Natürlich war den Römern die Geschichte eines Gekreuzigten, der Heil bringen soll, mehr als suspekt. Ihre Götterwelt war sehr menschlich, gut nachzuvollziehen, da sie auch alles Miese taten, was man von Mitmenschen gewohnt war.
Dass die Botschaft vom Gekreuzigten als Heiland vor allem die Sklaven und einfachen Menschen ansprach, hatte eine Menge mit der römischen Welt zu tun. Es gab Patrizier, es gab den Pöbel, aber die waren auch Römer, wenn auch nur 2. Klasse und der Rest der Menschheit hatte ihnen zu Diensten zu sein.
Michael Seibts Interpretationen sind wirklich interessant. Und sie stellen genau die Interpretationen dar, die heute Menschen hören wollen.
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08.04.2013, 18:17
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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08.04.2013, 19:15Inaktiver User
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
So sehe ich das auch.

Ich habe als Kind immer geweint, wenn mir meine Schwester ein "Passionslied" vorgesungen hat; es hieß "Lass mich deine Leiden singen". Die Geschichte selbst hat mich nicht so bewegt, sie ist ja gut ausgegangen.
Aber Musik spricht mich schon immer sehr an.
@Hillie
Du hast recht, früher wurde sehr viel mit Schuld und Angst gearbeitet. Das habe ich auch in der Kindheit erlebt. Später dann, als ich selbst Religionsunterricht erteilte, habe ich versucht, den Kindern den "liebenden Gott" nahe zu bringen und nicht den "strafenden".
Heute ist es halt oft umgekehrt, dass die Meinung herrscht, dass es überhaupt keine persönliche Schuld mehr gibt und immer die Umstände oder jemand anderes schuld sind.
Da denke ich, würde mal dem einen oder anderen eine "Gewissenserforschung" nicht schaden. 
Dass Jesus so sehr leiden musste und das von seinem Vater nicht verhindert wurde, könnte man auch so sehen, dass er eben "vollständig" Mensch wurde und keine Sonderrolle hatte. Und dass er alles Leid der Welt verstehen konnte, weil er ja selbst so Schreckliches erlebt hat (ganz vereinfacht gesagt).
Es ist ja auch für viele Menschen eine zentrale Frage, warum Gott das Leid der Menschen nicht verhindert, wenn er doch so mächtig und liebevoll ist. Viel Leid entsteht aber durch die Menschen selbst. Natürlich nicht alles, z. B. Krankheiten, für die niemand etwas kann.
Die Geschichte mit Abraham habe ich im Unterricht (5. Klasse) auch so erklärt, dass der Sohn sehr krank geworden sein könnte und es keine Hoffnung mehr gab. Und dass dann der Vater nicht rebelliert und sich gegen Gott aufgelehnt hat, sondern sich in das scheinbar Unvermeidliche gefügt hat. Und dass dann der Sohn wieder gesund geworden ist. (Ich weiß, dass das keine theologisch einwandfreie Erklärung ist, aber ich fand das so schrecklich, dass Gott angeblich gefordert hatte, er solle seinen Sohn "wirklich" opfern. Ich denke, dieses Bild des Schlachtens entspringt der alttestamentarischen Auffassung von "Opfer". Und in der heutigen Denkweise gibt es ja auch andere Arten von Opfer.)Geändert von Inaktiver User (08.04.2013 um 19:19 Uhr)
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08.04.2013, 20:27
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
Ich habe zwar keine Kinder, würde aber nichts von ihnen fernhalten. Ich selbst hatte als Kind auch keine Probleme mit der Passionsgeschichte. Im Gegenteil, ich sah sie als ein gutes Zeichen dafür das der Tod nicht das Ende ist. Es gab mir Hoffnung. Ja, schon als Kind.
Zumal man die Passion ja nie so dargestellt hat wie z.B. Mel Gibson das in seinem Film getan hat.
Und auch als Kind sollte man durchaus den Tod nicht ausgeklammert bekommen.
Ich verstehe was du meinst. Man muß das wohl bei jedem Kind individuell sehen.
Wie gesagt, ich hatte diese Probleme nicht.
In der sechsten Klasse ist man doch zwischen 11 und 12. In meinen Augen durchaus ein geeignetes Alter um Schindlers Liste oder ähnliches in der Schule, also begleitet, zu sehen.Die Tochter einer anderen Bekannten sah im Gymnasium "Schindlers Liste" in der sechsten Klasse, auch dieses Kind war komplett überfordert und litt noch lange unter Alpträumen. Beide "Geschichten" sollen schließlich wahr sein...
Das sehe ich auch so. Und als Christ glaube ich natürlich an die Auferstehung Christi und sehe sie nicht als Metapher.
Mußt du nicht. Aber auch Gläubige nutzen ihr Gehirn durchaus.
Ich bilde mir ein nicht ganz so dumm zu sein und dennoch bin ich gläubiger Christ.
Há gente que fica na história
Da história da gente
Ja zur EU
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08.04.2013, 20:46Inaktiver User
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
Das wäre mir zu wenig.
Das klingt nach - war ein netter Mensch, hat zu seinen Überzeugungen gestanden und ist dafür gestorben - überspitzt gesagt.
Sicher, das wäre bewundernswert.
Aber auch ich glaube an die Auferstehung und ein Leben nach dem Tod.
