ich stimme zu: wer in der inneren stille weilt, nimmt die äusseren reize nicht mehr wahr.
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Thema: Experiment "Stille"
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17.06.2008, 20:28
AW: Experiment "Stille"
Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen;
auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses,
nur verachten würde man ihn.
Das Hohelied
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20.06.2008, 03:20
AW: Experiment "Stille"
Die leere Tasse
Eines Tages besuchte eine berühmte und angesehene Professorin zwei große und angesehene Meister der Kampfkunst.
"Ich bin von weit her gekommen, um Sie zu treffen, denn ich habe gehört, dass Sie ein großer Meister des Zen sind und die Kunst der Leere beherrschen. Ich habe jahrelang eifrig studiert, um den Kern dieser Lehren zu verstehen. Können Sie mir erklären, was Leere bedeutet und wie dies der Welt Frieden bringen kann? Was ist das Geheimnis dieser Leere?"
Der ältere der beiden Meister servierte gerade Tee, als die Professorin sprach. Er schenkte die Tasse der Besucherin voll und schenkte immer weiter ein, bis der Tee über den Rand lief und vom Tisch auf den Fußboden tropfte.
Die Professorin schaute verwundert zu, wie die Tasse überlief, bis sie sich nicht mehr beherrschen konnte. "Die Tasse ist doch voll", rief sie aus, "da geht nichts mehr rein."
"Wie die Tasse", sagte der Meister, "so ist auch Ihr Geist mit Fragen angefüllt und sucht nach Antworten. Solange Sie Ihre Tasse nicht leer machen, geht nichts mehr hinein. Genauso ist es mit Ihrem Geist: Sie können nichts aufnehmen, solange Sie ihn nicht leer machen."
...Du kannst für den nächsten Tag Pläne machen - aber das Los des nächsten Tages kennst Du noch nicht.
Entnommen aus dem Buch
"Das Leben ist ein
Paradies,
zu dem wir den Schlüssel finden können",
von Nossrat Peseschkian
Lasse ich diese Geschichte hier einfach mal unkommentiert so stehen.
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23.06.2008, 17:32
AW: Experiment "Stille"
Wenn ich wie jeden Abend die Kinder ins Bett bringe,
und sie oder eines, wie jetzt zum Beispiel wegen der Sommerhitze
oder, weil ihnen der vergangene Sommertag noch durch den Kopf geistert, ...,
wieder mal nicht einschlafen können/kann - das Fenster ist weit geöffnet -,
sage ich manchmal zu ihnen:
"Horcht mal!"
"Ich höre nichts.", krieg ich dann erwartungsgemäß zur Antwort.
Ich: "Horcht mal, wie sich die Nacht anhört!"
Kind: "Die Nacht kann man doch nicht hören."
Ich: "Woher weisst Du, dass man die Stille nicht hören kann?"
Kind: "Na, das hört man doch!"
Ich: "Siehst Du, Du hörst, dass man NICHTS hören kann. Hör nochmal genau hin...!
Wie gut das tut, endlich mal nichts zu hören!"
Ein ander mal anderes Kind (in diesem Zimmer schlafen drei):
"Ich hör was! Einen Frosch!"
- : "Mehrere Frösche!"
- : "Und ich hör immer einen Vogel, der die ganze Nacht singt. Da hinten am Bach."
- : "Was ist das immer für ein Pfeifen und ein Geschrei,
das man da ganz weit hinten auf dem Acker manchmal hört??"
Ich: "Das werden wohl Hasen sein, die um ein Weibchen oder ums Revier raufen.
Kann aber auch ein junges Reh sein, welches nach der Mama schreit. Vielleicht, weil es einen Fuchs gerochen hat."
Kind: "Ich hör den Zug (in 5 km Luftlinie Entfernung), der stört die ganzen anderen Geräusche."
Ich: "Hörst Du, wie er davon fährt? Wie er immer leiser wird? Das ist der Zug, der den Rest dieses Tages mit sich nimmt. Da sitzen noch Leute drin, die sind schon gaaanz müde, und wollen nur noch nach Hause und schlaaafen - *gäääähn*.
Oder welche, die beginnen gerade eine laaange Reise..."
*Schnarch*
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Heute saß die Tochter - 3. Klasse - bei den Hausaufgaben.
Zu folgendem Gedicht aus dem Lesebuch
sollte sie Bilder malen:
Mäuschenstill
Wer mäuschenstill am Bache sitzt,
kann hören, wie ein Fischlein flitzt.
Wer mäuschenstill im Grase liegt,
kann hören, wie ein Falter fliegt.
Wer mäuschenstill im Bette lauscht,
kann hören, wie der Regen rauscht.
Wer mäuschenstill ist und nicht brummt,
kann hören, wie die Biene summt.
Wer mäuschenstill ist und nicht murrt,
kann hören, wie's im Bauche knurrt.
Wer mäuschenstill ist und nicht stört,
kann hören, was man sonst nicht hört.
Alfred Könner
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04.07.2008, 13:05
AW: Experiment "Stille"
Die Eichenholztür der kleinen Stiftskirche fällt heftiger hinter mir zu, als ich es geplant hatte. Ich erschrecke, vielleicht fühlt sich jemand gestört in seinem Gebet durch meine Unachtsamkeit. Fast schuldbewußt suchen meine Augen den kleinen Raum mit den wenigen Bänken und Nieschen ab: Nein, ich bin allein.
Am Rande einer der schmalsitzigen graugestrichenen Holzbänke nehme ich vorsichtig meinen kleinen Tagesrucksack ab, setze mich nieder.
