Der heulende junge Soldat ist eine Vermutung - schön wäre es gewesen - die Realität war wohl anders. Diese Leuten glaubten, was Gutes zu tun und...waren auch noch stolz drauf, wie hart und ungnädig sie sein konnten. Andere wären schreind weggelaufen - aber nicht ein guter Nazisoldat...
16-jährige Burschen konnten gar nicht früh genug ihren "Dienst fürs Volk" beginnen, es war eine Art Massenhysterie, die auch/und gerade die jungen Menschen ergriffen hatte. Leben hatte damals eh keinen großen Stellenwert - man starb ja soo gerne für sein Vaterland, war nicht zimperlich im Krieg - und schon gar nicht,was "lebensunwertes Leben" angeht.
Sowas wie Menschlichkeit und Gewissen gab es während der Nazi-Zeit wohl kaum..ist, als wären diese Eigenschaften in tumben Nationalstolz umgewandelt worden und hätte den Menschen die Fähigkeit zu Denken genommen...
Gerne wurden jüdische oder roma-Mitbürger verraten - noch nicht mal, weil man eine Belohnung erwartete, sondern weil man "brav" sein wollte.
Wer weiß, wie viele derer, die da gerne mitgemacht haben, später leitende oder mittlere Positionen bekamen - als Bürgermeister ect, obwohl an ihnen eine Menge Blut klebte...
Und dann noch dieses "Wir haben davon nichts gewusst...". Wohin sollten denn all die Menschen verschwunden sein, die abgeholt wurden? Wie kann so eine riesige Vernichtungsmaschine wie Auschwitz oder andere KZ`s verborgen geblieben sein?
Ich habe mit vielen älteren Deutschen über dieses Thema geredet...aber ich habe keine Antwort bekommen, mit der ich was anfangen kann...
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11.10.2013, 14:05Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
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11.10.2013, 14:14Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Ja, es gab neben dem im Warschauer Ghetto diverse Aufstände, die alle irgendwie weitgehend in Vergessenheit geraten sind.
Z.B. auch der Ghetto-Aufstand von Bialystok, der zunächst sogar recht erfolgreich war.
Und in Auschwitz auch einen (kleinen) von einem Frauentransport, die sich nicht ohne Gegenwehr ins Gas treiben ließen, sondern sich nach Kräften wehrten.Geändert von Inaktiver User (11.10.2013 um 14:27 Uhr)
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11.10.2013, 14:23Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Ich würde den meisten Leuten schon zugute halten, das sie in der ersten 1-2 Jahren der Deportationen wirklich dachten, die Leute würden halt nur in den Osten umgesiedelt, womöglich in Arbeitslager.
Die ersten Transporte aus Berlin gingen z.B. alle nach Lodz, wo die Deportierten dann erst mal lebten.
Von dort wurden die ersten Leute 1941 nach Chelmo gebracht und in Lastwagen vergast.
Was auch die Menschen in Lodz zunächst nicht wußten .... Zu den ersten Transporten konnte man sich freiwillig melden, angeblich sollte es zurück nach D. gehen, zum Arbeitsdienst. Viele deutsche Juden haben das gemacht, weil sie es im Ghetto besonders schwer hatten.
Erst nach einigen Monaten hat sich im Ghetto die Ahnung breit gemacht, das da wohl was Übles läuft ..... Das Gepäck der Deportierten kam nämlich zurück, zur Verwertung.
Was KZ's angeht, wußte davon natürlich jeder, aber das war ja noch mal etwas anderes als die Vernichtungslager, die alle in Polen waren.
Das ist ja, was ich weiter vorne meinte: Bis die Leute begriffen, was da abging, war ein Großteil des Verbrechens schon geschehen. Deshalb haben sie das dann lieber verdrängt, denke ich.
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11.10.2013, 14:46Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Da könnte man wieder das Milgram-Experiment ins Spiel bringen. Vermutlich wären Andere so wenig weggelaufen, wie die Nazisoldaten. Sie hätten geschossen. Zitternd und mit schweißnassen Händen. Und nach einer Weile hätten sie aufgehört zu zittern und zu schwitzen und sich an die neuen Arbeitsbedingungen gewöhnt. Und das spritzende Blut und die austretende Hirnmasse so stoisch hingenommen wie ein Bauarbeiter den unvermeidbaren Lärm des Presslufthammers.
