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Thema: Evangelikale

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    AW: Evangelikale

    Zitat von AuchDa
    Dass sich Lebenswege kreuzen, auseinandergehen und Menschen andere Interessen entwickeln liegt in der Natur der Sache.
    ...
    Und letztlich verbleibt von einer lebendig gelebten/erlebten Freundschaft aus Kindertagen nur ein "es war einmal"...., und nicht, weil es halt so geworden ist, sondern weil diese Glaubensgruppe dieses Abspalten bewusst so inkauf nimmt.

    In diesem Fall sind eben die Evangelikalen das Interesse deiner Freundin und deren Abschottungsnetz die Natur der Sache. Wenn die Freundin es so will, ist es gut, und wenn sie sich eines Tages bei Dir wieder meldet, ist es auch gut. Reisende soll man nicht aufhalten. Du darfst ihr das nicht verübeln. Eines Tages wendest Du Dich vielleicht selber anderen Interessen zu, dann würde es Dir auch nicht gefallen, wenn Dich jemand davon abbringen möchte. Wenn es auch schmerzt, laß' deine Freundin ihren Weg gehen. Mach' Dir nichts daraus, steh' darüber. Es ist halt so!


    LG Ken

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    AW: Evangelikale

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Denn ich kenne es auch so von christlichen Gruppen. Ist man drin in Hauskreisen etc, wird man von jedermann freundlich gegrüßt, steigt man aus, weil man vielleicht mit anderem viel um die Ohren hat, ist man auch draußen. Es entwickeln sich andere soziale Bezüge, ein anderes soziales Netzwerk. Endet diese Zeit, steht man oft allein da. Aber das sieht deine Freundin jetzt sicher noch nicht. Jetzt ist sie mittendrin in diesem Kreis, der ihr bestimmt viel gibt.
    Ich weiss, dass es diese Hauskreise auch bei anderen Glaubensrichtungen gibt. Das ist aber nur eine Facette dieser Abgrenzung der Mitglieder von deren bisherigen "normalen" langjährigen Wegbegleiter.

    Mir geht es nicht um das "brauchen", sondern um den unschätzbaren Wert einer gemeinsamen Geschichte,
    ähnlich wie in grossen Familiengeflechten. Dass dies nun nicht nur an den Rand gedrängt wurde, sondern
    in naher Zukunft tempi passati sein soll, das schmerzt sehr.

    Zitat Zitat von ken.senior Beitrag anzeigen
    Reisende soll man nicht aufhalten. Du darfst ihr das nicht verübeln. Eines Tages wendest Du Dich vielleicht selber anderen Interessen zu, dann würde es Dir auch nicht gefallen, wenn Dich jemand davon abbringen möchte
    Ich möchte sie nicht von abbringen, das liegt mir fern. Aber es ist nicht ein Interesse, sondern eine Religion,
    die bisherige Verbindungen kappt. Ich bin momentan noch das letzte Überbleibsel aus ihrem ehemaligen Leben. Momentan noch....

    Mir machen solche Freikirchen mit ihren Methoden, die einer Art Gehirnwäsche gleichen eher Gruselgefühle.

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    AW: Evangelikale

    Liebe Auchda,

    ich kenne es nicht so wie du, sondern von der "anderen Seite" her. Ich komme aus so einem evangelikalen Hintergrund. Freundschaften mit Ungläubigen sind aus deren Sicht letztlich nicht möglich, es sei denn zum Zweck des Missionierens. So kenne ich es jedenfalls.

    Entsprechend musste ich mein gesamtes soziales Umfeld aufgeben, als ich dort raus gegangen bin.

    Wenn ich du wäre, würde ich mir Sorgen um sie machen. (Und wahrscheinlich macht sie sich Sorgen um dich, aus dem Weltbild der Gemeinde heraus).

