Man kann nur verstehen, was man schon verstanden hat, gell.
Es ist alles schon mehrfach geschrieben worden, du überliest es nur oder verstehst es nicht.
Die Werte sind in uns allen schon angelegt, sonst wären wie als Spezies schon ausgestorben.
Neben Egoismus, der auf das Überleben des Individuums zielt, habe wir einen eingebauten Sinn für Fairness und verfügen über die Fähigkeit zu Altruismus und Empathie, weil all das gut für die Horte ist. Und wenn's der Horte gut geht, hat auch das Individuum bessere Chancen zu überleben. Diese Ausstattung teilen wir mit vielen Säugetiere und vor allem den höher entwickelten Primaten.
Und das wird schon so in der 10. Klasse unterrichtet.
Wissenschaftler könnten das sicher differenzierter erklären.
Der Mensch mit einer Fähigkeit zur Sprache und seiner höheren Abstraktionsfähigkeit differenziert diese Anlagen fortlaufend aus, passend zu den hochkomplexen Gemeinschaftsformen in denen er lebt. Philosophie heißt dieser zutiefst menschliche Prozess des Ausdifferenzierens, der ohne Gott und seine bekannten negativen Auswirkungen auf die Urteilsfähigkeit auskommt.
Es ist also alles kein Hexenwerk.
Einfach der inneren Säugetier-Stimme folgen, das heißt, alles was für alle gut ist, ist gut.
Unser ebenfalls eingebauter hochentwickelter Sinn für Gruppengeflechte liefert zusätzliche Daten, und der logische Verstand verarbeitet das Ganze zu angemessenen Verhaltensweisen.
Selbstverständlich sind angeborene Beobachtungsgabe, Intelligenz, Fairness/Egoismus-Verteilung, Aktivierung diese Anlagen in die eine oder andere Richtung durch Erziehung und Eigenerziehung, Beobachtungsgabe und Intelligenz individuell verschieden.
Wenn Du mal ein leicht zu lesendes Buch eines zeitgenössischen Philosophen über Tugenden und Werte philosophisch fundiert lesen möchtest, empfehle ich "Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben: Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte" von André Comte-Sponville.
Natürlich sind für Dich Werte, die nur aus uns selbst stammen beliebig.
Sind sie aber nicht. Sie sind nämlich in uns verankert.
Nicht umsonst gibt es einen kulturübergreifenden Gerechtigkeitssinn.
Nur für Menschen, die aus irgendeinem Grund mit einen sehr wackeligen inneren moralischen Kompass ausgestattet sind, braucht's das letzte Wort einer großen Überautorität. Das dieses letzte Wort menschengemacht ist, wird gefliessentlich übersehen.
Antworten
Ergebnis 631 bis 640 von 988
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09.07.2016, 21:34
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Extraordinary claims require extraordinary evidence.
"Good people are doing good things and evil people are doing evil things.
But for good people to do evil things, that takes religion." (Steven Weinberg)
People deserve respect. Ideologies, ideas, opinions and beliefs do NOT.
Da man nicht entscheiden kann, was man glaubt, ist Glaube moralisch bedeutungslos.
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
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09.07.2016, 22:44Inaktiver User
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?

„Nichts stärkt das Ego mehr als Rechthaberei. Im Recht sein zu wollen bedeutet, sich mit einer Geisteshaltung zu identifizieren – einer Ansicht, einer Meinung, einem Urteil, einer Geschichte. Damit Du Recht haben kannst muss natürlich jemand anderes im Unrecht sein, und deshalb setzt das Ego gern in Unrecht, damit es selbst Recht behält. Mit anderen Worten: Du musst andere ins Unrecht setzen, um stärker zu fühlen, wer du bist.
Recht haben verhilft zu einer Position moralischer Überlegenheit dem anderen Menschen gegenüber, die du für unzureichend befindest und kritisierst. Dieses Überlegenheitsgefühl braucht das Ego unbedingt, dadurch erfährt es eine Wertsteigerung.“
Kleiner Auszug aus: Eine neue Erde von Eckhart Tolle
Zur Spiritualität gehört für mich übrigens sich des Egos bewusst zu sein und sich nicht darüber zu identifizieren.
