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Thema: Vergebung

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    Vergebung

    Findet ihr es wichtig, Menschen, die euch Schlimmes angetan haben zu vergeben und wenn ja warum? Aus religiösen Gründen oder wegen eures Seelenfriedens? Fällt es euch schwer, zu vergeben?
    Ich habe Menschen im Stillen vergeben und sie gesegnet- einerseits aus Glaubensgründen und andererseits um Seelenfrieden zu haben und nicht zu verbittern, wie ich es bei einigen Menschen im Bekanntenkreis erlebe, die völlig verhasst sind.
    Leonie
    Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen;
    auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
    Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses,
    nur verachten würde man ihn.
    Das Hohelied


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    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Leonie Beitrag anzeigen
    Findet ihr es wichtig, Menschen, die euch Schlimmes angetan haben zu vergeben und wenn ja warum? Aus religiösen Gründen oder wegen eures Seelenfriedens? Fällt es euch schwer, zu vergeben?
    Ich habe Menschen im Stillen vergeben und sie gesegnet- einerseits aus Glaubensgründen und andererseits um Seelenfrieden zu haben und nicht zu verbittern, wie ich es bei einigen Menschen im Bekanntenkreis erlebe, die völlig verhasst sind.
    Leonie
    Hallo Leonie, ich finde es wichtig zu vergeben, um dem Hass in mir keinen Raum zu geben. Der Hass kann andere Gefühle völlig überdecken. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, über meine Verletzungen zu sprechen, insbesondere wenn ich etwas Wertvolles unwiederbringlich verloren habe. Es ist wichtig, frei zu werden und nach vorne zu blicken. Die Natur übernimmt die Rache, ich muß nichts tun, um die Situation zu verschlimmern.
    Denn was passiert ist, arbeitet auch im Verursacher, und ihm wünsche ich eine ganz klare Sicht, die ich am besten dadurch erreiche, dass ich nicht ständig mit erhobenem Zeigefinger herumlaufe und mich lächerlich mache. Stattdessen praktiziere ich Verständnis, das hilft schon bei kleinen Kindern.
    Warum können Engel fliegen? Weil sie sich leicht nehmen.
    (G. K. Chesterton)

  3. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Ich bin gemessen an meinen Erwartungen an mich oder daran, was ich unter wirklicher, tiefgreifender Vergebung verstehe, schlecht im Vergeben. Das bedeutet nicht, dass ich mit Hass im Herzen herumlaufe, es bedeutet, dass ich nicht vergesse. Natürlich erinnere ich mich nicht Tag und Nacht und permanent daran, wer mir mal irgendwann was angetan hat, aber wenn ich aus irgendwelchen Gründen darauf gestoßen werde, wenn ich mit dem Vorgefallenen konfrontiert bin, dann ist da wieder die alte Enttäuschung, die Trauer, der Zorn, die Wut, der Schmerz. Ein bißchen abgeschliffen durch die Zeit, die seitdem vergangen ist, aber doch deutlich spürbar.
    Leichter ist es, wenn ich mit den Menschen, die mich verletzt haben, in Kontakt geblieben bin. Dann konnte ich daran arbeiten, an dem was vorgefallenen ist, es also verarbeiten durch neue Erfahrungen, die ich mit diesem Menschen gemacht habe. Und dann relativiert sich das negativ Erlebte durch positive neue Erfahrungen mit demjenigen.

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    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich bin gemessen an meinen Erwartungen an mich oder daran, was ich unter wirklicher, tiefgreifender Vergebung verstehe, schlecht im Vergeben.
    Das geht mir genauso. Ich hätte immer auch gerne eine ehrlich gemeinte Entschuldigung von dem Menschen, der mir etwas angetan hat. Die kommt nun nicht immer und dann stehe ich da mit meinen Gefühlen.

