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Thema: Gibt es Gott?

  1. User Info Menu

    Re: Gibt es Gott?

    Hallo Cariad,
    okay, ich verstehe was du mir sagen willst; nun meine Argumente.

    Hallo Brillie,
    man kann niemals die Nichtexistenz von etwas, auf das es nicht einmal Hinweise gibt, beweisen. Das ist, als wollte man eine Verschwörungstheorie widerlegen, was bekanntlich auch nicht funktioniert. ;-) Aber in der Beweispflicht ist auch normalerweise derjenige, der eine Theorie aufstellt, und nicht der Rest der Welt.

    Ist es nicht vielmehr so, dass sich zwei grosse Theorien gegenueber stehen?
    Da ist also dieser ganze grosse Kosmos an dessen unbekannten Rande wir irgendwo auf einer kleinen blauen Kugel leben.
    Theorie 1: Das Absolute, das Ganze, den Kosmos, alles was davor war und was danach kommt, wurde von einer goettlichen Kraft erschaffen.
    Theorie 2: Der Kosmos entstand. Eine goettliche Kraft gibt es nicht.

    Dann gibt es diejenigen, die sagen: da mische ich mich nicht ein, Theorie 1 oder Theorie 2 koennte richtig sein. Mal ganz grob vereinfacht.

    Beide Theorien stehen da zugegebenermassen schon ziemlich lang, und keiner hat so recht eine Antwort, und beweisen koennen wir eben auch keine der beiden.
    Einerseits schade, denn deswegen schlagen wir uns die Koepfe ein.


    Natürlich mag es ewige Jagdgründe geben. Aber der Punkt ist doch: Wenn ein Christ an ein Jenseits glaubt - glaubt er dann auch an die Jagdgründe? An den griechischen Hades? An das Nirwana? An die Wiedergeburt in einem anderen Körper? Es gibt doch so viele Konzepte des Jenseits, die sich teilweise diametral widersprechen. Manche Menschen glauben, in die Hölle zu kommen, wenn sie sich mit Evolutionstheorie befassen. Andere sind überzeugt davon, dass sie in den Himmel kommen, auch wenn sie Menschen zu Tode gebracht haben. Selbst wenn man davon ausgeht, dass eine dieser Theorien stimmt, muss man doch annehmen, dass der Rest vom Menschen erdachte "Hirngespinste" sind (so abfällig hätte ich mich nicht ausgedrückt, aber okay).
    Sind nun die ewigen Jagdgruende richtig? Oder der Himmel? Oder die Wiedergeburt? Wir wissen es nicht. (Wir schlagen uns aber die Koepfe deswegen ein). Wenn Theorie 1 stimmt, was ich persoenlich glaube, dann denke ich: es ist wahrscheinlich sowieso alles ganz anders, als wir es uns in jahrtausendalten Vorstellungen versucht haben zu imaginieren. Diejenigen, die Theorie 2 befuerworten, sagen: das sind erfundene Ideen fuer etwas, das es nicht gibt.
    Ich, fuer meinen Teil, werde einfach den Zeitpunkt abwarten, wenn ich den grossen Fluss ueberquere (um einfach mal bei Bildern zu bleiben) - und es herausfinden, oder auch nicht. Aber ich glaube , dass Theorie 1 stimmt. Und es macht mich gluecklich. Jeden Tag.

    Zum Konzept von Weg und Ziel: ich finde mich und alles was im Kosmos steckt, ganz und garnicht unwichtig. Insofern bin ich fuer Deine Weltsicht also offenbar eitel. Aber ich fuehle mich wohl mit meinem Weg und meinem Ziel. Ich denke, dass Ethik wichtig ist. Und dass Mitgefuehl fuer einen raeudigen, am Wegrand verendenden Strassenhund wichtig ist, weil auch er nicht unwichtig ist. Und warum finde ich mich und unseren Kosmos wichtig? Weil es der einzige Kosmos ist, den wir - so weit wir blicken koennen - haben. Das ist so wie dein Haus. Du lebst darinnen: pass auf es auf. Also habe ich fuer diese Etappe einen Weg und ein Ziel gewaehlt.