    Dir als Nichtgläubiger wird eine nahe Freundschaft irgendwann auch nicht mehr möglich sein, schon alleine von dir aus. Man kann als freier Mensch nicht mit solch unfreien Menschen vertraulich zusammen sein, ist meine Erfahrung. Ich kann sie im Grunde nicht mehr ernst nehmen. Sie sind für mich verloren, ich bin für sie gestorben, und man bedauert sich gegenseitig.

    Ich weiß gar nicht, ob du hier überhaupt einen Tipp willst, aber meiner wäre: Bleib einfach in ihrer Nähe. Wende dich nicht ab, aber erwarte nichts mehr, such nichts mehr. Zeig nur, dass du erreichbar bist für ihr altes Ich. Falls es je nochmal auftaucht. Sollte sie mal wieder da weg kommen, wird sie heilfroh sein, ihre alte Freundin Auchda noch vorzufinden.

    Ich hatte gar nicht die Gelegenheit, eine solche Freundin zu haben (weil ich von Kindheit an drin war und erst als Erwachsene rauskam). Aber hätte ich so eine gehabt und sie wäre in der Zeit der Loslösung da gewesen, sie wäre sooo wichtig gewesen.

    Alles Gute!

    Kardamom

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    AW: Evangelikale

    PS: Was mich ja auch beschäftigen würde: Möchtest du nicht als enge Freundin irgendwie versuchen, sie aufzuhalten, dass sie nicht völlig dort entschwindet? Allerdings weiß ich von früher, dass solche Aktionen nur dazu führen, dass die Gemeinde sich enger um sie schart und sie noch fester bindet. Das wird als "Versuchung" oder "Prüfung" betrachtet, die sie im Glauben nur stärken wird, wenn sie ihr nach Vorschrift widersteht.

    Trotzdem. Ich würde ihr Sachen sagen wie: Ich vermisse dich. Ich mache mir Sorgen. Ich kenne dich nicht wieder. Du fehlst mir.
    Damit sie sie mal gehört hat und merkt, sie ist dir nicht egal, und es gibt jemanden, der sich an ihr altes Ich erinnert und daran hängt.

    Jedenfalls wäre ich nicht umfassend tolerant, wenn jemand sich in so einer Sache verliert und mir läge an ihm.

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    AW: Evangelikale

    Zitat von AuchDa:
    Aber es ist nicht ein Interesse, sondern eine Religion ...
    AuchDa,

    Du willst es einfach nicht wahr haben!
    Deine Freundin hat Interessa an Religion. Würde sie das Religiöse nicht interessieren, wäre sie mit diesen Leuten nicht zusammen. Diese Art von Religion interessiert sie mehr als eure Gemeinsamkeiten. Das ist wie in der Liebe, eine Person ist in die andere verliebt, die andere erwidert die Liebe nicht, da läßt sich nichts retten, es sei denn ein Meinungsumschwung. Kardamon hat gut beschrieben, wie es in diesen Hauskreisen läuft.
    Du machst Dich selber unglücklich, wenn Du Dich in diese Sache verbeißt.


    LG Ken

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    AW: Evangelikale

    Zitat Zitat von Kardamom Beitrag anzeigen
    Liebe Auchda,

    ich kenne es nicht so wie du, sondern von der "anderen Seite" her. Ich komme aus so einem evangelikalen Hintergrund. Freundschaften mit Ungläubigen sind aus deren Sicht letztlich nicht möglich, es sei denn zum Zweck des Missionierens. So kenne ich es jedenfalls.

    Entsprechend musste ich mein gesamtes soziales Umfeld aufgeben, als ich dort raus gegangen bin.

    Wenn ich du wäre, würde ich mir Sorgen um sie machen. (Und wahrscheinlich macht sie sich Sorgen um dich, aus dem Weltbild der Gemeinde heraus).

    Dir als Nichtgläubiger wird eine nahe Freundschaft irgendwann auch nicht mehr möglich sein, schon alleine von dir aus. Man kann als freier Mensch nicht mit solch unfreien Menschen vertraulich zusammen sein, ist meine Erfahrung. Ich kann sie im Grunde nicht mehr ernst nehmen. Sie sind für mich verloren, ich bin für sie gestorben, und man bedauert sich gegenseitig.

