Ich fange mal mit einem Zitat an aus einem anderen Strang ( hier )
Was ist eine Religion? Ist der "Umgang mit Andersdenkenden" beispielsweise ein Kriterium hierfür?Atheismus scheint sich auch zu einer Religion zu entwickeln. Zwischen einigen Atheisten und christlichen Fundis sind immer weniger Unterschiede auszumachen im Umgang mit Andersdenkenden.
Das Wort Religion kommt von religio, lateinisch, wörtlich: die Rückbindung. Gemeint ist die Rückbindung, die 'wieder Verbindung' an oder mit G*tt. (aus Wikipedia). In einer Religion 'findet' man also die Verbindung zu G*tt, man verbindet sich 'wieder' mit ihm. Man geht also außerdem davon aus, daß die Verbindung schon irgendwannmal dagewesen sein muß.
Im Buddhismus beispielsweise gibt es keinen G*tt, also auch niemanden, mit dem man sich als Buddhist 'rückverbinden' könnte. Im eigentlichen Sinn des Wortes wäre es also auch keine Religion, sondern eine Weltanschauung, oder vielleicht noch besser eine Philosophie, eine philosophische Betrachtungsweise.
Der Atheismus hat ebenfalls keinen G*tt, und somit auch keinen zum 'Rückverbinden', für ihn gilt also das Gleiche, es ist keine Religion.
Die Art und Weise des Umgangs mit Andersdenkenden ist m.E. ein untaugliches Kriterium zur Feststellung, ob eine Denkart (oder wie man's nennen mag) eine Religion ist, und wird daher von mir hier nicht betrachtet. Das finde ich eher ein taugliches Kriterium, um beispielsweise Fanatismus einzugrenzen.
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05.07.2012, 12:17Inaktiver User
Was ist eigentlich - ? Religion
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05.07.2012, 16:19Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Quelle: NovoArgumente Online: Glaube: Wie aus dem Atheismus eine Pseudo-Religion wurdeHeute dagegen nehmen sich Atheisten enorm ernst mit ihrer Ablehnung der Religion, und zwar mit einer Leidenschaft, die oft an mittelalterliche Kreuzfahrer erinnert. Die so genannten Neuen Atheisten behaupten, der Einfluss der Religion müsse bekämpft werden, wo immer er seine hässliche Fratze zeigt. Sie verlangen zwar, dass man der Religion mit Argumenten der Vernunft Paroli bieten muss, sind aber in ihren eigenen Behauptungen oft genug beinahe irrational und hysterisch. Natürlich hat es immer schon eine ehrenwerte atheistische Tradition der religionsfeindlichen Respektlosigkeit gegenüber Dogmen gegeben. Aber der gegenwärtige Neue Atheismus bedient sich nicht selten selbst einer indoktrinierenden Sprache. In grob vereinfachender Weise setzt er Religion gleich mit Fanatismus und Fundamentalismus. Dabei fällt auf, dass dies sehr oft in genau demselben dogmatisch-polemischen Stil vor sich geht, den man selbst der Religion vorwirft. Das Schwarz-Weiß-Denken theologischer Dogmen reproduziert sich in der übereifrigen Polemik des atheistischen Moralapostels.
Das trifft es denke ich ganz gut, was ich mit meinem frustrierten Absatz ausdrücken wollte. Ich habe den christlich-humanistischen Glaubensansatz meiner Oma geerbt und für mich als doch liberalen Katholiken macht es immer weniger einen Unterschied, ob ich mit christlichen oder atheistischen Fundamentalisten diskutiere.
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05.07.2012, 16:47Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Religion ist für mich eine Möglichkeit, Spiritualität zu leben.
Fanatismus, verbunden mit Arroganz und Ignoranz kann ich nicht ab, egal ob es ein Atheist ist oder ein gläubiger Mensch ist. Viele Atheisten meinen, alle Gläubigen hätten ein ähnlich naives Bild von Gott wie sie selber (ein personifiziertes Bild, wie es ein kleines Kind hat), was aber häufig garnicht stimmt. Das interessiert sie dann aber nicht. Ist mir egal, ich unterhalte mich dann über andere Themen bzw. mit anderen Leuten.