    Ich habe das inzwischen akzeptiert und weiß, dass eine weitere rationale Auseinandersetzung meistens nichts bringt. Im Gegensatz zu Dir, Johannaclar, hilft mir Distanz zu der entsprechenden Person, um wenigstens nicht mehr heftige Emotionen in mir aufzuwühlen. Dann kann ich nämlich wenigstens loslassen und die Dinge auf sich beruhen lassen.

    Ich lasse dem seinen Lauf. Vielleicht mündet es irgendwann in Vergebung. Vielleicht bleibt es beim neutralen "Nicht mehr betroffen sein", ich weiß es nicht. Ein vorschnelles, "herbei gebetetes" Vergeben hat oft auch etwas Überhebliches, auch sich selbst gegenüber, wenn die Wunden eben eigentlich noch schmerzen. Es entspricht nicht dem eigentlichen Gefühl, und Vergebung kann ich nun mal nicht herbei zaubern.
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

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    AW: Vergebung

    Ich finde Vergeben nicht so wesentlich. Sich dem Hass nicht hinzugeben jedoch sehr. Heißt: Es gibt Dinge in meinem Leben, die kann ich nicht vergeben. Da vertraue ich einer höheren Instanz, dass diese sich damit befasst. Ich kann einfach nicht vergeben. Das Geschehene ist zu groß, zu schwer. Ich kann mich aber auf andere Dinge konzentrieren, dem Täter nicht so viel Raum geben, mir selber verzeihen, Opfer gewesen zu sein, und weitergehen auf meinem Weg. Vergeben ist meines Erachtens dafür nicht nötig. Möglicherweise kann ich das irgendwann, wenn nicht, ist es auch nicht das Problem.
    Vergeben müssen, heißt für mich, dem Opfer zusätzlich Verantwortung aufladen. Das lehne ich absolut ab. Sollte jemand Vergebung brauchen, so muss er dies mit sich ausmachen.
    Ein Verstand, der einmal
    durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
    kehrt niemals
    zu seiner ursprünglichen Form zurück.

    [Oliver Wendell Holmes]

  6. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von LaRimbecca Beitrag anzeigen
    ....Ich habe das inzwischen akzeptiert und weiß, dass eine weitere rationale Auseinandersetzung meistens nichts bringt. Im Gegensatz zu Dir, Johannaclar, hilft mir Distanz zu der entsprechenden Person, um wenigstens nicht mehr heftige Emotionen in mir aufzuwühlen. Dann kann ich nämlich wenigstens loslassen und die Dinge auf sich beruhen lassen......
    So sehe ich es auch.

    Zitat Zitat von LaRimbecca Beitrag anzeigen
    .... Ein vorschnelles, "herbei gebetetes" Vergeben hat oft auch etwas Überhebliches, auch sich selbst gegenüber, wenn die Wunden eben eigentlich noch schmerzen. Es entspricht nicht dem eigentlichen Gefühl, und Vergebung kann ich nun mal nicht herbei zaubern.
    Auch dem schließe ich mich an, vor allem dem Stichwort "Überheblichkeit". Ich habe da eine Situation vor Augen, in der seinerzeit die "Verursacher" angeboten haben, zu verzeihen, ohne den grundsätzlichen Konflikt zu thematisieren..... Dies ist mir allerdings nur einmal passiert im Leben.

    Es kommt immer auf die Beteiligten an.

