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11.08.2017, 14:00
AW: Was ist die richtige Religion?
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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11.08.2017, 15:03
AW: Was ist die richtige Religion?
Auf Friedhöfe gehe ich auch gern mal, nur nicht zu oft, weil mich sonst die Schwermut angreift.
Aber wenn ich in meiner Heimatstadt bin, nehme ich gern meinen kleinen Enkel mit zum Grab meiner Eltern. Er kennt den Weg schon ganz genau und auch die Rituale. Wir holen die Gießkanne aus dem kleinen Schuppen des Friedhofgärtners, holen Wasser unter den hohen Bäumen am Wasserhahn und dann begießen wir gemeinsam die Blumen und Pflanzen auf dem Grab und zupfen die Unkräuter oder verblühten Blumen ab. Anschließend spazieren wir noch ein wenig zwischen den Gräbern und staunen über die teilweise wunderschön gestalteten Anlagen und Grabstätten . Wir beobachten die Vögel und lauschen ihrem Gesang.
Mein Enkel hat noch keine Vorstellung von Tod und Lebensende, er ist erst drei Jahre alt . Aber er erklärt sich unsere Ausflüge zum Friedhof auf seine kindliche Art. Er sagt, er war mit Oma in der Blumenstadt.

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11.08.2017, 15:18Inaktiver User
AW: Was ist die richtige Religion?
Fände ich auch.
Wer ein Grab möchte, es sich für einige Jahre leisten kann und der Verwandtschaft hat, die dort gerne gedenken und dieses Grab pflegen, bittesehr.
Aber mein Ding ist das nicht...ich empfinde Friedhöfe als beengend- Leichen eng an eng, nach einigen Jahren kommt der nächste tote Körper genau in dein Grab quasi auf dich drauf(vielleicht noch einer, den du zu Lebzeiten gar nicht leiden konntest) ..Liegezeit bei uns derzeit weit unter 20 Jahren.
Gibt irgendwann ein Knochensammelsurium - man vermischt sich dann mit dem nächsten Beleger usw usw..
nein danke.
Ich möchte lieber unter einem Baum beerdigt werden als unter einem Grabstein und in einem Grab, das vor mir schon von etlichen anderen Toten "genutzt" wurde ..
Ich habe keine Verwandtschaft, die das Grab der ollen Tante Ruby bepflanzen und pflegen würden - denen wäre das lästig - und mir wäre es ein tröstlicher Gedanke, einem Baum Nährstoffe liefern zu können :-)
Man kann auch um Menschen trauern, ohne einen Ort für diese Trauer zu haben, ohne einer Religion anzugehören und..ohne an einen Gott zu glauben.
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11.08.2017, 17:10Inaktiver User
AW: Was ist die richtige Religion?
Also bissig finde ich eher dich jetzt Opelius?
Biste aus der Kirche ausgetreten oder wieso schreibst du so?
Es gibt doch den Begriff "anständig unter die Erde bringen" und viele andere Begriffe dafür.
Ein Grab gewinnt doch nicht an Gewicht wenn es oft besucht wird.
Das weißt du doch auch.
Mein Vater ist nur wieder in die Kirche eingetreten weil er einen Pfarrer an seinem Grab wollte, nicht wie ein Hund unter die Erde kommen wollte...
Wer im Leben einer Kirche angehörte der hat auch diesbezüglich seine Vorstellungen vom Tod und von der Beerdigung.
Es gibt Menschen die reisen aus dem Ausland an um das Grab der Eltern zu besuchen.
Also - nur weil eben kein offensichtlich reger Besuch zu erwarten ist finde ich nicht automatisch dass deshalb auch die Grabstätte überflüssig ist.
Einer meiner Lieblingsfriedhöfe ist der Jüdische in Weissensee.
Für mich ist das Geschichte. Ich mag auch diese Angewohnheit Steinchen auf den Grabstein zu legen als Zeichen des Besuchs.
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11.08.2017, 17:17Inaktiver User
AW: Was ist die richtige Religion?
Hallo Ruby,
nett sich hier zu treffen....
Letzten Endes überlasse ich es auch meinen Hinterbliebenen.
Ich finde aber, diese ganze Zeremonie und die Gewissheit da mal hingehen zu können tröstlich.
Trauer braucht einen Rahmen. Welchen stellst du dir vor?
Man kann auch zuhause bei sich so eine Art Schrein aufstellen.
Komisch, wenn ich hier drüber schreibe habe ich sofort diesen Geruch auf Friedhöfen in der Nase.
So modrig, und dann ist da immer so ein Brunnen wo man das Wasser holt....
Für mich hat das was melancholisch Heiteres.
