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  1. Registriert seit
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    Den Glauben verloren!

    Hallo! Ich weiß nicht, ob das hier hingehört, aber ich versuche es einfach mal. Da ist ein Thema, dass mich seit Jahren beschäftigt und ich habe noch nie darüber gesprochen.

    Ich habe meinen Glauben an Gott, an eine höhere Macht - dass immer alles einen Sinn hat - verloren und seitdem quält mich eine schlimme Sinnkrise, Angst und Hoffnungslosigkeit. Als würde ich ständig trauern. Diese Gefühle sind mal stärker, mal schwächer ausgeprägt, je nach Verfassung. Der Flugzeugabsturz vor ein paar Tagen, aber auch andere Unglücke – besonders, wenn Kinder betroffen sind - , lassen diese verzweifelten Gefühle immer wieder in mir aufflammen. Dabei will ich so gerne glauben. Kann es aber nicht mehr.

    Ich hatte keine angenehme Kindheit und der Glaube an Gott hat mir damals sehr geholfen. Ich betete jeden Abend und fühlte mich nicht allein, habe mir vorgestellt, wie Gott über mich und meine Lieben wacht und eine schützende Hand über alle legt. Das beruhigte mich so sehr und half mir, schwierige Situationen zu meistern! Meine Eltern nahmen meine Ängste dagegen nie sonderlich ernst, verspotteten sie sogar, aber „mein“ Gott nahm sie ernst. Er war immer für mich da. Wie eine Zuflucht.

    Dann hat Gott mich verlassen bzw. der Glaube an ihn und seitdem fühle ich mich alleine und hilflos.

    Jetzt weiß ich: Da ist niemand! Ich bin allein auf diese Welt gekommen und werde sie auch wieder alleine verlassen.

    Das mag für einige vielleicht verrückt klingen, besonders für Menschen, die noch nie an einen Gott geglaubt haben. Mich macht das aber sehr fertig. Weil ich gerne an Übersinnliches glauben möchte. Ich werde irgendwann sterben und dann kommt da nichts mehr. Das war's! Keine neue Chance mehr, keine Wunder.

    Ich wünschte, ich würde nicht so viel wissen. Der Glaube an etwas, ist angenehmer.

    Der Beitrag ist genauso sinnlos, aber ich wollte diese Gedanken heute einfach mal los werden. Vielleicht kann mich ja jemand verstehen, weil er Ähnliches durchgemacht hat? Wenn nicht, ist aber auch nicht schlimm.


  2. Registriert seit
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    AW: Den Glauben verloren!

    Zitat Zitat von Berlioz32 Beitrag anzeigen
    Hallo!

    Ich weiß nicht, ob das hier hingehört, aber ich versuche es einfach mal. Da ist ein Thema, dass mich seit Jahren beschäftigt und ich habe noch nie darüber gesprochen.

    Ich habe meinen Glauben an Gott, an eine höhere Macht - dass immer alles einen Sinn hat - verloren und seitdem quält mich eine schlimme Sinnkrise, Angst und Hoffnungslosigkeit. Als würde ich ständig trauern. Diese Gefühle sind mal stärker, mal schwächer ausgeprägt, je nach Verfassung.



    Dann hat Gott mich verlassen bzw. der Glaube an etwas und seitdem fühle ich mich alleine und hilflos.

    Jetzt weiß ich: Da ist niemand! Ich bin allein auf diese Welt gekommen und werde sie auch wieder alleine verlassen.

    Das mag für einige vielleicht verrückt klingen, besonders für Menschen, die noch nie an einen Gott geglaubt haben. Mich macht das aber sehr fertig. Ich wünschte, ich würde nichts zu viel wissen.
    Der Glaube an etwas, ist angenehmer.

    Der Beitrag ist genauso sinnlos, aber ich wollte diese Gedanken heute einfach mal los werden. Vielleicht kann mich ja jemand verstehen, weil er Ähnliches durchgemacht hat? Wenn nicht, ist aber auch nicht schlimm.
    Hallo Berlioz

    Du bist nicht allein ... mit dem verlorenen Glauben.