    Ich weiß gar nicht, ob du hier überhaupt einen Tipp willst, aber meiner wäre: Bleib einfach in ihrer Nähe. Wende dich nicht ab, aber erwarte nichts mehr, such nichts mehr. Zeig nur, dass du erreichbar bist für ihr altes Ich. Falls es je nochmal auftaucht. Sollte sie mal wieder da weg kommen, wird sie heilfroh sein, ihre alte Freundin Auchda noch vorzufinden.

    Ich hatte gar nicht die Gelegenheit, eine solche Freundin zu haben (weil ich von Kindheit an drin war und erst als Erwachsene rauskam). Aber hätte ich so eine gehabt und sie wäre in der Zeit der Loslösung da gewesen, sie wäre sooo wichtig gewesen.

    Alles Gute!

    Kardamom
    Ach Kardamon, genau so ist es. Du bist absolut hilfreich für mich, weil du eben auf der anderen Seite warst.
    Das ist etwas, was mir guttut zu lesen. Du bist sogar mit aufgewachsen.

    Bei meiner Freundin war die Situation eine andere, sie hatte den "Roten Faden" nicht im Leben und ihr Mann gab ihr auch nicht die Stärke, die sie brauchte. Sie war eine "normale" Gläubige.

    Und ich machte mir anfänglich um sie Sorgen, weil ich die Strukturen dieser Gemeinschaften kenne. Das liess sich aber nicht aufhalten und schon zu Beginn sagte ich ihr, dass wir das Thema Religion aussen vor lassen müssen, wenn wir weiterhin befreundet sein wollen. Sie war so naiv bei all dem, dass ich sie sogar aufklärte, dass dies eine missionierende Freikirche ist.

    Mir liegt an dieser gemeinsam verbrachten Kindheit und dieser Vertrautheit. Und gerade deshalb tut es so weh, weil ich weiss, dass sich dies nicht mehr so leben lässt wie all die Jahrzehnte. Mir ist dies bewusst, nur sie erkennt dies nicht, aber lebt schon danach.

    Und du hast recht kardamon, wenn du sagts, mir bleibt auf lange Sicht gesehen nichts übrig, als Dazusein, wenn sie sich je von all dem lossagen sollte. Nur wird dies nicht geschehen, so wie ich den Verlauf der letzten Jahre erlebt habe. Und das zu fühlen, das zu akzeptieren fällt mir enorm schwer.

    Zitat Zitat von Kardamom Beitrag anzeigen
    Jedenfalls wäre ich nicht umfassend tolerant, wenn jemand sich in so einer Sache verliert und mir läge an ihm.
    Wie meinst du das?

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    AW: Evangelikale

    Ich möchte sie nicht von abbringen, das liegt mir fern.
    Ich meinte diesen Satz. Den würde ich hinterfragen bzw. ich würde den in dieser Situation nicht so sagen können. Warum liegt es dir fern, sie wieder zurück in ein normales Leben holen zu wollen? Da ist für mich zuviel falsch verstandene Toleranz und Respekt dabei - ich meine, du siehst zu, wie sie in dieser schrecklichen Welt verschwindet und ihr eigenes Ich abgibt.

    Dass das etwas ganz anderes ist als ein Hobby oder ein Interesse, ist ja wohl klar (dies nur kurz zu Kens Punkt). Es ist eine Hingabe des eigenen Selbst, das berührt alle Bereiche, geht viel tiefer als ein Interesse.

    Sie sollte zumindest wissen, wie gefährlich du das findest. Ich würde es dringend machen, wenn ich sowas erleben würde mit einer Freundin, ich würde ihr zeigen, wie alarmiert ich bin.

    Deshalb glaube ich auch nicht, dass es funktioniert, den Bereich Religion zu umschiffen. Das geht für jemand, der in so einer Gemeinde gelandet ist, eigentlich gar nicht.

