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  1. gesperrt

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    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von _Farmelli Beitrag anzeigen
    Ich denke das ist ein Missverständnis, es war im Originalzitat glaube ich "Nazi-Blut und Boden Ideologie" genannt nicht verkürzt "Nazi Blut".
    Danke Farmelli!

    Tosca, ich weiss ja nicht, was dich da genau getriggert hat, aber deine Kritik ist meilenweit von dem entfernt, was ich tatsächlich schrieb.

    gruss, barbara

  2. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Die meisten hier, in der Tat - es gibt aber nach wie vor Menschen, die "die Menschen" oder "die Unsrigen" auf Gruppen kleienr als die gesamte Menschheit beschränken - im Extremfall auf sich und die unmittelbare Familie. Und alle andern werden als "keine Menschen" definiert.
    Oder auf die eigene Religionsgemeinschaft.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Systeme und Institutionen, besonders wenn sie ein gewisses Alter haben, spielen im Lauf der Zeit wohl so ungefähr alles durch, was menschenmöglich ist - im Positiven wie im Negativen.
    Das ist sicher richtig.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Die Ideologie kann IMMER missbraucht werden.Einen Angriffskrieg im Namen von Freiheit und Demokratie zu führen, ist genauso schlimm, wie einen Angriffskrieg im Namen der Nächstenliebe zu führen.
    Ja. Deswegen ist für mich ein entscheidendes Kriterium, welche Korrekturmöglichkeiten eine Ideologie für den Fall vorgesehen hat, dass in ihrem Namen Unrecht geschieht.

    In den westlichen Demokratien sind das die Wahlen. Auch wenn bei dieser Staatsform nie alles glatt läuft und viel Missbrauch getrieben wird - die Möglichkeit, frei seine Meinung zu sagen und zu wählen, ist ein hohes Gut.
    Die Bürger haben ein Mitspracherecht und können sich wehren, wenn sie der Meinung sind, dass der Staat ihre Werte nicht umsetzt. Am ausgeprägtesten ist das in Ländern, die die direkte Demokratie kennen.

    Die einzigen mir bekannten Systeme, die keinerlei grundlegende Änderungen zulassen (können), sind die Religionen. Wo eine "göttliche Wahrheit" angenommen wird, hat der Mensch per definitionem kein Mitspracherecht. Änderungen sind bestenfalls in der Auslegung der Lehre oder in der Gestaltung des Gottesdienstes möglich, mehr ist nicht drin.
    Da aber niemand zweifelsfrei wissen kann, was Gottes Wille ist, übernehmen die Funktionäre die Definitiosmacht und setzen ihre Interessen durch.

    Das Problem sehe ich nicht bei Religion an sich, sondern bei deren Institutionalisierung. Jesus wollte vermutlich nie eine Kirche gründen.

  3. gesperrt

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    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Oder auf die eigene Religionsgemeinschaft.
    Was von der Qualität dasselbe ist wie Nationalismus.


    Ja. Deswegen ist für mich ein entscheidendes Kriterium, welche Korrekturmöglichkeiten eine Ideologie für den Fall vorgesehen hat, dass in ihrem Namen Unrecht geschieht.
    Ideologien brauchen das nicht. Insitutionen brauchen das, mit vernünftig organisierter Gewaltenteilung und einem System von Checks and Balances. Da dürften die Schlimmsten unserer Zeit die übelsten politischen Diktaturen sein, und gleich danach diverse grosse Konzerne. Einen kleineren Skandal hat es verursacht, als einer mal ein bisschen allzu ehrlich war und empfahl: "kill to win - no prisoners."
    Onlinereports - Wirtschaft - Der Schlachtrufer von Novartis


    In den westlichen Demokratien sind das die Wahlen. Auch wenn bei dieser Staatsform nie alles glatt läuft und viel Missbrauch getrieben wird - die Möglichkeit, frei seine Meinung zu sagen und zu wählen, ist ein hohes Gut.
    Wahlen können ein Puzzleteil sein, und längst nicht das Wichtigste oder Bedeutendste. Regelässige Abstimmungen über Sachgeschäfte sind viel wichtiger, aber auf die hat ja bloss so ungefähr ein Promill der Welbevölkerung regelmässig Anrecht.