    Mir geht es ebenso ...ich weiss nicht, an was ich noch glauben würde wollen ... ?
    Das, was du schreibst, könnte ich geschrieben haben und viele andere auch, die geglaubt haben und irgendwann den Glauben verloren haben, durch was auch immer.

    MIT Glauben an etwas oder "irgendjemanden" war mir leichter ums Herz ...

    Ich bin traurig, dass ich nicht mehr glauben kann ...

    Vielleicht bin ich ver-rückt durch ein Geschehnis, vielleicht ist es aber auch der Lauf eines "bestimmten" Lebensabschnittes, dass sich etwas in einem ent-wickelt, was auch "ohne Glauben" ausgehalten sein muss?

    Ich weiss es nicht.
    Was sind wir?
    "Die verlorenen Kinder Christi?"

    Lieben Gruss

    Lyanna


  3. Registriert seit
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    AW: Den Glauben verloren!

    Das hab ich grad gehört, und ich finde, es passt hierher:

    Für diejenigen, die glauben, ist kein Beweis nötig.
    Für diejenigen, die nicht glauben, ist kein Beweis möglich.

    (Stuart Case)

    und:

    Das Leben ergibt keinen Sinn -
    es ist eine sinnliche Erfahrung.

    Dem stimme ich derzeit zu!



  4. Registriert seit
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    AW: Den Glauben verloren!

    Vor sehr vielen Jahren fielen mir Bücher über den Buddhismus in die Hände und haben mir ein ganz neues Bild von "Göttlichkeit" geben können- vielleicht wäre das ein Weg für Dich?

    ich glaube, dass es aber grundsätzlich um das Gefühl von Anbindung geht- dazu zu gehören - ein Teil sein von.......wir sprechen hier von einem tiefen Grundbedürfnis, welches beantwortet werden will.

    Wie verbunden fühlst Du Dich mit.......
    Dir selber?
    Deiner Familie?
    Deinen Freunden und Arbeitskollegen?

    Ist es nur eine Frage des Glaubens?
    wenn wir in die Elemente-liste der Chemie schauen (Periodensystem) - dann besteht ALLES aus diesen 118 Grundelementen!
    Ganz wissenschaftlich......wir sind alle miteinander verbunden- wir sind alle aus "demselben SToff".
    Und je mehr man sich mit dem Menschen befasst desto deutlicher kann werden, wie sehr wir alle miteinander verbunden sind- aufeinander reagieren und auf dieser Welt mal definitiv nicht wirklich alleine sind-- gar nicht sein können!
    Man mag sich so fühlen- aber schon rein rational, ist es nicht so.

    Was einen Gott angeht- so übersteigt es natürlich jeden Geist........ab hier geht es nur noch um Glauben, denn es fehlt der Beweis.
    Wie man diesen Glauben niemandem anreden kann- kann man ihn Menschen abreden.....es geht um eine Dimension, die unseren Verstand übersteigt.

    Die Frage ist doch eher- was bringt Dir dieser Glauben?
    Das Gefühl von......??
    Was bedeutet das für Dein Leben- Deinen Alltag? Was ist jetzt anders als vorher?

    Wir durchleben in unserem Leben viele unterschiedliche Phasen und bekommen dabei die Chance sehr viel über uns oder das Leben allgemein zu lernen.
    Ich glaube Dir, dass diese Zeit nun sehr schwierig ist, denn es fehlt Dir Orientierung.
    Du kannst in dieser Zeit aber auch die Herausforderung erkennen, dass Du auf dem Weg bist und Orientierung suchst......es geht um neue Wege- neue Richtungen.
    Wie oft ist man aus der Kindheit- unreflektiert- einfach in den Glauben hinein getreten und dann kommt irgendwann das eigene Denken? Womit dann auch die alten Denkmuster nicht mehr passen, erneuert werden müssen.