Ich bin mir nicht sicher, ob wir in diesem Punkt nicht bis heute einem Bild aufsitzen, dass die Nazipropaganda gezeichnet hat. Zu Kriegsbeginn mag es diese Begeisterung durchaus gegeben haben. Aber nachdem die großen Brüder gefallen waren oder nur noch stückchenweise in die Heimat zurückgekehrt sind, wird sich bei den sechzehnjährigen Jungen eine gewisse Ernüchterung breitgemacht haben.16-jährige Burschen konnten gar nicht früh genug ihren "Dienst fürs Volk" beginnen, es war eine Art Massenhysterie, die auch/und gerade die jungen Menschen ergriffen hatte. Leben hatte damals eh keinen großen Stellenwert - man starb ja soo gerne für sein Vaterland,
Die männlichen Zeitzeugen, mit denen ich gesprochen habe waren sich in diesem Punkt einig: Von dem Gedanken, erschossen oder von Granaten zerfetzt zu werden, war keiner so richtig begeistert. Den meisten Menschen ist der eigene Arsch glücklicherweise teurer als das Vaterland.
Definitiv. Ein Großonkel von mir (höherer Beamter) hat während der Nazizeit Distanz zum Regime gehalten so gut es eben ging. Die Schreibtischtäter und Mitläufer hatten noch zwanzig Jahre nach Ende der Nazidiktatur die höheren Positionen inne und haben am Ende die dickeren Pensionen kassiert.Wer weiß, wie viele derer, die da gerne mitgemacht haben, später leitende oder mittlere Positionen bekamen - als Bürgermeister ect, obwohl an ihnen eine Menge Blut klebte...
Nicht zu reden von den jüdischen Opfern, die verarmt gestorben sind, während die Nazi-Richter und die KZ-Ärzte einen Lebensabend in materieller Sicherheit genossen haben und der deutsche Michel einen Schlussstrich ziehen wollte.
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11.10.2013, 15:01Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Wobei ich die Diskussion um die vermeintliche "Duldsamkeit" der Juden immer etwas verquer finde.
Das kann man durchaus mit der Situation von Verbrechensopfern in der heutigen Zeit vergleichen. Wenn jemand auf dem Bahnhof von zehn Personen mit abgebrochenen Bierflaschen angegriffen und zusammengeschlagen und am Ende aufs Gleis geschmissen wird, dann wird man ihn doch hoffentlich auch nicht fragen, warum er so duldsam war sich vom Zug die Beine abtrennen zu lassen.
Tatsache ist doch, dass man einen ziemlich begrenzten Handlungsspielraum hat, wenn eine absolute Übermacht von Bewaffneten fest entschlossen ist, einen zu ermorden. Muss man sich dann pro forma wehren, damit es wenigstens sportlich aussieht?
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11.10.2013, 15:19Inaktiver User
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Ich auch. Juden sind per se nicht duldsamer oder unduldsamer als andere Menschen.
Nun ja - wenn ein fünfzig-köpfiges Kommando 10.000 Menschen nacheinander erschießt, ist es aber keine Übermacht.Tatsache ist doch, dass man einen ziemlich begrenzten Handlungsspielraum hat, wenn eine absolute Übermacht von Bewaffneten fest entschlossen ist, einen zu ermorden.
Und auch die Ghettos haben "wunderbar" selbstorganisiert funktioniert und zu jedem Transport die paar Tausend angeforderten Opfer-Schafe brav geliefert.
Es ist schon gruselig, was da offensichtlich für psychologische Mechanismen zum Tragen kommen, die die Menschen komplett lähmen.
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11.10.2013, 15:24
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Interessant zusammengefasst, parvamater.
Allerdings glaube ich, das Bild müsste sein, dass jemand von zehn Polizisten zusammengeschlagen wird... Ich denke die Tatsache dass damals die Regierung die Verbrecher waren hat auch eine große Rolle gespielt.

annapaulemaxThe aim of life is to live, and to live means to be aware, joyously, drunkenly, serenely, divinely aware (Henry Miller)
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11.10.2013, 15:24Inaktiver User
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11.10.2013, 15:25
AW: Warum werden Juden gehasst/verfolgt?
Durch Berichte und Filme über KZs wie Theresienstadt wurde ja vorgespiegelt, dass die Juden nun zusammengefasst an einem Ort ein geordnetes Leben führen können. Da waren dann viele erleichtert und haben nicht weiter nachgedacht. Sogar die ausländischen Journalisten und Politiker, die Führungen in Theresienstadt erhielten, glaubten dieses Schauspiel.
Hast du mal mit älteren deutschen Juden gesprochen? Das könnte das Bild etwas erhellen, auch wenn es nicht reicht, um es zu durchleuchten.Der Sinn des Lebens ist das Glück.
Und wenn das Glück dich verlässt, lauf hinterher.
Kranich-Frain-Schlamperl-Sternensammlerin-Lebensliebe+Sonnenkranich-?
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11.10.2013, 15:28Inaktiver User



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