    Du fragst, warum ich mich damit befasse. Als Atheist steht man mit fassungslosem Erstaunen dem Glauben gegenüber. Es ist ein Gefühl, als würden die meisten Menschen mit einer Papiertüte über dem Kopf durchs Leben laufen und niemals auf die Idee kommen, sie abzunehmen, um mit unverstelltem Blick auf die Welt zu schauen. (Ich weiß, dieses Bild kann man auch umdrehen, aber so empfinde ich es.)
    Vielleicht haben die, die Theorie 1 befuerworten ebenso wie die, die Theorie 2 befuerworten, eine Papiertuete ueber dem Kopf. Und laufen so durchs leben.
    Aber ich glaube es nicht.

    Ich finde es toll, dass du dich fuer die Mitmenschen und ihre Ideen interessierst. Das meine ich ganz ohne Ironie, wirkich.

    "NAMASTE"
    Brillie

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    Re: Gibt es Gott?

    Ich denke, dass Ethik wichtig ist. Und dass Mitgefuehl fuer einen raeudigen, am Wegrand verendenden Strassenhund wichtig ist, weil auch er nicht unwichtig ist.
    Hallo brillie,
    für eine Ethik braucht man aber eine Religion am wenigsten. Zum einen gibt keine Religion eine eindeutige Ethik her, jeder hat so seine eigene und führt seine Religion als Autorität ins Feld; zum anderen wäre es etwa im Katholizismus durchaus nicht wünschenswert, im Hinblick auf die zu verdienende Ewige Seligkeit gut zu sein.
    Gruss Aladin

  3. Inaktiver User

    Re: Gibt es Gott?

    Hallo Brillie,
    das war eine sehr schöne und friedliche Zusammenfassung!

    Grüße, Cariad

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    Re: Gibt es Gott?



    für eine Ethik braucht man aber eine Religion am wenigsten.
    Hallo Aladin,
    ich behaupte nicht, dass man fuer Ethik eine Religion "braucht".
    Ich sage, dass fuer mich Ethik grosse Bedeutung hat.

    Gruss,
    Brillie

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    Re: Gibt es Gott?

    Hallo Cariad,
    danke - ... -

    Namaste,
    Brillie

  6. Inaktiver User

    Re: Gibt es Gott?

    Ein paar Hinweise, die keineswegs erschöpfend sein können, sondern ebenfalls nur an der Oberfläche kratzen.

    Traditionell wird zwischen verschiedenen Hauptargumenten für die Existenz Gottes unterschieden:

    - ontologischer Beweis
    - kosmologischer Beweis
    - physikotheologischer Beweis


    Unter jedem dieser Hauptargumentationsstränge gibt es eine ziemlich große Fülle von Spielarten, die zu diskutieren hier nicht angebracht ist. Daher nur andeutungsweise die Hauptstoßrichtungen dieser Argumente:

    - Der ontologische Beweis versucht aus dem bloßen Begriff einer Realitätsallheit auf die Notwendigkeit der Existenz eines entsprechenden Wesens zu schließen. Da zu dem Gesamtkomplex der Eigenschaften eines allumfassenden Wesens zwingend der Begriff „Dasein“ gehöre müsse, sei die Existenz Gottes logisch zwingend. Ursprungsargument stammt von Anselm von Canterbury. Erste Widerlegungen bei Gassendi, später bei Kant. - Die typische Laienwiderlegung – basierend auf einer Unterscheidung zwischen nur gedachter und wirklicher Existenz im Eigenschaftskomplex – ist selbst zu kurz gedacht und konnte ihrerseits widerlegt werden. Das tatsächlich zwingende Gegenargument ist erheblich komplexer. Es hängt damit zusammen, dass „Realität“ ein Prädikat besonderer Wertigkeit ist – und zwar kein Prädikat, das in einen Eigenschaftskomplex gehört, von dem sich dann wiederum Existenz oder Nichtexistenz aussagen ließe. Dies ist Teil allgemein anerkannter Modallogik, und darin stimmt moderne Logik (z.B. Hintikka) mit traditioneller philosophischer Logik (z.B. Kant) völlig überein. Auf ein Verzeichnis der Literatur hierzu verzichte ich. Das dürfte Laien weniger interessieren.

    - Der kosmologische Beweis geht davon aus, dass es für die Existenz des Kosmos einen Urgrund geben müsse. Etwas unklar ist dabei begriffsgeschichtlich die Unterscheidung zwischen erstem Seinsgrund und erster Seinsursache. Teils werden die Begriffe gleichbedeutend (causa essendi), teils unterschiedlich verwendet.

