und die Antwort lautet wie?
Die Praxis der Wissenschaft hat bisher gezeigt, dass jede beantwortete Frage drei neue Fragen aufwirft, und ausserdem geht Wissenschaft explizit davon aus, dass es kein vollständiges, absolutes Wissen je geben wird. Wie die Religion auch.
Ich versteh nach wie vor nicht, warum bei der Wissenschaft gelobt wird, was der Religion vorgeworfen wird. Es handelt sich schliesslich um exakt dasselbe.
grüsse, barbara
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10.07.2012, 10:31
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
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10.07.2012, 10:33Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Wo lebst du denn?
Diese Menschen gibt es zuhauf.
Mein Ex z.B. dachte als erklärter aber toleranter Heide, es wäre gar nicht so schlecht, seine Mädchen von mir katholisch zu infizieren zu lassen. Da kam der Vater durch, das Konservative in ihm.
Ehrlich gesagt, ich denke, insgeheim sehen die meisten Menschen die Kirchen als notwendig an.
Im Moment lese ich das Buch "Das katholische Abenteuer" von Matthias Matussek", hochgradig interessant und spannend.
Da erwähnt er wie der von mir übrigens sehr geschätzte Journalist H.-U. Jörges während einer Talkshow die KK als einen Haufen von Päderasten bezeichnete und als die Lichter ausgingen sich bei Matussek mit den Worten entschuldigte: ich bin ja auch für die Kirche, wer sonst vermittelt denn noch Werte.
Die Kirche nimmt unangenehme Dinge ab wie klare Stellungnahmen, gilt als Sündenbock für verkorkstes Leben, wird als Asyl aufgesucht und gibt Obdacht für die Verfolgten,
und ist letztlich der Quell für Aufstände (Demos im Osten).
Also, ich würde schlichtweg behaupten, so gut wie kein Mensch würde wirklich die Kirche abschaffen wollen....
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10.07.2012, 10:33Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Unterwanderung ist doch ein getarntes Eindringen. Wenn ich selbst nicht gläubig bin, aber meine, andere sollten es sein, und ich schließe mich dann der Kirchengemeinde an und bekehre andere gegen meine Überzeugung, aber in meinem Sinn (die glauben, ich nicht) - dann habe ich eine perfekte Unterwanderung.
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10.07.2012, 10:34
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10.07.2012, 10:39
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Wir basteln uns alle unser Weltbild zurecht, somit jene, die glauben, auch ihre Religion. Es hängt von den persönlichen Erfahrungen, kulturellen Einflüssen und der eigenen Persönlichkeit ab, wie so ein Glaube oder auch "nur" Weltbild aussieht. Das ist sehr individuell.
Du z.B. empfindest Gemeinschaft als ein tragendes Element von Religion, ich nicht. Ich empfinde eine Grundeinstellung zu Menschen und Leben, zur Welt als das tragende Element.Ein Verstand, der einmal
durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
kehrt niemals
zu seiner ursprünglichen Form zurück.
[Oliver Wendell Holmes]
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10.07.2012, 10:47
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Aus meinem Erleben (das ist natürlich begrenzt) habe ich bisher nur die Gefahr der Unterwanderung durch Evangelikale wahrgenommen. Wir hatten letztes Jahr Kirchenvorstandswahlen. Normalerweise nehmen nur 3 - 6 % der wahlberechtigten Gemeindeglieder (einschließlich der 14jährigen Konfirmierten) daran teil. In unserem Kirchenkreis erreichten wir aber nahezu 15% - mit dem Ergebnis, dass jetzt relative viele stramme Evangelikale in den Kirchenvorständen (Presbyterien) sitzen.
