Klar, der Papst ist weit weg und die Katholiken leben hier ihr Leben mit Empfängnisverhütung, Ehen in gemischter Konfession, sie leben unverheiratet zusammen, als Geschiedene, Alleinerziehende etc. etc. (und ich lebe besser als so manch pietistischer Nachbar hier, aber das nur am Rande).
Stimmt schon, kann mir eigentlich egal sein, aber nur eigentlich. Ich habe vor einigen Jahren (kurz nach dem Papstbesuch in Deutschland) an einer Diskussion unter derLeitung von Prof. Hiberath aus Tübingen teilgenommen. Er stammt aus dem mehrheitlich katholischen Rheinland, dort gilt die Devise "uns ist egal, wer unter uns Papst ist, wir leben, wie es uns gefällt".
Hilberath brachte ein interessantes Argument: wir wünschen uns, dass unser Leben "rund" verläuft, dass wir im Einklang leben. Genauso wie es uns Probleme macht, wenn die Eltern an uns rummeckern, es nervt, auch wenn wir längst erwachsen sind. Vom Kopf her ist alles klar "was geht mein Leben meine Eltern an", aber schön ist es nicht, wenn man keine Akzeptanz und Verständnis findet. Ein passables Leben kann man sich trotzdem machen, das ist klar, aber irgendwie ist da ein "Bruch" im Inneren.
Wem Religiöses nicht am Herzen(!) liegt, wer kirchliche Hochzeit, Taufe und den jährlichen Weihnachtsgottesdienst als folkloristische Veranstaltung sieht, die halt "dazugehört", den tangiert das wenig, das leuchtet mir ein.
Was uns Katholiken in Deutschland bewegt, sind weltweit gesehen "Peanuts", aber auch wir wünschen uns Verständnis und Akzeptanz unseres Lebens: dass es Scheidungen gibt beispielsweise. Die wird von der Kirche bisher stur bestraft, indem diese Leute nicht die Kommunion bekommen dürfen. Wenngleich das vor Ort locker gehandhabt wird, es hat ja keiner den Stempel "geschieden" auf der Stirn und im Zweifelsfall hat es der Pfarrer halt nicht gewusst, dass er Geschiedenen die Kommunion gibt.
Bei der Diskussion seinerzeit damals meinte eine Dame, wie beseelt sie vom Gottesdienst in Freiburg gekommen sei. Ich meinte dann, ich kann nichts mehr Beseelendes finden, wenn im Vorfeld darum gerungen wurde, dass Messdienerinnen (weiblich!) teilnehmen "dürfen".
Ich möchte Spirituelles als Teil meines gelebten Lebens sehen und in der Kirche mein Privatleben nicht ausblenden müssen. Das nehme ich immer mehr wahr, in jüngeren Jahren hat mich das nicht so gestört.
Ob es mit dem neuen Papst gelingt, "regionale" Lösungen zu finden für einzelne Länder/Kontinente, das wage ich zu bezweifeln.
Gruß, Elli
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20.03.2013, 21:16Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Geändert von Inaktiver User (20.03.2013 um 22:17 Uhr) Grund: Ergänzung
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20.03.2013, 21:52Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
@elli
In deinem Post ist ein schwerer sachlicher Fehler
Wer geschieden ist, wird nicht exkommuniziert und kann auch jederzeit die Kommunion empfangen. Nur wer wieder verheiratet ist, wird offiziell von der Kommunion ausgeschlossen (in der Praxis ist das teilweise anders). Exkommuniziert wird auch ein Geschiedener und wieder Verheirateter NICHT!!!
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20.03.2013, 21:57Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Ok, mit den genauen Fachbegriffen kenne ich mich nicht aus.
Der Pfarrer hier sagte, dass er Geschiedenen die Kommunion nicht geben darf, weil sie das Sakrament der Ehe "gebrochen" hätten. Auch nicht Paaren, die nicht kirchlich verheiratet sind. Er macht es trotzdem und würde sich drauf berufen, es nicht gewusst zu haben, sollte sich jemand beschweren.
Die formale "Exkommunizierung" ist wohl etwas anderes, das stimmt: hier
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (20.03.2013 um 22:03 Uhr)
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20.03.2013, 22:06Inaktiver User
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20.03.2013, 22:09Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Ich finde die Situation, wie sie ist, auch dringend reformbedürftig. Aber sachlich falsche Aussagen helfen dabei nicht - sie sind nur polemisch.
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20.03.2013, 22:12Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Wessen Leben läuft rund ? Ok, gemessen an einem Leben in Indien geht es uns rosig...

Freiheit ist schön, ich lebe mein völlig freies, in jeder Hinsicht absolut "unkatholisches" Leben. Dazu stehe ich, ist auch so gesehen kein Problem.
Meine Spiritualität möchte ich aber gerne in der katholischen Religion leben, das ist nicht so leicht "austauschbar". Das hat mit Freiheit nichts zu tun, es ist mir ein Bedürfnis. Und da möchte ich mit meinem Lebensweg, mit meinen Bedürfnissen akzeptiert werden. Nur darum geht es mir. Erst das ist dann wirkliche Freiheit, auch im Denken.
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (20.03.2013 um 22:18 Uhr)
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20.03.2013, 22:43Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Von wem willst Du da akzeptiert werden? Von denen die, wie Du es von Dir sagst, in Freiheit leben, wirst Du sowieso akzeptiert.