    Entscheidend ist hier der Gedanke, dass Gott außerhalb von Raum und Zeit existiert, sofern er existiert. Demnach ist – so sieht es bereits Thomas von Aquin – Gott nicht erstes Glied in einer Zeitreihe. Die Frage, ob der Kosmos mit dem Urknall beginnt oder ob dem Urknall irgendetwas anderes vorhergeht, hat mit Gott nichts zu tun. Die Ursache-Wirkung-Beziehung im Sinne zeitlicher Abfolgen mag bereits ewig existieren, oder sie mag irgendwann einmal angefangen haben. Gott wäre in beiden Fällen nach traditioneller Lehre Seinsgrund. Auch eine Zeitreihe ohne ersten Anfang bedürfte nach dieser Lehre eines Seinsgrundes, an welchem bildlich gesprochen die gesamte Reihe der empirischen Erscheinungen wie an einer Kette aufgehängt ist.

    Der Grundgedanke ist dabei folgender: Alle Dinge der empirischen Welt existieren nur aufgrund von Bedingungen. Ihre Existenz ist daher kontingent („zufällig“) und nicht aus sich selbst heraus notwendig. Das Gleiche trifft auch für jede dieser Bedingungen zu: Auch für sie gilt zunächst das Gleiche. Um jedoch zu erklären, warum es überhaupt Bedingtes gibt, fordert die christliche Philosophie ein Unbedingtes, in seiner Existenz aus sich selbst heraus Notwendiges („unbedingt notwendiges Wesen“ (ens necessarium), Selbstursache („causa sui“)) als ersten Grund für die Existenz des Bedingten in der Welt.

    Die Diskussion dieses Arguments beginnt in der Antike. Entscheidende Kritik bei Immanuel Kant. Die katholische Kirche hält jedoch bis heute an einer kosmologischen Beweisführung dieser Art in Kernzügen fest.


    - Der physikotheologische Beweis geht von dem Gedanken aus, dass die zweckmäßige Anordnung der Weltdinge nicht zufällig sein könne und eines Grundes bedürfe, der in einem planenden göttlichen Intellekt bestehe. Von ähnlichen Argumenten wird bis heute auch von Laien sehr gerne Gebrauch gemacht. Dass der Kosmos so wunderbar und für uns so zweckmäßig sei (was im übrigen nur sehr bedingt zutrifft), bedürfe einer Erklärung.

    Dieses Argument wurde bereits sehr früh als außerordentlich schwach angesehen (entscheidende Kritik u.a. auch bei Kant). Die Tatsache, dass vieles für die Existenz des Menschen nützlich und gleichsam „wunderbar“ angeordnet sei, ist als Argument eher problematisch. Dieses „Wunderbare“ wird von uns nur deshalb als solches erkannt, weil wir bereits das Beweisziel unterstellen: Demnach steht der Mensch im Mittelpunkt des Kosmos. Alles sei auf ihn, seine Existenz und seine Ziele ausgerichtet. Tatsächlich erscheint das Wunderbare nur insofern als wunderbar, als wir es als aus unserer Sicht (!) zweckgerichtet interpretieren. Es ist aber genauso gut möglich, dass der Mensch ein evolutionäres Zufallsprodukt ist. Dass für diesen Zufall eine Menge Bedingungen erfüllt sein müssen, versteht sich von selbst. Aber bereits für die Möglichkeit des kleinsten Atoms müssen eine Menge Bedingungen erfüllt sein. Der Gedanke eines intellektuellen Planes für dieses „wunderbare“ Geschehen liegt lediglich psychologisch in Analogie zum planenden, zweckorientierten menschlichen Intellekt nahe.

    Fazit:

    Die seit Kant unterstellte Unmöglichkeit von Gottesbeweisen bedeutet keineswegs den Ausschluss der Existenz Gottes. Es ist demnach zumindest „denkbar“, dass es einen göttlichen Weltenplan gibt oder dass ein „notwendiges Wesen“ außerhalb von Raum und Zeit existiert. Lediglich die rationale Beweisbarkeit dieser Hypothesen wird bestritten (Gegenpositionen hierzu finden sich bis heute in der katholischen Theologie).

    Rational folgt daraus auch nicht so etwas wie Atheismus (Cariad hat völlig recht mit der Bemerkung, dass sich die Existenz von irgendetwas nicht rational Erkennbarem auch nicht rational widerlegen lässt), sondern eine eher agnostizistische Position.