Das nur als kleiner Denkanstoß meinerseits in die Runde.
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10.07.2016, 00:54
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Wenn ich Spiritualität so definierte, wie Du das hier (auch schon seitenweise) machst, Kholja, dann würde ich dieses Konzept genauso bekämpfen wollen, wie Du.
Diese Definition ist aber zu eng und zu kurz. Sie trifft sicher auf einen Teil der Gläubigen, bzw., Spirituellen - wobei gläubig nicht mit spirituell deckungsgleich ist. Leider! - zu, und nimmt mit dem Erstarken von Fundamentalismen jeglicher Couleur wieder zu. Auch Leider. Ein großes LEIDER!
Aber alles aus dem Bereich Religion und Spiritualität über diesen einen Definitionskamm zu scheren, ist keine gute Idee. Die Welt ist bunt. Auch in diesem Bereich. Und sie auf o.g. Definition zu verkürzen, wird der Sache nicht gerecht. Sie scheint zwar hilfreich, weil mit einer einfachen Erklärung ("alles Religiöse/Spirituelle ist doof, gefährlich und zudem wissenschaftlich ad absurdum geführt") scheinbare Ordnung in die Sache gebracht wird. Aber wie alle einfachen Erklärungen, bzw. Urteilen, ist das eine Verkürzung, die niemandem hilft. Und niemandem gerecht wird, schon gar nicht beispielsweise einem Martin Luther King, einem Gandhi, einem Nelson Mandela, (u.a.) - alles spirituelle Führer, die ihren Lebensweg eng mit, bzw. aus ihrer (aus welcher Wurzel auch immer stammenden) Spiritualität gelebt haben und aus welchem sie, u.a., ihre Kraft und ihr Charisma bezogen. Und die keineswegs mit einem "wackeligen inneren moralischen Kompass ausgestattet" waren.
Aber Du hast insofern recht, dass es viele Menschen gibt, die sich selbst als religiös bezeichnen und die diese Religiosität als Gehhilfe benutzen, um nicht selbst denken zu müssen. Alle Fundamentalisten sind ein Beispiel dafür. Oder wenn Richard Dawkins erzählt, dass in den USA ca. 40 % der Menschen an Kreationismus glauben, läuft es mir kalt den Rücken runter. Ich finde es - für ein wahres spirituelles Leben - unabdingbar, die Erkenntnisse der Wissenschaft als grundlegende Erkenntnisse anzuerkennen. Falls das nicht geschieht, ist aller Glaube nur Aberglaube.
Was aber noch lange kein Grund ist, z.B. die Bibel nun als "widerlegt" zu bezeichnen. Diese Aussage (die ich irgendwo hier im Thread gelesen habe. Nicht von Dir) ist absurd, denn sie zieht die Bibel auf eine Ebene, auf der sie weder verstanden werden kann, noch verstanden werden will (ja, ich weiß. Das war mal anders. Galileo Galilei lässt grüßen. Aber heute sollte das kein Thema mehr sein). Genauso gut könnte man ja auch sagen, Kafkas "Die Verwandlung" ist widerlegt. Klar, (natur-)wissenschaftlich schon. Aber wer darauf beharrt, den Roman (nur) auf dieser Ebene zu verstehen und ihm deshalb entgegen der Absurdität dieses Vorhabens ihm dessen Existenzrecht, nein, besser: Sinn abspricht, befindet sich auf einem völlig falschen Pferd. Und genauso verhält es sich mit allen alten Schriften sämtlicher Religionen.Geändert von bruennette_2 (10.07.2016 um 01:04 Uhr)
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10.07.2016, 06:20
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Extraordinary claims require extraordinary evidence.
"Good people are doing good things and evil people are doing evil things.
