Ob etwas langweilig ist, hängt oft vom Betrachter und nicht unbedingt von der betrachteten Sache ab.
Insgesamt finde ich die Fragestellung merkwürdig. Als wenn es in Sachen Religion um die Bekämpfung der Langeweile geht!
Wer Kirche unter der Perspektive der Bespaßung betrachtet, sollte doch lieber zum Ballermann fahren oder Andrea Berg hören. Sorry!
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Thema: Kirche ist Langweilig?
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06.08.2014, 09:45
AW: Kirche ist Langweilig?
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06.08.2014, 10:00Inaktiver User
AW: Kirche ist Langweilig?
Hm mir wird da zuviel durcheinandergebracht:
Religion hat erstmal nichts mit der Institution Kirche zu tun, insofern aber doch weil die Kirchen die Deutungshoheit über die Religion für sich beanspruchen. Und da ist es schon entscheidend wie ich eine an sich lebendige Religion an den Mann, Frau und Kind bringe.
Denn auf meine Frage warum ich jeden Dienstag um 7 und Sonntags in die Kirche musste gabs als Antwort: Weil sich das so gehört, weil man sonst in die Hölle kommt, weil sonst der Gott böse ist und Dich bestraft.
Und dann sitzt in dieser Kirche und dann faselt da einer was von Erleuchtung, Buße und dem Licht Jesu Christi und ja das war für mich weder für den Alltag nützlich noch kraftgebend sondern öder, langweilig.
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06.08.2014, 12:29
AW: Kirche ist Langweilig?
Da ist was dran.

Da wären z.B. die Fürbitten. Ich bin der Meinung, dass die meisten Fürbitten viel zu abstrakt gehalten sind. Roman Herzog sagte mal, dass er so reden wolle, dass ihn jeder verstehe, also Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze..
Niemand würde normalerweise auf diese verschwurbelte Art um etwas bitten. Wenn die Leute aus der Kirche gehen, haben sie ja bereits vergessen, worum da gebeten wurde. Frag mal, wer sofort nach dem Gottesdienst auch nur zwei der Anliegen wiederholen könnte.
Es sollte - in einfachen Worten - für große Anliegen Fürbitten gemacht werden, aber auch die Anliegen der eigenen Gemeindemitglieder sollten mit einbezogen werden.
Ich erinnere mich an die Erzählung über einen Schulgottesdienst, wo die Kinder die Fürbitten gestalten sollten.
Eines der Kinder fragte, ob man nicht "um bessere Noten" bitten könne. Das wurde abgelehnt, mit der Begründung, es sollte etwas Wichtiges sein.
Für dieses Kind waren die Noten ein ständiger Kummer, es litt unter Prüfungsangst.
Als bei uns Maul- und Klauenseuche grassierte und die Bauern in großer Sorge waren, hätte ich eigentlich erwartet, dass eine der Fürbitten "Bitte bewahre unsere Tiere vor der Maul- und Klauenseuche" lautete, aber nein, nicht wichtig genug.
Wenn ich will, dass Menschen die Anliegen anderer Menschen für wichtig halten, sollten mir auch deren eigene Anliegen wichtig genug sein.Geändert von bertrande (06.08.2014 um 12:36 Uhr)
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06.08.2014, 16:20
AW: Kirche ist Langweilig?
Kirche mag langweilig sein. Gott ist niemals langweilig. Sein Wort ist lebendig und wir als seine Kinder sollten genauso lebendig, voller Glauben und dankbar sein. Kirche fängt für mich zu Hause an. Im Neuen Testament steht: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Ich glaube wir Christen brauchen wieder mehr Mut uns als Christen zu bekennen. Besonders in Europa.
Letzte Woche hatte ich Gelegenheit Pastor Surprise Sithole aus Südafrika zu erleben. Im Gegensatz zu seinem Verständnis Christ sein = sein Leben gehört absolut Jesus, ist unser europäisches Verständnis von Kirche und Christ sein jämmerlich.Aber es liegt an uns wie lebendig wir unsere Kirchen gestalten. LG
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06.08.2014, 16:43Inaktiver User
AW: Kirche ist Langweilig?
In einer baptistischen Kirche wird von Gemeindemitgliedern frei gebetet, d.h. es gibt im Gottesdienst eine Phase, in der die Mitglieder ihre Gebetsanliegen frei formuliert nennen dürfen. Wer mag sagt ein Dankgebet und bittet für etwas, was ihm am Herzen liegt. Das kann dann z.B. die Bitte um Schonung vor Maul- und Klauenseuche sein oder darum, dass die Angst vor Prüfungen von einem genommen werden. In so einer Kirche geht es ganz lebendig zu und niemand verbietet es, irgendein Thema, von dem jemand besonders ergriffen ist, zu nennen. Alles kann vor Gott gebracht werden, warum also nicht im Gottesdienst in der Zeit des Gebets.
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06.08.2014, 16:56
AW: Kirche ist Langweilig?
Wenn ich selbst Fürbitten schreibe, richte ich sie einerseits am Tagesevangelium aus, dann versuche ich sozusagen sowohl für die ganze Welt als auch für kleine Anliegen zu bitten. Manchmal fließt was ganz Persönliches ein, manchmal eher nicht.
Als das Evangelium mal darum ging, dass Josef überlegt, ob er die offenbar nicht von ihm schwangere Maria verlässt, hab ich eine Fürbitte für alleinerziehende Mütter und solche, die vor der Geburt von ihren Partnern verlassen wurden, formuliert
.
