Ich denke - ich bin aus deiner Generation - das war eine Frage des Umfeldes und nicht der Generation.
Mir hat die Kommunion nichts bedeutet, ich habe mich nur auf die Geschenke gefreut und war weder vorher noch nachher in der Kirche - außer zu Pflichtterminen ohne die man nicht hätte zur Kommunion gehen können. Mit 9 oder 10 Jahren habe ich die Notwendigkeit der Kommunion allerdings auch nicht in Frage gestellt, es gingen ja schließlich alle hin - aber höchstens 50 % (eher weniger) davon waren auch tatsächlich Kirchgänger.
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Thema: Was bedeutet euch die Taufe?
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26.03.2013, 09:51
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
Profilbild © edwardbgordon
Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
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26.03.2013, 10:49
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
[QUOTE=Promethea71;21223801]Ich denke - ich bin aus deiner Generation - das war eine Frage des Umfeldes und nicht der Generation.
[QUOTE]
Ja, aber dann würde ich das Umfeld recht weit fassen. Meine Eltern waren nicht übermäßig religiös und keine regelmäßigen Kirchgänger. Aber meine Mutter hat sich dann doch als Katechetin engagiert. Und wir hatten halt auch regelmäßig einmal die Woche Schulmesse. Da wächst man schon mit einer gewissen Selbstverständlichkeit rein, auch ohne familiär allzu sehr getrieben zu sein.
Und ich denke auch, dass in unserer Generation das Umfeld noch in vielen Fällen religiöser geprägt war als heute. Der Gedanke, dass Kommunion nur ein Projekt mit einem großen Event als Abschluss ist, war in meinem durchaus schon recht säkularisierten Umfeld vor gut dreißig Jahren tatsächlich noch nicht verbreitet.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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26.03.2013, 12:04
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Manches kann (und muss) ich nicht verstehen...
Wenn man sein Kind als Baby taufen lässt, heißt das für mich, dass man es zumindest religiös erziehen will. Lässt man es taufen und (als Katholik) nachher nicht zur Kommunion gehen, weil man "mit der Kirche nix am Hut" hat, warum dann überhaupt die Taufe? Gleiches gilt für die Protestanten, wobei man denen zugute halten kann, dass die Kinder bei der Konfirmation schon um einiges älter sind, sich also durchaus gegen ein eigenes Bekenntnis entscheiden können.
Ich habe meine drei Kinder als Babys taufen lassen und sie waren mir im Nachhinein recht dankbar dafür, hatten doch alle drei Mitkonfirmanden in ihrer Gruppe, die vor der Konfirmation noch getauft werden mussten, was bis auf eine Ausnahme (Taufe in der Osternacht) natürlich im Hauptgottesdienst stattfand und diesen mehr oder weniger peinlich war.
Mein Zweiter spielt übrigens schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten, was seine Entscheidung ist, ich werde ihm da nicht hereinreden.
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26.03.2013, 12:38
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Vielleicht aus den gleichen Gründen, weswegen viele kirchlich heiraten, obwohl sie mit der Kirche "nichts am Hut haben" - weil diese Rituale in unserer christlich geprägten Kultur eben nicht nur Ausdruck eines bestimmten Glaubens, sondern sozusagen allgemeine "Kulturphänomene" geworden sind, denen sich zu entziehen den Einzelnen nicht leicht fällt.
Wir haben unsere Kinder mit genau der Begründung, die du erwähnst, nicht taufen lassen: damit sie sich später selbst entscheiden können. (Und auch, weil wir selbst zu diesem Zeitpunkt der Kirche schon zu fern waren, um es für uns zu wollen.)
Mit dem Ergebnis, dass die Mittlere dieses Kurz-vor-der-Konfirmation-getauft-werden als peinlich empfunden hat (es gab außer ihr nur ein weiteres Kind, das getauft wurde, und sie fühlte sich damit so herausgehoben aus der Gruppe).Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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26.03.2013, 13:03
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Hm... Warum soll ich die "Dienstleistung" einer Organisation in Anspruch nehmen, mit der ich nichts zu schaffen haben möchte??? Eine schöne Hochzeit lässt sich auch ohne Glockenläuten und Pfarrer machen.
Die Kinder, die in meinem Bekanntenkreis nicht getauft worden sind (und das sind einige!) haben sich auch später nicht für die Taufe entschieden, schlicht und einfach schon deshalb, weil es an jeglicher religiöser Erziehung mangelte...