Nach Meinung von Soziologen hat jeder Mensch eine spirituelle "Linie" in sich, die genauso wie die intellektuelle oder moralische Linie beispielsweise einer Entwicklung unterliegt. Wobei wiederum jede Linie einen anderen Entwicklungsstand haben kann. Der eine lebt seine Spiritualität eingebettet in eine Religion, ein anderer lebt das anders. Es gibt durchaus Wissenschaftler (Koryphäen auf ihrem Fachgebiet), die spirituell-religiös auf der Ebene eines Kindes geblieben sind. In der Regel erfährt man das nicht.
Um friedlich zu leben macht es wenig Sinn, die eigene Religion/den Atheismus zum Non-plus-Ultra zu erheben. Dialog ist das Gebot der Stunde. Gemeinsamkeiten leben und ausbauen, sich mit Unterschieden respektvoll aueinandersetzen.
Letztendlich zählt das "Tun" bei einem Menschen. "Das Sein ist dort, wo das Handeln ist". Hat Ken Wilber mal so formuliert.
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (05.07.2012 um 16:58 Uhr)
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05.07.2012, 17:28
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
aus Was ist Religion? DefinitionUnter dem Begriff Religion versteht man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die den Glauben an eine Welt der Gottheiten oder der Spiritualität beinhalten. Sie beeinflussen das menschliche Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen und auch die Wertvorstellungen.
Es sind die Religionswissenschaft, aber auch die Religionsgeschichte, Religionssoziologie, Religionsethnologie, Religionsphänomenologie, Religionspsychologie, Religionsphilosophie und z.T. auch die unterschiedlichen Theologien, die sich mit der Religion und der Religiosität beschäftigen. Alle diese Wissenschaften haben unterschiedliche Ansätze, mit denen sie eine Definition versuchen. Mittlerweile dürfte es über hundert Definitionsversuche geben; keine hat sich allgemein durchgesetzt. So gibt es etwa den substanzialistischen oder den funktionalistischen Religionsbegriff.
Hilft das weiter? Eher nicht, oder?
Demnach ist keineswegs ein Gottesbegriff für eine Religion erforderlich. Nur wir kennen das aus unserer geschichte des Abendlandes.
Es gibt tatsächlich, das empfinde genauso wie nur_so, Atheismus mit der religiösen Auswüchsen. In gewissen Teilen trifft das auch auf fanatische Veganer zu.
Auf Tom Cruise Scientologie sowie.
Allerdings ist der Begriff "Religion" inzwischen auch auf ganz andere Lebenseinstellung anwendbar.
Oder Du siehst es ganz pragmatisch, wenn auf der Steuerkarte eine Religion eingetragen ist.Geändert von Opelius (05.07.2012 um 17:51 Uhr)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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06.07.2012, 14:08Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
@nur_so:
Heute dagegen nehmen sich Atheisten enorm ernst mit ihrer Ablehnung der Religion, und zwar mit einer Leidenschaft, die oft an mittelalterliche Kreuzfahrer erinnert.hierWobei Kreuzfahrer unterjochen und bekehren wollten, Atheisten aufdecken und klarstellen wollen. Ich finde den verlinkten Artikel in seinem Vergleich deshalb gar nicht so passend.Das trifft es denke ich ganz gut, was ich mit meinem frustrierten Absatz ausdrücken wollte.
