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    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Hallo Bruenette,

    absolute Zustimmung zu allem, was Du schreibst .

    In Situationen, die ein Opfer erfordern oder sagen wir, ein Opfer nahelegen, kann man leicht mal geraten. Das sucht man sich nicht unbedingt aus. Wesentlich zum Opfer gehört in meinen Augen, dass es freiwillig gegeben wird, dass man also eine Wahl hat. Und man stellt sich der Situation in dem Wissen, das es nicht immer leicht sein wird. Ein behindertes Kind bewusst zu bekommen, ein Partner, der plötzlich behindert wird, ein pflegebedürftiger Angehöriger, das sind alles Situationen, zu denen man ja sagen kann, in dem Wissen, dass es nicht immer leicht sein wird und dass es auch Momente des Zweifels geben wird. Man opfert einen Teil seiner persönlichen Freiheit, weil man andere Dinge höher priorisiert.

    Auch das Annehmen von Opfern finde ich einen wichtigen Punkt. Ich täte mich mit einem großen Opfer auch sehr schwer. Ich glaube, da muss schon ein großes Vertrauen bestehen, um so etwas anzunehmen. Und ich glaube auch, dass es durchaus auch Situationen gibt, wo ein Opfer am Ende niemandem hilft. Wenn es nicht wirklich gerne und freiwillig gegeben wird oder der Annehmende seine Schuldgefühle durch Aggression kompensiert, dann so was auch schrecklich schief gehen. Und manchmal muss man sich vielleicht auch eingestehen, dass man die eigenen Kräfte überschätzt hat. Aber ich glaube, wenn beide Seiten den Charakter eines Opfers kennen, dann sollte es auch möglich sein, den anderen von seiner selbstauferlegten Verpflichtung zu entbinden, in Dankbarkeit für alles Geleistete.

    Ich glaube, dass ein Opfer für beide Seiten sehr bereichernd sein kann, aber auch eine hohe Kunst ist, die viel innere Reife erfordert, gerade wenn wir uns im genannten zwischenmenschlichen Bereich bewegen.

    Gruß,

    Malina

  2. gesperrt

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    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Vielleicht ist einfach eine Frage der Definition.
    Statt dass sich jemand für mich opfert, oder ich mich für jemanden opfere, möchte ich lieber schenken und beschenkt werden.

    Mit ist das Freudige, das Leichte dabei wichtig, das Freiwillige daran wichtig, auch wenn Geschenk manchmal Mühe sind. Die innere Haltung dazu.

  3. Inaktiver User

    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Pflub Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist einfach eine Frage der Definition.
    Statt dass sich jemand für mich opfert, oder ich mich für jemanden opfere, möchte ich lieber schenken und beschenkt werden.

    Mit ist das Freudige, das Leichte dabei wichtig, das Freiwillige daran wichtig, auch wenn Geschenk manchmal Mühe sind. Die innere Haltung dazu.
    Ich denke mal, das ist mit dem Opfer und den Situationen in denen es zum Tragen kommen könnte nicht zu vereinbaren.

    Nehmen wir mal an, du kommst in eine Situation in der du Pflege brauchst und dieser Jemand pflegt dich aufopferungsvoll.

    Dann ist damit einfach die Intensität gemeint, die Hinwendung.
    Wer in der Lage ist das so zu sehen empfindet Dankbarkeit. Dem Leben gegenüber, den Menschen gegenüber.
    Weil man so etwas Positives erleben durfte.

    Es ist etwas was über die Pflicht hinaus geht.
    Darin liegt wohl auch die Natur des Opfers.
    Einerseits im Ungewissen - andererseits im Vertrauen auf die eigene Kraft.

    Es gibt viele Berufe in denen Menschen aufopferungsvoll arbeiten.
    Sie bräuchten alle nur ihre Pflicht tun.

    Es ist wohl heutzutage ziemlich verpönt dankbar zu sein und Leistungen anzuerkennen.

    Dabei steckt doch in dem Danke die Erkenntnis: danke dass du dich für mich so angestrengt hast, an mich geglaubt hast etc...

