Sicher nicht. Das erwartet von einem Kind auch niemand.
Ein Kind kann in die Gebräuche und Riten eingeführt werden und schrittweise selbst Verantwortung übernehmen. Das beinhaltet so wichtige Fragen und Angelegenheiten, wie das Recht, am Weihnachtsbaum die Kerzen anzuzünden, oder schon als Kind vor der ersten Kommunion heimlicher- und illegalerweise von der Mama eine Hälfte der Hostie zu erhalten.
Man wächst halt damit auf, das Nachdenken und Analysieren tut man dann als Erwachsener.
De Souzenelle ist eine Annick und somit eine "sie", und sie nennt die Gewalt-Interpretation einfach als das Übliche hierzulande, womit sie selbst nicht einverstanden ist, wie im Lauf des Zitats hoffentlich auch klar geworden sein dürfte. Nur eine Auslegeordnung des Ist-Zustandes zu machen, heisst noch lange nicht, damit einverstanden zu sein.solltest Du ihn auch nicht zu diesem Zweck bemühen. Oder das 'rüberbringen, daß Du seine Meinung falsch findest.
ich sehe es nach wie vor so, wie ich es geschrieben hatte und du zitiertest:
was daran ist unklar?dass es aber darum gehe, sich die verschiedenen "inneren Länder" zu eigen zu machen, indem man sie in Liebe kennen lernt und sich bewusst macht.
grüsse, barbara
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09.07.2012, 11:49
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
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09.07.2012, 12:12Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Au Backe. Das tut wirklich weh.
Was meinst du, wieviel abstrahierendes Denken allein der Spracherwerb einfordert? Die "Exceltabellentheorie" ist längst widerlegt, nach der Kinder einfach nur Wörter auswendig lernen. Sie lernen immer gleichzeitig Regeln. Und aus Gehörtem Regeln zu machen, das ist nichts anderes als "abstrahieren". Zum Beispiel hast du intuitiv eine Vorstellung davon, wie das Wort "wizutieren" konjugiert wird - obwohl es dieses Wort gar nicht gibt.
Dasselbe mit den Zahlen: Zahlen an sich sind Abstraktionen, denn keine Zahl kann man anfassen. "zwei" ist das, was zwei Bonbons und zwei Pferden, also zwei ganz unterschiedlichen Dingen, gemeinsam ist. Das erkennen schon sehr kleine Kinder.
Und mit dem selbstständigen Denken kann man auch nicht früh genug anfangen. Dafür gibt es den Stuhlkreis im Kindergarten. Und schon lange vor dem Kindergarten erstaunen einen Kinder mit den Gedanken, die sie sich machen.
Man kann natürlich versuchen, Kindern das selbstständige Denken abzuerziehen. Das ist dann Indoktrination.
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09.07.2012, 12:33Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Das natürliche Streben eines Kindes nach Selbstständigkeit sowie einer Verbindung zu seiner eigenen Mutter mit irgendwelchem Gedankengut zu verknüpfen (für das Kind ist das ja unersichtlich, solche Rafinessen erkennen sie erst viel später, manche überhaupt niemals)... für mich reicht das schon etwas an versuchte Gehirnwäsche heran. So nennt man das natürlich nicht, es heißt wohl eher, eine Sache unbewußt mit etwas Positivem verknüpfen lassen, Pawlowscher Reflex und so weiter.Ein Kind kann in die Gebräuche und Riten eingeführt werden und schrittweise selbst Verantwortung übernehmen. Das beinhaltet so wichtige Fragen und Angelegenheiten, wie das Recht, am Weihnachtsbaum die Kerzen anzuzünden, oder schon als Kind vor der ersten Kommunion heimlicher- und illegalerweise von der Mama eine Hälfte der Hostie zu erhalten.
Nicht, daß ein solches Vorgehen so neu wäre, aber nicht minder befremdlich bei etwas so Wichtigem, wie einem religiösen Glauben. Ein Glaube, der sowas nötig hat, wie schlecht muß er einer direkten Beurteilung standhalten können, diese Frage stellt sich doch sofort.
Es wirkt insbesondere befremdlich, wenn gleichzeitig konstatiert wird, daß vom Kind nicht darüber nachgedacht werden kann, es zu keinem eigenen Urteil fähig ist, das Nachdenken darüber erst später möglich ist, - aber gleichzeitig versucht wird, in eine bestimmte Richtung eine unbewußt aufgenommen Haltung, man könnte auch sagen, Gesinnung, zu 'zementieren'. Hört sich irgendwie politisch an, erinnert mich aber halt auch an gewisse Dinge.
Nichts mehr.was daran ist unklar?
