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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Darstellungen des Gekreuzigten gibt es erst ca. seit dem 5. Jahrhundert. Den Römern erschien die Heilsbotschaft eines Gekreuzigten als "Eselsbotschaft", also als wenig Ernst zu nehmen (nachzulesen z.B. bei Hans Küng).

    Diese Gesichtspunkte finde ich sehr eindrücklich.

    Gruß, Elli
    Natürlich war den Römern die Geschichte eines Gekreuzigten, der Heil bringen soll, mehr als suspekt. Ihre Götterwelt war sehr menschlich, gut nachzuvollziehen, da sie auch alles Miese taten, was man von Mitmenschen gewohnt war.
    Dass die Botschaft vom Gekreuzigten als Heiland vor allem die Sklaven und einfachen Menschen ansprach, hatte eine Menge mit der römischen Welt zu tun. Es gab Patrizier, es gab den Pöbel, aber die waren auch Römer, wenn auch nur 2. Klasse und der Rest der Menschheit hatte ihnen zu Diensten zu sein.

    Michael Seibts Interpretationen sind wirklich interessant. Und sie stellen genau die Interpretationen dar, die heute Menschen hören wollen.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Inaktiver User

    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Aber die Geschichte der Auferstehung und Himmelfahrt Christi nur für eine Metapher zu erklären, halte ich für eine gefährliche Interpretation, damit würde (zumindest sehe ich das so) christlicher Glaube dem heutigen Zeitgeist angepasst beliebig.
    So sehe ich das auch.

    Ich habe als Kind immer geweint, wenn mir meine Schwester ein "Passionslied" vorgesungen hat; es hieß "Lass mich deine Leiden singen". Die Geschichte selbst hat mich nicht so bewegt, sie ist ja gut ausgegangen. Aber Musik spricht mich schon immer sehr an.

    @Hillie
    Du hast recht, früher wurde sehr viel mit Schuld und Angst gearbeitet. Das habe ich auch in der Kindheit erlebt. Später dann, als ich selbst Religionsunterricht erteilte, habe ich versucht, den Kindern den "liebenden Gott" nahe zu bringen und nicht den "strafenden".

    Heute ist es halt oft umgekehrt, dass die Meinung herrscht, dass es überhaupt keine persönliche Schuld mehr gibt und immer die Umstände oder jemand anderes schuld sind. Da denke ich, würde mal dem einen oder anderen eine "Gewissenserforschung" nicht schaden.

    Dass Jesus so sehr leiden musste und das von seinem Vater nicht verhindert wurde, könnte man auch so sehen, dass er eben "vollständig" Mensch wurde und keine Sonderrolle hatte. Und dass er alles Leid der Welt verstehen konnte, weil er ja selbst so Schreckliches erlebt hat (ganz vereinfacht gesagt).

    Es ist ja auch für viele Menschen eine zentrale Frage, warum Gott das Leid der Menschen nicht verhindert, wenn er doch so mächtig und liebevoll ist. Viel Leid entsteht aber durch die Menschen selbst. Natürlich nicht alles, z. B. Krankheiten, für die niemand etwas kann.

    Die Geschichte mit Abraham habe ich im Unterricht (5. Klasse) auch so erklärt, dass der Sohn sehr krank geworden sein könnte und es keine Hoffnung mehr gab. Und dass dann der Vater nicht rebelliert und sich gegen Gott aufgelehnt hat, sondern sich in das scheinbar Unvermeidliche gefügt hat. Und dass dann der Sohn wieder gesund geworden ist. (Ich weiß, dass das keine theologisch einwandfreie Erklärung ist, aber ich fand das so schrecklich, dass Gott angeblich gefordert hatte, er solle seinen Sohn "wirklich" opfern. Ich denke, dieses Bild des Schlachtens entspringt der alttestamentarischen Auffassung von "Opfer". Und in der heutigen Denkweise gibt es ja auch andere Arten von Opfer.)
    Geändert von Inaktiver User (08.04.2013 um 19:19 Uhr)