But for good people to do evil things, that takes religion." (Steven Weinberg)
People deserve respect. Ideologies, ideas, opinions and beliefs do NOT.
Da man nicht entscheiden kann, was man glaubt, ist Glaube moralisch bedeutungslos.
Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
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10.07.2016, 07:34
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Da sind wir bei der "die Natur ist gut, alles Natürliche ist gut"-Idee.
Ich verstehe das Argument durchaus, aber es hat einige Schwächen. Denn: längst nicht alles, was in Menschen natürlich angelegt ist, ist gut, erstrebenswert und hilfreich.
Es sind eben nicht nur Fairness, Altruismus und Empathie in Menschen angelegt, sondern auch Dinge wie Aggression, Gewalt, Sadismus etc.
Welche von diesen durch die Natur eingebauten Eigenschaften gefördert werden, ist von der Kultur gegeben. Wir bewegen uns, als Menschen, weg von dem, was Natur gemeinhin auszeichnet; vor allem das unbewusste spontane Ausführen jeglicher Laune ist etwas, das Menschen (im Gegensatz zu Tieren) eben gerade NICHT tun. Zum Glück! - ich fände es nicht so schön, wenn zB Menschenväter, wie Löwenväter, Kinder töten.
Das wäre nun das Argument "was meinem Ego dient, ist gut" - auch nicht wirklich geeignet, um eine Ethik aufzubauen, ausser man sei ein Heuschrecken-Kapitalist.Und wenn's der Horte gut geht, hat auch das Individuum bessere Chancen zu überleben.
DASS er sie ausdifferenziert sagt nichts darüber aus, WIE er sie ausdifferenziert, und anhand welcher Kriterien dies geschieht. Ein Mensch kann zB wählen, sich zu einem wie Breivik auszudifferenzieren. Oder zum Heiratsschwindler. Was alles auf seine Weise Erfolge bringt, aber gemeinhin nicht als ethisch betrachtet wird.Der Mensch mit einer Fähigkeit zur Sprache und seiner höheren Abstraktionsfähigkeit differenziert diese Anlagen fortlaufend aus, passend zu den hochkomplexen Gemeinschaftsformen in denen er lebt.
- es gibt zahlreiche Philosophen, die sehr wohl über theologische Vorstellungen philosophieren; darunter auch viele der ganz Grossen wie PlatoPhilosophie heißt dieser zutiefst menschliche Prozess des Ausdifferenzierens, der ohne Gott und seine bekannten negativen Auswirkungen auf die Urteilsfähigkeit auskommt.
- dass theologische Vorstellungen "bekannte negative Auswirkungen" auf das Urteilsvermögen haben, hätte ich gern belegt. Mir ist das nämlich keineswegs bekannt, sondern ich kenne im Gegenteil viele Gläubige, deren Urteilsvermögen wunderbar funktioniert.
Wenn ich meiner innern Säugetierstimme folgen täte, wäre ich ein deutlich gewalttätigerer Mensch, als ich tatsächlich bin. Ich empfehle dieses Vorgehen niemandem.Einfach der inneren Säugetier-Stimme folgen, das heißt, alles was für alle gut ist, ist gut.
Sprich: der konventionellen Weisheit zu folgen, ist gut. Also Argumente à la "Kind, was werden wohl die Nachbarn sagen!" als moralischer Kompass soll gut sein.Unser ebenfalls eingebauter hochentwickelter Sinn für Gruppengeflechte liefert zusätzliche Daten, und der logische Verstand verarbeitet das Ganze zu angemessenen Verhaltensweisen.
Wenn der nur die drei Argumente bringt, die du hier brachtest, ich fasse zusammen:Wenn Du mal ein leicht zu lesendes Buch eines zeitgenössischen Philosophen über Tugenden und Werte philosophisch fundiert lesen möchtest, empfehle ich "Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben: Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte" von André Comte-Sponville.
- was natürlich ist, ist automatisch gut.