    Aus rationalen Gründen ist auch der vorstehende Diskussionsstrang völlig müßig. Die teilweise poetischen, mystischen, gefühlsmäßigen Einstellungen einiger Diskussionsteilnehmer können lediglich zur Kenntnis genommen werden. Da ist nichts zu widerlegen, es ist schlicht zu akzeptieren. Ich sehe überhaupt keinen Ansatzpunkt, worüber sich hier diskutieren ließe. Wenn jemand Gott liebt und empfindet, soll er/sie es meinetwegen tun. Andere können dies nicht nachempfinden. Was gibt es hier in „Gottes Namen“ überhaupt zu diskutieren?

    Selbst die Ansicht, dass Gott NUR eine Kreatur menschlicher Bedürfnisse sei, führt nicht weiter. Es ist lediglich argumentierbar: Wenn es Gott nicht gibt, wird der Mensch seine Idee erfinden (muss nicht einmal von Gläubigen bestritten werden). Wenn es ihn aber doch gibt, dann spielt es keine Rolle, ob wir seine Idee erfunden hätten oder nicht. Auch diesbezüglich ist nichts beweisbar oder widerlegbar.

    Darum interessiert mich überhaupt nicht, ob jemand glaubt oder nicht. Mich interessiert vielmehr, mit welchen Inhalten er seinen Glauben ausstattet. Ob er beispielsweise wie einige Fundamentalisten der Ansicht ist, Gott würde uns ein bestimmtes Sexualverhalten vorschreiben (Sexualverhalten ist merkwürdigerweise Lieblingsthema mancher Fundis) oder Gott würde bestimmte Menschen anderen gegenüber bevorzugen. Über solche inhaltlichen Ausgestaltungen des Glaubens ließe sich dann durchaus vorzüglich diskutieren.

  7. User Info Menu

    Re: Gibt es Gott?

    Hallo Andante,
    danke fuer deine erweiternde Ausfuehrung. Lass mich mal ueberlegen, wie ich jetzt weiter formuliere. Ich kann diesen Diskussionsstrang nicht voellig muessig finden, denn schau mal: durch ihn hat z.B. Cariad mich (meine Gedanken) kennengelernt, und ich ihre. Ich habe auch ihre Vorstellungen besser verstanden, oder mir nochmals vor Augen gefuehrt. Der Ansatzpunkt ueber den hier diskutiert wird: ist er nicht der gleiche, ueber den Plato, Aristoteles, Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin, Sankt Augustin, und Meister Eckhart und Bernhard von Clairvaux und Ibn al Arabi, auch Kant, Hintikka, Sartre, Jonas und wie sie alle heissen, sich Gedanken gemacht haben und wahrscheinlich in lebendigen Streitgespraechen ausdiskutiert haben? Auch in vergangenen Zeiten waere die Diskussion aus rationalen Gruenden genauso muessig gewesen - behaupte ich einfach mal.
    Kant hat die Unbeweisbarkeit zwar sehr schoen ausgefuehrt, es bleibt dennoch ein Beduerfnis, die Frage "Gibt es Gott", immer und immer wieder neu zu stellen. Und die kommenden Generationen werden es sehr wahrscheinlich auch tun. Ob Laie oder nicht.
    Und man kann neue Fragen stellen. Zum Beispiel ueber unser lineares, einfachdimensionales Verstaendnis von Raum und Zeit.
    Und man kann auch die von dir gegebenen Hinweise erweitern (sagst du ja auch), durch die nicht eurozentristischen Ansaetze, die man im asiatischen Raum vorfindet (wo man bei der Unbeweisbarkeit sowieso ganz anders ansetzt), und immer wieder um neue Erkenntnis ringen.

    Dein Vorschlag, ueber die Inhalte, mit denen man den Glauben ausstattet nachzudenken, koennen wir ja aufgreifen; da beginnt naemlich die grosse Verwirrung.

    Insofern finde ich den ganzen Strang lehrreich, auch dank Erklaerungen wie deiner.

    Namaste,
    Brillie

  8. Inaktiver User

    Re: Gibt es Gott?

    @Brillie

    Ich finde Deine Zeilen äußerst anerkennenswert, hatte jedoch bisher eher den Eindruck, dass es den Diskussionsteilnehmern um das sinnlose Ausdiskutieren einfacher unentscheidbarer Gegensatzpaare nebst Unterstellung unredlicher subjektiver Motive des jeweils anderen geht. Von einer differenzierten Erörterung des Gottesbegriffs konnte bisher kaum die Rede sein. Zu einem meiner früheren Beiträge äußerte eine Diskussionsteilnehmerin, dass der große Traditionsstrang christlicher Gottesphilosophie (die sogenannte klassische Ontotheologie - Seinslehre Gottes) aus religiöser Sicht völlig nebensächlich sei.

