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08.05.2014, 09:52
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
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08.05.2014, 10:11Inaktiver User
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
Darin zeigt sich einmal mehr, wie sinnlos es ist, ein Denksystem innerhalb eines anderen begründen zu wollen. So wenig, wie religiöse Begründungen innerhalb des philosophischen Diskurses funktionieren, so wenig wäre es umgekehrt der Fall.
Ich halte das keineswegs für schlimm, nur sollte man diese Tatsache akzeptieren können.
Schwierig wird es dort, wo ein System die absolute "Wahrheit" für sich reklamiert. Und zwar eine "Wahrheit", die nicht nur in einem symbolischen oder metaphorischen Sinne gemeint ist (alle "großen Erzählungen" der Menschheit besitzen eine Art von "Wahrheit"), sondern die auch auf der naturwissenschaftlichen Ebene gelten soll.
Die Methode der Naturwissenschaft ist das Experiment, die der Philosophie die Logik. Beide funktionieren bei religiösen Begründungen nicht, so wenig wie die Theologie auf diesen Gebieten funktionieren würde. Versucht man es trotzdem, verheddert man sich völlig. Leider endet es oft damit, dass man dem anderen generell die Kompetenz abspricht (oder die Nazikeule schwingt).
Dieser Strang war für mich aufschlussreich, denn einmal mehr wurde hier vorgeführt, wie problematisch der Glaube an "absolute Wahrheiten" ist. Offensichtlich genügt es nicht, dass der eigene Glaube von anderen akzeptiert wird - er muss auch noch zwangsweise für alle anderen gelten.Geändert von Inaktiver User (08.05.2014 um 10:25 Uhr)
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08.05.2014, 10:31Inaktiver User
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
Nicht polemisch gemeinte Frage:
Kann man, wenn man die Überlieferungsgeschichte kennt, philosophisch geschult ist, Logik und Kohärenz nicht außer Acht lassen kann, an den christlichen Gott glauben?
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08.05.2014, 10:33
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08.05.2014, 10:41
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
Kurzform: Ich schätze, man kann. Man muss nur verflixt gut sortieren - und dennoch bleibende Widersprüche aushalten können. "Unruhe" bleibt da wohl. Im besten Fall eine, die in beide Richtungen produktiv wirkt.
Diskussionen zwischen (christl.) Theologen und Philosophen sind da m.E. hinweisgebend für Deine Frage, weil sie zum einen geeignet sind zu zeigen, dass und wie man sich in diesem beiderseitigen Herausgefordertsein durchaus wohl fühlen kann. Und weil sich an diesen Diskursbegegnungen (der gelungeneren Art) gut ablesen lässt, was es bedeutet, überhaupt erst für die argumentative Anschlussfähigkeit zwischen den Denkbewegungen beider Disziplinen sorgen - und ihre Grenzen integer kennzeichnen - zu müssen.
Und da ist sie eben immer "schon da", die Philosophie. ;-)
Gruß,
AenGeändert von Aen (09.05.2014 um 18:13 Uhr)
Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
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08.05.2014, 10:52
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08.05.2014, 11:05Inaktiver User
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
Ich denke durchaus, dass das möglich ist. Man muss nur die einzelnen "Sprachspiele" (wie Wittgenstein es wohl nennen würde) auseinander halten.
Alles auf ein System reduzieren zu wollen, halte ich persönlich für unsinnig, weil ich davon ausgehe, dass wir mit unserem menschlichen Gehirn (mit oder ohne "Erleuchtung") nicht die ganze Komplexität dessen, "was ist", fassen können. Wir können uns den einzelnen Fragen nur über Teildisziplinen nähern. Ich fände es vermessen, zu glauben, wir wären als ein Produkt der Evolution die auserwählte Spezies, die sozusagen "von außen" einen objektiven Überblick hätte. (Diese Rolle spielt Gott bei den Gläubigen, Angostiker können diese "Leerstellen" einfach als solche belassen).
Auch religiöse, metaphysische oder künstlerisch/erzählerische Inhalte haben selbstverständlich eine Art von Existenz, sie können sogar sehr wirkmächtig sein. Sie können Menschen im tiefsten Inneren anrühren oder ihnen Angst machen bis hin zu medizinisch relevanten Auswirkungen. Sie sind also durchaus "real" - aber eben nicht im Sinne naturwissenschaftlicher Experimente. Deswegen lassen sie sich auf diese Weise weder verifizieren noch falsifizieren.
Die Naturwissenschaften können ihrerseits die Welt auch nicht allumfassend erklären. Als letzte Disziplin versuchte das die Hirnforschung - es war nicht ohne Komik, wie sie versuchte, die geistigen Interessen von Menschen auf reine Neuronenaktität zu reduzieren.
Warum sollte es nicht möglich sein, verschiedene Welterklärungen neben einander stehen zu lassen? Ich sehe darin einen großen Reichtum und eine unversiegbare Quelle kreativer Auseinandersetzung mit der Welt.
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08.05.2014, 11:10Inaktiver User
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08.05.2014, 11:21Inaktiver User
AW: Wie begründet ihr eure Werte?
Ja. Das finde ich auch faszinierend. Es ist eine gigantische Interpretation, die uns zu leben hilft.
Spannend wird es auch dann, wenn physikalische Versuche in Richtungen deuten, die uns kognitiv kaum mehr zugänglich sind - wie zB. die Quantenphysik. Dann bekommen wir eine Ahnung davon, dass vieles für uns kaum zu verstehen ist - und dass da wohl noch viel mehr existiert, was wir gar nicht erahnen können.
Für manche beginnt an dieser Stelle die Transzendenz, das Göttliche - andere verzichten darauf, diesen Bereich des Nichtwissenkönnens mit Vorstellungen zu füllen.Geändert von Inaktiver User (08.05.2014 um 11:31 Uhr)
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08.05.2014, 11:36



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