Das ist für mich auch eine wesentliche Botschaft des christlichen Glaubens.
Auch wenn ich nicht weiß, wie das Leben danach aussehen soll.
Ich finde auch wesentlich, dass jemand - also Gott - diese Stärke, die Jesus aufgebracht hat (oder auch die Menschen aufbringen, die zu ihren Überzeugungen stehen) - sieht - und, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.
Gut, die kann man auch darin sehen, dass derjenige befriedigt stibt, aber - nein, das wäre für mich keine frohe Botschaft, sondern eine sehr erdverwachsene und traurige Botschaft....
Und um zum Thema zurück zu kommen - für mich war das schon als Kind eine "frohe Botschaft" und vielleicht hat sie mir geholfen, z.B. in der Schule auch zu meiner eigenen Meinung zu stehen, selbst wenn diese nicht die Mehrheitsmeinung war...Geändert von Inaktiver User (08.04.2013 um 20:50 Uhr)
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08.04.2013, 21:16
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
ich habe nie behauptet - und würde es auch nie - , dass Glauben was mit Intelligenz zu tun habe.
Anscheinend aber mit Nicht-Verstehen-Wollen bzw. absichtlichem oder leichtfertigen Uminterpretieren, auch wenn man sich ernsthaft und guten Willens in die Diskussion einbringen will.
Diese Erfahrung mache ich nicht zum ersten Mal. Diskrepanz zwischen gelebten und gepredigten Glaubensinhalten. AUCH das hat zu meiner Distanzierung beigetragen. Deshalb verabschiede ich mich hiermit und gehe hin in Frieden
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08.04.2013, 21:26
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
Hallo zusammen,
interessante Diskussion. Was heißt denn Auferstehung konkret? Zwischen wirklicher körperliche Auferstehung und entsprechender Himmelfahrt und einem rein metaphorischen Auferstehungsverständnis gibt es ja noch eine große Bandbreite. Ich finde die Erklärungsversuche von Seibt so schlecht nicht.
Es ist offensichtlich, dass Ostern etwas Starkes passiert sein muss, das auch verzagten und desillusionierten Jüngern, die sich verdrückt hatten, auf einmal glühende Verkünder der frohen Botschaft Christi wurden. Was das konkret war, wie Auferstehung ganz genau zu verstehen ist, ist mir dabei eigentlich egal. Die zentrale Botschaft ist doch: der Tod ist nicht das Ende, Jesus hat den Tod besiegt. Das ist für mich Osterglaube. Ob das Grab im physischen Sinne leer war, interessiert mich dabei nicht sonderlich. Für mich ist das ein Bild für eine sehr tiefe spirituelle Erfahrung, die weit über eine Metapher hinausgeht. Eine Metapher wäre für mich eine selbstzurechtgebastelte Erklärung, um dem Tod Jesu was Positives abzugewinnen. Die halte ich nicht für tragfähig. Ein leiblich auf der Erde herumspazierender Jesus, der dann durch einen Bühnentrick in den Himmel gezogen wird, widerstrebt aber meinem aufgeklärten Verstand.
Kindergartenkinder langsam an das Ostergeheimnis heranzuführen, halte ich gerade in einem kirchlichen Kindergarten schon für sinnvoll und auch notwendig. Es ist die Mitte des christlichen Glaubens. Hast Du, Mocca, mal gefragt, wie man sich das konkret vorzustellen hat? Ein Freund hat mir jetzt von einem Familienkreuzweg erzählt, der aber wohl eher für Kinder ab Grundschulalter gedacht war. Da wurde Jesus durch eine brenndende Kerze symbolisiert (im Kreise anderer Kerzen für die zwölf Apostel). Und beim Tod von Jesus wurde die Kerze ausgepustet. HInterher wurde ein Kreuz mit Korpus hereingebracht, und die Kinder konnten dort Blumen niederlegen. Das finde ich durchaus eine kindgerechte Vermittlung. Wobei man eben auch sagen muss, der klassische Kreuzweg endet mit der Grablegung. Da ist noch nicht von Auferstehung die Rede. Aber das ist meines Wissens auch eine katholische Form. Ich nehme mal an, dass der Osterweg im Kindergarten die Auferstehung auch thematisierte.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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08.04.2013, 21:36Inaktiver User
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08.04.2013, 21:41
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09.04.2013, 12:08
AW: Ostern mit Kindern (Kreuzweg)
Bisher hat noch kein Fundamentalist in diesem Strang geschrieben und eine "allgemeingültige" Wahrheit verbreitet. Sondern nur Menschen, die ihre persönliche Glaubensansichten beschreiben.
Natürlich gibt es (auch in meinem Leben) eine Diskrepanz zwischen gepredigtem und gelebtem Glauben. Aber das Religionsforum hier ist auch kein Beichtstuhl (der für mich als evangelischer Christ sowieso nicht relevant ist).
Ich verstehe nicht, weshalb Du das als Angriff auf Deine Person und Deine Überzeugungen empfindest. Bisher hat nur jeder seine Sichtweise erläutert, wie er die Passionsgeschichte als Glaubensinhalt sieht.
Schade, dass Du Dich angegriffen fühlst. Das war mit Sicherhiet nicht meine Absicht.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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09.04.2013, 14:49Inaktiver User



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