    Das erweckte in mir den Eindruck, als ob wir heute den Kelch der Weisheit in vollen Zügen getrunken zu haben glauben.

    Um so richtiger Deine Ansicht, dass es sich lohnt, völlig unabhängig vom eigenen religiösen Standpunkt, die großen Traditionsstränge - nicht nur "eurozentrischer" Art - zur Kenntnis zu nehmen und sie als bereichernd zu empfinden. Denn es ist eben ein moderner Aberglaube, man benötige einen solchen Rückbezug nicht, da man als "moderner Mensch" ohnehin die Weisheit in vollen Zügen gepachtet habe.

    Selbst die Ansicht, Gottes Existenz sei unbeweisbar, ist streng genommen ein "moderner" Aberglaube, wenn sie nicht auf Argumenten basiert. Dass ich mich dieser Ansicht sogar anschließe, bedeutet keineswegs, dass ich mir sicher bin, sondern lediglich, dass ich auf Basis der Tradition einen bestimmten Standpunkt entwickelt habe: ich bin auch bereit, diesen sokratisch zu hinterfragen und ihn wie jeden anderen als vorläufig zu betrachten.

  9. Inaktiver User

    Re: Gibt es Gott?

    Ein toller Strang ist das hier, auch wenn ich noch nicht 100% gelesen habe.

    Zur Fragestellung "wer ist Gott?" kann ich nur sagen, die Frage ist irrelevant, weil wir sie nicht beantworten können. , wir sind schlicht "zu blöd", sprich wie eine meiner Vorrednerinnen schrieb "wir haben nicht den richtigen Überblick".

    Manche Leute behaupten, sie hätten Gott erfahren. Tatsache ist, sie wissen nicht genau WAS sie da erfahren haben, sie nennen das Nichtbenennbare aber Gott.

    Tatsache ist, dass wegen diesem Wesen Gott Millionen Menschen durch die ganze Geschichte bis heute ihr Leben lassen mußten, nur dehalb, weil es verschiedene Meinungen zu Gott gab/gibt. Momentan versuchen die Islamisten äußerst aggressiv ihr Gottesbild durchzusezten.

    Ich bin der Meinung, es ist Zeit, dem Mythos Gott mal anders zu sehen: persönlich.

    Religiöse Vereinigungen und ihre Überzeugungen davon, wer oder was Gott sei und zu behaupten zu wissen, was er angeblich will und deshalb an ihre Mitglieder bestimmte Forderungen zu stellen, finde ich einfach überholt. Religiöse Vereinigungen ohne ihr strenges Dogma (das ja ohnehin auf Sand baut) fände ich voll akzeptabel und zeitgemäß, aber leider ist sowas undenkbar, denn Verzicht auf das Dogma würde Verzicht auf Macht bedeuten.

    Warum sollte es keinen "personal Jesus" geben, der für jeden anders ist, oder für manche gar nicht existent? Es kann doch nur eine individuelle Einstellung zu Gott geben mit individuellen Erfahrungen, Visionen, etc., das Thema Gott ist nicht lehrbar, lehrbar sind nur Informationen zu Gottesvorstellungen und daraus entstandenen Kulturen.

    Was glaube ich? Ich glaube/fühle, dieses Gotteswesen existiert, aber ich WEISS gar nix. Ich glaube darüberhinaus, dass dieses Leben eine Spielwiese ist, auf der wir durch Erfahrung lernen. Erfahrung ist nicht immer nett, es gehören dazu auch Trauer und Schicksalsschläge (daraus kann man sehr viel lernen), damit ist auch die Frage beantwortet, warum Gott schlimme Dinge nicht verhindert. Aber das ist eben mein induvidueller jetztiger Glaube, der noch nicht mal felsenfest ist, vielleicht habe ich schon morgen weitergehende oder andere Erkenntnisse?

  10. User Info Menu

    Re: Gibt es Gott?

