Ich kenne einige (meist ältere) Personen, die während des Gottesdienstes zB nicht zur Kommunion gehen / den Leib Christi empfangen wollen, da sie zB nicht beichten gehen oder nur einmal monatlich in die Kirche gehen. Hier werden also Abstufungen gemacht zwischen Christ und "guter" Christ.
Das wird heute sicherlich offener interpretiert, aber ist es nicht doch ein Unterschied, ob ich einfach nur an vielleicht diesen einen Gott glaube oder ob ich mich auch mit den Schriften auseinandersetze, Sakramente empfangen möchte etc. Reicht der Glaube an Gott, gelegentliches Beten und christliche Werte leben tatsächlich aus um Christ zu sein?
Ich frage deshalb, da es ja doch einige gibt, die zB aus der Kirche austreten (oft auch wg der Kirchensteuer), aber sagen, dass sie trotzdem Christ sind, aber eben mit der Kirche nichts anfangen können. Tatsächlich kann es zwar sein, dass sie an Gott glauben, aber sich letztlich nicht damit großartig auseinander setzen, Religion nicht in ihr leben einbinden etc, dennoch gehört der weihnachtliche Kirchgang zu ihren (einzigen) Ritualen.
Gibt es dann nicht eigentlich nur zwei Möglichkeiten: an keinen Gott glauben = Atheist oder an einen Gott glauben, dann aber bitte sich für einen bestimmten entscheiden und somit ist man Christ/Moslem oder sonst was?
Das ist nicht wertend gemeint sondern tatsächlich reines Interesse, da ich selbst nicht weiß, als was ich mich bezeichnen soll.
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27.11.2013, 12:31Inaktiver User
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
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27.11.2013, 12:52
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Es war in früheren Jahrhunderten so, dass das Glaubensbekenntnis des Fürsten entscheidend war für das Glaubensbekenntnis seiner Untertanen. Cuius regio, eius religio = wes der Fürst, des der Glaub. Mit der Aufklärung kam auch die individuelle Glaubensfreiheit.
Einer der Vorreiter der Religionsfreiheit war der Alte Fritz, König von Preußen und Atheist, der sagte: "Jeder soll nach seiner Façon selig werden". Er gewährte auch den Hugenotten Asyl in Preußen, nachdem nach willkürlichen Plünderungen und Morden in Frankreich ab 1685 eine Fluchtwelle von etwa einer Viertelmillion Hugenotten in alle umliegenden, protestantischen Länder auslösten.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden von den deutschen Fürsten riesige Besitztümer beider Volkskirchen beschlagnahmt und die Versogung beider Kirchen per Kirchensteuer auf die Steuerzahler abgewälzt.
Heute herrscht weiterhin Religionsfreiheit, Miglieder der beiden großen Konfessionen müssen Kirchensteuer zahlen. Die anderen nicht. Sie sind aber über ihre allgemeinen Steuernsystem sehr wohl eingebunden in die finanzielle Vesorgung der beiden Kirchen, weil die Länder vor Jahrzehnten Verträge mit ihnen ausgehandelt haben. Aus den Amtskirchen austreten kann jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist, also religionsmündig. Er muss es nur beim Amtsgericht oder Einwohnermeldeamt ohne Begründung beantragen.
Christ ist, wer getauft wurde. Soweit die einfachen rechtlichen Bedingungen.
Wie sehr sich jemand als Christ sieht, wird wohl nur er selbst beurteilen können. Familiärer Druck bestimmt nicht selten auch die Ausformung der gelebten Frömmigkeit. Und hinzu kommen die Erwartungen von außen, die bestimmen wollen, was ein guter Chrsit zu tun und zu lassen hat.Geändert von Opelius (27.11.2013 um 13:11 Uhr) Grund: Ergänzung
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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27.11.2013, 13:09
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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27.11.2013, 13:41Inaktiver User
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Ein schöner Gedanke. Somit ist jeder sein eigener Richter und es bleibt ihm überlassen, wie viel er tun möchte, um ein (aus seiner Sicht) guter Christ zu sein.
Irgendwie beruhigend und dennoch verwirrend, da vermutlich dennoch ein unbeirrbarer Glaube die Basis des Christseins ist? Ich möchte mich in meinem Glauben zu Hause fühlen, das kann ich vermutlich aber nur, wenn ich von meinem Glauben überzeugt bin. Ich hadere aber und muss nun selbst entscheiden, wie sehr ich mich als Christ sehe. Dann fehlt mir aber die Führung und ich fühle mich allein gelassen. Das ist ein "Teufels"kreis.
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27.11.2013, 14:03
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
wie wäre es für Dich, in Deiner Kirchengemeinde nach Kreisen umzusehen, die sich mit Glaubenfragen auseinandersetzen.