    Wer in Bemühungen jeglicher Art um seine Person nur eine Pflichterfüllung sieht ist zumindest misstrauisch.
    Eine meiner Töchter wurde mal in einer Nacht- und Nebelaktion operiert.
    Ich war dem Arzt dankbar - und stellvertretend seiner Zunft.
    Geändert von Inaktiver User (03.08.2012 um 14:57 Uhr)

  4. gesperrt

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    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist etwas was über die Pflicht hinaus geht.
    Darin liegt wohl auch die Natur des Opfers.
    Einerseits im Ungewissen - andererseits im Vertrauen auf die eigene Kraft.
    "Das was über die Pflicht hinausgeht" ist Liebe.

    Vielleicht doch eine Frage der Definition.


    Ich habe auch jahrelang jemanden gepflegt.
    Bis an die Grenzen meiner Kraft, manchmal darüber hinaus.
    Ich fühle aber nicht, dass ich ein Opfer gebracht habe.


    Die Menschen, die ich im Leben kennengelernt habe, die Opfer gebracht haben (also das von sich selbst behauptet haben) waren kein Menschen, die ich gerne um mich haben würde, auch nicht als kranker, oder hilfsbedürftiger Mensch.

    Die liefen alle mit dem Bewusstsein ihrer eigenen Güte auf dem Gesicht, in ihrer Haltung,in ihre Sprache, durch die Gegend. Sowas macht mich aggressiv. Ich fühle keine Danbarkeit, wenn sie quasi erwartet wird.

    Wenn keine Dankbarkeit erwartet wird, ist Dankbarkeit ein Geschenk.
    Wie kann ich jemandem das Geschenk der Dankbarkeit machen, wenn er sowieso meint ein Recht darauf zu haben?

    Wenn ich mal Hilfe brauche sollte hätte ich lieber jemanden, der einfach nur seinen Job macht, statt eines Aufopferers.

    Aber jeder braucht ja was anderes.


    Wer meint, dass "gut sein" über die Pflichterfüllung hinaus ein Opfer ist, hat nicht viel Vertrauen in Menschen.
    Es macht ja doch auch einfach Spass zu helfen, und "gut" zu sein.
    Das tut man doch auch für sich selbst.

  5. Inaktiver User

    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Pflub Beitrag anzeigen
    "Das was über die Pflicht hinausgeht" ist Liebe.
    (....)
    Wer meint, dass "gut sein" über die Pflichterfüllung hinaus ein Opfer ist, hat nicht viel Vertrauen in Menschen.
    Das, was über die reine Pflichterfüllung hinausgeht, geschieht normalerweise aus Mitmenschlichkeit und mitmenschlichem Mitempfinden, Du meinst mit Liebe wohl etwas Ähnliches. Bei Kindern und der Familie tut man es auch, genau weil man sie ja liebt, wie Du sagst.

    Darüber hinaus gibt es auch noch die Eigenantriebe, die über reine Pflichterfüllung agieren lassen. Ehrgeiz, den Ansprüchen an sich selbst gerecht werden, seinen eigenen Werten gerecht werden wollen, sich morgen noch in den Spiegel sehen können wollen, die Freude erleben wollen, daß der Einsatz gelohnt hat, oder einfach schlicht gut sein wollen, weil erfolgreich und gut sein eben mehr Spaß macht als "gerade mal so das Mindeste", usw.
    Es ist aber sicher so, daß es auch Leute gibt, die ihre Pflicht erfüllen, und alles darüber hinaus wird als Opfer gesehen. Das ist bedauerlich für diese, wenn sie es trotzdem machen oder vielleicht keine andere Wahl haben (z.B. der einzige Arzt im größeren Umkreis), aber eben leider auch irgendwie unangenehm für die anderen Beteiligten.

  6. gesperrt

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    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    No objections whatsoever!

  7. Inaktiver User

    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Pflub Beitrag anzeigen
    "Das was über die Pflicht hinausgeht" ist Liebe.

    Vielleicht doch eine Frage der Definition.


    Ich habe auch jahrelang jemanden gepflegt.
    Bis an die Grenzen meiner Kraft, manchmal darüber hinaus.
    Ich fühle aber nicht, dass ich ein Opfer gebracht habe.


    Die Menschen, die ich im Leben kennengelernt habe, die Opfer gebracht haben (also das von sich selbst behauptet haben) waren kein Menschen, die ich gerne um mich haben würde, auch nicht als kranker, oder hilfsbedürftiger Mensch.

