Ich finde diese Diskussion ziemlich haarig.
Opfer sind nicht immer schmerzhaft, da widerspreche ich vehement. Ein Opfer kann sogar mit Freude gegeben werden. Wenn ich z.B. jemanden liebe und diesem geht es schlecht, und ich habe die Möglichkeit ihn zu unterstützen, dann kann das ein Opfer sein, das ich gern gebe und selbst dankbar bin und mich freue, dass es mir möglich ist von meiner Zeit und von meinen Gaben abzugeben, zu teilen. Und da ziehe ich jetzt mal die Verbindung zur Mutter, die ihr Kind angeblich emotional erpreßt, wenn sie Opfer für das Kind bringt. Das kann es geben, ist aber nicht in jedem Fall so und kann pauschal auf keinen Fall gesagt werden. Ich kenne Mütter, die sich z.B. für ihre kranken Kinder aufopfern und hoffen, dass sie etwas dazu beitragen können, dass es ihrem Kind bald wieder besser geht, aber nicht von der Erwartung getragen werden, dass das Kind es ihnen in Form von Dankbarkeit etc wieder zurückgibt.
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02.08.2012, 21:53Inaktiver User
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
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02.08.2012, 22:37
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Für das Kind mag das Ergebnis das gleiche sein.
Ich würde das, was die Mutter tut trotzdem nicht Opfer nennen.
Mir liegt viel an freier Selbstbestimmung.
Selbstbestimmt setze ich die Prioritäten in meinem Leben.
Selbstbestimmt bestimme ich, welche Werte für mich wichtig sind, welchen Anspruch ich an mich selbst habe.
Im Falle der Mutter:
Wenn ich einen Menschen (das Kind) pflege, für den ich freiwillig Verantwortung übernommen habe, werde ich meinem, von mir selbst gesetzten Anspruch an mich gerecht. Ich opfere mich also nicht, sondern lebe in Stimmigkeit mit meinen Werten.
Ich bin mir sicher, dass das Kind den Unterschied spürt.
Wenn mir jemand etwas Gutes tun will, spüre ich den Unterschied auf alle Fälle.
Von Aufopferern mag ich nichts annehmen ...
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02.08.2012, 22:40
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
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02.08.2012, 23:22Inaktiver User
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Das würde ich auch keinesfalls Opfer nennen. Mag sein, daß der eine oder andere das als Opfer für sich sieht, fände ich aber recht merkwürdig Das eigene Kind zu versorgen, so wie es das auch benötigt, ein Opfer zu nennen, das paßt doch überhaupt nicht. Das ist einfach das normale Tun, und manchmal brauchen die Kinder eben mehr Kümmern.
Genauso wenn man sich um jemanden kümmert, weil es ihm schlecht geht, wenn man denjenigen dazu sogar noch liebt, warum sollte das ein Opfer sein? Das ist doch eigentlich selbstverständlich.
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03.08.2012, 07:07
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Ein Opfer ist es in meinen Augen dann, wenn man dafür auf etwas verzichtet, was einem auch wichtig ist, z.B. berufliche Perspektiven oder Geld, weil man z.B. seine Stundenzahl reduziert. Dann tut man es immer noch gerne für den anderen, aber man spürt durchaus auch den Einschnitt im Leben.
Gruß,
Malina
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03.08.2012, 07:33
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Wenn etwas Teil meines Lebensplans ist, ist es kein Opfer.
Opfern hat was gezwungenes.
Wer freut sich schon, wenn sich jemand zwingen muss, etwas für einen zu tun.
Wenn ich was tue, will ich das, und dann stehe ich auch dahinter.
Weil ich es will.
Zum Beispiel muss ich jeden Tag gezwungenermassen auf die Arbeit.
Ich opfere mich für mich selbst?
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03.08.2012, 08:12Inaktiver User
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Sehe ich auch als ziemliches Problem. Es macht ja einen ganz dollen Unterschied, ob beispielsweise eine Mutter ihrem Kind zuliebe (wegen besonderer Bedürfnisse oder warum auch imme) auf ihre Karriere 'verzichtet', oder ob sie sagt, sie hätte die Karriere 'geopfert'.
Da hat doch neulich eine Spitzenpolitikerin (in USA glaube ich) auf ihre Karriere verzichtet, ihren Kindern zuliebe, aber sie sprach nicht von Opfer, weil sie voll hinter ihrer Entscheidung stand. Und es war ein großer Verzicht, weil sie eine Stufe erklommen hatte, die sie immer wollte, aber kaum je zu erreichen hoffte (oder so ähnlich).
Das wird es schon geben, daß einer oder eine meint, er bringe da ein Opfer, vielleicht sogar ein "großes Opfer", aber der sollte vielleicht doch besser eine Nanny einstellen.
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03.08.2012, 09:08
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Wer in der Schule den "Schimmelreiter" von Theodor Storm gelesen hat, bekommt vielleicht einen Begriff davon, was mit "Opfer" gemeint sein kann:
Der Held der Geschichte Hauke Haien baut Deiche an der Nordsee oder repariert sie im Auftrag seines Deichgrafen. Die Bauarbeiter (Bauern aus der Gegend) wollen einen lebenden Hund im neuen Deich vergraben, da der "blanke Hans", die winterlichen Sturmfluten, ein Opfer verlangen. Hauke Hein verhindert das, weil er es für Aberglaube hält.
Bei einer Orkanflut drohen die alten Deiche zu brechen und es soll der neue Vordamm zur Kooggewinnung eingerissen werden, damit die Naturgewalten einen Überflutunngsfläche haben und an Kraft verlieren. Hauke Hein stürzt sich mit seinem Schimmel in den Bruch des neuen Deiches, nachdem er gesehen hat, dass seine Frau und seine Tochter im alten überfluteten Koog ertrinken.