Geändert von Inaktiver User (09.07.2012 um 12:45 Uhr)
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09.07.2012, 12:53
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Mutterspracherwerb beinhaltet durchaus das Lernen von Regeln, aber diese Regeln werden implizit gelernt, nicht explizit.
Es sitzt auch kaum eine Mutter mit der Grammatik an der Wiege und lässt Konjugationstabellen aufsagen, so wie das im nach-muttersprachlichen Fremdsprachenunterricht durchaus üblich ist. Es werden ganze Sätze in einem lebensnahen Kontext vor- und nachgesprochen.
Dass ich es korrekt konjugieren kann, bedeutet noch längst nicht, dass ich die Regel benennen und aussprechen kann, die mir die richtige Konjugation vorschreibt. zum abstrakten Denken gehört allerdings wesentlich die Bewusstheit des Denkens, sodass der Mensch die logischen Zusammenhänge sehen und benennen und darstellen kann. Kinder können das in der Regel nicht. und die allermeisen Muttersprachler können zwar schnell und sicher falsche von korrekten Formen unterscheiden, bei der Frage nach "was ist die Regel?" müssen die meisten passen.Und aus Gehörtem Regeln zu machen, das ist nichts anderes als "abstrahieren". Zum Beispiel hast du intuitiv eine Vorstellung davon, wie das Wort "wizutieren" konjugiert wird - obwohl es dieses Wort gar nicht gibt.
gezählt werden am Anfang konkrete Dinge - meist Finger - doch das strenge, abstrakte, logische Durchdenken, "was ist eigentlich eine Zahl?" ist eine Frage, die sich die wenigsten Menschen stellen und noch weniger haben eine Antwort darauf.Dasselbe mit den Zahlen: Zahlen an sich sind Abstraktionen, denn keine Zahl kann man anfassen. "zwei" ist das, was zwei Bonbons und zwei Pferden, also zwei ganz unterschiedlichen Dingen, gemeinsam ist. Das erkennen schon sehr kleine Kinder.
die "Zweiheit" der Finger oder die "Fünfheit" der anwesenden Personen ist wiederum implizites und nicht explizites Wissen. Es scheint so, dass Menschen problemlos zählen und rechnen können, ohne die theoretischen Hintergründe im Detail durchdacht zu haben.
Sicher. Bloss bewegen sich die Gedanken von kleinen Kindern nicht in der Sphäre abstrakter Entitäten wie die Ontologie des Konjunktivs, sondern sie beziehen sich immer auf lebensnahe, konkrete Fragen. Da sie noch nicht so sehr im kollektiven Wertesystem eingebunden sind wie Erwachsene, gelingen ihnen natürlich immer wieder überraschende Fragen. Aber es sind konkrete Fragen, nicht abstrakte Fragen.Und mit dem selbstständigen Denken kann man auch nicht früh genug anfangen. Dafür gibt es den Stuhlkreis im Kindergarten. Und schon lange vor dem Kindergarten erstaunen einen Kinder mit den Gedanken, die sie sich machen.
sicher, doch hier müsste der Vorwurf mehr an die Schulen gehen, nicht an die Religionen. zumindest die Landeskirchen sind heute sehr stark sensibilisiert und legen grossen Wert darauf, ihre Inhalte nicht als absolute Wahrheiten zu vermitteln, sondern als Angebot und Möglichkeit.Man kann natürlich versuchen, Kindern das selbstständige Denken abzuerziehen. Das ist dann Indoktrination.
Gerade in der Mathematik finde ich es schrecklich zu hören, dass es nicht selten vorkommt, dass Schüler vorgegebene Lösungswege benutzen MÜSSEN und eigene Lösungswege als falsch bewertet werden und weniger Punkte geben.
grüsse, barbara
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09.07.2012, 13:03
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Erziehung besteht wesentlich darin, das eigene Gedankengut weiter zu geben. Wir haben nun mal kulturelle Formen, ethische Werte und so weiter, und es ist gut und richtig, diese zu lehren. Es ist gar nicht anders möglich.
Religiöse Werte halte ich nicht für kritischer als irgendwelche anderen weltanschaulichen Ideen. Besonders, da die grossen religiösen Gemeinschaften die Vermittlung ihres Gedankenguts intensiv reflektieren und sich sehr genau überlegen, was aus welchen Gründen wie vermittelt werden kann, darf, soll.
Kinder lernen erst mal durch Nachahmen. Das ist halt eben so. Wir müssen die menschliche Natur so nehmen, wie sie ist, und das Beste daraus machen. Dazu gehört eben, dass es die Eltern bzw die Gemeinschaft der Erwachsenen ist, die entscheidet, was gut und was böse ist, und welche Inhalte Kinder unbedingt lernen müssen. Wir werden eben nicht als Erwachsene geboren.Nicht, daß ein solches Vorgehen so neu wäre, aber nicht minder befremdlich bei etwas so Wichtigem, wie einem religiösen Glauben. Ein Glaube, der sowas nötig hat, wie schlecht muß er einer direkten Beurteilung standhalten können, diese Frage stellt sich doch sofort.