    Erst die unguten Gefühle bewegen den Menschen nachzudenken- anzusehen- zu reflektieren- auf neue Wege zu zugehen.
    Es ist schlimm aber offensichtlich will ein Anteil in Dir auch das, was bisher gegolten hat, nicht mehr einfach so annehmen.......letztlich doch ein guter Forscherdrang in Dir, der sich orientieren will.

    Oft ist es so.......wir haben ein Schema und nach dem wird gelebt.......dann wendet sich wie ein Teil in uns ab und wir registrieren das erschreckend......dann werden alle Bemühungen verstärkt um in das alte Fahrwasser zu kommen......-- statt einen Schritt zurück zu treten und über ganz neue Wege nachzudenken!
    Bedeutet: die Gedanken in diese Richtung einmal ruhen zu lassen und den Focus woanders hinlegen.
    Je mehr wir das Zentrum, was wir als Antwort wollen, vor uns verschwimmen lassen desto schneller wird es uns klar.

    Bei aller Verzweiflung, die Du evtl spürst-- was ist das Gute an dieser Situation?

    lg kenzia

  5. Inaktiver User

    AW: Den Glauben verloren!

    Ich bin Buddhistin einen Gott gibt es für mich nicht. Aber es gibt für mich als getaufte Christin ein Leben nach dem Tod - wie immer dies aussehen mag. Als Buddhistin glaube ich meine Seele durchlebt viele Leben bis zur Erleuchtung..

    Wie auch immer - in deinem Zustand würde ich dir ein Ehrenamt empfehlen - im Altenheim, Kinderheim, Opferbetreuung, Flüchtlingshilfe - es gibt genug zu tun..

    Ein wenig mehr Demut und Dankbarkeit für das was du hast.....

    Sabadi

  6. Avatar von Amelie63
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    AW: Den Glauben verloren!

    ich bin katholisch erzogen worden und meine Religiosität hat sich im Laufe des Erwachsenenlebens in die Richtung, die Kenzia auch beschreibt gewandelt: in eine Art Verbundenheit. Nur dass bei mir das von den Naturreligionen angestoßen wurde. Und von meinen Erfahrungen in der Körper- und systemischen Therapie, in denen der Energiefluss eine entscheidende Rolle spielt.

    Unsere Religosität muss vielleicht genauso erwachsen werden wie wir selbst. Dieser Gott, den wir als mehr oder weniger behütete Kinder präsentiert bekamen, ist oft nur tauglich, uns in der Rolle der unmündigen Kinder zu halten. Das ist die Folge der institutionalisierten Religion. Frag dich mal, wer davon profitiert, wenn wir so unterwegs sind.

    Zweifel an der göttlichen Gerechtigkeit spiegeln zudem lediglich unser eigenes Wertesystem wieder. Wir sind Menschen und müssen daher alles in gut und schlecht usw kategorisieren. Aber das ist eine menschliche Eigenart, um sich in unserer komplexen Welt zu orientieren. Solche Medienereignisse wie der Flugzeugabsturz verursachen bei uns daher schnell einen Tunnelblick. Die Welt ist generell nicht gerecht, nicht in dem Sinn, wie wir Gerechtigkeit verstehen.

    Wer an einen Himmelvater glauben will, der von außen bzw von oben alles lenkt, der wird zwangsläufig immer wieder enttäuscht werden bzw seinen Glauben dermaßen fundamentalisieren müssen, damit auch ja keine Erschütterung kommen kann. Wohin das führt, das sehen wir ja bei entsprechenden Gestalten sämtlicher Religionslager immer wieder. Es ist sicher auch kein Zufall, dass diese Kräfte wieder erstarken, in der Zeit der Globalisierung, in der die Welt immer komplexer wird.