Ich stelle es mir extrem schwer vor, Kinder religiös zu erziehen, wenn man selbst keine Überzeugung hat.
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26.03.2013, 13:20
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Ich sehe das genauso kritisch wie du, Mocca - es war auch nur der Versuch einer Erklärung für dieses Phänomen.
Ich wäre mir verlogen vorgekommen, wenn ich kirchlich geheiratet hätte - aber schau mal hier ins Hochzeitsforum
... kirchliche Hochzeit scheint wieder en vogue zu sein, weil's ja so schön romantisch ist 
Ich halte es auch für unredlich, Kinder in einer Überzeugung zu erziehen, die man selbst nicht teilt.Die Kinder, die in meinem Bekanntenkreis nicht getauft worden sind (und das sind einige!) haben sich auch später nicht für die Taufe entschieden, schlicht und einfach schon deshalb, weil es an jeglicher religiöser Erziehung mangelte...
Ich stelle es mir extrem schwer vor, Kinder religiös zu erziehen, wenn man selbst keine Überzeugung hat.
Meiner Kinder wollten sich konfirmieren lassen - ich habe diese Entscheidung, die ihre eigene war, respektiert und mitgetragen - ich hätte auch die umgekehrte Entscheidung akzeptiert.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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26.03.2013, 14:01Inaktiver User
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Ich finde das auch seltsam.
Allerdings habe ich bei einigen Leuten den Eindruck, dass die Frage "Will ich mein Kind taufen lassen?" auch nochmal die eigene Religionsauffassung hinterfragt.
Und das manche die sich eher als "kirchenfern" empfinden, dann doch merken, da ist noch was und auch merken, dass sie selbst ihre Einbettung in eine Religion als positiv erleben - und bestimmte Werte dann eben auch ihren Kindern vermitteln wollen.
Nicht jeder der sein Kind taufen lässt muss meines Erachtens ein strammer Kirchgänger sein.
Eine zumindest in gewisser Weise emotionale Anbindung an die Kirche und eine Übereinstimmung mit den Grundwerten und dem Glauben sollte aber schon gegeben sein, denke ich, sonst macht es wirklich keinen Sinn.
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26.03.2013, 14:24
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Das finde ich auch. Generation & Umfeld der Babyboomer war schon allein deswegen religiöser geprägt als heute, weil die Säkularisation der Gesellschaft noch nicht so weit fortgeschritten war (und es wird noch weitergehen, da bin ich mir sicher. Allerdings weist der Zulauf zu z.B.. Freikirchen, oder aber die Wiederentdeckung religiöser Rituale - Hochzeit z.B.,- m.E. auf eine Sehnsucht der Menschen hin, dass es noch "etwas Anderes" geben muss als Arbeit und Alltag in einer säkularisierten Welt - wobei das auch hier jeder inzwischen irgendwie selbst löst, der eine mit Religion, der andere halt mehr oder weniger ohne) und religiöse Traditionen noch von einer breiteren Bevölkerung mitgetragen wurde, schon alleine deswegen, weil diese Teil des sozialen Lebens waren. Dann "ging man eben" zur Erstkommunion oder vollzog die Taufe, ohne das großartig zu hinterfragen. (Wie heißt es doch so schön: "Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen"). Davon wurde man geprägt, was sicher nicht das Schlechteste war, denn so wurden auch gewisse Werte tradiert, auch wenn vllt viele auch nicht 100% dahinterstanden. (Aber das muss ja vllt. auch nicht sein, denn sobald etwas "100%" ins Spiel kommt, ist Fundamentalismus - die negative Spielart des "100%" - nicht mehr fern.)
Religion ist immer auch eine Kulturfrage, vor allem dort, wo eine bis zu einem gewissen Maße einheitliche Religion (wie eben z.B Christentum oder Islam) von einer breiten Bevölkerung ausgeübt wird, ist Religion im hohen Maße kulturschaffend & prägend. Deshalb sind z.B. kirchliche Rituale nicht erst zu allgemeinen Kulturphänomenen "geworden", sondern sie waren es schon immer, nur fiel das in früheren Zeiten (hier also festgemacht am Beispiel des Christentums) nicht auf, weil eben das ganze Leben von solchen Ritualen durchzogen war, eben weil die damalige Welt noch eher eine Einheit von Religion & Welt bildete.