Und wo Atheisten dogmatisch erscheinen, ist es eine Antwort auf eine solche Haltung, keine Haltung selbst:Zusammengefaßt entnehme ich dem Artikel jedenfalls, gemeinsam mit seiner Überschrift, die Definition, daß Religion sei, dogmatisch und fanatisch zu sein. Wer dogmatisch und fanatisch ist, ist demnach religiös, eine Rückbindung ist nicht nötig. Dann wäre der Name Religion aber m.E. völlig falsch, und man sollte es in Geisteshaltung umbenennen, oder genauer sogar 'fanatische Geisteshaltung' oder etwas Ähnliches.Das Schwarz-Weiß-Denken theologischer Dogmen reproduziert sich in der übereifrigen Polemik des atheistischen Moralapostels.hier
Es genügt m.E. völlig die gegenseitige Akzeptanz der Leute, egal ob sie religiös sind oder nicht, solange sich alle gemeinsamen weltlichen Gesetzen beugen. Was sie hinter ihren privaten Türen so treiben, braucht niemanden kümmern, solange sie nicht diese gemeinsamen weltlichen Gesetze brechen. Gegenseitige Akzeptanz ist allerdings durch Dialog manchmal einfacher zu erreichen, da hast Du Recht. Manchmal ist es aber auch genau dadurch schwieriger, ich spreche da die Missionierungsversuche an, denn Missionieren widerspricht wiederum genau dieser Akzeptanz.Um friedlich zu leben macht es wenig Sinn, die eigene Religion/den Atheismus zum Non-plus-Ultra zu erheben. Dialog ist das Gebot der Stunde.Geändert von Inaktiver User (06.07.2012 um 14:14 Uhr) Grund: Quellen eingefügt
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06.07.2012, 14:35Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Mit Leuten, deren Ziel das Missionieren ist (egal ob es sich um religiöse oder atheistische Eiferer handelt), ist ein Dialog in der Regel nicht möglich. Dialog heisst Rede und Gegenrede. Jeder kommt gleichermaßen zu Wort und der andere hört zu. So lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen, über Unterschiede kann man sich austauschen, auch streiten, warum nicht ?
Religionen können durchaus voneinander lernen, genauso wie die christliche Theologie die (Natur)Wissenschaft nicht ablehnt, im Gegenteil (allen anderslautenden Aussagen zum Trotz). Einzelne Personen tun das, keine Frage.
Von rein dualistischem Denken sollten wir uns langsam verabschieden, auch wenn das schwerfällt. Wir sind es gewohnt, "dual" zu denken: der Gläubige - der Atheist, schwarz und weiss, gut und schlecht. Das Leben sieht aber anders aus und die Christen glauben an den "dreieinigen Gott", bereits hier wurde das "duale" Denken verlassen.
Die Quantentheorie in der Physik führt das duale Denken ad absurdum. Es fällt schwer, für diese Nicht-Dualität Worte zu finden (sagte schon ihr Entdecker Heisenberg), da sowohl unser Denken als auch unser Wortschatz dies bisher nicht vorsehen.
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (06.07.2012 um 14:39 Uhr)
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06.07.2012, 15:00Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Was verstehst du unter "dualistischem Denken"?
Die Einteilung in Gut und Böse oder oder die Trennung von Körper und Geist (oder Seele)?
Die Dreifaltigkeit des christlichen Gottes bildet ja doch eine Einheit und ist abzugrenzen vom Bösen. Und die Seele überdauert den Körper über den Tod hinaus. Also zweimal Dualismus.
Sind "wir" es gewohnt, schwarz-weiß zu denken? Alle Lebenserfahrung lehrt das Gegenteil. Wie oft sieht man einen Krimi, in dem zwar ein Verbrechen aufgeklärt wurde, aber eigentlich der Täter das Opfer ist. Oder umgekehrt. Die Welt ist nicht so einfach. Das ist ein solche Allgemeinplatz, dass er schon in der Unterhaltungsindustrie Eingang gefunden hat.
Und das Denken lässt sich nicht vom Körper trennen, auch das ist nur eine Konstruktion. Die Hirnforschung kann doch längst identifizieren, welche Regionen aktiv sind, wenn wir z. B. wütend oder traurig oder glücklich sind. Und Mitleid ist eine Reaktion der Spiegelneuronen. Da ist nichts zweigeteilt. Das ist alles eins.
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06.07.2012, 15:15
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Was ist eigentlich - ? Religion
für mich ist sie eine der zukünftig grössten gefahren, wenn es um den frieden der menschheit geht.
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06.07.2012, 16:07
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06.07.2012, 17:40Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich - ? Religion
Ich verstehe schon, was auchda meint. Dennoch geht es hier in diesem Strang um die Definition des Wortes, die Eingrenzung, wann was eine Religion ist. Für alles andere bitte einen gesonderten Strang aufmachen, diese ständigen Verwässerungen der Themen ist nämlich nicht hilfreich für die jeweilige Sache, das jeweilige Thema.


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