Angezogen durch das bunte Licht der Fenster in der Apsis versuche ich einen Moment, die gläsernen Motive zu deuten. Unter anderen christlichen Symbolen finde ich einen Fisch, der sich elegant biegt und mit geöffnetem Maul in eine undefinierbare Richtung schaut.
Lebewesen des kühlen Wassers, nur schwer auszumachen durch den Beobachter des ruhigen Wasserspiegels. Wie ein tiefer See kommt uns unsere innere unbewußte Welt vor. Und der Fisch kann dem Geduldigen als Nahrung dienen.
Die Wellen an der Oberfläche meines Bewußtseins glätten sich. Nur noch sanft streicht mein Atem die Nase, während sich die Haut meiner Stirn zum Wahrnehmungsorgan verborgener Schwingungen klärt.
Die Wünsche, Ängste, Dankbarkeitsbekenntnisse so vieler Gebete, in ihrer etherischen Substanz sind sie noch gegenwärtig. Auch die unbenennbaren Gefühle der Suchenden und derer, denen dieser Raum religiöse Zuflucht bedeutete, sind noch da, und nichts hat sie vertrieben.
Ich bin bei diesen Menschen, unter ihnen, jetzt, egal was sie gerade tun oder ob sie überhaupt noch leben. Jede Bank, jeder Stein, jedes Bild hier ist beseelt, gezeichnet von Spuren menschlicher Existenzen.
Eine Viertelstunde vielleicht, dann öffne ich meine halbgeschlossenen Augen ganz, um wieder in mich zurückzukehren. Noch ein bis zwei Minuten, und ich verlasse das steinerne Gebäude, den kleinen Rucksack dabei schulternd.
Lindenblütenduft empfängt mich, als ich wieder ins Freie trete.Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug.
Die Probleme des Lebens sprengen alle Formulierungen.
(Antoine de Saint-Exupéry)
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04.08.2008, 16:35
AW: Experiment "Stille"
Grüß Gott Alle an Stille Interessierten!
Bin neu in diesen Tread,habe gerade Eure wunderschönen Beiträge aufgesaugt und erstaunt festgestellt,dass Stille für mich ganz anders "geboren" wurde.
Ich weiß,was das ist ganz Innen: Stille,von Anbeginn!---Ohne Stille,wüßte ich nicht-wer ich bin. Als kind,kleines Kind habe ich endlos lange im Garten;in der Sandkiste,Im Wäldchen,oder auch in meinem Zimmer "meditiert"....Mit Sand in denHänden,Eicheln,Murmeln----Ich habe dabei getan ohne zu tun.---Sehr lange---über Stunden.Meine Mutter sagte dazu-"lass sie,sie braucht das so..."und hat mich nie gestört.Ich wäre verstört gewesen,wenn sie mich"da raus "geholt hätte.
Es war aber völlig egal was drum herum war,ob laut,leise,hell,dunkel---ich war bei mir und habe so nie Angst vor mir selbst entwickeln können(Gott sei Dank)-----Später wurde das weniger,aber verlernt habe ich es nie.Ich habe fast immer den Zugang behalten!(Allerdings bekomme ich jetzt gerade Angst!Angst bei der Vorstellung ,ich könnte diesen Zustand nicht haben!)
Ich fühle,dass es sehr mit Angst behaftet sein könnte,wenn man neu mit diesen Zustand konfrontiert ist---weil er "anders "ist.
Als ich zum ersten Mal mit Meditation und Scheigen Stille,spater als erwachsen befaßt habe,wunderte ich mich im Inneren sehr,denn es wurden dazu Positionen angenommen,Orte und Haltungen emfohlen,die ich zwar einnehmen konnte und dann auch einnahm,ich konnte auch so in diesen Zustand kommen,---aber wozu.---Das ist doch alles nicht notwendig.Wenn ich wirklich innen bei mir bin,so bin ich augenblicklich hell wach,wie ich es sonst nie sein könnte.In diesem Zustand habe ich zugang zu allem.Ich habe Zugang nicht das drum herum zu mir!!!Ich kann mich auf alles -auf einzelnes--oder auf nichts"fokussieren" und es aufnehmen.Dazu muß ich offen sein und leer(oder besser nicht verstopft)Wenn ich aber offen bin,bin ich "leer"im positiven Sinne.Die Kräfte fließen.Ich bekomme sie und kann sie gleichzeitig geben.-Kann auch telepatisch Verbindungen"mitmachen".Dieses mitmachen bedeutet nicht zwangsläufig,jedoch es sind erfordeliche gewünschte " Verbindungen",die eben auf dieser Ebene sind.Das ist ganz nah(wie mein Körper,oder näher)aber auch ganz fern,zeitlos(denn Zeit gibt es da nicht!)
Daher finde ich es auch völlig egal,wie lange diese Stille anhällt--denn 2 Min.könnten auch 2 Stunden sein--oder umgekehrt.
Ich emfinde diesen Zustand als den einzigen,in dem ich mich voll"zurechnungsfähig"fühle...
Manchmal,oder sogar recht häufig springe ich in diesen Zustand,kurz zwischendrin---egal,was ich tue(Sekunden-Minuten)sehr selten merkt irgenein Mensch in meiner Nähe etwas---und fragt träumst du?---Aber das kommt auch mal vor,aber ich träume nicht---ich bin dann wacher ,als wach.....
So,nun ist es genug für heute....
L.G.Tournesol


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