    Und die Rede- und Meinungsfreiheit schien mir in den letzten Jahren auch ziemlich unter Druck geraten zu sein, auch in jenen politischen Systemen, die glauben, eine Wahl alle vier Jahre sei Rechtfertigung genug, sich den Titel "Volksherrschaft" zu gönnen.



    Die einzigen mir bekannten Systeme, die keinerlei grundlegende Änderungen zulassen (können), sind die Religionen.
    Das stimmt so nicht, auch Religionen ändern sich mit der Zeit. Die Urchristen um 150 n. Chr. waren in vieler Hinsicht anders von einem mittelalterlichen Handwerker in der Stadt, und der lebte ein anderes Christentum als ein russischer Bauer, und all die leben nochmals ein anderes Christentum als eine Bischöfin im Deutschland von heute.

    Dass die immer wieder (und ja manchmal mit grösseren Schlenkern) auf ihren Grundwert, die Liebe, zurück kommen, liegt in ihrem Wesen; Was sich nicht an der Liebe orientiert, ist nun mal kein Christentum, genauso wie keine Demokratie ist, was sich nicht an der Volkssouveränität orientiert, und wie eine FDP keine FDP menr wäre, würde sie nicht Arbeitgeberinteressen vertreten. Gewisse Dinge sind halt Teil der Identität und können nicht aufgegeben werden ohne dass etwas ganz Anderes daraus würde.




    Wo eine "göttliche Wahrheit" angenommen wird, hat der Mensch per definitionem kein Mitspracherecht.
    Du gehst implizit davon aus, dass Gott und Mensch etwas getrenntes seien.

    Dem stimme ich keineswegs zu; Gott ist der Kern meines Wesens, und wenn ich ich selbst bin, so wird Gott und Mensch eins. Der Mensch ist eine Facette Gottes, mit göttlichem Odem begabt - das ist nicht ein entweder-oder. Es ist ein sowohl-als auch. und dieser Zustand ist, sehr wörtlich und in jeder Hinsicht, einfach göttlich.

    Da aber niemand zweifelsfrei wissen kann, was Gottes Wille ist, übernehmen die Funktionäre die Definitiosmacht und setzen ihre Interessen durch.
    Unsinn. Gottes Wille erfährt der Gläubige durch den direkten Kontakt mit Gott selbst.

    Symbolisiert in den Evangelien (ich glaub in allen - sicher in den Synoptikern) durch die Erzählung, dass im Moment von Jesus Tod am Kreuz der Vorhang zerriss, der vor dem Allerheiligsten des Tempels hing. Sprich: Menschen brauchen keine Priester als Vermittler; Menschen haben direkten Zugang und können Gottes Willen für sie im direkten Gespräch zweifelsfrei erfahren.

    Das Problem sehe ich nicht bei Religion an sich, sondern bei deren Institutionalisierung. Jesus wollte vermutlich nie eine Kirche gründen.
    nein, Jesus wollte nie eine Kirche gründen.

    Die Kirche hat als Institution aber genau dieselben Herausforderungen wie alle Institutionen, staatliche oder privatwirtschaftliche oder gemeinnützige etc. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es anders sein könnte oder sollte.

    gruss, barbara

  4. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Feststellung: alle Menschen haben und leben im Grossen und Ganzen dieselben Werte, die meist in der einen oder andenr Form der goldenen Regel formuliert werden: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu".

    Mich wundert aber: wie begründet ihr, dass dieses Grundwert eine gute Leitlinie fürs Leben ist?