    Die liefen alle mit dem Bewusstsein ihrer eigenen Güte auf dem Gesicht, in ihrer Haltung,in ihre Sprache, durch die Gegend. Sowas macht mich aggressiv. Ich fühle keine Danbarkeit, wenn sie quasi erwartet wird.

    Wenn keine Dankbarkeit erwartet wird, ist Dankbarkeit ein Geschenk.
    Wie kann ich jemandem das Geschenk der Dankbarkeit machen, wenn er sowieso meint ein Recht darauf zu haben?

    Wenn ich mal Hilfe brauche sollte hätte ich lieber jemanden, der einfach nur seinen Job macht, statt eines Aufopferers.

    Aber jeder braucht ja was anderes.


    Wer meint, dass "gut sein" über die Pflichterfüllung hinaus ein Opfer ist, hat nicht viel Vertrauen in Menschen.
    Es macht ja doch auch einfach Spass zu helfen, und "gut" zu sein.
    Das tut man doch auch für sich selbst.
    Du hast ganz schön hohe Ansprüche.
    Und mir scheint, auch Erwartungshaltungen.

    Außerdem finde ich dich hochgradig unrealistisch.
    Weil unsere Welt nun mal nicht so ist.

    Wer pflegt, privat zum Beispiel opfert in der Regel Zeit und Energie.
    Die fehlt ihm oft dann.

    Pflegenden Angehörigen werden darum neuerdings Gelder zugesprochen und manchmal auch Rentenansprüche.
    Das ist eine Würdigung ihrer Arbeit.

    Und, das finde ich auch gut so.
    Was, wo wäre eine Gesellschaft die erwartet, dass einem Menschen ja die Freude am Helfen genügen sollte.
    Dass wir uns alle völlig selbstverständlich lieben.

    Wir brauchen alle ein wenig Anerkennung und manchmal auch schnöde Geld für Hilfe.

    Im helfenden Bereich nennt man das Anerkennungskultur.

    Du stellst dich hier als die große löbliche Ausnahme hin.
    Schreiben kann man ja viel.

    Nee, ich finde es schon besser vom ganz normalen faulen, feigen Menschen auszugehen.
    Die Kirche tut das.
    Darin kann sich nämlich Otto-Normalverbraucher wiedererkennen.

    Ehrlich gesagt, selbst in meinem Mutter-dasein gab es Bereiche die ich als Opfer bezeichnen würde.
    Deshalb dürstet es mich nicht nach nem Mutterkreuz.

    Liebe ist aber nicht was Selbstverständliches.
    Trifft für mich auf das Geben und Nehmen zu.

    Ich merke auch immer wieder was für einen Unterschied es ausmacht ob man mit dieser christlichen Terminologie groß geworden ist oder nicht.

    Und zwar was den Umgang betrifft. Opfer und was weiß ich noch alles sind für mich Begriffe die ich von klein auf in der Kirche, im Unterricht gehört habe.
    Ich gehe damit wahrscheinlich anders um, selbstverständlicher.
    Es hat nix Erschreckendes für mich.

    Oftmals bedeutet es für mich auch nur eine Episode - auf einem Weg.
    Mir schwant sowieso, viele Menschen haben einfach Angst vor einem Begriff wie Opfer, es wird ja von Jugendlichen sogar schon als Schimpfwort bezeichnet.
    Dieser Begriff steht für viele Menschen für Schwäche und auch Aufgabe - und hat was Morbides.

    Darum gilt es das wohl unbedingt zu vermeiden.

    Dabei bringt du für alle Ziele Opfer. Und keiner will das umsonst tun.
    Es soll sich schon lohnen. Auf irgendweine Art - und das finde ich sehr menschlich und normal.

    Darum finde ich es auch durchaus richtig wenn Menschen ausgezeichnet werden - wenn sie anderen zu Hilfe eilten zum Beispiel.
    Es ist der Gegenpol zur Gleichgültigkeit und Hilflosigkeit.
    Ein Zeichen für Mut und Hoffnung. Und nebenbei oft auch für Klugheit wegen der Art und Weise.