Meinen Ex zog es oft zum Grab seiner Oma. Und die ganze Familie ist immer mit getrabt.
Im Grunde genommen blieb sie auch nur dadurch in Erinnerung.
Man sprach automatisch über sie. Ich fand das sehr schön.
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11.08.2017, 17:30
AW: Was ist die richtige Religion?
Keineswegs, ich bin zeit meines Lebens evangelischer Christ.
Ein verloddertes Grab dient nicht dem Angedenken eines Verstorbenen. Und es gibt selbst in meiner kleinen Stadt ein Haufen von Unkraut und Brennnesseln überwucherte Gräber. Da ist nichts Würdiges dran.
Und ich habe gelernt, es zu akzeptieren, dass viele Angehörige sich eben nicht um die Gräber kümmern. Das kann man bedauern, aber es ist Fakt.
Und ich werde, wie verfügt, eines Tages in einem Friedwald meine letzte Ruhe finden. Und "anständig unter die Erde bringen" bedeutet für mich, dass wenigstens einige Verwandte an der Trauerfeier teilnehmen.
Als ich vor 30 Jahren in diese kleine Stadt zog, fand ich auch den verwilderten jüdischen Friedhof mit umgestürzten Grabsteinen vor. Mit Freunden habe ich zusammen mit den Friedhofsgärtnern daran gearbeitet, dass er wieder in Ordnung gebracht wurde.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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11.08.2017, 17:59
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11.08.2017, 18:17
AW: Was ist die richtige Religion?
Nein wirklich lieber Opelius, es ist eine ernsthaft gemeinte Absicht, von dir wissen zu wollen, welcher Branche du Sterben und Beerdigungsrituale zuordnest, wenn nicht Religiösen. Der Prozess der Beseitigung oder Aufbewahrung des menschlichen Körpers muss ja irgendwie und irgendwo stattfinden. Wir können uns ja nicht in Luft auflösen und in der Regel einfach verschwinden. Das Ritual selbst hat doch erstmal nichts mit Auferstehung und Jüngstem Gericht zu tun.
Du schreibst, all das hat nichts mit Glauben und Religion zu tun, ja mit was denn dann bbiittee? Deswegen auch meine Argumentation und Aufteilungen und die Frage für die Zuordnung.
Und ich sehe die verpflichtende Verantwortung, Gräber pflegen zu müssen auch nicht als angenehme Arbeit, eben auch aus deinen benannten Gründen und bin selbst einverstanden, dass wir das innerhalb der Familie anders lösen.
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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11.08.2017, 18:28
AW: Was ist die richtige Religion?
Ohne Pfarrer wird man "unter die Erde gebracht wie ein Hund"? Das ist doch Klassendenken.
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11.08.2017, 18:29
AW: Was ist die richtige Religion?
In Salzburg war ich auf dem Sebastiansfriedhof, der mir auch sehr gut gefallen hat. Es ist ein morbider Charme, dem man sich gegenübersieht . Der Friedhof ist so ganz anders als die , die wir hier in Deutschland kennen. Er wurde nach einem italienischen Vorbild gebaut, den Campi Santi. Um den Friedhof herum gibt es Arkaden, unter denen die Toten bestattet wurden. An den Wänden sind die Gedenktafeln angebracht. Es gibt aber auch kleine umzäunte und mit Statuen geschmückte Grabstellen.
Der Platz in der Mitte ist eher ein bisschen verwildert, eine naturbelassene Wiese, deren Gräser allerdings nicht zu hoch stehen, auf der die Kreuze und Gedenksteine ein wenig schief und gar nicht so aufgereiht und in Reih und Glied wie wie bei uns aufgestellt worden sind. Dann gibt es noch die Kapelle, in der Mitte,Gabrielskapelle heißt sie, mit einem wunderschönen Altar darin. Paracelsus ist auf diesem Friedhof beigesetzt, die Frau von Mozart und die Mutter von Carl Maria von Weber, um nur einige zu nennen.
Wie ich bestattet werden möchte, weiß ich nicht so genau, ich bin mir immer noch unsicher. Vor einiger Zeit dachte ich, Seebestattung wäre richtig, weil ich so gern ans Meer gefahren bin, früher. Und jetzt irgendwie nicht mehr oder viel zu selten dazu komme. Da war die Vorstellung von salzigem Wasser und Wellenrauschen verbunden mit dem eigenen Tod irgendwie beruhigend. Aber man wird vorher ja verbrannt, und das finde ich in meiner Vorstellung weniger gut.
Zur Trauerfeier würde ich gern einen Pastor haben, den ich zu Lebzeiten gekannt habe, der mich gekannt hat.Das wäre mir sehr wichtig. Irgendein Pastor , das würde mir nicht gefallen.



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