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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Mocca Beitrag anzeigen
    Vor einigen Tagen sprach ich mit einer Bekannten, die in einem evangelischen Kindergarten arbeitet. Leicht geschockt war ich, als sie berichtete, sie hätte den Auftrag bekommen, einen "Osterweg" zu gestalten, ausgehend vom Einzug Jesu in Jerusalem über das letzte Abendmahl bis hin zur Auferstehung, inclusive Kreuzigung und Leidensweg

    Meine Kinder habe ich bewusst von diesem Teil der biblischen Geschichte ferngehalten, nicht nur, weil ich selbst mit der Jesusfigur ein massives Problem habe, sondern in erster Linie, weil ich den Kreuzweg als besonders grausam empfinde und überzeugt bin, dass ein Kind mit dem Erlösergedanken (der ja auch mir Probleme macht!) nichts anfangen kann.

    Nun würde mich interessieren, wie ihr das bei euren Kindern gemacht habt. Kreuzweg in allen Einzelheiten? Oder "Ostern light"? Oder was dazwischen?
    Ich habe zwar keine Kinder, würde aber nichts von ihnen fernhalten. Ich selbst hatte als Kind auch keine Probleme mit der Passionsgeschichte. Im Gegenteil, ich sah sie als ein gutes Zeichen dafür das der Tod nicht das Ende ist. Es gab mir Hoffnung. Ja, schon als Kind.
    Zumal man die Passion ja nie so dargestellt hat wie z.B. Mel Gibson das in seinem Film getan hat.

    Und auch als Kind sollte man durchaus den Tod nicht ausgeklammert bekommen.

    Zitat Zitat von Mocca Beitrag anzeigen
    So ging es mir auch... Ich war ein leidenschaftliches Kindersonntagsbesucherkind, aber die Ostergeschichte hat mich damals komplett überfordert, und das, obwohl "unsere" Gruppen altersgemäß geteilt wurden. Ich denke, meine Probleme damit, Jesus als Erlöser annehmen zu können, rühren noch aus dieser Zeit her... Wie kann ein Vater seinen Sohn bewusst so leiden lassen? Wie kann es angehen, dass ein Prophet (und als solchen sehe ich Jesus bis heute) aus Kindersicht völlig unverständlicherweise so gedemütigt, erniedrigt und gequält wird?
    Ich verstehe was du meinst. Man muß das wohl bei jedem Kind individuell sehen.
    Wie gesagt, ich hatte diese Probleme nicht.


    Die Tochter einer anderen Bekannten sah im Gymnasium "Schindlers Liste" in der sechsten Klasse, auch dieses Kind war komplett überfordert und litt noch lange unter Alpträumen. Beide "Geschichten" sollen schließlich wahr sein...
    In der sechsten Klasse ist man doch zwischen 11 und 12. In meinen Augen durchaus ein geeignetes Alter um Schindlers Liste oder ähnliches in der Schule, also begleitet, zu sehen.

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Das widerspricht in meinen Augen der Generalaussage des christlichen Glaubens. "Er ist wahrhaftig auferstanden" ist der alte Ostergruß der Christen und wird so auch im Glaubensbekenntnis gebetet.
    Dass viele Menschen, auch Christen, mit der Geschichte ganz große Schwierigkeiten haben, ist allgemein bekannt und jeder Gläubige hat daran zu knabbern.

    Aber die Geschichte der Auferstehung und Himmelfahrt Christi nur für eine Metapher zu erklären, halte ich für eine gefährliche Interpretation, damit würde (zumindest sehe ich das so) christlicher Glaube dem heutigen Zeitgeist angepasst beliebig.
    Das sehe ich auch so. Und als Christ glaube ich natürlich an die Auferstehung Christi und sehe sie nicht als Metapher.

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    Die Alternative ist also, ich schalte mein - von wem auch immer gegebenes - Denken aus und unterwerfe mich dem Zeitgeist der Spätantike?
    ICH KANN das nicht
    Mußt du nicht. Aber auch Gläubige nutzen ihr Gehirn durchaus.
    Ich bilde mir ein nicht ganz so dumm zu sein und dennoch bin ich gläubiger Christ.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Musst du ja auch nicht. Aber nicht alle, die das glauben, haben deswegen das Denken ausgeschaltet.