- was meinem Ego dient, ist automatisch gut
- was konventionell ist, ist automatisch gut
... dann lohnt es sich nicht für mich, das zu lesen. ich halte diese Argumente aufgrund vielfacher Erfahrungen nicht für überzeugend.
Die drei Ansätze sind ja durchaus untereinander widersprüchlich; was natürlich ist, ist nicht unbedingt das, was konventionell ist, also welchem Ansatz soll man in einem gegebenen Fall folgen? Grad dem, der einem besser in den Kram passt?Natürlich sind für Dich Werte, die nur aus uns selbst stammen beliebig.
Werte sind, zumindest in meinen Augen, allerdings nichts, das man an- und abschaltet, so wie es einem in den Kram passt. Was in den Kram passt, ist Opportunismus, nicht ein Wert.
Der in den Details allerdings höchst unterschiedlich ausfällt und zu höchst unterschiedlichen Rechts- und Sanktionssystemen führt. Es gibt nach wie vor viele Menschen und viele Kulturen, die zB keineswegs verstehen können, warum in Europa die Todesstrafe nicht mehr existiert.Nicht umsonst gibt es einen kulturübergreifenden Gerechtigkeitssinn.
Das Göttliche IST der innere Kompass. zumindest gemäss christlichen Vorstellungen (she Mose und der Dornbusch).Nur für Menschen, die aus irgendeinem Grund mit einen sehr wackeligen inneren moralischen Kompass ausgestattet sind, braucht's das letzte Wort einer großen Überautorität.
Gott als etwas wie eine externe Überautorität zu betrachten - die sich so ähnlich vorgestellt wird wie der Forscher im Labor, der seine Rattenkäfige überwacht - ist eine irrige Vorstellung. Ich bitte dich, sie aufzugeben, denn sie ist falsch.
gruss, barbara
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10.07.2016, 07:38
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Genau. Wenn allerdings das Ego die einzige Form von "ich" ist, deren sich ein Mensch bewusst ist - und weitere Formen von "ich" (zB was bei CG Jung das "Selbst" heisst) weder gefühlt werden können, und sich das auch nicht vorgestellt werden kann, und überhaupt ein blinder Fleck da ist - dann ist es natürlich eine grosse Katastrophe, die Identifizierung mit dem Ego zu lösen, weil dann ist ja dann - nichts mehr.
Und ein Ego HAT einen starken Überlebenstrieb eingebaut, und wenn DER erst mal in Aktion tritt, ist mit klarem Denken, dem Beachten von Details, dem sorgfältigen Erwägen so ziemlich Sense.
gruss, barbara
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10.07.2016, 10:02
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Ich habe noch längst nicht alles gelesen, möchte aber meine Gedanken zum bisher gelesenen loswerden.
Der Begriff Spiritualität scheint irgendwie ziemlich angesagt zu sein, wird inflationär offenbar für jede normale Gefühlsregung gebraucht.
Für mich sind das einfach Gefühle.
Und ein Leben nach für eine funktionierende Gesellschaft wichtigen Werten, welche man bestenfalls so verinnerlicht hat, dass dies selbstverständlich ist.
Ich kann z. B. mit einem Pferd versuchen zu arbeiten, ohne mich emotional auf dieses spezielle Individuum einzulassen.
Wird bis zu einem gewissen Grad - mit etwas Talent und Glück - funktionieren.
Bessere Ergebnisse erziele ich, wenn ich bereit bin mich zu öffnen und zu fühlen. Die jeweilige Stimmung, Arbeitsbereitschaft, den richtigen Augenblick für eine neue Lektion, das Bedürfnis nach Sicherheit, einer Ruhepause, Krauleinheit.
Kann ich das fühlen und bin bereit darauf einzugehen, wird eine gute Beziehung entstehen und die Entwicklung positiver verlaufen.
Manche sind begabter als andere, haben eine bessere Intuition, sind emphatischer usw.
Ob es da den Begriff "spirituell" braucht? Keine Ahnung, für mich nicht unbedingt.
Wenn ich Musik so intensiv fühle, das mit Glückstränen über das Gesicht laufen.
