Ein wenig still ist es um die Stille geworden, und doch – es erwacht hier und da sogar die Erinnerung an die zarten Schwingungen der Poesie.
Die Stille ist ein Raum, in dem Gefühle sich entwickeln und gedeihen dürfen, die sonst nirgendwo wachsen mögen.
„In der Stille kann ich besser hören“, schrieb Melia. Sicher kann man in der Stille auch besser sehen – „wenn man mit dem Herzen sieht".
Ich lade zu einem (Gedanken-)Experiment ein, wer mag kanns ja auch „richtig“ probieren.
Stellen wir uns vor: Draußen ist es dunkel, aber unser Arbeitszimmer ist erleuchtet, denn wir müssen genau betrachten, womit wir uns beschäftigen. Unser Kopf ist wach, wir arbeiten konzentriert.
Jetzt stehe ich auf und trete ans Fenster. Obwohl weder Vorhänge noch Rollos vor den Scheiben hängen, kann ich aus dem hell erleuchteten Raum nicht hinausschauen. Ich sehe mich nur selbst, und dahinter spiegelt sich mein Arbeitszimmer.
Dann schalte ich das Licht aus. Einen Moment sehe ich gar nichts, aber bald gewöhnen sich meine Augen an den veränderten Zustand, und nun ist mein Blick aus dem Fenster frei. Ich erkenne die Lichter der Nachbarhäuser, weiter entfernt die Scheinwerfer fahrender Autos, und wenn der Himmel klar ist und keine Laterne vor meinem Fenster mich blendet, erreicht mein Blick sogar die Sterne.
Stille, die ich meine, ist nicht nur die akustische Stille.
Ardhanar![]()
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Thema: Experiment "Stille"
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28.01.2007, 16:52
AW: Experiment "Stille"
Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug.
Die Probleme des Lebens sprengen alle Formulierungen.
(Antoine de Saint-Exupéry)
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28.01.2007, 18:16Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Weißt du, dass ich das fast jeden Abend mache?
Bevor ich ins Bett gehe öffne ich das Fenster (schräges Dachfenster) und schau ganz in Ruhe nach draußen.
Welch herrliche Ruhe liegt über den Dächern...
Hier und da werden die Rollos mit einem Rasseln runtergezogen...
Im Sommer hört man leise Gespräche der Nachbarn, die die laue Sommernacht genießen...
Oder ein Frosch quakt in der Ferne...
Manchmal hört man auch das Zirpen einer Grille...
300 m weiter ist der riesige Wald und von dort hört man die leisen Rufe der Käuzchen...
oder das Rauschen der Bäume...
Dann geht mein Blick hoch zu den Sternen...
Eine Sternschnuppe leuchtet für Sekunden auf und ein Satelit zieht still seine Bahn...
Die unendliche Weite läßt mich dann so richtig klein und demütig werden..
Einfach herrlich diese Stille in der Dunkelheit, mit ihren leisen vertrauten Geräuschen...
-und ich fühle mich so richtig geborgen...
Gruß Majolika
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28.01.2007, 18:27Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Oh ja, das sind auch für mich ganz wertvolle Momente.
Abends am Fenster, besonders in lauen Sommernächten.
Oder frühmorgens, wenn der Tag noch ganz zwielichtig ist und die Nacht noch in langen Schlieren auf allem liegt.
Oder mittags an einem ganz heißen Sommertag, wenn die Hitze in den Straßen steht und kein Lüftchen sich regt.
Oder im Herbst, wenn der Nebel die Welt verhüllt und alle Geräusche dämpft.
Wenn frischer Schnee gefallen ist.
Wenn es aufgehört hat zu regnen.
Die Welt um mich ist still und es wird eine Atmosphäre spürbar, die nur in solcher Stille existieren kann.
In dem Film "Jenseits von Afrika" sagt Robert Redford einmal einen Trinkspruch, den ich wunderschön finde und der diese Atmosphäre versucht, in Worte zu fassen:
"Auf vergangene Nächte und ferne Klänge!"
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28.01.2007, 21:47
AW: Experiment "Stille"
Danke! Ich fühle mich verbunden mit euch durch eure Beiträge.
Zitat von Inaktiver User
Die Stille berührt uns. Sie verbindet uns auch. Gemeinsam schweigen, das kann viel mehr sein als eine intelligente angeregte Diskussion. Ich werbe wirklich nicht für einen Schweigeorden, und ich mag heiße Diskussionen für mein Leben gern. Aber ich glaube an die „Magie der Stille“. Und daraus ziehe ich Kraft. Die Stille üben heißt nicht, sich aus dem Leben zurückzuziehen. Im Gegenteil.
