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Thema: Gottlos!

  1. Avatar von Opelius
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    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen
    Nun darf aber beispielsweise im öffentlichen Dienst niemand entlassen werden, weil er zum zweiten Mal heiratet. Ich halte es für kompletten Irrsinn, wenn es einem Arbeitgeber (egal welchem) erlaubt ist, derart in die Privatsphäre eines Menschen einzugreifen.

    .
    Richtig, das Privatleben geht im Prinzip einen AG nichts an. Aber jeder Mitarbeiter in einem kirchlichen Verband hat bei seiner Anstellung einen Dienstvertrag unterschrieben, dass er auch privat sich den moralischen Vorstellungen seines Arbeitgebers unterwirft. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Wiederverheiratung oder auch nur Scheidung zu einer Entlassung führte. Es lagen immer andere schwerwiegende Zerwürfnisse vor und mehrere Abmahnungen. Und bei einem Entlassungsverfahren nimmt ein AG immer den einfachsten Grund, weil er da die Beweislast am besten ausführen kann.

    Ich kenne kein Arbeitsgerichtsverfahren, das nur eine Entlassung aus "moralischen" Gründen zum Inhalt hatte.
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  2. Registriert seit
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    AW: Gottlos!

    Das heißt, du fändest es auch in Ordnung, wenn irgendwelche privaten Arbeitgeber in ihre Arbeitsverträge schreiben dürften, dass beispielsweise der Übertritt zum Christentum ein Kündigungsgrund ist?

  3. Avatar von taggecko
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    AW: Gottlos!

    Ich hoffe auf die Zukunft, wir Konfessionslosen stellen ja jetzt schon ca 35% der Bevölkerung und die Tendenz ist steigend.
    Da werden sich vllt auch mal die Parteien, sofern sie nicht die CDU sind, dran machen auch D zu einem laizistischen Staat zu machen.


  4. Registriert seit
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    AW: Gottlos!

    Um das grundsätzlich nochmal klar zu stellen. Mir geht es nicht darum, zu sagen "die böse Kirche hat ja..." sondern vielmehr um die Frage inwieweit Religion vertreten durch Institutionen wie die Kirche in gesellschaftlichen Belangen ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen darf und inwieweit Religion doch eher Privatsache der einzelnen Gläubigen zu sein hat.

    Es geht mir bei diesen Arbeitsrechtssachen auch weniger darum, was Kirche intern für sich regelt, als vielmehr darum als WAS Kirche an diesen Stellen auftritt. Als Religionsgemeinschaft oder als staatlich bezahlter "Dienstleister" und das ist mir an gewissen Stellen zu wenig trennscharf.

    Es ist ja nun auch nicht so, dass Kirche ein homogenes Gebilde ist, wo borgähnlich alle das gleiche denken.

  5. Inaktiver User

    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen
    Um das grundsätzlich nochmal klar zu stellen. Mir geht es nicht darum, zu sagen "die böse Kirche hat ja..." sondern vielmehr um die Frage inwieweit Religion vertreten durch Institutionen wie die Kirche in gesellschaftlichen Belangen ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen darf und inwieweit Religion doch eher Privatsache der einzelnen Gläubigen zu sein hat.
    Kirche als relgiöse und gesellschaftlich-relevante Institution leistet wie viele andere Institutionen/Branchen Lobby-Arbeit. Ich sehe die Kirche da generell auf einer Ebene mit der Energiewirtschaft, Bauernverbänden etc. Als Arbeitgeber in vornehmlich sozialen Bereichen hat sie das Recht, Arbeitsverträge entsprechend zu gestalten. Haben andere Arbeitgeber auch. Gleichzeitig verwalten Kirchen riesige Immobilienbesitze und sind daher automatisch wirtschaftsorientiert.

    Als was Kirchen aber noch auftreten, macht den großen Unterschied zu anderen Institutionen aus. Kirchen wenden sich auf Nachbarschaftsebene den Menschen zu, und vielfach für die Menschen kostenfrei (auch wenn die staatlichen Zuschüsse in Bereichen vorhanden sind). Sie machen kein Geschäft daraus, was bei konfessionslosen Institutionen (außer vielleicht den kommunalen etc.) eher selten ist.

    [Edit] Diese Dienste am Menschen erkenne ich besonders an, und ich frage mich, wie das Alltagsleben aussehen würde, wenn es diese Dienste nicht geben würde.
    Geändert von Inaktiver User (29.11.2014 um 14:10 Uhr) Grund: Zusatz

  6. Inaktiver User

    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen
    Das heißt, du fändest es auch in Ordnung, wenn irgendwelche privaten Arbeitgeber in ihre Arbeitsverträge schreiben dürften, dass beispielsweise der Übertritt zum Christentum ein Kündigungsgrund ist?
    Ich finde es kommt immer auf die Funktion an.
    Wenn jemand beispielsweise als Vorbild und Vermittler arbeitet, dann finde ich es schon nachvollziehbar wenn er in eklatanter Weise ein anderes Weltbild vertritt.