    Meine Begründung ist eine theologische: ich erkenne den manifestierten Gott in allen andern Lebewesen, in der gesamten Schöpfung; alle und alles ist aus ein und demselben Stoff gemacht, und folglich ist alles, was ich andenr tue, eine Tat an mir selbst. Und das in einem sehr direkten und wörtlich gemeinten Sinn.
    Sorry, aber was ein Quatsch!
    Es geht doch darum, dass die Löwin das Lamm nicht auffrisst. Aus dem selben Stoff sind sie vor diversen Millionen Jahren mal gewesen. Interessiert niemanden.
    Geändert von Analuisa (10.05.2014 um 08:45 Uhr) Grund: Zitat repariert

  5. gesperrt

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    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sorry, aber was ein Quatsch!
    Vielen Dank für den differenzierten und schlüssig formulierten Beitrag. Du bereicherst die Diskussion grad ungeheuer.




    Es geht doch darum, dass die Löwin das Lamm nicht auffrisst.
    äh - nein es geht um "wie begründet ihr eure Werte?" - es geht nicht um Löwen und Lämmer. Nicht so direkt, auf jeden Fall.



    Aus dem selben Stoff sind sie vor diversen Millionen Jahren mal gewesen.
    ja, aus Atomen, in tierischem Gewebe zu Zellen und Organen und Körpern organisiert. In der Tat, das ist so.

    Interessiert niemanden.
    Du bist herzlich eingeladen, bei mangelndem Interesse in diesem Thread nicht mehr weiter zu lesen und zu schreiben. Du musst dir das nicht antun.

    gruss, barbara

  6. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Ideologien brauchen das nicht. Insitutionen brauchen das, mit vernünftig organisierter Gewaltenteilung und einem System von Checks and Balances.
    So lange Ideologien sich darauf beschränken, eine Art von Mytos oder "große Erzählungen" zu sein, bräuchten sie es nicht. Vieles in der Bibel bewegt sich auf dieser Ebene.

    Aber es gibt auch klare Anweisungen, die Lehre weiter zu tragen: Geht hin und lehret alle Völker…..spätestens an diesem Punkt beginnen Missionierung und Propaganda. Und das ist der selbe Mechanismus wie bei anderen Ideologien (wie dem Kommunismus) - samt dem damit verbundenen Ausschluss von Andersdenkenden.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Da dürften die Schlimmsten unserer Zeit die übelsten politischen Diktaturen sein, und gleich danach diverse grosse Konzerne.
    Auch wenn das Verhalten der Großkonzerne teilweise wirklich kriminell ist, sehe ich einen Unterschied: In totalitären Ideologien (auch den Religionen) gibt es kein Entkommen, weil die Systeme sich ideell so abgesichert haben, dass sie nicht zu knacken sind. Es hilft nur die Flucht.
    Dem Einfluss des Turbokapitalismus kann ich mich ein Stück weit durch Konsumverzicht entziehen, ausserdem kann ich versuchen, durch politisches Engagment dagegen anzukämpfen (auch wenn das sehr mühsam ist, es gibt zumindest die Option).

