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Thema: Vergebung

  1. User Info Menu

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von auchda Beitrag anzeigen
    da braucht es kein "irgendwann einmal", das wäre schlimm.
    Genau! Da schwingt soviel mit: Wenn du dich nur genug bemühst, genug arbeitest, wird alles gut. Verzeihen ist wichtig, sonst bist du wahlweise böse, nicht reif genug o.ä. Ein Mangelwesen halt.
    Bin ich nicht. Jemand hat mich in meiner tiefsten Persönlichkeit verletzt. Dies lasse ich jetzt heilen. Das hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit Verzeihen zu tun. Meinen Weg gehen, mich auf meine Entwicklung konzentrieren, mit mir ins Reine kommen, leben. Ich mache mich nie wieder von einem Täter abhängig.
    Ein Verstand, der einmal
    durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
    kehrt niemals
    zu seiner ursprünglichen Form zurück.

    [Oliver Wendell Holmes]

  2. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von ellipell2 Beitrag anzeigen
    Genau! Da schwingt soviel mit: Wenn du dich nur genug bemühst, genug arbeitest, wird alles gut. Verzeihen ist wichtig, sonst bist du wahlweise böse, nicht reif genug o.ä. Ein Mangelwesen halt.
    Bin ich nicht. Jemand hat mich in meiner tiefsten Persönlichkeit verletzt. Dies lasse ich jetzt heilen. Das hat für mich nichts, aber auch gar nichts mit Verzeihen zu tun. Meinen Weg gehen, mich auf meine Entwicklung konzentrieren, mit mir ins Reine kommen, leben. Ich mache mich nie wieder von einem Täter abhängig.
    Ich bin da ganz bei dir ,das hast du so schön geschrieben, ich empfinde ebenso. Obwohl fur mich Abhängigkeit von einem Täter nicht zutrifft aber alles andere unterschreibe ich.

  3. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    "Vergeben" : Ver = soviel wie " vorbei" / "weg"

    Vergeben im tieferen Wortsinn, bedeutet also nichts anderes als "weg-geben", von mir geben
    oder: es ist vorbei.

    Ver-gebe ich nicht, belastet es mich immer weiter, vom "Täter", der sich damit beschäftigen sollte, weiß ich dass nicht.

    Nicht, dass es dem anderen wieder gut geht, ist dabei wesentlich, sondern, dass ich wieder leben kann.

    -------

    Wir sprechen so oft von "Täter / Opfer". (Wichtig fürs folgende: Straftaten ausgenommen !)

    Es gibt keine Täter, keine Opfer.
    Jeder "Täter" fühlt sich als Opfer. Als einer, der sich nur gewehrt hat, der das einzig Richtige in der Situation getan hat, tun musste

    Und jedes "Opfer" hat durchaus seinen Anteil am Konflikt. Nicht gewollt, aber so geschehen und so beim anderen angekommen.
    Das zu erkennen und vor sich selbst zuzugeben, und seine Verantwortung anzunehmen, ist eine der schwersten Lernaufgaben im Leben.


    Täter = Opfer
    UND: Opfer auch Täter:
    Erkennbar auf beiden Seiten an den Schilderungen, die dann stets mit einem "ja - aber" eingeleitet werden. ("Ich habe zwar ...., aber der hat....") und daran, dass jeder meint, der andere habe aber angefangen.
    Geändert von Inaktiver User (01.07.2013 um 12:59 Uhr)

  4. User Info Menu

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    "
    Wir sprechen so oft von "Täter / Opfer". (Wichtig fürs folgende: Straftaten ausgenommen !)

    Es gibt keine Täter, keine Opfer.
    Jeder "Täter" fühlt sich als Opfer. Als einer, der sich nur gewehrt hat, der das einzig Richtige in der Situation getan hat, tun musste

    Und jedes "Opfer" hat durchaus seinen Anteil am Konflikt. Nicht gewollt, aber so geschehen und so beim anderen angekommen.
    Das zu erkennen und vor sich selbst zuzugeben, und seine Verantwortung anzunehmen, ist eine der schwersten Lernaufgaben im Leben.


    Täter = Opfer
    UND: Opfer auch Täter:
    Erkennbar auf beiden Seiten an den Schilderungen, die dann stets mit einem "ja - aber" eingeleitet werden. ("Ich habe zwar ...., aber der hat....") und daran, dass jeder meint, der andere habe aber angefangen.
    selten hat mich ein beitrag derart wütend gemacht.

    ich kann nicht erwarten, dass du dich in bestimmte schicksale hineinversetzen kannst, aber dann schreib´auch nicht solch´ einen abartigen stuss.

