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  1. Moderation

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    AW: Andächtig beten

    Darf ich mal was fragen: Habt Ihr schon mal wirklich das Gefuehl gehabt, Gott spricht zu Euch, dass Ihr im Gebet etwas empfangt?

    Ich weiss nicht, ob ich das so sagen koennte. Es ist oft so, dass ich durch das Stillwerden und "Mein-Leben-vor-Gott-ausbreiten" etwas klarer sehe, dass sich Prioritaeten verschieben, oder Sorgen in Anbetracht dessen, wofuer es zu danken gibt, kleiner werden. So in etwa der Effekt, den Michael Ende in "Momo" beschreibt: dass die Menschen, denen Momo zuhoert, nur durch das Reden und Zuhoeren ploetzlich klarer sehen und sich besser fuehlen, ohne dass Momo aktiv etwas sagt.
    Ich finde den Gedanken schoen, dass Gott mir diese Klarheit im Gebet schenkt, oder sie in mir anregt, obwohl ich rein rational betrachtet ja einfach nur mal gruendlich nachgedacht habe. Aber eine wirkliche "innere Stimme" habe ich noch nie vernommen. Ich habe aber auch den Verdacht es koennte daran liegen, dass ich extrem verbal ausgerichtet bin und deshalb reine "Gefuehle" (wie das der Klarheit) als weniger eindeutig bewerte als eine verbale Botschaft, d.h. Gott muesste sich schon sehr laut und deutlich aeussern, damit ich das eindeutig als "innere Stimme" erkenne.

    Ich habe mich auch hier nicht sehr gut ausgedrueckt. Aber vielleicht faellt jemandem etwas dazu ein.

  2. Moderation

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    AW: Andächtig beten

    Du hast dich prima ausgedrückt, Flau. Aber was du durch das Formulieren klarer siehst, würde wohl auch bei Monologen z.B. Therapeuten oder der Wand gegenüber funktionieren. Warum im Gebet? Warum überhaupt eine Rede zu Gott?
    *
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  3. Moderation

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen
    Du hast dich prima ausgedrückt, Flau. Aber was du durch das Formulieren klarer siehst, würde wohl auch bei Monologen z.B. Therapeuten oder der Wand gegenüber funktionieren. Warum im Gebet? Warum überhaupt eine Rede zu Gott?
    Danke. Ja, das ist ja eben meine Frage. Ist das Gott, der mich inspiriert? Oder bin ich dazu nicht andaechtig genug?

    Mir geht es hier nicht um eine Art Gottesbeweis! Mein Glaube an die Existenz Gottes ist unabhaengig davon, ob mein Gebetserlebnis nun "nur Nachdenken" ist oder tatsaechlich eine Antwort von Gott. Insofern bete ich zu ihm/ihr/??? weil ich darauf vertraue, dass er/sie/??? fuer mich da ist.
    Es ging jetzt nur um das konkrete spirituelle Erlebnis, nicht um die Frage "woher weiss ich, dass Gott zuhoert?".

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Darf ich mal was fragen: Habt Ihr schon mal wirklich das Gefuehl gehabt, Gott spricht zu Euch, dass Ihr im Gebet etwas empfangt?
    Sprechen in dem Sinne nicht, empfangen schon. Das kann darin bestehen, dass sich etwas in mir klärt, oft auch auch erst viel später. Ich merke dann, dass es mir gut getan hat, alles mal loszuwerden und dass sich dann auch die Dinge in mir ordnen, ich mehr innere Gewissheit habe, was ich tun soll. Manchmal ist es auch nur eine innere Ruhe, eine Geborgenheit, die ich empfinde, vermutlich so ein ähnlicher Zustand, wie ihn andere beim Meditieren erleben.

    Ob es Gott ist, der da zu mir "spricht", weiß ich nicht. Das ist eine Glaubensfrage, dafür hab ich keinen Beweis.

    Und auf die Frage von ganda, warum Gebet?
    Ich glaube, diese Frage lässt sich nur aus dem Glauben heraus beantworten. Wenn ich glaube, dass es einen Gott gibt, dann will ich zu ihm in Beziehung treten. Und dazu gehört dann das Gespräch in Form eines Gebets.
    Natürlich kann ich über das, worüber ich mit Gott rede, auch mit anderen Menschen reden, vielleicht nicht mit jedem über alles, aber unterm Strich über fast alles mit irgendwem.

    Der Vorteil an Gott ist, dass er, anders als ein Therapeut, rund um die Uhr verfügbar ist und ich darauf vertraue, dass er mich bedingungslos liebt und annimmt. So nackt und schonunglos kann ich mich keinem Menschen zeigen, vermutlich nicht mal einem Therapeuten (da hab ich keine Erfahrung). Gott halte ich meine dunkelsten Seiten, meine Schwächen, Fehler, Zweifel, Ängste so offen hin, wie sonst niemandem. Und das befreit mich ungemein. Ich bin froh, diese Beziehung zu haben und die Geborgenheit dieser Beziehung zu erfahren.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  5. Moderation

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Wenn ich glaube, dass es einen Gott gibt, dann will ich zu ihm in Beziehung treten. Und dazu gehört dann das Gespräch in Form eines Gebets.
    Ja, das ist eine gut formulierte Antwort (auf Malina ist halt Verlass ).