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Und die Rede- und Meinungsfreiheit schien mir in den letzten Jahren auch ziemlich unter Druck geraten zu sein, auch in jenen politischen Systemen, die glauben, eine Wahl alle vier Jahre sei Rechtfertigung genug, sich den Titel "Volksherrschaft" zu gönnen.
    Ja. Aber die Option ist noch nicht abgeschafft, also kann man durch politische Arbeit dagegen angehen. In den Religionen ist Mitsprache auf inhaltlicher Ebene dezidiert nicht vorgesehen. Die "Mitsprache" beschränkt sich auf die Umsetzung einer fest stehenden Lehre.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Das stimmt so nicht, auch Religionen ändern sich mit der Zeit. Die Urchristen um 150 n. Chr. waren in vieler Hinsicht anders von einem mittelalterlichen Handwerker in der Stadt, und der lebte ein anderes Christentum als ein russischer Bauer, und all die leben nochmals ein anderes Christentum als eine Bischöfin im Deutschland von heute.
    Du weisst genau, dass ich nicht die Lebensformen meinte, sondern die Lehre an sich. Dass Lebensumstände sich laufend wandeln, ist banal. Die christliche Lehre selbst kann sich nicht ändern, weil sie als "göttliche Wahrheit" gilt.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Dass die immer wieder (und ja manchmal mit grösseren Schlenkern) auf ihren Grundwert, die Liebe, zurück kommen, liegt in ihrem Wesen;
    "Liebe" als Grundwert ist mir zu wischiwaschi, denn das ist eine Empfindung. Empfindungen allein sind mir zu wenig als Basis des Zusammenlebens. Klare Handlunsvereinbarungen, über die man auch mal diskutieren kann, halte ich für sinnvoller.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Du gehst implizit davon aus, dass Gott und Mensch etwas getrenntes seien.
    Nö. Ich gehe davon aus, dass "Gott" etwas ist, was niemand wirklich definieren kann.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Dem stimme ich keineswegs zu; Gott ist der Kern meines Wesens, und wenn ich ich selbst bin, so wird Gott und Mensch eins. Der Mensch ist eine Facette Gottes, mit göttlichem Odem begabt - das ist nicht ein entweder-oder. Es ist ein sowohl-als auch. und dieser Zustand ist, sehr wörtlich und in jeder Hinsicht, einfach göttlich.

    Unsinn. Gottes Wille erfährt der Gläubige durch den direkten Kontakt mit Gott selbst.
    Das ist dein Glaube. Ich kann damit nichts anfangen und ich halte das für nicht tragfähig genug, um Vereinbarungen zu treffen, die für alle gültig sein sollen.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Menschen haben direkten Zugang und können Gottes Willen für sie im direkten Gespräch zweifelsfrei erfahren.
    Auch das ist ein Glaubensinhalt, der nicht verifiziert werden kann. Im realen Leben hat dieser Glaube bei Sektenmitgliedern schon zu kollektiven Selbstmorden oder Amokläufen geführt. Ich stehe "göttlichen Eingebungen" sehr skeptisch gegenüber, denn unter diesem Label kann man so ziemlich alles unterbringen, bis hin zur Psychose.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Die Kirche hat als Institution aber genau dieselben Herausforderungen wie alle Institutionen, staatliche oder privatwirtschaftliche oder gemeinnützige etc. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es anders sein könnte oder sollte.
    Natürlich hat sie das. Auffällig ist nur die Diskrepanz zwischen ihrem Markenkern und ihrem Verhalten. Jeder andere Konzern würde ebenfalls Kritik ernten, wenn Produkt (Lehre) und Konzernverhalten so auseinander driften würden. Also verlassen immer mehr "Kunden" den Konzern Kirche. Auch das eine folgerichtige Entwicklung.

  7. gesperrt

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    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber es gibt auch klare Anweisungen, die Lehre weiter zu tragen: Geht hin und lehret alle Völker…..spätestens an diesem Punkt beginnen Missionierung und Propaganda. Und das ist der selbe Mechanismus wie bei anderen Ideologien (wie dem Kommunismus) - samt dem damit verbundenen Ausschluss von Andersdenkenden.
    nun, eben zu dem Zweck hat's ja reichlich organisatorische Anweisungen besonders bei Paulus, und die sind so übel nicht. Mich wundert's schon länger, dass ihc noch nie einem Buch mit dem Titel "Management by Paulus" über den Weg gelaufen bin - das wär wohl klüger als noch diverse andere "Management by... "-Bücher. Und auch in der Regel des Benedikt, die als Vorbild für viele mönchische Gemeinschaften gilt, gibt es sehr sinnvolle Führungsprinzipien, von dem sich noch mancher Firmenchef eine dicke Scheibe abschneiden könnte.

    Und ja, es gibt Ausschluss von Andersdenkenden und vor allem anders-Handelnden - das muss leider manchmal sein, um die Gesellschaft zu schützen. Gefängnisse und Gerichte und Polizei werden auch in säkularen Gesellschaften nicht so schnell abgeschafft werden, und wer in einem Land wohnen will, muss sich an dessen Regeln halten, auch an die säkularen - die ja inzwischen vom Umfang her alle religiös inspirierten Lehrer um ein Mehrfaches übersteigen. Kein einzelner Jurist kann mehr alle Gesetzeswerke seines Landes kennen, sondern muss sich spezialisieren, es ist so viel zu lesen.


