Ich meine, es hat da einen "Neuen Bund" gegeben, demzufolge die Taufe bei Christen die Beschneidung gewissermaßen ersetzt hat. Also vielleicht mit der Bedeutung, dass man sich auch mit Wasser reinigen oder reinigen lassen kann und dafür nicht zum Messer greifen muss, gewissermaßen, auch wenn es dabei wohl eher weniger um Smegma geht, aber wer weiss. Das ist wohl nicht kanonisch, aber aus dem Umfeld:
Laut dem apokryphen und pseudepigraphischen Thomasevangelium soll Jesus von Nazareth folgendes gesagt haben:
„Seine Jünger sprachen zu ihm: ‚Nützt die Beschneidung oder nicht?‘ Er sprach zu ihnen: ‚Wenn sie nützte, würde ihr Vater sie beschnitten aus ihrer Mutter zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen Nutzen gehabt.‘“
– Das Evangelium nach Thomas 53[28]
Im frühen Christentum sprach sich Paulus von Tarsus gegen eine Pflicht zur Beschneidung für die neubekehrten Heidenchristen aus. Paulus war selbst ein beschnittener Judenchrist. Für ihn entscheidend war nicht die körperliche Beschneidung, sondern die – bereits im Judentum zunehmend betonte – „Beschneidung des Herzens“, wie sie schon das 5. Buch Mose kennt: „Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.“ (Dtn 10,16 EU). Wer glaube, so Paulus, allein durch körperliche Beschneidung gottgefällig zu sein und heilig zu werden, sei auf einem Irrweg: „Die Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.“ (Röm 2,25 EU). Entscheidend sei der demütige Glaube: „Denn in Christus Jesus kommt es gerade nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.“ (Gal 5,6 EU)
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28.09.2012, 00:17
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
"...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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28.09.2012, 00:25
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
Ach so ist das. Die Beschneidung von Muslimen und Juden wurde gar nicht von Gott gefordert.
Ob das die Muslime und Juden auch so sehen?
Würdest Du es wissen wollen?Natürlich haben sie dabei ihr Gottesbild im Hinterkopf gehabt und den Gedanken, ihm wohlgefällig zu sein.
Warum das nun in der einen Religion zur Beschneidung führt, in der anderen aber nicht, das kann und will ich nicht beantworten.
Ihr "Gottesbild"?
Kannst Du oder irgendjemand mir das genauer erklären, wie ein Gottesbild (man soll sich kein Bild von Gott machen) aussieht, das die Beschneidung fordert?
Welche Erklärung meinst Du genau?Trotzdem finde ich diese Erklärung sinnvoll und logisch.
Die kenne ich ebenfalls nicht.(Genauso wie ich die Erklärung der Juden nachvollziehen kann, warum sie kein Schweinefleisch essen.
Wäre aber ein anderes Thema.
Ist das die offizielle Begründung für das Verbot, Schweinefleisch zu essen?Es geht nicht darum, dass das Schwein ein 'unsauberes' Tier ist, sondern darum, dass es - im Gegensatz zu Rindern, die auch Milch geben, zu Hühnern, die uns Eier geben oder Schafen, deren Wolle wir nutzen - das einzige Tier ist, das von den Menschen lediglich deshalb gehalten wird, um es zu schlachten und sein Fleisch zu essen.
Das hat etwas mit Achtung zu tun.)
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28.09.2012, 00:37
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
Das würde bedeuten, Gott hat den Unterschiedlichen Religionszugehörigen unterschiedliche Regeln auferlegt, um diesen Neuen Bund zum Ausdruck zu bringen?
Da könnte was dran sein.Also vielleicht mit der Bedeutung, dass man sich auch mit Wasser reinigen oder reinigen lassen kann und dafür nicht zum Messer greifen muss, gewissermaßen, auch wenn es dabei wohl eher weniger um Smegma geht, aber wer weiss. ...
Kommt die Taufe nicht im Neuen Testament vor?
Wenn ich mich nicht irre, ist es ja so, dass das Neue Testament das Alte Testament in keinem einzigen Punkt widerlegt oder ersetzt, sondern ergänzt.