  8. Inaktiver User

    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das, was über die reine Pflichterfüllung hinausgeht, geschieht normalerweise aus Mitmenschlichkeit und mitmenschlichem Mitempfinden, Du meinst mit Liebe wohl etwas Ähnliches. Bei Kindern und der Familie tut man es auch, genau weil man sie ja liebt, wie Du sagst.

    Darüber hinaus gibt es auch noch die Eigenantriebe, die über reine Pflichterfüllung agieren lassen. Ehrgeiz, den Ansprüchen an sich selbst gerecht werden, seinen eigenen Werten gerecht werden wollen, sich morgen noch in den Spiegel sehen können wollen, die Freude erleben wollen, daß der Einsatz gelohnt hat, oder einfach schlicht gut sein wollen, weil erfolgreich und gut sein eben mehr Spaß macht als "gerade mal so das Mindeste", usw.
    Es ist aber sicher so, daß es auch Leute gibt, die ihre Pflicht erfüllen, und alles darüber hinaus wird als Opfer gesehen. Das ist bedauerlich für diese, wenn sie es trotzdem machen oder vielleicht keine andere Wahl haben (z.B. der einzige Arzt im größeren Umkreis), aber eben leider auch irgendwie unangenehm für die anderen Beteiligten.
    Das hast du schön geschrieben!

    Aufopfern ist so negativ finde ich. Ich mache etwas weil ich es gern mache oder ich lasse es.

    Egal um was es geht. Und sei es nur hinzusehen oder einzugreifen wenn jemand Hilfe braucht. Pflichtgefühl ist auch irgendwie negativ. Obwohl man ja doch einige Pflichten hat und Verpflichtungen auch.

    aber im Mitmenschlichen da ist "Mitleid - also mit - leiden" und "Mit-fühlen" viel wichtiger.

    Ich bin so eine Mitleiderin, Mitfühlerin und auch ganz empatisch was die Gefühle anderer Lebenwesen angeht - egal ob Mensch oder Tier - wie könnte da Hilfe ein "Opfer" für mich sein?

  9. gesperrt

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    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    @ Was-immer-es-gibt.

    wir reden so völlig an einander vorbei.
    Deswegen macht es für mich auch keinen Sinn auf jeden einzelnen Deiner Punkte einzugehen.
    Es käme höchstwahrscheinlich kein bisschen mehr gegenseitiges Verständnis dabei heraus.

    Immer wieder stelle ich fest, dass es sich überhaupt erst dann zu diskutieren lohnt, wenn man die Begriffe, die man benutzt klar definiert hat, und überhaupt verstanden hat, mit welcher Begriffsdefintion der andere argumentiert. Meine Beiträge waren mein Versuch zu erklären, wie ich den Begriff definieren. Das ist nämlich auch die Fragestellung des Strangs.

  10. User Info Menu

    AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir schwant sowieso, viele Menschen haben einfach Angst vor einem Begriff wie Opfer, es wird ja von Jugendlichen sogar schon als Schimpfwort bezeichnet.
    Dieser Begriff steht für viele Menschen für Schwäche und auch Aufgabe - und hat was Morbides.

    Darum gilt es das wohl unbedingt zu vermeiden.
    Stimmt. Das scheint mir eine allgemein zu beobachtende Tenden zu sein. Jemand, der erkennbar für andere ein Opfer bringt, wird auch schnell etwas schräg angeschaut. Da wird auch gerne mal mangelnde Abgrenzung oder zu wenig Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse unterstellt, kann nicht nein sagen, etc. Das macht es nicht unbedingt leichter, sich für diesen Weg zu entscheiden. Zumal die Alternative, nämlich die Opfersituation zu vermeiden, gesellschaftlich vollkommen aktzeptiert ist. Wenn man seine alten Eltern ins Heim gibt oder ein behindertes Kind nicht bekommt, wird das normalerweise sehr verständnisvoll aufgenommen, während eine gegenteilige Entscheidung oft auf Unverständnis stößt. Dabei wäre ich sehr dafür, beide Entscheidungsmöglichkeiten gleichermaßen zu respektieren, bzw. ein bewusstes Opfer auch wertzuschätzen und druchaus auch finanziell anzuerkennen.

    Wenn ich ehrlich bin, halte ich mich selbst nicht für sonderlich opferbereit, möchte aber Menschen, die da anders ticken, gerne achten und nicht nach versteckten Defiziten suchen.

    Gruß,

    Malina

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