Gottesdienst ist eine formelle Veranstaltung, und nicht jedermann kan aus einer Predigt was mit nach Hause nehmen. Aber machmal finden nach dem Gottesdienst Gesprächskreise statt, die über die Texte sich austauschen. Ich halte ziemlich viel von solchen persönlichen Begegnungen. Es gibt auch Literatur, aber dazu muss man schön bereit sein, sehr diffizille Texte zu lesen.
Und im Übrigen ich kenne keinen ernsthaften Christen, der nicht ab und zu richtige Glaubenkrisen erlebt hat.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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27.11.2013, 14:25Inaktiver User
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Ja, vermutlich würde mich das in einigen Fragen weiter bringen. Im Moment bin ich noch nicht dazu bereit, dem Ganzen nochmal eine Chance zu geben, trotz dass ich weiß, dass ich es tun sollte, wenn ich inneren Frieden finden möchte.
Eine Freundin meinte kürzlich zu mir, wer einen festen Glauben hat, spart sich den Therapeuten :))
Zum Thema Kirche an sich, würde ich mir gerne eine Art Betriebsrat wünschen oder eine zentrale Beschwerdestelle :))
Haben wir eigentlich schon einen Thread in dem über den neuen Papst diskutiert wird?
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27.11.2013, 14:37
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Ja, hier auf den letzten Seiten : Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Deine Beschwerdestelle ist in jedem Fall Deine Diözese.Geändert von Opelius (27.11.2013 um 14:41 Uhr)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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27.11.2013, 14:42
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Hallo josy_carolina,
also zum Christsein braucht man meiner Erfahrung nach keine Kirche. Ich war jahrzehntelang kirchenfern, wenn ich auch nie ausgetreten bin. Aber ich hab ich immer ohne wenn und aber als gläubige Christin gesehen. Über Exerzitien hab ich mich dann dem Thema Kirche wieder angenähert und mich nach meinem Umzug auch in der neue Gemeinde umgeschaut. Da gibt es auch viele, mit denen ich nicht viel anfangen kann, die mir fremd sind oder einfach nichts zu sagen haben. Aber ich habe mir langsam mein eigenes kleines Umfeld geschaffen, in dem ich mich wohlfühle, wo ich mit Gleichgesinnten zusammenkomme.
Von außen wird auch keine wirkliche Abstufung gemacht, was den Empfang der Kommunion angeht. Gut, wer sich in schwerer Sünde befindet, darf nicht kommunizieren, soweit die offizielle Regelung. Gleichzeitig gibt es aber auch die Anweisung, niemanden abzuweisen, der die Kommunion empfangen will, auch wenn bekannt ist, dass jemand wiederverheirateter Geschiedener ist. Die Praxis ist also pastoral am Menschen ausgerichtet. Viele alte Menschen haben das vermutlich noch anders erlebt und trauen sich daher nicht oder haben Schuldgefühle, wenn sie doch gehen. Das finde ich persönlich schade, aber es ist oft schwer zu ändern, weil manche Dinge tief sitzen.
Ich glaube übrigens auch, dass der Glaube in vielen Punkten den Therapeuten ersetzen kann. Das darf man nicht unterschätzen. Und wie viel Auseinandersetzung mit dem Glauben der Einzelne will und braucht, ist sicher sehr verschieden. Darüber würde ich nicht urteilen wollen. Allerdings gebe ich zu, dass ich bei Menschen, die sich an vorderster Front in der Kirche engagieren, schon ein gewisses Maß an Reflexion und Glaubenstiefe erwarte, einfach weil sie in meinen Augen auch eine gewisse Vorbildfunktion übernehmen. Und wenn die Außenwahrnehmung dann suggeriert, dass das nur Vereinsmeier sind, die vor allem wichtig sein wollen, dann finde ich das zumindest ungünstig.
Ich würde aber niemals pauschal sagen, ein guter Christ ist nur einer, der jede Sonntag in die Kirche geht oder regelmäßig beichten oder immer für die Frauengemeinschaft Kuchen backt. Da wird jeder seinen eigenen Weg finden müssen, wie er seinen Glauben authentisch leben kann.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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27.11.2013, 15:09Inaktiver User
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Danke für eure Antworten @Malina @Opelius

Ich war gerade mal auf der Internetseite der zuständigen Diözese (zwecks Beschwerdestelle ;)) und habe auf einer der Hauptseiten folgendes zum Thema gefunden (Zitat Bischof):
„Christen sind Menschen, die vom Gottesgeist erfüllt sind und die Welt in der Kraft des göttlichen Geistes verwandeln. Unsere Welt braucht gerade heute das mitreißende Zeugnis unserer Liebe, einer Liebe in der Kraft des Geistes!..."
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27.11.2013, 15:13Inaktiver User
AW: Was macht einen "guten Christen" aus?
Aha. "Das mitreißende Zeugnis unserer Liebe ..." - aber bitte nur, wenn es passt und keine Unannehmlichkeiten bedeutet, würden wohl die beiden oben erwähnten Kirchgemeinden in Essen hinzufügen.


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