Nur mal ein Beispiel zur Veranschaulichung (berichtigt mich, wenn ich mich irre - bin mir nicht sicher, ob das stimmt):
Im Alten Testament heißt es, man muss Versprechen einhalten. Ich nehme an, der Grund dafür ist, dass ein nicht gehaltenes Versprechen einer (nachträglichen) Lüge gleich kommt. Und Gott sah, dass die Menschen sich oft schwer taten, ein Versprechen zu halten.
Deshalb hat Gott im Neuen Testament nachgelegt, und gesagt, wir sollten gar nichts versprechen und nicht schwören, sondern tun was man sagt. "Ein Ja sei ein Ja und ein Nein sei ein Nein"
Wurde mit der Taufe das Gebot der Beschneidung aufgehoben?Geändert von Skrabador (28.09.2012 um 00:40 Uhr)
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28.09.2012, 03:45
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
Möglicherweise ... wobei das natürlich leicht verwirrend wäre. Aber: Die Wege des Herrn sind unergründlich. Vermutlich gibt es auch unterschiedliche Auffassungen, wer wann mit wem darüber und mit Gott Gespräche geführt hat und ob das auch immer derselbe Gott war und ob keiner dabei geflunkert hat und so weiter ...
Ja, doch.
Da gibt es sicherlich unterschiedliche Auslegungen, aber ich meine: Ja. Wobei es natürlich darauf ankommt, welchen Teilen der Bibel man welche Autorität zubilligt."...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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28.09.2012, 06:06
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
In heißen Ländern verdirbt Schweinfleisch in kürzester Zeit. Bevor vor 100 Jahren Kühlmaschinen erfunden wurden, haben Bauern Schweine immer erst im Winter nach dem ersten Frost geschlachtet und am selben Tag verarbeitet, um es haltbar zu machen.Ist das die offizielle Begründung für das Verbot, Schweinefleisch zu essen?
Nein nicht direkt. Johannes der Täufer taufte am Jordan auch den Jesus von Nazareth, um den Bund zu Gott zu erneuern. Auf das Geschehen bezieht sich die Taufe von Kindern und Erwachsene. Mit der Missionsarbeit des Paulus erreichte die Kunde des Auferstandenen Christus auch Gebiete, wo Beschneidungen nicht üblich waren und kulturell suspekt, z.B. Griechenland. Mit der nur-Taufe ermöglichte das junge Christentum den Nichtjuden, an den Gott Abrahams zu glauben.Wurde mit der Taufe das Gebot der Beschneidung aufgehoben?
Bescheidung hat ist aber nicht nur (kulturhistorisch) ein Bund mit Gott, sondern ein Merkmal der Zugehörigkeit (zum jüdischen Volk). Nur gemeinsamer Glaube und gemeinsame Rituale sind kein dauerhafter Zentralpunkt. Das ehemalige "christliche" Abendland gibt es so nicht mehr.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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13.10.2012, 01:54Inaktiver User
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
Das "christliche Abendland" gibt es nicht mehr, aber eine sehr merkwürdige jetzt neue Rechtsprechung über Beschneidung in unserem Land, wo es da heißt, dass Beschneidung von fachkundigen 'Nichtmedizinern' bei Kleindkindern diese durchgeführt werden darf, wenn (ja wenn..) das Kind sich nicht wehrt.
Ab der Vorstellung, wie das aussehen können sollte, ist das eine grandiose Wischiwaschijuristerei. Kommt dabei heraus, wenn Religion und Staatsräson sich vermischen.
Man sollte dieses Thema auf EU-Ebene hieven.
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13.10.2012, 07:17
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
und wie möchtest Du das auf EU-Ebene hieven?
Vor dem Europäischen Gerichtshof könnte nur ein Betroffener klagen. Und gegen wen? Seine Eltern?Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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13.10.2012, 17:48
AW: WARUM Beschneidung (aus religiöser Sicht)?
Ich bitte euch zu beachten, dass Skrabador diesen Strang eröffnet hat, um nach dem religiösen Hintergrund des Beschneidungsrituals zu fragen.
Die aktuelle Rechtssprechung zu diesem Thema gehört nicht hierher, ich bitte darum, damit zusammenhängende Fragen im Politikforum zu diskutieren.



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