    Kürzlich gab es wieder so einen Fall
    Evangelische Kirche kündigt Erzieherin – weil sie in der Freizeit Pornos drehte!
    Ich finde nicht jeden Einzelfall gut aber das generelle Recht finde ich nachvollziehbar.

    Es gab aber wohl auch Faelle wo beispielsweise ein NPD-Mitglied gekündigt wurde:
    BAG: Kündigung im öffentlichen Dienst wegen NPD-Mitgliedschaft? | Juraexamen.info
    Kommt wohl auf den Einzelfall an.

    Und ob ein Geschaeftsfuhrer der SPD das bleiben duerfte wenn er sich in der Freizeit bei der FDP engagiert weiß ich auch nicht.

    Das Bundesverfassungsrecht hat das Arbeitsrecht der Kirchen gerade nochmal bestätigt:
    Bundesverfassungsgericht bestätigt kirchliche Sonderrechte

    Die KK überarbeitet trotzdem gerade die Massstaebe:
    Katholische Kirche plant moderneres Arbeitsrecht für Geschiedene - SPIEGEL ONLINE

  7. Avatar von Septima
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    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ob ein Geschaeftsfuhrer der SPD das bleiben duerfte wenn er sich in der Freizeit bei der FDP engagiert weiß ich auch nicht.
    Dieser Vergleich hinkt. Der Genosse auf professioneller Führungsebene, der sich in seiner Freizeit bei der FDP engagiert, entspräche zum Beispiel dem beim bischöflichen Ordinariat beschäftigten Katholiken, der nach Dienstschluss für die Zeugen Jehovas Klinken putzt. Beides wäre im Sinne ihres Arbeitgebers kontraproduktiv.
    Ein Leben in Scheidung hingegen würde weder die eine noch die andere berufliche Funktion direkt negativ beeinträchtigen.
    Manches ist durchsichtiger als es scheint.
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  8. Avatar von Opelius
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    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen
    Es geht mir bei diesen Arbeitsrechtssachen auch weniger darum, was Kirche intern für sich regelt, als vielmehr darum als WAS Kirche an diesen Stellen auftritt. Als Religionsgemeinschaft oder als staatlich bezahlter "Dienstleister" und das ist mir an gewissen Stellen zu wenig trennscharf.

    Es ist ja nun auch nicht so, dass Kirche ein homogenes Gebilde ist, wo borgähnlich alle das gleiche denken.
    Zumindest Caritas und Diakonie sind Wohlfahrtverbände, so wie DPWV, DRK, AWO. Ihre Aufgaben sind im Sozialgesetzbuch beschrieben. Kirchliche Krankenhäuser und Pflegeheime sind von den Verträgen mit Krankenkassen und Pflegekassen abhängig. Kleine Krankenhäuser sind längst aufgelöst worden zugunsten der Großbetriebe.

    Da inzwischen alle Kommunen soziale Arbeit ausschreiben sind alle Wohlfahrtsverbände Konkurrenten, die Ausschreibungen gewinnen müssen.

    Betriebe im sozialen Bereich, in der Krankenpflege und Altenpflege sind im wesentlichen selbständige Einrichtungen, nur in ihren Vorständen finden sich Pfarrer, Superintendenten und Bischöfe wieder.

    Zitat Zitat von Septima Beitrag anzeigen
    Ein Leben in Scheidung hingegen würde weder die eine noch die andere berufliche Funktion direkt negativ beeinträchtigen.
    Ich habe seit Jahren von keiner Kündigung wegen Scheidung gehört oder gelesen.
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  9. Avatar von Septima
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    AW: Gottlos!

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen

    Ich habe seit Jahren von keiner Kündigung wegen Scheidung gehört oder gelesen.
    ...aber wehe , Geschiedene wenden sich einem neuen Partner zu...

    Oder sie werden gar nicht erst eingestellt:

    " Denn dort gelten innerkirchliche Richtlinien: Konfessionslose, Geschiedene und Wiederverheiratete werden nicht eingestellt. " (Quelle)

    Ich nenne so etwas "Diskriminierung".
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  10. Avatar von Opelius
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    AW: Gottlos!

    Das darfst Du als Diskriminierung benennen.
    Aber wenn Du Stellenagebote von christlichen Arbeitgeber aufmerksam liest, wirst Du immer den Hinweis finden, dass eine der Voraussetzung für eine Einstellung ist, dass Du einer Kirche angehören musst. Sie sind in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ACKhttp://www.oekumene-ack.de/ueber-uns/mitglieder/ aufgelistet

    Ausnahmen gibt es immer, wenn spezielle Beratungsangebote annonciert werden, z.B. Sozialarbeiter für die Betreuung türkischer Jugendlicher. Es gibt keine christlichen Sozialarbeiter mit türkischen Hintergrund. Dasselbe gilt für hochqualifizierte Disziplinen wie Gehirnchirurgen und IT-Speziallisten.
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