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    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt keine Täter, keine Opfer.
    Jeder "Täter" fühlt sich als Opfer. Als einer, der sich nur gewehrt hat, der das einzig Richtige in der Situation getan hat, tun musste
    Das ist mal ganz großer Quatsch.

    Wut kann ich hier gar nicht empfinden. Schön, dass es Menschen gibt, die noch kein Unrecht erlitten haben.
    Ein Verstand, der einmal
    durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
    kehrt niemals
    zu seiner ursprünglichen Form zurück.

    [Oliver Wendell Holmes]

  6. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Ich habe Zorn in mir, wenn ich das lese. Niemand hat das Recht einen anderen Menschen zu verletzen, wer es aber tut, ist ein Täter. Was soll die Fixierung auf einen etwaigen Anteil des Opfers. Das wäscht den Täter rein, das Opfer wird zum Täter gemacht. Die Sichtweise füehrt dazu und fördert das Recht des Stärkeren, steht also eindeutig dem Schutz des Schwächeren und dessen Rechten entgegen.

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    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von auchda Beitrag anzeigen
    @Leonie

    ich bin mit mir im reinen, das ist wichtig. das schafft die nötige zufriedenheit und ruhe.

    so wie es formulierst wäre ich abhängig vom einlenken, dem zugehen des anderen auf mich. und wenn er nicht möchte, gerne dies ausschlachtet und kühl im innern ist, dann hätte ich pech. das ist nicht zuträglich für die seele und der inneren ruhe.
    unabhängigkeit, weil mit sich im reinen sein, das ist notwendig für das weiterleben. da braucht es kein "irgendwann einmal", das wäre schlimm.
    Nein, ich brauche keinen Kontakt zu dem anderen Menschen, nennen wir ihn ruhig-wie hier schon beschrieben "Täter", ich kann diesem Täter für mich vergeben, ohne ihm zu begegnen. Wenn ich gläubig bin, kann ich das dann auch vor Gott tun und ihn "arbeiten" lassen. So kann man auch seine Seele befreien. So habe ich das gemeint. Das Verzeigen- Vergeben- beugt der Verbitterung, dem ständigen Hadern, dem Hass vor, der meine Seele nur noch tiefer auf Dauer schaden würde. Man würde vielleicht sogar vergleichen- Leute betrachten, die so gut wie nie etwas Böses erlebt haben und Neid empfinden- sich selbst ungerecht vom Schicksal oder Leben behandelt fühlen und so immer tiefer in eine Verzweiflung und Depression rutschen. Der Täter hätte somit gewonnen- so sehe ich das. Er hätte es geschafft, mein (Seelen-) Leben zu zerstören.
    Das schliesst ja nicht aus, dass ich vor dem Vergeben-Verzeihen einige Stadien der Wut, Verzweiflung, Depression, des Hasses usw. durchleben würde. Ich würde nur nicht wollen, dass meine Seele dann dauerhaft im Chaos versinkt. Leonie
    Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen;
    auch Ströme schwemmen sie nicht weg.
    Böte einer für die Liebe allen Reichtum seines Hauses,
    nur verachten würde man ihn.
    Das Hohelied


  8. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    ... die Meinungen sind eigentlich bereits ausgetauscht.
    Geändert von Inaktiver User (03.07.2013 um 14:19 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    @ Libentia - wo ist dein Text??? ich beziehe mich hier grad auf deinen Beitrag. wieso hast du ihn gelöscht??? Ich lass jetzt trotzdem stehen, was ich geschrieben habe.:


    @Libentia, sehe ich wie du. Diese Sicht, dass das Opfer seinen Anteil beigetragen hat, ist einfach nicht stimmig. Natürlich gibt es Momente, da wird jemand provoziert und schlägt zu. Aber das ist auch anders zu bewerten. Da ist dem Opfer bewußt, meistens jedenfalls, was es getan hat und sieht den eigenen Anteil. Deshalb ist es natürlich trotzdem nicht richtig, dass Gewalt angewendet wurde.
    Demgegenüber gibt es eben z.B. Mobbingopfer, die gar nicht wissen, was plötzlich abläuft und warum. Oder Kinder in der Schule z.B.Ich erinnere mich gut daran, wie ich zum Opfer eines sadistischen Lehrers wurde. Ich war in Mathe und Sport keine Leuchte. Obwohl mein Vater sich bemühte, mit mir lernte und ich schließlich Nachhilfeunterricht bekam, blieben meine Leistungen schlecht. Ich verstand die Mengenlehre nicht und war langsam im Kopfrechnen. Das war für den Lehrer direkt eine Freude, dass er jemanden gefunden hatte, den er der Klasse vorführen konnte. Ich mußte jede Stunde an die Tafel gehen, wurde ausgelacht und bepöbelt von ihm, mein Name wurde verächtlich gemacht indem er ihn auf absonderliche Weise betonte und mich damit verhöhnte. Er zerstörte mein Selbstbewußtsein und ich wurde schlechter und schlechter in der Schule. Aus lauter Scham erzählte ich meinen Eltern nichts davon, ich wollte ihnen keinen Kummer machen, ihnen nicht weh tun.
    Wo lag denn nun mein Anteil an dieser Täter-Opfer-Geschichte? Daran, dass ich zu dumm war die Mathematik zu begreifen? Wo liegt der Anteil der Kinder, die zu Opfern von Gewaltverbrechern werden? Wem sollen sie verzeihen und vergeben für eine ruinierte Schulkarriere, für ein ruiniertes Leben, für eine verstellte Zukunft? Es ist blanker Hohn eine solche Einstellung zu vertreten. Es kann dabei nicht um Vergeben und Verzeihen gehen, es kann nur darum gehen, dass das Opfer trotz des erlittenen Schadens zu einem lebenswerten Leben finden kann und seine bösen Erfahrungen aufarbeitet. Um den Täter sollen sich andere kümmern und sorgen, das Opfer hat genug damit zu tun das eigene Gleichgewicht wiederzufinden.
    Und, ja - manches kann nur Gott vergeben. In seine Hand lege ich das Unrecht, das mir oder anderen widerfährt.
    Geändert von Inaktiver User (03.07.2013 um 14:47 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Vergebung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    (Wichtig fürs folgende: Straftaten ausgenommen !)

    Es gibt keine Täter, keine Opfer.
    Jeder "Täter" fühlt sich als Opfer. Als einer, der sich nur gewehrt hat, der das einzig Richtige in der Situation getan hat, tun musste
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wo liegt der Anteil der Kinder, die zu Opfern von Gewaltverbrechern werden? Wem sollen sie verzeihen und vergeben für eine ruinierte Schulkarriere, für ein ruiniertes Leben, für eine verstellte Zukunft? Es ist blanker Hohn eine solche Einstellung zu vertreten. Es kann dabei nicht um Vergeben und Verzeihen gehen, es kann nur darum gehen, dass das Opfer trotz des erlittenen Schadens zu einem lebenswerten Leben finden kann und seine bösen Erfahrungen aufarbeitet. Um den Täter sollen sich andere kümmern und sorgen, das Opfer hat genug damit zu tun das eigene Gleichgewicht wiederzufinden.
    Straftaten wurden explizit ausgenommen.
    Johannaclara, im übrigen betrachte ich das Verhalten Deines Lehrers als hart am Rande des Strafbaren, nur leider hat man sich damals als Eltern noch nicht mit allen Mitteln gegen solche Lehrer zur Wehr gesetzt.

    Trotzdem glaube ich, dass jagenau eine wichtige Aussage gemacht hat. Jeder betrachtet eine Situation aus seinem eigenen Blickwinkel, schaut man ins Unterforum Mobbing am Arbeitsplatz bekommt man einen recht guten Eindruck davon, wie das funktionieren kann. Da wehrt sich die langjährige Mitarbeiterin gegen die Neue, die neuartige Methoden einführen möchte und in sich in ihr Arbeitsgebiet einmischt, weil der Chef sich zurückhält und keine klare Ansage macht, wer was wie erledigen soll. Oder die kälteresistente Mitarbeiterin beklagt, dass ihre Kollegin sie zwingt, im überheizten raum zu sitzen, sie wehrt sich, indem sie die Fenster öffnet, sobald die Andere den Raum verlassen hat. Wer ist Täter, wer ist Opfer?

    Schuld hat etwas damit zu tun, dass mir jemand etwas schuldet für das Unrecht, das er mir angetan hat. Nun habe ich die Entscheidung, diese Schuld einzutreiben, was misslingen muss, wenn derjenige sich keiner Schuld bewusst ist. Oder ich vergebe, gebe die Jagd nach dem eintreiben auf, metaphorisch gesprochen: gebe die Schuld an ein höheres Inkassounternehmen ab und habe meinen Seelenfrieden. Sehr schön beschrieben hier

    Zitat Zitat von heidpofferl Beitrag anzeigen
    Ich habe erst vor kurzer Zeit erlebt dass Vergebung nicht nur eine Sache des Wollens oder des Willens ist sondern sich ihren Weg bahnt und es für denjenigen welcher vergeben kann und darf eine ungeheure Erleichterung mit sich bringt.Es hat mich glücklich gemacht und mir für den Moment als ich es spürte ein sehr intensives Gefühl des Lebendigseins gebracht,ich konnte fühlen dass das Leben ist und es schön sein kann.
    Geändert von Inaktiver User (03.07.2013 um 15:59 Uhr) Grund: ergänzt

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