Da die Kirchenvorstände alle Aktivitäten entscheiden und auch den Haushalt beschließen, werden jetzt Entscheidungen getroffen, wie geht es mit der kirchlichen Sozialarbeit weiter. Diese Menschen möchten alle Aktivitäten auf Gläubige begrenzen - und sie entscheiden, wer als Gläubig einzuordnen ist.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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10.07.2012, 10:55Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Du hast völlig Recht. Deshalb schrieb ich auch 'eine Art Unterwanderung'. Ich habe jetzt zu meinem Text (Beitrag 106) noch was angefügt, das klärt mögliche Mißverständnisse vielleicht. Diesen:
P.S.: Damit kein Mißverständnis aufkommt: In dem Artikel im Spiegel 28/12 wurde von kirchlicher Seite beklagt, man habe: (Zitat) "einen weitverbreiteten 'verborgene Atheismus' innerhalb der Kirche, der viel schwerer in den Griff zu bekommen sei als der öffentlich vorgetragene Atheismus" (Zitat Ende)
Von mir wurde das oben als "eine Art Unterwanderung durch Atheisten" bezeichnet, weil das für mich das Empfinden der Kirche zu diesem Problem ist.
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10.07.2012, 10:56Inaktiver User
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Gemeinschaft klingt zunächst sinnstiftend. Aber vor allem bedeutet es, diejenigen auszuschließen, die nicht dazugehören. Ich kann auch so frei sein, jedem zuzugestehen, sich seine Weltanschauung zusammenzubasteln, und Regeln nur zum Zweck des unfallfreien Zusammenlebens aufzustellen.
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10.07.2012, 10:59
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Ich kann mir das schon gut vorstellen. Man ist halt Mitglied, drückt seinen monatlichen Obulus ab und geht Ostern und Weihnachten hin, weil es so schön ist und dazugehört. Die christlichen Werte sind zum Teil unbekannt, uninteressant und werden schlichtweg nicht mehr gelebt. Gegen diese Form der Ignoranz ist nur schwer anzukommen.
Ein Verstand, der einmal
durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
kehrt niemals
zu seiner ursprünglichen Form zurück.
[Oliver Wendell Holmes]
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10.07.2012, 11:01
AW: Beitritt in eine Glaubensgemeinschaft im Kindesalter und Selbstbestimmung
Mir ist schon klar, dass es grundsätzlich auch ohne Gemeinschaft geht, hab das ja selbst jahrzehntelang so praktiziert, ohne dass mir was fehlte, auch wenn ich immer im Hinterkopf hatte, dass ich mit dem Thema noch nicht durch bin. Aber die Gemeinschaft, der ich nominell immer noch angehörte, war doch als Korrektiv im Hintergrund vorhanden, d.h. die wesentlichen Überzeugungen sind mir von dort vermittelt worden. Ich hab mich durchaus auch in dem einen oder anderen Randbereich umgesehen, manches vorübergehend auch ganz interessant gefunden, aber doch auch irgendwann gemerkt, dass zumindest für mich nicht alles mit allem vereinbar ist, dass ich mehr Profilschärfe brauche, mehr Klarheit. Parallel wurde der Wunsch nach mehr Austausch mit Gleichgesinnten, mehr Gemeinschaft wach, und da hilft es halt sehr, wenn man sich nicht allzu weit von dem Grundkonsens seiner Religion entfernt hat. Und die zunehmende vertiefte Beschäftigung mit ihren Inhalten hat mir durchaus auch ihren großen inneren Reichtum gezeigt, der oft zu kurz kommt, wenn nur über die üblichen drei oder vier Themen diskutiert wird.
Jede Form von Gemeinschaft beinhaltet immer auch Kompromiss. Das gilt für den Sportverein oder das Orchester genauso wie für eine Religionsgemeinschaft. Nur scheint mir, dass die Menschen zunehmend weniger zu solchen Kompromissen bereit sind, stark auf ihre individuellen Bedürfnisse pochen. Davon schließe ich mich gar nicht aus. Aber dabei besteht halt auch die Gefahr der Vereinzelung bzw. des Rückzugs in den Mikrokosomos.
Gruß,
Malina




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