    Há gente que fica na história
    Da história da gente


    Ja zur EU

  4. Inaktiver User

    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Michael Seibts Interpretationen sind wirklich interessant. Und sie stellen genau die Interpretationen dar, die heute Menschen hören wollen.
    Das wäre mir zu wenig.
    Das klingt nach - war ein netter Mensch, hat zu seinen Überzeugungen gestanden und ist dafür gestorben - überspitzt gesagt.
    Sicher, das wäre bewundernswert.

    Aber auch ich glaube an die Auferstehung und ein Leben nach dem Tod.
    Das ist für mich auch eine wesentliche Botschaft des christlichen Glaubens.

    Auch wenn ich nicht weiß, wie das Leben danach aussehen soll.
    Ich finde auch wesentlich, dass jemand - also Gott - diese Stärke, die Jesus aufgebracht hat (oder auch die Menschen aufbringen, die zu ihren Überzeugungen stehen) - sieht - und, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

    Gut, die kann man auch darin sehen, dass derjenige befriedigt stibt, aber - nein, das wäre für mich keine frohe Botschaft, sondern eine sehr erdverwachsene und traurige Botschaft....

    Und um zum Thema zurück zu kommen - für mich war das schon als Kind eine "frohe Botschaft" und vielleicht hat sie mir geholfen, z.B. in der Schule auch zu meiner eigenen Meinung zu stehen, selbst wenn diese nicht die Mehrheitsmeinung war...
    Geändert von Inaktiver User (08.04.2013 um 20:50 Uhr)

  5. gesperrt

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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Michael_Collins Beitrag anzeigen




    Mußt du nicht. Aber auch Gläubige nutzen ihr Gehirn durchaus.
    Ich bilde mir ein nicht ganz so dumm zu sein und dennoch bin ich gläubiger Christ.


    ich habe nie behauptet - und würde es auch nie - , dass Glauben was mit Intelligenz zu tun habe.

    Anscheinend aber mit Nicht-Verstehen-Wollen bzw. absichtlichem oder leichtfertigen Uminterpretieren, auch wenn man sich ernsthaft und guten Willens in die Diskussion einbringen will.


    Diese Erfahrung mache ich nicht zum ersten Mal. Diskrepanz zwischen gelebten und gepredigten Glaubensinhalten. AUCH das hat zu meiner Distanzierung beigetragen. Deshalb verabschiede ich mich hiermit und gehe hin in Frieden

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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Hallo zusammen,


    interessante Diskussion. Was heißt denn Auferstehung konkret? Zwischen wirklicher körperliche Auferstehung und entsprechender Himmelfahrt und einem rein metaphorischen Auferstehungsverständnis gibt es ja noch eine große Bandbreite. Ich finde die Erklärungsversuche von Seibt so schlecht nicht.


    Es ist offensichtlich, dass Ostern etwas Starkes passiert sein muss, das auch verzagten und desillusionierten Jüngern, die sich verdrückt hatten, auf einmal glühende Verkünder der frohen Botschaft Christi wurden. Was das konkret war, wie Auferstehung ganz genau zu verstehen ist, ist mir dabei eigentlich egal. Die zentrale Botschaft ist doch: der Tod ist nicht das Ende, Jesus hat den Tod besiegt. Das ist für mich Osterglaube. Ob das Grab im physischen Sinne leer war, interessiert mich dabei nicht sonderlich. Für mich ist das ein Bild für eine sehr tiefe spirituelle Erfahrung, die weit über eine Metapher hinausgeht. Eine Metapher wäre für mich eine selbstzurechtgebastelte Erklärung, um dem Tod Jesu was Positives abzugewinnen. Die halte ich nicht für tragfähig. Ein leiblich auf der Erde herumspazierender Jesus, der dann durch einen Bühnentrick in den Himmel gezogen wird, widerstrebt aber meinem aufgeklärten Verstand.