Du sagst, dass Du Deine Spiritualität in der katholischen Religion leben möchtest. Dagegen spricht nichts - aber denke mal daran, dass die, die an der Ausgestaltung dieser Spiritualität entscheidenden Anteil hatten, oft keineswegs immer in Übereinstimmung mit den Kirchenvertretern ihrer Zeit standen.
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21.03.2013, 11:20Inaktiver User
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Ich habe das überprüft - ein Übersetzungsfehler ist es nicht. Die Formulierung lautete "una movida del Diablo": Bergoglio sobre el matrimonio gay: "Es una movida del Diablo" - País | diariouno.com.ar
@Michael Collins
Auch für Lateinamerikaner ist "Diablo" ein sehr starkes Wort.
Was Bergoglios Verstrickungen mit bzw. unter der Militärdiktatur angeht, wurden mittlerweile so viele widersprüchliche Meldungen verbreitet, dass es wohl kaum noch möglich ist, so etwas wie "Wahrheit" darin zu finden.
Ich sehe diese Papstwahl inzwischen pragmatisch. Er hat sich einen programmatischen Namen gegeben, hat seine Ziele und Absichten klar gesteckt und deutlich gemacht. Wenn es ihm gelingt, davon auch nur einen Teil zu erreichen, also tatsächlich die soziale Gerechtigkeit in Lateinamerika zu verbessern und den Alltag der Armen zu erleichtern (schon allein durch die erhöhte Aufmerksamkeit), ist seine Vorgeschichte in meinen Augen irrelevant. Dann kann ich mit diesem Papst gut leben.
So, das war nun mein versöhnliches Schlusswort.
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21.03.2013, 15:57
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Hallo zusammen,
ich finde den Vergleich mit den Eltern sehr gut. Aber ich denke, wir sind uns auch einig, dass man Kinder, die Zeit ihres Lebens fordern, dass ihre Eltern ihren abweichenden Lebensstil nicht nur akzeptieren, sondern auch gutheiße sollen, doch etwas unreif sind. Und toleriert wird in der Kirche, zumindest hierzulande, nahezu jeder abweichende Lebensstil. Ich kenne wiederverheiratete Katecheten, schwule Kommunionhelfer, und das alles auf dem Land, nicht in der progressiven Großstadtgemeinde.
Die meisten Pfarrer stellen sich heute auf den sehr gesunden Standpunkt, dass sie nicht in die Schlafzimmer ihrer Schäfchen hineinsehen und es sie auch nichts angeht, was dort vor sich geht oder nicht geht. Und mit dieser Begründung kann ich auch einen Wiederverheirateten zur Kommunion zulassen, denn rein theoretisch ist es ja möglich, dass neue Ehe ohne Sex statttfindet und damit auch kein Ehebruch besteht.
Denn Scheidung selbst ist kein Ehebruch, weil die Kirche keine Scheidung kennt. Erst das Eingehen einer neuen Ehe mit entsprechenden sexuellen Aktivitäten erfüllt den Tatbestand des Ehebruchs. Und das wiederum gilt als schwere Sünde, durch die der Gläubige den Stand der Gnade verliert, der zum Empfang der Kommunion notwendig ist. Soweit die Theorie, um das mal klarzustellen. Ob vorehelicher Sex nun wirklich eine schwere Sünde ist, ist wohl auch diskutabel. Ein Ehebruch liegt da ja nicht vor.
Und Papst Benedikt hat offen darüber nachgedacht, wie man den Wiederverheirateten entgegenkommen kann, ohne die Unauflöslichkeit der Ehe grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich denke, er hatte nur nicht mehr die Tatkraft und Energie, das auch entsprechend umzusetzen. Aber das Bewusstsein für die Problematik war durchaus vorhanden.
Und mir reicht es eigentlich, wenn die Praxis barmherzig und lebensnah ist. Die Theorie darf dann durchaus hohen Idealen verpflichtet sein, das empfinde ich nicht als falsch. Das ist für mich auch eine Richtschnur, an der ich mein Handeln überprüfen kann. Und das ist mir lieber, als die Latte schon vorsorglich tiefer zu hängen, damit auch ja niemand sie reißt.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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21.03.2013, 16:21
AW: Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar zurück.
Hier die Information auf Wikipedia zur Exkommunikation und wenn das stimmt, was dort steht, dann muss die Exkommunikation nicht formal ausgesprochen werden von der Kirche oder einem ihrer Vertreter, sondern sie erfolgt automatisch durch den entsprechenden Verstoß.
Exkommunikation
Also wer aus der Kirche austritt ist ein Apostat (einer der sich von der Kirche abwendet) und damit automatisch exkommuniziert.
Inwieweit das bei anderen Verstößen gegen die 10 Gebote passiert kann ich mangels Kenntnis nicht sagen - und auch nicht, was davon durch Beichte "aufgehoben" werden kann und in wieweit die "Rekommunikation" eines gesonderten Aktes bedarf oder auch automatisch passiert.
Das dies von den Kirchenvertretern vor Ort ignoriert wird und anders gehandhabt ist ja schön - ändert aber grundsätzlich nichts am geltenden Kirchenrecht.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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