrelang leben können..
Meine Lehre aus dem Film: wer anderen nicht nach dem Leben trachtet, kommt besser davon..(allerdings wäre uns dann ein toller Film entgangen..) Ahab hat "das Böse" in den Wal hineininterpretiert - und dabei übersehen, dass er an seinem Unglück selbst schuld war (und an dem Unglück seiner Mannschaft...und des Wals letztlich auch). So hat er seine Hölle selbst gemacht. Und nicht nur seine..
Was die Achtung vor den Naturgewalten angeht - da bin ich deiner Meinung.
Atheistisch zu sein, heißt nicht, die Natur/Tiere/Menschen nicht zu achten.
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15.07.2017, 10:34Inaktiver User
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Die meisten aber nur oberflächlich, auch, weil sie nie darüber sprechen konnten / durften. Sie blieben ihr Leben lang schwer traumatisiert, und haben dieses Trauma auch an ihre Kinder weiter gegeben.
Lies' mal die Bücher von Lily Brett, die vom Thema Holocaust obsessiv besessen ist, obwohl es "nur" ihre Eltern waren, die Auschwitz überlebt haben. Sie ist da ein gutes Beispiel.
Eine alte Dame, die als Kind in Berlin im Keller versteckt überlebt hat, während ihre Mutter im KZ war, hat mir kürzlich noch erzählt, dass ihre Mutter ihr sofort eine Ohrfeige gab, als sie einmal wagte, das Geschehene anzusprechen.
Immerhin: Diese alte Dame wurde Ärztin und Trauma-Therapeutin, hat das also wirklich konstruktiv verarbeitet.
Aber wirklich erholt hat sie sich vom Trauma der permanenten Bedrohung nie, auch nicht mit 80. Sie hat Israel deshalb zum Zeitpunkt der Intifada wieder verlassen, sie konnte das nicht aushalten, fühlte sich wieder wie in ihrer Kinderzeit. Inklusive körperlicher Symptome.Geändert von Inaktiver User (15.07.2017 um 10:40 Uhr)
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15.07.2017, 10:46Inaktiver User
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Nun ja - ein Waljäger jagt nun mal Wale. Aber er hätte anerkennen und akzeptieren müssen, dass der Verlust von Gliedmaßen zum Berufsrisiko gehört, statt sich in blinden Hass auf ein Tier reinzusteigern.
Übrigens ist die Geschichte im Kern wirklich passiert: Ein großer Wal hat mal einen Walfänger versenkt. Die Überlebenden mussten ca. 1000 Seemeilen rudern und haben nur durch Kannibalismus überlebt.
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15.07.2017, 10:49
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Walfang war sein Job. Die erste Begegnung hatte mit Besessenheit noch gar nichts zu tun, sondern nur damit, seinen Job zu erledigen, und der ist nun mal Walfang.
Obsession ist erst nach seiner Rekonvaleszenz draus geworden. Hätte er sich weiterhin einfach auf Walfang beschränkt, so wie es sein Auftrag war... wäre die Welt um eine gute Geschichte ärmer, die Besitzer der Pequod aber wohl um einiges reicher geworden.
So hat er seine Hölle selbst gemacht. Und nicht nur seine..
ja eben, da siehste, was man mit ein bisschen Demut alles an Unglück verhindern kann, wenn man es will.
gruss, barbara
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15.07.2017, 12:02
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
[QUOTE]
Nein du hast das Thema nicht ins Spiel gebracht, aber deine Ansicht dazu, in und nach dieser vorausgehenden hoffnungslosen Situation, sich zu ergeben und daran einen Sinn zu sehen, verstehe ich ganz und gar nicht. Zumindest nicht im Zusammenhang mit der verursachenden Aktion. Wenn es um Mord und Tod geht, denke ich, ist es doch nochmal eine andere Klasse und das kann man nciht so pragmatisch beurteilen, wie du das machst.
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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15.07.2017, 12:35
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Würdest du des denn für sinnvoller halten, sich für den Rest des Lebens mit Fragen zu zerfleischen nach "warum ich? warum meine Familie? Warum, warum, warum? warum ist alles so ungerecht? Habe ich/wir was falsch gemacht?", dir davon den Schlaf rauben lassen für den Rest des Lebens...
oder zu versuchen, dich mit dem Schrecklichen irgendwie auszusöhnen, oder immerhin dafür zu sorgen, dass das neue Leben nach dem Schrecken nicht allzu sehr davon behindert und gelähmt wird?
klar kann man. Man kann sich in der Disziplin üben, das fruchtlose Grübeln über Dinge, die man nicht mehr ändern kann, konsequent und sofort zu unterbrechen, sobald man merkt, dass man wieder auf dieser schiefen Bahn nach unter rutscht. Man kann sich auf das Leben hier und jetzt konzentrieren. Und viele Leute haben das auch getan.Wenn es um Mord und Tod geht, denke ich, ist es doch nochmal eine andere Klasse und das kann man nciht so pragmatisch beurteilen, wie du das machst.
Und gerade Leute, die Verantwortung haben für eine Familie und deren Existenz, tun das seit eh und je und werden das weiterhin tun. Die Vergangenheit, so schrecklich und grausam sie war, ist vergangen - aber jetzt findet das Leben hier und heute statt.
Man kann sich natürlich auch sagen "mein schreckliches Erlebnis (egal ob Holocaust oder etwas Anderes) hat den ganzen Rest meines Lebens unwiderruflich zerstört, ich werde nie mehr glücklich sein, ich werde nie mehr zufrieden sein" - aber so schafft man sich auch eine Hölle selbst - wenn man noch nicht einmal die Möglichkeit zulässt, dass vielleicht einmal Heilung (und sei es nur ein bisschen) geschehen darf.
gruss, barbara
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15.07.2017, 13:14
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
[QUOTE]
Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich den Holocaust nicht erleben musste, um bei dem angesprochen post zu bleiben. Ich bin eine andere Generation.
Und wie ich weiss haben die meisten Überlebenden sich weiterentwickelt und Abstand genommen von persönlichen Schicksalen. Das hat aber weder etwas mit Aussöhnung zu tun noch mit Wiedergutmachung. Es ist so.
Nein ich bin kein Grüblertyp.klar kann man. Man kann sich in der Disziplin üben, das fruchtlose Grübeln über Dinge, die man nicht mehr ändern kann, konsequent und sofort zu unterbrechen, sobald man merkt, dass man wieder auf dieser schiefen Bahn nach unter rutscht. Man kann sich auf das Leben hier und jetzt konzentrieren. Und viele Leute haben das auch getan.
gruss, barbara
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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15.07.2017, 13:14
AW: Habt ihr angst vor der Hölle?
Eine kleine Anmerkung in Bezug auf Melvilles Ahab, eines der profundesten Charaktermerkmale der Captainsfigur ist sein christlicher Fundamentalismus.



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