    Kindergartenkinder langsam an das Ostergeheimnis heranzuführen, halte ich gerade in einem kirchlichen Kindergarten schon für sinnvoll und auch notwendig. Es ist die Mitte des christlichen Glaubens. Hast Du, Mocca, mal gefragt, wie man sich das konkret vorzustellen hat? Ein Freund hat mir jetzt von einem Familienkreuzweg erzählt, der aber wohl eher für Kinder ab Grundschulalter gedacht war. Da wurde Jesus durch eine brenndende Kerze symbolisiert (im Kreise anderer Kerzen für die zwölf Apostel). Und beim Tod von Jesus wurde die Kerze ausgepustet. HInterher wurde ein Kreuz mit Korpus hereingebracht, und die Kinder konnten dort Blumen niederlegen. Das finde ich durchaus eine kindgerechte Vermittlung. Wobei man eben auch sagen muss, der klassische Kreuzweg endet mit der Grablegung. Da ist noch nicht von Auferstehung die Rede. Aber das ist meines Wissens auch eine katholische Form. Ich nehme mal an, dass der Osterweg im Kindergarten die Auferstehung auch thematisierte.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  7. Inaktiver User

    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    Deshalb verabschiede ich mich hiermit und gehe hin in Frieden
    Schade, ich fand es ganz erfrischend (und überraschend), Dich hier zu lesen.

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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    ich habe nie behauptet - und würde es auch nie - , dass Glauben was mit Intelligenz zu tun habe.

    Anscheinend aber mit Nicht-Verstehen-Wollen bzw. absichtlichem oder leichtfertigen Uminterpretieren, auch wenn man sich ernsthaft und guten Willens in die Diskussion einbringen will.


    Diese Erfahrung mache ich nicht zum ersten Mal. Diskrepanz zwischen gelebten und gepredigten Glaubensinhalten. AUCH das hat zu meiner Distanzierung beigetragen. Deshalb verabschiede ich mich hiermit und gehe hin in Frieden
    Liebe Ila, ich denke das du meinen Beitrag in den falschen Hals bekommen hast.
    Ich hatte nicht die Absicht dich anzugreifen, daher bleibe bitte diesem Strang erhalten.

    Há gente que fica na história
    Da história da gente


    Ja zur EU

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    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    ich habe nie behauptet - und würde es auch nie - , dass Glauben was mit Intelligenz zu tun habe.

    Anscheinend aber mit Nicht-Verstehen-Wollen bzw. absichtlichem oder leichtfertigen Uminterpretieren, auch wenn man sich ernsthaft und guten Willens in die Diskussion einbringen will.


    Diese Erfahrung mache ich nicht zum ersten Mal. Diskrepanz zwischen gelebten und gepredigten Glaubensinhalten. AUCH das hat zu meiner Distanzierung beigetragen. Deshalb verabschiede ich mich hiermit und gehe hin in Frieden
    Bisher hat noch kein Fundamentalist in diesem Strang geschrieben und eine "allgemeingültige" Wahrheit verbreitet. Sondern nur Menschen, die ihre persönliche Glaubensansichten beschreiben.

    Natürlich gibt es (auch in meinem Leben) eine Diskrepanz zwischen gepredigtem und gelebtem Glauben. Aber das Religionsforum hier ist auch kein Beichtstuhl (der für mich als evangelischer Christ sowieso nicht relevant ist).

    Ich verstehe nicht, weshalb Du das als Angriff auf Deine Person und Deine Überzeugungen empfindest. Bisher hat nur jeder seine Sichtweise erläutert, wie er die Passionsgeschichte als Glaubensinhalt sieht.


    Schade, dass Du Dich angegriffen fühlst. Das war mit Sicherhiet nicht meine Absicht.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  10. Inaktiver User

    AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Das war mit Sicherhiet nicht meine Absicht.
    Lieber Opelius,

    als Christ solltest Du Dich immer ein bisschen schuldig fühlen.

    Nastjenka
    (ja, das war ein Scherz).

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