    Malina, dann geht es Dir aehnlich wie mir... Also, wenn ich das Ganze "logisch" aufziehen wollte, wuerde ich denken, dass Gott eben da ist, und mir daher "zur Verfuegung steht" oder schoener ausgedrueckt: "sich mir zum Gespraech anbietet". Und wenn sich dann durch dieses Gespraech etwas in mir klaert, dann kommt das schon von Gott, und sei es nur durch seine "Verfuegbarkeit", seine Anwesenheit.
    Oder?

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Ja, das ist eine gut formulierte Antwort (auf Malina ist halt Verlass ).

    Malina, dann geht es Dir aehnlich wie mir... Also, wenn ich das Ganze "logisch" aufziehen wollte, wuerde ich denken, dass Gott eben da ist, und mir daher "zur Verfuegung steht" oder schoener ausgedrueckt: "sich mir zum Gespraech anbietet". Und wenn sich dann durch dieses Gespraech etwas in mir klaert, dann kommt das schon von Gott, und sei es nur durch seine "Verfuegbarkeit", seine Anwesenheit.
    Oder?
    Ja, das klingt für mich stimmig. Allein der Glaube an seine Anwesenheit hilft schon, weil man eben sicher ist, nicht ins Nichts hineinzureden, sondern mit einem Gegenüber. Und allein das wandelt schon was in einem, indem man das Anliegen halt loswird.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Zur Unterhaltung gehört aber auch das Zuhören, das Stillwerden, das sich Einlassen. Gott nur zuzutexten ist mir persönlich zu wenig. Und wenn ich still werde, dann bin ich schon mitten in einem andächtigen Gebet, einem Gebet, das Aufmerksamkeit, Konzentration, Hingewandtheit fordert. Aber nur dann finde ich auch zu einer gewissen Tiefe, nur dann wird die Beziehung für mich lebendig, nur dann empfange ich auch etwas im Gebet.

    Gruß,

    Malina
    Zu einer Unterhaltung gehören ja immer zwei. Und ein Wechsel zwischen reden und zuhören. Drum auch der Vergleich mit den Freunden. Sonst wäre es ja ein Monolog.
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von beklamo Beitrag anzeigen
    Zu einer Unterhaltung gehören ja immer zwei. Und ein Wechsel zwischen reden und zuhören. Drum auch der Vergleich mit den Freunden. Sonst wäre es ja ein Monolog.
    Ich glaube durchaus, dass Gebet für viele Menschen ein Monolog ist. Es ist ja auch erst mal ungewohnt und seltsam, jemandem zuzuhören, den man wieder sehen, noch hören, noch berühren kann. Und nach dem Reden mal eine Weile Stille aushalten, einfach da sein, in sein Innerstes spüren, ist für viele Menschen sehr schwer auszuhalten, zumal im Christentum gerade das meditative Gebet keinen hohen Stellenwert hat.

    Ich selbst habe über die eucharistische Anbetung dahin gefunden. Wenn man erst mal eine dreiviertel Stunde vor einem Stück Brot kniet, dann fällt einem irgendwann nichts mehr ein, was man noch sagen könnte. Dann wird man automatisch still. Und die ganze Atmosphäre der Sammlung, der Stille führt einen dann auch schon ins Hören hinein. Und wenn man das eine längere Zeit regelmäßig praktiziert, dann ist der Effekt wohl ähnlich wie bei der Meditation. Man findet schneller in die Stille hinein, schafft es, diese kurzen ganz bewussten Momente des Hörens zu haben und nimmt viel daraus mit.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  9. Moderation

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Und wenn man das eine längere Zeit regelmäßig praktiziert, dann ist der Effekt wohl ähnlich wie bei der Meditation. Man findet schneller in die Stille hinein, schafft es, diese kurzen ganz bewussten Momente des Hörens zu haben und nimmt viel daraus mit.

    Gruß,

    Malina
    Absolut, fuer mich ist stilles Gebet dasselbe, wie Meditation. Ich hatte mich tatsaechlich auch schon gefragt, wieviele Leute, die Standardgebete so rasch als "hohles Geschwaetz" und "Nachgeplapper" abtun (mehr im RL, nicht so sehr hier im Strang!) jede Woche im Yoga sitzen und andaechtig (!) "Oooooohm" singen. Aber ich wollte urspruenglich hier nicht so haessliche Sachen schreiben.

    Meditiere ich, was ich auch immer noch am besten unter Anleitung kann, also z.B. Yoga oder Qi Gong, dann faellt es mir auch sehr schwer, diese Stille ueberhaupt zu finden. Ich habe eine Qi Gong Meisterin auch mal gefragt, ob es in der inneren Quelle vielleicht Woerter gibt, und sie sagte sehr entschieden: "Nein, da ist es ganz still." Mein Inneres ist leider unglaublich geschwaetzig, es ist wirklich schwierig, daran vorbei zu kommen.

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    AW: Andächtig beten

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Mein Inneres ist leider unglaublich geschwaetzig, es ist wirklich schwierig, daran vorbei zu kommen.
    Das geht, glaube ich, allen so. Das, was Anselm Grün mal so treffend den Raum der Stille in uns genannt hat, erahnt man ja meist nur in kurzen Augenblicken. Und deshalb ist mir Gebet wohl auch letztlich näher als reine Meditation. Im Gebet darf ich reden UND still sein, in der Meditation, so kommt mir vor, ist die innere Stille das Ziel und inneres Reden im Grunde Versagen. Das finde ich immer so entmutigend. Und mir tut es auch einfach gut, ein Gegenüber zu haben, auf das ich mich fokussieren kann. So ins nichts hinein still zu sein, langweilt mich ehrlich gesagt auch irgendwie.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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