    Auch wenn das Verhalten der Großkonzerne teilweise wirklich kriminell ist, sehe ich einen Unterschied: In totalitären Ideologien (auch den Religionen) gibt es kein Entkommen, weil die Systeme sich ideell so abgesichert haben, dass sie nicht zu knacken sind. Es hilft nur die Flucht.
    Dem Einfluss des Turbokapitalismus kann ich mich ein Stück weit durch Konsumverzicht entziehen, ausserdem kann ich versuchen, durch politisches Engagment dagegen anzukämpfen (auch wenn das sehr mühsam ist, es gibt zumindest die Option).
    in der globalisierten Gesellschaft, die wir heute haben, scheint es mir leichter zu sein, aus einem Land zu fliehen (und dann ist man eindeutig NICHT mehr auf dessen Grund und Boden und NICHT mehr dessen Jurisdiktion unterworfen), während die Grossfirmen das ganze Leben durchdringen. Von den Folgen ihrer Handlungen bleibst du nicht mal auf der berühmten einsamen Insel geschützt, und von denen gibts nicht mehr viele.

    Ja. Aber die Option ist noch nicht abgeschafft, also kann man durch politische Arbeit dagegen angehen. In den Religionen ist Mitsprache auf inhaltlicher Ebene dezidiert nicht vorgesehen. Die "Mitsprache" beschränkt sich auf die Umsetzung einer fest stehenden Lehre.
    Auch in der Politik schliesst du dich einer Gruppe nur dann an, wenn du ihre Kernwerte teilst. Man kann nun mal nicht den Grünen beitreten und Umweltschutz doof finden. Und man kann nicht der SP beitreten und Arbeitnehmerrechte doof finden. Man kann auch nicht dem Gesangsverein beitreten und auf einmal meinen, der solle doch bitte anfangen, Kaninchenzucht zu betreiben.

    Es wäre doch unsinnig zu fordern, die Grünen sollten Umweltschutz aufgeben - das ist ja schliesslich der Zweck, zu dem sie überhaupt gegründet wurden!


    Die christliche Lehre selbst kann sich nicht ändern, weil sie als "göttliche Wahrheit" gilt.
    Katechismen ändern sihc sehr wohl und es gibt viele davon - Bibelübersetzungen auch - aber die Liebe, das stimmt, die ist so fest gesetzt, wie der Umweltschutz bei der Grünen Partei. Und das ist auch gut so.

    "Liebe" als Grundwert ist mir zu wischiwaschi, denn das ist eine Empfindung. Empfindungen allein sind mir zu wenig als Basis des Zusammenlebens. Klare Handlunsvereinbarungen, über die man auch mal diskutieren kann, halte ich für sinnvoller.
    Die Liebe, wie in der Bibel dargestellt, ist keineswegs wischiwaschi, sondern in Form klarer Handlungsanweisungen vermittelt. Ich wiederhole: Beispiel vom barmherzigen Samariter; die Taten der Barmherzigkeit nach Matthäus 25.

    Und über deren Umsetzung und die Umstände deren Umsetzung kann diskutiert werden und wird natürlich auch diskutiert.




    Nö. Ich gehe davon aus, dass "Gott" etwas ist, was niemand wirklich definieren kann.
    Definieren bedeutet auf Deutsch eingrenzen; und ja klar, das Unbegrenzte kann man logischerweise nicht eingrenzen. Wenn du's eingrenzen könntest, wär es nicht Gott.

    Du kannst das Unbegrenzte aber erleben, und du kannst es über Kunst und Poesie vermitteln. Für jene, die Ohren haben zu hören und Augen haben zu sehen.