„Herr, Gott, nimm mich, verschon' die anderen!“
Ergänzung für alle, die nie an der See waren:
Ein Koog (Plural: Köge) (auch Polder oder Groden) ist meist ein an der Nordseeküste Deutschlands, Dänemarks, der Niederlande und Belgiens durch Deichbau und Entwässerung aus der See gewonnenes flaches Marschland. Diese Form der Landgewinnung gibt es auch an Flussläufen. Generell kann ein Deich das Land vor Überflutungen schützen, da es oftmals niedriger als der Wasserspiegel des Gewässers liegt, aus dem das Land gewonnen wurde.Geändert von Opelius (03.08.2012 um 09:19 Uhr) Grund: Ergänzung
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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03.08.2012, 10:31Inaktiver User
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Geändert von Inaktiver User (03.08.2012 um 17:06 Uhr) Grund: Rechtschreibung
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03.08.2012, 10:48
AW: Was ist das eigentlich- ? Ein Opfer
Genau so sehe ich das auch.
Und nochmal der Duden:
"2. durch persönlichen Verzicht mögliche Hingabe von etwas zugunsten eines andern"
Es kann durchaus Teil meines Lebensplans sein, ein Opfer für z.B. meine Kinder oder meine Eltern zu bringen (Stichwort Pflege der alten Eltern oder ein sich Kümmern um ein behindertes Kind, z.B.)
Ich wähle diesen Ein_schnitt (sic!) in mein Leben, verzichte also auf einen evtl. leichteren Lebenswegs bewusst zugunsten dieses einen, Schwierigeren. (was aber nicht bedeuten muss, dass ich ab dem Zeitpunkt mit verkniffener Miene durchs Leben gehe. Opfer können (und sollten eigentlich) gerne und mit Freude gegeben werden)
Und damit währen wir wieder bei der Duden-Definition.
Ja, das stimmt. Dieser Eindruck entsteht oft, weil Menschen eben, wenn sie von sich sagen, dass sie Opfer bringen, sich oft auch schwierigen Situationen stellen. Schwierige (Lebens)-Situationen können oft mit Kampf und mit sehr viel Selbstdisziplin verbunden sein, was den Eindruck von "Zwang" entstehen lässt.Opfern hat was gezwungenes.
Ein andere Quelle des Eindrucks von Zwang ist auch die Tatsache, dass man vllt. während des "Opfergebens" spürt, dass man sich vielleicht überschätzt hat, dass das alles doch sehr schwierig ist und das ist oft der Moment, wo das Ganze ins "Bittere" kippen kann, wo die Menschen, die das Opfer geben dann doch etwas von den anderen erwarten (Dank, Respekt, Unterstützung). Was aber - aus humaner Sicht - sehr verständlich ist. Manchmal ist die Bürde einfach zu groß und die Menschen brechen unter der Last zusammen, was sich durch verschiedene Arten ausdrücken kann.
Eben. Da würde ich mich auch nicht freuen und nicht wollen. Aber im Leben lässt sich das oft nicht so sauber voneinander trennen. Da können Phasen der völligen Akzeptanz und der Freude mit Durststrecken, wo der Zweifel groß wird und die Kraft ganz wenig ist, abwechseln. Menschen, die z. B. Angehörige pflegen, können ein Lied davon singen.Wer freut sich schon, wenn sich jemand zwingen muss, etwas für einen zu tun.
Ja, klar. Aber das geht auch so: "Ich will dieses Opfer bringen und ich stehe dahinter, auch wenn ich weiß, dass Momente auf mich zukommen werden, die alles andere als einfach sind."Wenn ich was tue, will ich das, und dann stehe ich auch dahinter.
Weil ich es will.
So in etwa.
Übrigens sollte derjenige, der das Opfer annimmt, ja vllt. das auch "einfach" annehmen lernen. Manche können das ja nicht so einfach (ich gehöre da auch dazu). Man meint immer, dass man etwas "schuldig" ist und etwas zurückzugeben hat. Aber das ist - bei einem wahren Opfer - eben nicht der Fall. Vielleicht kann man ja lernen, das Opfer anzunehmen (wenn ich jetzt z.B. die zu pflegende Person wäre) und in mir selbst Dankbarkeit entstehen lassen, dafür, dass sich jemand für mich opfert. (Das fängt schon mit dem GeschenkeAnnehmen an. Da tun sich viele auch schwer. Einfach ein Geschenk annehmen, ohne schlechtes Gewissen, aber mit aufrichtiger Dankbarkeit. Wenn man das kann, kann man schon sehr viel...)
Wie gesagt ist (oder sollte) "Opfer geben" mit Freiwilligkeit verbunden sein. Deshalb kann die erzwungene Arbeit kein Opfer sein. Sie ist vielmehr so etwas wie einen Tribut, den Du leistest, aber Du machst den ja nicht umsonst. Du bekommst ja dafür etwas (Geld, Ansehen) zurück.Zum Beispiel muss ich jeden Tag gezwungenermassen auf die Arbeit.
Ich opfere mich für mich selbst?
Für sich selbst opfern geht lt. Duden-Definition auch nicht, weil Opfer immer für einen anderen (oder etwas anderes) geleistet wird und nicht für sich selbst (und das, ohne etwas dafür zurückzubekommen oder zu erwarten), obwohl man im Sprachgebrauch auch sagt: "Ich opfere meine Lebenszeit für meine Arbeit."
Dass Du aber bei der Arbeit auf jeden Fall etwas von Dir gibst, und das gezwungenermaßen (hoffentlich manchmal auch mit Freude), nämlich Deine Lebenszeit und Deine Energie, steht außer Frage.


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