Wenn ich einen Flüchtling ohne helfende Betreuung beim Versuch Grundnahrungsmittel einzukaufen an der Kasse stehen sehe, Centstücke ohne Sprachkenntnisse hinlegend und die Kassiererin den Kopf schüttelt. Dann berührt mich das. Dann frage ich nach und lege diese fehlenden 2 Euro dahin, weil ich gar nicht anders kann. Ich will und kann da nicht einfach wegsehen.
Gefühle.
Wer das spirituell nennen muss, für den sind dann wirklich alle Menschen spirituell.
Für mich sind einfach alle Lebewesen fühlende Lebewesen.
Die Ruhe in der Natur fühle ich auch. Ein wohltuendes, den Kopf freimachendes Gefühl.
Nach der Interpretation einiger hier spirituell.
Ein Furz kann befreiende Gefühle auslösen. Ist dann auch spirituell.
Interessant ist auch diese Suche nach dem Sinn des Lebens. Die wiederkehrende unterschwellige Unterstellung, wer anderer Ansicht sei, hätte diesen nicht gefunden und sei depressiv oder es ginge ihm schlecht.
Für andere kann ich nicht sprechen, doch ich mag mein Leben (natürlich nur, weil es so viel leichter ist als andere und alles gelutscht, wurde mir ja bereits erklärt).
Ich sehe es auch keineswegs als sinnfrei oder sinnlos an.
Probleme erfolgreich meistern, Kinder erziehen, "schwierigen" Tieren eine Chance ermöglichen,
sich im Beruf mit seinen Fähigkeiten einbringen, für Freunde da sein, das Leben genießen und Spaß haben, leiden wie ein Schwein und gestärkt daraus hervorgehen, einen Tautropfen auf einen Blatt in der Sonne glitzern sehen - all diese Dinge und noch viel mehr bietet ein Leben.
Wonach müsste ich da suchen?
Ich muss es doch nur annehmen, egal ob es gerade knüppelhart oder wunderschön oder irgendetwas dazwischen ist.
Das ist nichts religiöses, nichts spirituelles, keine Verbindung aus beiden - das ist schlicht und einfach Leben.
Mal mit purer Erschöpfung und mal mit Neugierde darauf.
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10.07.2016, 10:08
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
PFUI! Genau das nervt so.
Ich kenne etliche Beispiele aus erster Hand, in denen Seelsorger (per Definition kirchlich) anderen Krisenhelfern (PSNV, oft unkonfessionell) grundsätzlich (!) die Fähigkeit absprechen, gut helfen zu können. Umgekehrt habe ich solche Häme von unkonfessionellen Helfern noch nie gehört. Wo mangelt es jetzt an Respekt?
Auch bei dir, Bae, lese ich diese Selbstherrlichkeit und Respektlosigkeit aus vielen deiner Zeilen. Besonders christlich finde ich das nicht. Die Abwertung anderer Lebenskonzepte ist eigentlich sogar ein ziemlich böses Übel.Garstige Bratkartoffeln! (Gollum)
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10.07.2016, 10:13
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
Bevor ich weiterlese:
Dieses immer wieder so vereinfachende "zieh dir den Schuh nicht an", "schadet dir ja nicht", fällt da eigentlich niemandem auf, wohin so eine Haltung führen kann, was das bedeuten kann?
Es wird quasi gefordert, wegzuhören und wegzusehen. Hier wissen wohl alle, wohin genau dieses Verhalten führen kann.
Kann das richtig sein?
Soll die Menschheit ernsthaft alles, was behauptet wird, so hinnehmen und schön stillschweigend akzeptieren? Weil "man sich den Schuh ja nicht anziehen müsse"? Weil "einem ja nicht schadet"?
Es schadet mir auch nicht, wenn z. B. meine Nachbarn ihr Kind schlagen oder psychisch misshandeln. Gut, höre und sehe ich doch einfach weg.