    @brillie, cariad & andante

    Ist es nicht vielmehr so, dass sich zwei grosse Theorien gegenueber stehen?
    [...]
    Theorie 1: Das Absolute, das Ganze, den Kosmos, alles was davor war und was danach kommt, wurde von einer goettlichen Kraft erschaffen.
    Theorie 2: Der Kosmos entstand. Eine goettliche Kraft gibt es nicht.
    [...]
    Beide Theorien stehen da zugegebenermassen schon ziemlich lang, und keiner hat so recht eine Antwort, und beweisen koennen wir eben auch keine der beiden.
    Einerseits schade, denn deswegen schlagen wir uns die Koepfe ein.
    Nein, ich glaube nicht, daß dies den Kern der Frage berührt. Auch Andantes Ausführungen über Gottesbeweise sind zwar historisch wunderbar knapp und konzise aufgearbeitet, führen aber dennoch an der wichtigsten Frage vorbei, jene, die seltsamerweise fast nie gestellt wird, und die sich doch eigentlich so einfach und zwangsläufig ergibt. Ich versuchs mal mit einer Metapher:

    Irgendwo 5 Lichtjahre nach Osten und dann drei Schritte links, da sitzt ein großer grüner Steinfresser, jawohl!

    Das sei meine Behauptung. Könnt Ihr sie widerlegen? Nein. Kann ich sie beweisen? Auch nein. Und jetzt die entscheidende Frage: Ist das in irgendeiner Form *relevant*? Antwort: auch nein. Warum nicht? Weil es einfach keinen Einfluss hat auf unser Leben, ob da ein großer grüner Steinfresser sitzt in 5 Lichtjahren Entfernung (und drei Schritt links :-)

    Hat also die Frage, ob es ein wie auch immer geartetes göttliches Wesen gibt, irgendeinen Einfluss auf unser Leben? Nun ja, nur unter einer Randbedingung, die von den Gottesanhängern immer implizit bejaht wird: Daß wir nämlich dieses Wesen 'erkennen' können. Das mag unverständlich sein, ich will so sagen: Nehmen wir mal kurz an, dieser Gott sei *böse*. Ganz und gar böse. Und durch kein Opfer oder Gebet unsererseits davon abzubringen, uns ständig mit Hungersnöten und Vulkanausbrüche und Wirbelstürmen, gemeinen Diktatoren und Chemiekatastrophen zu plagen. Was würden wir tun? Nun, wir würden versuchen so unsichtbar wie möglich zu bleiben und dieses Monster zu gut als möglich zu ignorieren, oder?

    Und nun die Hauptfrage: Wie beweise ich denn, daß das nicht so ist? Daß es ein 'guter' Gott ist trotz allen menschlichen Leides? Nun, da muss i.d.R. die 'Göttlichkeit' herhalten, die immer behauptete Tatsache, daß wir als kleine Menschlein ihn ja nicht wirklich verstehen können. Das ist ja auch völlig einsehbar und logisch, denn eine Wesenheit, die *vor* der Welt* war, muss so ungeheuerlich sein, daß sie sich unserem beschränkten Geist entzieht. MUSS!

    Tja - und weil das so ist, ist jede beliebige Idee über dieses Göttliche Wesen gleichermassen wahrscheinlich und zulässig - wie die vielen seltsamen und sich widersprechenden Religionen ja beweisen. Damit sind aber aber auch prinzipiell alle Handlungsanweisungen beliebig resp. müssen von Menschen erdacht worden sein, denn wenn sie göttlich wären, müssten sie prinzipiell unerkennbar sein. Und also ist es vollkommen unerheblich, ob ein solches Wesen existiert oder nicht, denn wenn es existiert, dann ist es prinzipiell unerkennbar (ah, wenn das nicht so wäre, könnte jeder beliebige Diktator behaupten, es seien göttliche Anweisungen gewesen, die ihn sein Volk foltern liessen - und dagegen liesse sich nicht argumentieren).

    Der Volksmund sagt: 'Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss'
    Physiker sprechen davon, daß der Beobachter den Ausgang des Experiment beeinflussen alleine dadurch, daß sie hingucken (lässt sich beweisen) - man könnte auch sagen: solange ich nicht hingucke ist da auch nichts - oder vielleicht was ganz anderes.

    Aus alledem kan ich für mich nur schliessen: Auf der sicheren Seite bin ich, wenn ich so handle, als gäbe es keinen Gott. Wenn es doch eine gibt und sie ist gut, dann wird sie mir armen Menschlein diesen Erkenntnisfehler wohl zu verzeihen wissen. Ist sie böse, dann brate ich so oder so in der Hölle, und jetzt schon davor Angst zu haben würde mein kurzes Leben nicht bereichern. Und gibt es sie nicht? Tant pis :-)

    Cheers, Lenz

    P.S. Es gibt noch einen wunderbaren dialektischen 'Beweis' für: Gott ist nicht gut, aber den krame ich nur auf Anfrage raus :-)

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