    Gegen Glaubensverlust hilft, meiner Erfahrung nach, am besten ein kritischer Umgang mit den institutionalisierten Formen von Religion. Und etwas Inspiration aus anderen Religionen/Philosophien, wie man die Welt sonst noch sehen kann... Im Grunde hilft eigentlich alles, was den Blick über die eigene Suppenschüssel, in der man schwimmt, hebt.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  7. Avatar von Wiesenblume
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    AW: Den Glauben verloren!

    Hallo und guten Morgen,
    ich bin über diesen Strang gestolpert und erinnerte mich wieder an eine Klassenarbeit, die ich im Fach kath. Religion in der Oberstufe abgebenen habe. Das Thema war sinngemäß "Was ist Gott den Menschen?"

    Zunächst wusste ich dazu nichts wirklich Gutes und Stimmiges zu schreiben.

    Dann plötzlich traf es mich wie ein Blitz und die Erkenntnis trägt mich ungelogen noch heute durch die Höhen und Tiefen meines Lebens:

    Gottvertrauen bedeutet für mich, dass Gott Vertrauen in uns Menschen hat. Er hat uns erschaffen (ob nun tatsächlich oder im übertragenen Sinne) und uns in die Welt entlassen im Vertrauen, dass wir auf uns und unsere Nächsten achten werden. Er mag über uns wachen, aber wir hängen nicht als Marionetten an seinen Spielfäden. Er ist für uns da, nimmt uns aber unsere Entscheidungen nicht ab. Manches Mal geht das gut, manches Mal endet es in einer Katastrophe. Es ist wie ein Auftrag für uns, es gut zu machen und achtsam zu sein. Das gelingt uns Menschenkindern dann mal mehr und mal weniger gut. Aber Gott vertraut in uns, dass wir es schaffen werden, die Welt oder doch zumindest unser direktes Umfeld zu einem guten, einem besseren Ort zu machen.

    Es ist der Auftrag - dem kann ich mich nicht mit dem Verweis "Gott hat das (nicht) zugelassen" entziehen.


    Hilft Dir diese Sichtweise?


  8. Registriert seit
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    AW: Den Glauben verloren!

    @Bergwiese - das ist ja eine tolle Sichtweise.

    Ich habe "Gottvertrauen" immer als "auf Gott vertrauen" verstanden, es mal umzudrehen ist spannend.

  9. Moderation
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    6.572

    AW: Den Glauben verloren!

    Auch ohne Götterglauben ist man eigentlich nie allein. Wir sind Teil einer Sippe, Teil einer Spezies, Teil dieses fantastischen Ökosystems namens Erde. Ich meine, es war Natalie Angier, die schrieb, dass ihre Kinder, ohne Götter aufgewachsen, den Energieerhaltungssatz tröstlich fanden: wir alle sind Teil dieses einen, unendlich wandlungsfähigen Klumpens Energie, der beim Urknall freigesetzt wurde. Nichts kommt hinzu, nichts geht verloren.

    Ich persönlich finde den Eindruck der Unwichtigkeit schön. Ich bin nur ein winziger Krümel in einem riesigen System, das nichts von mir erwartet als einfach nur zu existieren.


  10. Registriert seit
    28.08.2013
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    AW: Den Glauben verloren!

    Zitat Zitat von Berlioz32 Beitrag anzeigen
    Dann hat Gott mich verlassen bzw. der Glaube an ihn und seitdem fühle ich mich alleine und hilflos.

    Jetzt weiß ich: Da ist niemand! Ich bin allein auf diese Welt gekommen und werde sie auch wieder alleine verlassen.
    Kennst du das Gedicht "Spuren im Sand" von Margaret Fishback Powers? Es kam mir in den Sinn, als ich deinen Beitrag las.

    Spuren im Sand

    Eines Nachts hatte ich einen Traum:
    Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
    Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
    Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
    Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
    meine eigene und die meines Herrn.
    Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
    war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
    daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
    zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
    Zeiten meines Lebens.

    Besorgt fragte ich den Herrn:
    "Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
    mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
    Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
    meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
    Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
    meisten brauchte?"

    Da antwortete er:
    "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
    allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
    Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
    da habe ich dich getragen."

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