Es schadet mir nicht, wenn Ausländer in einem Geschäft diskriminierend behandelt werden. Höre und sehe ich weg, betrifft mich persönlich ja nicht.
Hier werden aber sogar Dinge in den Raum gestellt, die einen Schritt weiter gehen: etwas, was angeblich für JEDEN gültig ist, betrifft damit dann auch MICH.
Wenn ich mich dem nicht zugehörig fühle, darf, sollte ich das auch laut aussprechen.
Ich würde mich nicht mit rechten Gedankengut in Verbindung bringen lassen. Wenn jemand daherkäme und behaupten würde, JEDER, ALLE sieht etwas so, würde ich mich dagegen verwahren.
Und um welches Thema es auch gehen mag - werde ich ungefragt in einen Topf geworfen, in dem ich nicht schwimmen mag, schadet mir das sehr wohl. Völlig unberührt lässt das niemanden, es löst eine Reaktion aus. Stört unnötig. Das genügt, um als schädigend betrachtet zu werden.
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10.07.2016, 10:13
AW: Jeder Mensch hat eine spirituelle Ader?
ist mir nie aufgefallen, dass das so sei. Hast du Belege, Beispiele dafür?
Es bleibt die Frage, woran man "wichtige Werte" erkennt und wie man sie von unwichtigen oder gar schädlichen, schlimmen, bösen Werten unterscheidet?Und ein Leben nach für eine funktionierende Gesellschaft wichtigen Werten, welche man bestenfalls so verinnerlicht hat, dass dies selbstverständlich ist.
Intuition und Empathie ist nicht dasselbe wie Spiritualität.Manche sind begabter als andere, haben eine bessere Intuition, sind emphatischer usw.
Ob es da den Begriff "spirituell" braucht? Keine Ahnung, für mich nicht unbedingt.
Gerade Menschen mit grosser Empathie und Intuition dürften häufiger Sinnkrisen (=Spiritualitätsmangel) erleben als andere, da sie "zwischen den Zeilen" fühlen und so auf Widersprüche und Konflikte stossen, die andern womöglich gar nicht auffallen.
Eben - du hast Sinn in deinem Leben, dir geht es gut.Interessant ist auch diese Suche nach dem Sinn des Lebens. Die wiederkehrende unterschwellige Unterstellung, wer anderer Ansicht sei, hätte diesen nicht gefunden und sei depressiv oder es ginge ihm schlecht.
Für andere kann ich nicht sprechen, doch ich mag mein Leben (natürlich nur, weil es so viel leichter ist als andere und alles gelutscht, wurde mir ja bereits erklärt).
Ich sehe es auch keineswegs als sinnfrei oder sinnlos an.
Spiritualität meint ja lediglich die Tatsache, dass ein Mensch sein Leben als sinnvoll empfindet; das ist nicht eine Aussage darüber, wie genau diese Sinnzuschreibung gestaltet ist.
Da du offenbar reichlich Sinn in deinem Leben hast: nach gar nichts.Probleme erfolgreich meistern, Kinder erziehen, "schwierigen" Tieren eine Chance ermöglichen,
sich im Beruf mit seinen Fähigkeiten einbringen, für Freunde da sein, das Leben genießen und Spaß haben, leiden wie ein Schwein und gestärkt daraus hervorgehen, einen Tautropfen auf einen Blatt in der Sonne glitzern sehen - all diese Dinge und noch viel mehr bietet ein Leben.
Wonach müsste ich da suchen?
ob "nur" ein passender Begriff ist zur Beschreibung eines Prozesses, der ja doch oft schwierig und schmerzhaft ist...?Ich muss es doch nur annehmen,
Es ist ja keineswegs so, dass Spiritualität und Leben Gegensätze seien, oder einander ausschlössen, so wie dieser Satz hier impliziert. Spiritualität ist Lebenskunst. und nicht Elfenbeinturm oder Weltflucht.Das ist nichts religiöses, nichts spirituelles, keine Verbindung aus beiden - das ist schlicht und einfach Leben.
gruss, barbara



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