    Aber was stattdessen tun? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich glaube ja, wie gesagt, nicht, dass Reden hilft. Gibt es noch mehr Freunde, die ebenfalls besorgt sind? Wie verhält sich ihr Mann?

    Dass sie einen roten Faden gesucht hat und nun dort Halt findet, passt ins Bild. Für mich sind diese Gläubigen dort alle Menschen, die nicht gut freihändig in dieser Welt leben können, sondern Halt brauchen. Den kriegt man sehr angenehm in so einer Gemeinde und auch mit dem Glauben. Es ist ein tolles soziales Netz. Das zugleich festhält und fesselt. Das Gute für diese Leute ist ja auch: Sie machen alles richtig! Sie sind gerettet über ihren Tod hinaus und bis dahin sind sie auf der sicheren Seite und kriegen genau gesagt, was gut und böse ist.

    Also, ich fürchte, du kannst nichts machen, außer eine klare Ansage, wie alarmierend du das findest, und danach: In der Nähe bleiben, erreichbar bleiben, da sein, wenn sie es braucht. Ein Fenster zur normalen Welt bieten.

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    AW: Evangelikale

    Zitat Zitat von Kardamom Beitrag anzeigen
    Gibt es noch mehr Freunde, die ebenfalls besorgt sind? Wie verhält sich ihr Mann?
    Das ist ja das Problem. Ich bin die letzte, die noch aus der Welt von früher da ist. Das hat sich sukzessive
    entwickelt, alle anderen sind schon "abgestossen" worden, da gibt es niemand mehr ausser mir, der noch
    anders denn die Gemeindemitglieder tickt.

    Und der Mann, der driftet ebenfalls da rein. Er ist ja keine starke Schulter zum Anlehnen und das war deshalb einer der vielen Gründe, weshalb die sie gekriegt haben. Ihr Mann geht auch dorthin, sei aber "noch nicht soweit", so ihre Aussage auf meine Frage zu ihm.

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    AW: Evangelikale

    Zitat Zitat von Kardamom Beitrag anzeigen
    Warum liegt es dir fern, sie wieder zurück in ein normales Leben holen zu wollen? Da ist für mich zuviel falsch verstandene Toleranz und Respekt dabei - ich meine, du siehst zu, wie sie in dieser schrecklichen Welt verschwindet und ihr eigenes Ich abgibt.

    Deshalb glaube ich auch nicht, dass es funktioniert, den Bereich Religion zu umschiffen. Das geht für jemand, der in so einer Gemeinde gelandet ist, eigentlich gar nicht.

    Sie sind gerettet über ihren Tod hinaus und bis dahin sind sie auf der sicheren Seite und kriegen genau gesagt, was gut und böse ist.

    Also, ich fürchte, du kannst nichts machen, außer eine klare Ansage, wie alarmierend du das findest, und danach: In der Nähe bleiben, erreichbar bleiben, da sein, wenn sie es braucht. Ein Fenster zur normalen Welt bieten.
    Reden hilft nicht, habe ich leider auch erleben dürfen. Bin ein liberaler Mensch und lasse darum andere auch sein, wie sie meinen sein zu wollen. Zumindest versuche ich es.

    Darum wollte ich auch das Thema Religion ab dem Zeitpunkt aussen vor lassen. Durch ihre Lebensweise und die Veränderung aller Bereiche bei ihr, geht dies auf lange Sicht gesehen eben nicht (mehr).

    Ich werde das beherzigen, was du vorgeschlagen hast. Ihr sagen, dass ich da bin für sie. Mehr ist leider nicht machbar.

    Liebe Kardamon, auch wenn der Inhalt, den ich in keiner Weise bezweifle, deiner Beiträge, sehr frustrierend in der Aussage ist, haben sie mir enorm geholfen. Vielen herzlichen Dank hierfür!

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    AW: Evangelikale

    Alles Gute!

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