Zitat von Inaktiver User
Mir scheint trotzdem, wir brauchen Mut, um uns zum Wert der Stille zu bekennen. Denn hierzulande ist hoch angesehen, wer von früh bis spät aktiv ist, an allem hoch interessiert, überall mitmischt.
Wer darauf wartet, daß ich mit irgendeiner Methode, gar mit einem religiösen Hintergrund herausrücke, wird enttäuscht bleiben. Schaut euch selbst um nach einem Ort, wo euch nichts und niemand stört. Wer einen solchen Ort noch nicht gefunden hat und trotzdem sucht, kann ihn finden. Und wer ihn schon gefunden hat, kehrt immer wieder gern dorthin zurück.
Mehr steckt nicht dahinter, aber auch nicht weniger.
Ardhanar
Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug.
Die Probleme des Lebens sprengen alle Formulierungen.
(Antoine de Saint-Exupéry)
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29.01.2007, 03:32Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Abends, ausserhalb der Stadt, in der Wueste, sehen die Sterne ganz besonders schoen aus. Alles ist still und geheimnisvoll und man kommt sich irgendwie Gott naeher vor. Ein wunderbares Gefuehl.
Texas Amerle
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29.01.2007, 14:36Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Deine Beschreibung hat was von den weisen Frauen, die zweier Welten teilhaftig waren. Auf der einen Seite der der Natur, auf der anderen der der Zivilisation.
Zitat von Inaktiver User
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29.01.2007, 14:59Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Kennt Ihr denn auch diese wehmütige Stille?
Nach einem Wochenende mit Freunden, wenn man in die eigene leere Wohnung kommt oder wenn der Besuch gerade weg ist. Wenn man von einer Reise kommt.
Um mich ist es still.
In mir drin ist aber alles noch ganz aufgewühlt.
Man kann die Anwesenheit der anderen noch ganz deutlich spüren, denkt an einige intensive Momente zurück, aber man ist allein und die Zeit steht gerade ein kleines bisschen still.
Da ist noch eine leere Kaffeetasse, der Rest Kaffee darin ist vielleicht sogar noch ein bisschen warm.
Da hat jemand seinen Schal in meinem Flur liegen lassen.
Oder man kommt von einer gemeinsamen Reise zurück und in den Sachen, die man aus dem Koffer nimmt, ist noch der Geruch der Reise drin.
Ein ganz bittersüßes Gefühl, das ich gern auskoste.
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29.01.2007, 15:02Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Und auch die Stille "davor".
Wenn etwas Besonderes ansteht, etwas Lebhaftes vielleicht, etwas Lautes, etwas, an dem viele Menschen beteiligt sind.
Und man ist vorher noch mal ganz allein und ganz ruhig.
Und man denkt
"Es ist bald soweit!"
Eine Stille voller Knistern.
Für mich manchmal sogar wertvoller und intensiver als das Ereignis selbst.
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29.01.2007, 16:42Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Hallo Med.
Diese "Stille danach" habe ich heute wieder "gehört"...
Meine beiden süßen Enkelkinder, das Mädel ist 2 und der Junge ist 5 waren mit ihrer Mama bei mir.
Auch meine andere Tochter war da. Ich habe für alle Spagetti gekocht, die Kleinen wollten natürlich mithelfen und ich schleppte die Kleine auf dem Arm und passte auf, dass sich niemand verbrannte.
Dann kam mein Schwager hoch, um etwas mit meinem Mann zu klären. Als gute Gastgeberin machte ich allen nebenbei noch Cappucino.
Nach dem Essen spielten die Kinder noch etwas...
Und dann gingen die Kinder alle wieder nach Hause.
Mein Mann hatte auch einen Termin und meine Tochter ging ins Büro nebenan...
Was war das für eine Ruhe...
Ich "hörte" wirklich noch das Kinderlachen und die Stimmen der anderen...
Solche Momente genieße ich immer...
Ich liebe meine Familie und freue mich, wenn sie alle da sind.
Aber genau so freue ich mich, wenn sie alle wieder gehn...
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29.01.2007, 22:20Inaktiver User
AW: Experiment "Stille"
Hallo Jonith!
Die weisen Frauen, ist das ein Buch?
Liebe Gruesse von der "Semi-Wueste" in West Texas,
Amerle



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