Es gibt schon Spielraum, man solte ihn aber eben auch nutzen. Und ich mag es nicht, wenn Fürbitten auschleßlich um die persönlichen Belange kreisen. Das gehört für mich ins persönliche Gebet. Das würde ich auch versuchen, einem Kind klar zu machen: es gibt das persönliche Gebet, wo alles zur Sprache kommen darf, und es gibt Fürbitte, wo man eher für andere Menschen und deren Anliegen bittet und nicht für seinen eigenen Kram. Maul- und Klauenseuche hätte ich hingegen wohl in irgendeiner Form aufgenommen, aber vielleicht global-galaktischer.
Kirche ist meist, was die Menschen vor Ort daraus machen, wie sehr sie sich einbringen, wie sie sich engagieren. Kirche ist ja nicht nur eine starre Hierarchie, sondern lebt ganz entscheidend vom Engagment des Einzelnen, auch wenn natürlich gerade Pfarrer viel kaputt machen können, indem sie Engagierte ausbremsen oder zumindest nicht fördern.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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06.08.2014, 18:24
AW: Kirche ist Langweilig?
Natürlich sollen sie nicht ausschließlich um persönliche Belange kreisen, aber eben auch mal "banalere" Ängste oder Sorgen miterfassen.
Hat nicht Jesus sogar bei der Hochzeit von Kanaan Verständnis gezeigt, als der Wein vorzeitig zur Neige ging?
Sind nicht die Gleichnisse im neuen Testament in erstaunlich einfacher und gut verständlicher Sprache geschrieben?
Doch, ich würde die Fürbitten genau so verfassen, wie Menschen reden und ich wünschte mir, dass für große Anliegen gebetet wird, aber auch für die durchaus realen Sorgen im "Kleinen", ob das nun die Panik vor den Noten oder die Angst der Bauern um ihre Herden ist oder dass auch mal konkret für die Patienten der Krebsklinik, die Bewohner des Altenheims, die Kinder im Kinderheim, für die Familie, deren Haus gerade abgebrannt ist, usw. gebetet wird.
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06.08.2014, 18:25
AW: Kirche ist Langweilig?
doppelt
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07.08.2014, 09:09
AW: Kirche ist Langweilig?
Wie gesagt, ich hätte kein Problem, das Anliegen einer ganzen Gemeinde wie Bewahrung vor Maul- und Klauenseuche mit aufzunehmen. Bei Anliegen, die einzelne Personen betrreffen, würde ich aber einen klaren Strich ziehen. Erstens sind die Fürbiten liiturgisch nicht so gedacht, und zweitens hätte ich Sorge, was ich da lostrete, wenn heute für Herrn Meyer gebetet wird, der schwerkrank im Krankenhaus liegt, morgen aber vergesse, Frau Müller zu erwahnen, der es ebenfalls nicht gut geht.
Und dann kommt der nächste, der will, dass für den krebkranken Freund gebetet wird .
Die Liturgie der katholischen Messe sieht diese Form der Fürbitten nicht vor, das mag man bedauern oder nicht, aber ich sehe schon einen Sinn darin. Es ist das Gebet der gesamten Gemeinde, und dann sollte auch die gesamte Gemeine wissen, wovon die Rede ist.
Ich meine das jetzt nicht gegen Dich, aber Langeweile entsteht auch da, wo die Leute sich weigern, sich auf die bestehende Liturgie einzulassen, und dafür meinen, es müsste jetzt alles nach ihren Wünschen laufen, die doch so viel weniger langweilig sind als das was da ist. Ich hab da schon haarsträubende Sachen zu hören bekommen von Leuten, die sich mit der Liturgie noch kein bisschen beschäftigt haben, aber ganz genau wissen, was anders sein muss, damit SIE sich nicht mehr langweilen.
Man kann auch den anderen Weg gehen und der bestehenden Liturgie ihren Sinn abringen und den verstehen und mitvollziehen. Dann wird es nämlich plötzlich auch nicht mehr langweilig.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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07.08.2014, 19:43Inaktiver User
AW: Kirche ist Langweilig?
ich empfand eine Beruhigung bei der Liturgie in den evangelsichen Gottesdiensten. Allerdings, und das ist eben einfach so, mag ich es überhaupt nicht, wenn diese plötzlich geändert wird. Ein Beispiel: An der Stelle, an der immer Lied xy gesungen wurde, ist jetzt das neue Lied z dran. Diese Veränderungen machen Kirche für mich nicht spannend oder interessant sondern beenden meine innere Ruhe, in die ich bis zu diesem Teil des Gottesdienstes gefunden hatte. Das ist schade, so meine persönliche Sichtweise. Es wird ja nun von mir verlangt mich mit den Neuerungen auseinanderzusetzen, eine Einstellung dazu zu finden, mich umzugewöhnen. Ich sehe also im Kirchenraum herum, versuche zu entdecken, wer momentan aktiv in der Gemeinde ist usw. Wenn man also nicht jeden Sonntag die Kirche besucht sondern nur sporadisch und wenn man nicht weiter aktiv am Gemeindeleben teilnimmt, bekommt man leider nicht die Informationen zu Veränderungen und welchen Sinn sie haben, weshalb sie vorgenommen wurden, was dainter steckt. Das stört mich irgendwie und entfremdet mir Kirche dann auch zum Teil.


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