So geht Erziehung. So geht sie im "guten Tag"-Sagen und Hand-Geben, bei den Verpflichtungen des Kindes wie Schule, bei der Beurteilung von dem, was richtig und was falsch ist, bei dem was harmlos und gefährlich ist...Es wirkt insbesondere befremdlich, wenn gleichzeitig konstatiert wird, daß vom Kind nicht darüber nachgedacht werden kann, es zu keinem eigenen Urteil fähig ist, das Nachdenken darüber erst später möglich ist, - aber gleichzeitig versucht wird, in eine bestimmte Richtung eine unbewußt aufgenommen Haltung, man könnte auch sagen, Gesinnung, zu 'zementieren'. Hört sich irgendwie politisch an, erinnert mich aber halt auch an gewisse Dinge.
Immerhin ist es ja auch genauso natürlich, dass junge Erwachsene - also so rund um die zwanzig, wenn die Pubertät plusminus abgeschlossen ist - eine Phase erleben, wo sie Freude am Intellekt haben und die Freude daran, sich eigene Gedanken zu machen. Wozu in der Regel auch eine kritische Auseinandersetzung mit den von den Eltern vermittelten Ideen und Werten gehört. Wozu natürlich Voraussetzung ist, dass die Eltern Werte haben und diese Werte auch vorleben... woran sich ein junger Erwachsener dann auch reiben kann.
grüsse, barbara
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09.07.2012, 13:05
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Um mal wieder auf den ursprünglichen Thread zurückzukommen:
ich war am Wochenende in N. in der Dürerausstellung. Dürer war ein Maler, der auch durch die Religiosität des Mittelalters geprägt war. Seine Bilder kann nur verstehen, wer zumindest eine Ahnung vom Christentum hat. Das Gleiche gilt für viele sakrale Bauten in Europa, die sich mir nur aus einem christlichen Kontext heraus erschließen.
Es sei denn, man legt nur Wert auf die Kunst als solche.
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09.07.2012, 13:15Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Auf den Standpunkt kann man sich stellen. Gegen ein offen transportiertes Gedankengut, das dem Empfänger eine bewußte Wahl läßt, habe auch ich nichts einzuwenden.Erziehung besteht wesentlich darin, das eigene Gedankengut weiter zu geben.
Lehren und über das Unbewußte versuchen einzubringen sind aber ein Unterschied.Wir haben nun mal kulturelle Formen, ethische Werte und so weiter, und es ist gut und richtig, diese zu lehren.
Das gehört jetzt eindeutig in den philosophischen Bereich, in ein eigenes Thema, ob der Mensch wirklich frei sein kann, eine 'Erziehung zum freien Menschen' möglich ist.Es ist gar nicht anders möglich.
@Hillie
Ich bin der Meinung, daß gerade die momentane Diskussion das Strangthema mehr als berührt.
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09.07.2012, 13:32
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09.07.2012, 13:37
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
Sommer 2021 - mehr als nur nasse Füße... reinklicken und mithelfen!
Moderatorin für:
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09.07.2012, 13:48
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Wobei ich schon noch mal einen Unterschied machen würde, zwischen weltanschaulich neutraler religiöser Wissensvermittlung, wie sie auch von einem guten Ethik- oder konfessionsübergreifenden Religionsunterricht geleistet werden kann und einer Weitergabe von Glaubensinhalten.
Ich glaube schon, dass man in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft beides trennen muss, um zu verhindern, dass Kinder, die ohne Religion aufwachsen auch gleichzeitig ohne jedes Wissen über die Inhalte vor allem des Christentums aufwachsen, das unsere Kultur so nachhaltig geprägt hat. Da entsteht im Moment durchaus ein bedenkliches Vakuum.
Und ich glaube auch, dass man Glaubensaspekt von Wissensaspekten trennen kann, bzw. auch als Vermittelnder sich da zurücknehmen kann. Ich hab vor einiger Zeit mal das "Frag doch mal die Maus"-Buch zum Thema Weltreligionen gelesen. Das ist wirklich gut und neutral geschrieben. Keine Religion wird herabgesetzt, keine angepriesen, sondern einfach erklärt, was die einzelnen Anhänger glauben und warum. Das ersetzt natürlich keine Glaubensweitergabe, die von gläubigen Eltern darüber hinaus eben noch geleistet werden muss, indem man erklärt, warum man selbst nun diese eine bestimmte Religion bevorzugt. Aber es schafft eine Wissensbasis.
Gruß,
Malina



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