Heute sind solche religiösen Kulturphänomene nur sehr viel sichtbarer, eben weil die Kluft zwischen Welt & Religion immer weiter aufging und geht. Früher (wann immer dieses "Früher" nun angefangen und wann es aufgehört haben mag) bildeten Religion & Welt sehr viel mehr eine Einheit. Heute haben sich die Verhältnisse quasi umgedreht: heute werden religiöse Rituale als Einsprengsel ins (säkulare) Alltagsleben wahrgenommen, aber nicht mehr zum Alltagsleben selbst dazugehörig empfunden (Was nun von meiner Seite nur eine Feststellung, aber keine Wertung sein soll), was auf einer anderen Ebene nicht nur Freiheit, sondern auch eine große Herausforderung für den Einzelnen bedeutet, weil er sich ständig entscheiden muss, was denn nun noch für ihn geht und was nicht.
Ich finde übrigens nichts (mehr) dabei, wenn sich Menschen dafür entscheiden, die Rituale der Kirche in Anspruch zu nehmen, um ihr Leben - so säkularisiert es auch sein mag- damit auszuschmücken, oder um doch nicht ganz aus einem gewissen Sozialleben herauszufallen. Früher (:-)) noch habe ich mich auch darüber aufgeregt, aber ich denke inzwischen, dass vielleicht ein "bisschen" Kontakt zu (christlichen) Religion doch noch besser als gar nichts ist. Na, muss (und soll) im Grunde jeder selbst entscheiden. (mal wieder... :-))Geändert von Analuisa (26.03.2013 um 16:29 Uhr) Grund: Zitate richtig zugeordnet ;-)
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26.03.2013, 15:08
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Brünette,
den Beitrag empfinde ich als eine sehr zutreffende Analyse.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.03.2013, 22:11
AW: Was bedeutet euch die Taufe?
Jein, sag ich mal. Einerseits bin ich auch sehr dafür, den Menschen den Zugang zur Religion so niedrigschwellig wie möglich zu erhalten und niemanden auszugrenzen. Auf der anderen Seite habe ich aber manchmal das Gefühl, dass gerade die praktizierte Niedrigschwelligkeit dazu führt, dass der Wert der Religion verkommt.
Man bekommt halt Taufe, Kommunion, Trauung mehr oder weniger einfach so. Verweigert wird es praktisch niemandem. Bei uns im Erzbistum ist es nicht mal möglich, ein Kind von der Erstkommunion auszuschließen, wenn es kein einziges Mal vorher die Messe besucht hat. Dabei wäre eine Verschiebung in so einem Fall in meinen Augen schon ein wichtiges Signal.
Manchmal denke ich, ob es nicht sinnvoll wäre, die Menschen, die ein kirchliches Ritual wünschen, ohne die geringste kirchliche Bindung z uhaben, zu verpflichten, sich in gewissem Rahmen mit dem Inhalt des Rituals und seiner Bedeutung auseinanderzusetzen. In manchen Gemeinden passiert das tatsächlich auch über Taufkatechesen etc. Aber oft gibt es auch gerade mal ein organisatorisches Vorgespräch, und das war es dann.
Und ich weiß auch nicht, ob es so gut ist, Kindern ein Ritual wie die Erstkommunion zu ermöglichen, wenn man selbst null und gar keinen Bezug dazu hat, nicht mal gläubig ist. Ich denke, Kinder merken das sehr wohl und sind damit ja auch einer gewissen Ambivalenz ausgesetzt. In der Katechese lernen sie etwas, was die eigenen Eltern verneinen. Bei einem Teenager würde ich sagen, er soll sich halt selbst ein Bild machen. Bei einem Kind von acht oder neun Jahren finde ich das problematischer.
Es kann ja durchaus ehrenwert sein, den Kindern etwas mitgeben zu wollen, was man selbst verloren hat, aber dann würde ich erwarten, dass man selbst als Eltern die Gelegenheit nutzt, für sich herauszufinden, ob da nicht doch etwas Verschüttetes wieder ausgegraben werden kann. Bei uns gibt es begleitend schon für die Eltern einige Abende zu den wichtigsten Themen wie Eucharistie und Beichte, um ihnen die Bedeutung dieser Sakramente nahe zu bringen. Und diese Form der Elterneinbindung halte ich auch für wichtig und notwendig. Vielleicht müsste da auch noch mehr geschehen, ggf. auch verpflichtend, um klar zu machen, wir geben das, was uns heilig ist, nicht allzu billig weg.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)



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