    Das ist dein Glaube. Ich kann damit nichts anfangen und ich halte das für nicht tragfähig genug, um Vereinbarungen zu treffen, die für alle gültig sein sollen.
    Das ist nicht ein Glaube, sondern eine Erfahrung. Und selbstverständlich kann diese Erfahrung verifiziert werden. Die Frage ist lediglich, ob es dir die Sache wert ist, diese Mühe auf dich zu nehmen, weil das Verifizieren muss selbst und höchstpersönlich geschehen.


    Im realen Leben hat dieser Glaube bei Sektenmitgliedern schon zu kollektiven Selbstmorden oder Amokläufen geführt.
    Im realen Leben führt das Streben nach Profit im Rahmen von Kapitalgesellschaften ständig zu Umweltverschmutzung, sklavereiähnlichen Ausbeutungsverhältnissen und noch vielen andern sehr hässlichen Dingen.

    und jetzt? Verzichtest du deshalb auf den Gebrauch von Geld?


    Ich stehe "göttlichen Eingebungen" sehr skeptisch gegenüber, denn unter diesem Label kann man so ziemlich alles unterbringen, bis hin zur Psychose.
    musst halt hingehen und es nachprüfen gehen. Selbst und höchstpersönlich. Das ist der einzige Weg, von der Skepsis wegzukommen hin zu einer klaren Unterscheidung der Geister, zur Unterscheidung von egogetriebener Schwurbelei und Aussagen mit Substanz.


    Natürlich hat sie das. Auffällig ist nur die Diskrepanz zwischen ihrem Markenkern und ihrem Verhalten. Jeder andere Konzern würde ebenfalls Kritik ernten, wenn Produkt (Lehre) und Konzernverhalten so auseinander driften würden.
    leider nicht genug und nicht sehr intensiv.

    Das Geldwesen unter Kontrolle zu bekommen, scheint mir das deutlich grössere und dringendere Problem sein als alle Religionen der Welt.

    gruss, barbara

  8. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Meine Werte muss ich vor Niemandem begründen, außer vor mir und vor Gott (so ich daran glaube?).

    Ich will leben ohne andere wissentlich zu verletzen, ich will eigenständig und eigenverantwortlich für mich und mein Glück sorgen.

    Jede Zeit, jedes System, jede Religion versucht den Menschen "Werte" aufzudrücken, sogar Unternehmen in denen man arbeitet. Man muss da schon sehr auf sich selbst aufpassen!

  9. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen


    Die Blut-und-Boden-Ideologie selbst ist älter als der Nationalsozialismus, sie entstand schon am Ende des 19 Jhs. Das macht diese Denkweise nicht besser, aber das Wort "Nazi" war in diesem Zusammenhang unnötig.
    DANKE!

  10. Inaktiver User

    AW: Wie begründet ihr eure Werte?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Und ja, es gibt Ausschluss von Andersdenkenden und vor allem anders-Handelnden - das muss leider manchmal sein, um die Gesellschaft zu schützen. Gefängnisse und Gerichte und Polizei werden auch in säkularen Gesellschaften nicht so schnell abgeschafft werden, und wer in einem Land wohnen will, muss sich an dessen Regeln halten,
    Ja. Umso wichtiger ist, dass es die Möglichkeit gibt, Regeln notfalls zu ändern, wenn sie sich als untauglich heraus stellen. Politik besteht in einem dauernden Aushandeln von Regeln innerhalb einer Gemeinschaft. Weil die Erfahrung zeigt, dass das Dominieren einer einzigen Ideologie (egal welcher) stets zu totalitären Regimen führt, stellt die Gewaltenteilung ein äußerst wichtiges Instrument dar.
    In religiösen Institutionen gibt es zwar Hierarchien, aber keine Gewaltenteilung - und ein "Aushandeln" der Lehre ist denkunmöglich.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Auch in der Politik schliesst du dich einer Gruppe nur dann an, wenn du ihre Kernwerte teilst. Man kann nun mal nicht den Grünen beitreten und Umweltschutz doof finden. Und man kann nicht der SP beitreten und Arbeitnehmerrechte doof finden.
    Natürlich. Deswegen gibt es in Demokratien viele verschiedene Parteien, die unterschiedliche Interessen vertreten. Wie es aussieht, wenn eine Einheitspartei herrscht, sah man in der DDR.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Definieren bedeutet auf Deutsch eingrenzen; und ja klar, das Unbegrenzte kann man logischerweise nicht eingrenzen. Wenn du's eingrenzen könntest, wär es nicht Gott.
    Diese Unbegrenztheit schließt nicht nur die Definition, sondern auch die Verifizierung aus, denn um Beweise für etwas zu erbringen, muss ich es eingrenzen können. Also gibt es nur den persönlichen Glauben bzw. Nicht-Glauben. Beides ist subjektiv.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Du kannst das Unbegrenzte aber erleben, und du kannst es über Kunst und Poesie vermitteln. Für jene, die Ohren haben zu hören und Augen haben zu sehen.
    Das sehe ich auch so. Und weil der Reichtum von Kunst und Poesie in der Vielfalt besteht, sehe ich auch die Vielfalt der Religionen als Reichtum - kritisch wird es nur dann, wenn eine Religion behauptet, im alleinigen Besitz der absoluten Wahrheit zu sein und wenn sie diese als für alle verbindlich durchsetzen will.