    Gruß, Elli

  7. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Das ist für mich allerdings auch stimmig, LaRimbecca. Ich breche Beziehungen auch ab, wenn sie zu verletzend sind und gehe auf Distanz. Dabei fühle ich mich wesentlich wohler, als wenn ich ständig mit der Person konfrontiert wäre. Das, was ich in meinem vorherigen Beitrag ansprechen wollte, waren so Beziehungen, wie z.B. zu Arbeitskollegen, wenn es nicht zu mobbing sondern zu "einfachen" Verletzungen gekommen ist oder zu engen Familienangehörigen, wobei die Verletzungen dann natürlich gewisse Grenzen nicht überschreiten dürfen. Glücklicherweise habe ich keine Erfahrung mit häuslicher Gewalt, das wäre dann eine Situation, aus der ich mich sofort hinausbegeben würde. Aber diese "normalen", manchmal auch schwer verdaulichen Verletzungen, werden zum "Arbeitsfeld". Wohingegen dies bei Bekannten evtl einen Kontaktabbruch und eine Distanz zur Folge hätte. Das liegt an der Unterschiedlichkeit der Beziehungen, an deren Wichtigkeit und an anderem, das ist vielschichtig.
    Und ich sehe es genauso wie ellipelli. Manches ist zu groß, da kann ich nicht vergeben. Da verlasse ich mich auf Gott, ich lege meine Verletztheit in Gottes Hände. Mit allem, was dazugehört, mit meiner Wut, meinem Schmerz, meiner Unversöhnlichkeit, meinem Hass, weil bei Gott alles sein darf. Ich bin entlastet und Gott weiß schon etwas mit mir anzufangen.

  8. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von ellipell2 Beitrag anzeigen
    Ich finde Vergeben nicht so wesentlich. Sich dem Hass nicht hinzugeben jedoch sehr. Heißt: Es gibt Dinge in meinem Leben, die kann ich nicht vergeben. Da vertraue ich einer höheren Instanz, dass diese sich damit befasst. Ich kann einfach nicht vergeben. Das Geschehene ist zu groß, zu schwer. Ich kann mich aber auf andere Dinge konzentrieren, dem Täter nicht so viel Raum geben, mir selber verzeihen, Opfer gewesen zu sein, und weitergehen auf meinem Weg. Vergeben ist meines Erachtens dafür nicht nötig. Möglicherweise kann ich das irgendwann, wenn nicht, ist es auch nicht das Problem.
    Vergeben müssen, heißt für mich, dem Opfer zusätzlich Verantwortung aufladen. Das lehne ich absolut ab. Sollte jemand Vergebung brauchen, so muss er dies mit sich ausmachen.
    Sehr kluges, nachdenkliches Posting - danke dafür...
    Wenn man dem Täter und dem Geschehenen nicht so viel Raum gibt, kann man gut leben, auch ohne jemand "Vergeben" zu haben.
    Den Satz: "Vergeben müssen, heißt für mich, dem Opfer zusätzlich Verantwortung aufzuladen" finde ich ausgesprochen weise!

  9. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Liebe ellipell2,

    ich sehe wie Du und noch ein wenig großräumiger:

    Ich denke, dass sich im Laufe eines Lebens (ich bin 55) Opfer- und Täterdasein in vielen Nuancen und oft situations- und stellungsbedingt) in der Gesamtsumme ausgleichen.

    Ich hoffe, dieser generelle Ansatz hilft mir selbst, umsichtig nach meinen besten Kräften mit anderen Menschen umzugehen.

    Ich habe es eher nicht so mit Beziehungen abbrechen.

    .
    Geändert von Inaktiver User (17.06.2013 um 15:42 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Liebe ellipell2,

    ich sehe wie Du und noch ein wenig großräumiger:

    Ich denke, dass sich im Laufe eines Lebens (ich bin 55) Opfer- und Täterdasein in vielen Nuancen und oft situations- und stellungsbedingt) in der Gesamtsumme ausgleichen.

    Ich hoffe, dieser generelle Ansatz hilft mir selbst, umsichtig nach meinen besten Kräften mit anderen Menschen umzugehen.

    Ich habe es eher nicht so mit Beziehungen abbrechen.

    .
    Hm - ich glaube schon, dass es Leute gibt, die anderen mehr "weh tun" als überlegte und vorsichtige Mitmenschen...manchmal aus Unüberlegtheit - aber es gibt auch Aggressive und Bösartige..
    DEnen kann man vergeben - aber man muss nicht...solange nicht blinder Hass das Leben verunstaltet..

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