    Die zeitgenössische Physik, vor allem die Quantentheorie, lässt darauf schließen, dass allein schon der Aufbau unserer Welt dermaßen kompliziert und unanschaulich ist, dass sich vieles von dem, "was ist", unserem menschlichen Denkvermögen entzieht.
    Das, was wir denken KÖNNEN, hängt ja auch von unserer Hardware und deren Kapazität ab. Unser Gehirn ist ein sehr effektives Organ, aber seine Kapazitäten sind begrenzt. Wäre es anders, bräuchten wir ein so großes Gehirn, dass wir es in einem Wägelchen hinter uns her ziehen müssten, was bei der Flucht vor wilden Tieren sehr unpraktisch wäre

    Die Physik spricht von Überlagerungszuständen, von Viele-Welt-Theorien, davon, dass sich keine genaue Grenze zwischen Energie und Materie ziehen lässt… unser Denken gerät schon an diesem Punkt ins Strudeln. Das "Unbegrenzte" könne wir gar nicht denken, denn unser kognitiver Apparat ist zu seinem Funktionieren auf Gestaltbildungsprozesse angewiesen. Wir denken immer in Gegensatzpaaren, in "Form" und "Grund".

    Wie das funktioniert, lässt sich gut anhand der populären Kippbilder demonstrieren. Obwohl das Bild mit all seinen Informationen gleichzeitig vorhanden ist, können wir nur abwechselnd das eine oder andere Motiv erkennen - niemals beide gleichzeitig.

    Es deutet alles darauf hin, dass eine Konstante unserer Wahrnehmung darin liegt, dass wir "allumfassende" Inhalte niemals in ihrer ganzen Komplexität verarbeiten können, sondern uns kognitiv immer nur auf "ein Bild" beschränken müssen.

    Wenn man also das Göttliche/die Transzendenz als Totalität annimmt, können wir diesen Bereich kognitiv nicht als Ganzes fassen, aber wir machen uns "Teilbilder", um damit umgehen zu können. Heisst aber auch, dass keines dieser Bilder richtiger ist als das andere - weder ist eine Religion richtiger als die andere noch ist Religion richtiger als Atheismus.

    Davon trennen muss man die Soziallehre, die in allen Religionen und Kulturen existiert. Die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens sind überall auf der Welt mehr oder weniger gleich. Das spricht dafür, dass diese Grundregeln sich im Laufe der Menschheitsgeschichte als sinnvoll und praktikabel heraus gestellt haben.

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    musst halt hingehen und es nachprüfen gehen.
    Was soll ich nachprüfen gehen? Persönliche Empfindungen und persönlicher Glaube sind für mich etwas, das man hat oder nicht hat - "prüfen" muss man da nichts.

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